{"id":196,"date":"2008-07-15T09:07:34","date_gmt":"2008-07-15T07:07:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=196"},"modified":"2008-08-24T11:22:43","modified_gmt":"2008-08-24T09:22:43","slug":"menschenmuedigkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2008\/07\/15\/menschenmuedigkeit\/","title":{"rendered":"Menschenm\u00fcdigkeit"},"content":{"rendered":"<p>Manchmal bemerke ich an mir eine gro\u00dfe M\u00fcdigkeit Menschen gegen\u00fcber. Sie bezieht sich nur selten auf konkrete Menschen, sondern taucht auf, wenn ich die \u00fcblichen Aggressivit\u00e4ten und Miesepetrigkeiten mitbekomme: Das Insistieren auf je eigenen Interessen und Befindlichkeiten, die volle Blindheit f\u00fcrs Gegen\u00fcber, das Pfauenradschlagen und Abwerten anderer, die Nicht-Akzeptanz anderer Meinungen und Haltungen, das Eint\u00fcten in Schubladen und Klischees anhand irgend welcher Details, das Herauspicken von \u00c4u\u00dferungen aus dem Zusammenhang und &#8222;zur Schnecke machen&#8220; des Redners, das Jammern und Klagen \u00fcber pers\u00f6nliche Verluste und Umst\u00e4nde, an denen immer andere Schuld sind, der Ruf nach dem Staat bei gleichzeitigem Politiker-Bashing und pers\u00f6nlicher Politik-Abstinenz, die immensen Anspr\u00fcche an den Intimpartner, die zunehmende Unduldsamkeit gegen alles Abweichende, die wachsende Unwilligkeit zu solidarischem Handeln, die \u00dcberheblichkeit, die anderen sagt, was f\u00fcr sie gut ist und wann sie &#8222;im falschen Bewusstsein&#8220; leben, der Scheuklappenblick, der immer nur das m\u00f6glichst Negative bemerkt, das sich zum Sch\u00fcren weiterer Streitigkeiten nutzen l\u00e4sst &#8211; alles in allem scheint der Wille, sich in den Anderen zu versetzen und SEINEN Standpunkt, SEINE M\u00f6glichkeiten als ebenso wahr und real zur Kenntnis zu nehmen wie den eigenen, langsam aber sicher zu verschwinden.<!--more--><\/p>\n<p>Wir haben wohl zu lange Frieden gehabt. Man begegnet sich zunehmend im Modus des Messer-Wetzens, jedenfalls immer dann, wenn es nicht die eigenen N\u00e4chsten sind &#8211; und die werden auch immer weniger. Jenseits des Individuums gibt es bald nichts mehr, jedenfalls keine \u00d6ffentlichkeit und kein gesellschaftliches Miteinander, das sich auf positive Werte bezieht, dem sich alle gleicherma\u00dfen verpflichtet f\u00fchlen. <\/p>\n<p>Ich schreibe das nicht, um eine weitere &#8222;Klage \u00fcber die Welt&#8220; zu verfassen und mich danach ein bisschen entspannter zu f\u00fchlen,   sondern weil mich die M\u00fcdigkeit wundert, denn die ist neu. Fr\u00fcher wurde ich halt auch aggressiv, wenn die Pfeile mich trafen, oder eben deprimiert und traurig. Heute f\u00fchle ich mich allermeist gar nicht betroffen, selbst dann nicht, wenn mich jemand pers\u00f6nlich meint. <\/p>\n<p>Statt dessen kommt blo\u00df noch ein gro\u00dfes G\u00e4hnen auf: ach, wieder das \u00dcbliche&#8230; Dann kommen mir Menschen wie Insekten vor, die vollkommen berechenbar \u00fcbereinander herfallen, wenn sie sich begegnen. Fr\u00fcher sah ich mich in der Position des Angegriffenen, heute bemerke ich die feindselige Tendenz, egal wo sie auftritt, und bin nur noch gelangweilt. Wie wenn man denselben Kriegsfilm zum zehnten Mal sieht.<\/p>\n<p>Dann hilft nur abwenden und Dinge tun, die nichts mit Menschen zu tun haben: programmieren zum Beispiel, oder <a href=\"http:\/\/www.das-wilde-gartenblog.de\">g\u00e4rtnern.<\/a> Und um den Schlenker zum Positiven nicht Diary-untypisch auszulassen: Die Menschenm\u00fcdigkeit ist auch nur eine Stimmung &#8211; und Stimmungen sind instabil, gehen Gott sei Dank vor\u00fcber! <\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Manchmal bemerke ich an mir eine gro\u00dfe M\u00fcdigkeit Menschen gegen\u00fcber. 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