{"id":1904,"date":"2016-01-28T12:38:50","date_gmt":"2016-01-28T11:38:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=1904"},"modified":"2016-01-28T15:32:44","modified_gmt":"2016-01-28T14:32:44","slug":"betrunken-burnout-eines-helfers","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2016\/01\/28\/betrunken-burnout-eines-helfers\/","title":{"rendered":"Betrunken &#8211; Burnout eines Helfers ?"},"content":{"rendered":"<p>Er w\u00e4re &#8222;leicht betrunken&#8220; gewesen, sagte Dirk V., der Fl\u00fcchtlingshelfer von &#8222;Moabit hilft&#8220;, der den Tod eines Syrers aufgrund der miesen Zust\u00e4nde vor dem LaGeSo (Landesamt f\u00fcr Gesundheit und Soziales) Berlin frei erfunden hatte. <!--more--><\/p>\n<p>Ich bin froh, dass niemand gestorben ist, aber auch froh, dass ich mich (grade noch!) zur\u00fcck halten konnte, diese Meldung selbst weiter zu verbreiten. Es gab keinerlei Best\u00e4tigung f\u00fcr diesen Tod, einzig und alleine ein n\u00e4chtliches Chat-Protokoll zwischen Dirk und einer Aktivistin von &#8222;Moabit hilft&#8220;. Dennoch ist praktisch die gesamte Presse auf die Meldung aufgesprungen, immer mit Schlagzeilen, die hoffen lie\u00dfen, sie w\u00fcssten mehr &#8211; aber nix! Politiker forderten den R\u00fccktritt des zust\u00e4ndigen Senators, am &#8222;LaGeSo&#8220; wurden Trauerfahnen aufgeh\u00e4ngt und Kerzen entz\u00fcndet &#8211; und auf Twitter konnte man erleben, wie viele Mitlesende ganz selbstverst\u00e4ndlich von der Wahrheit der Meldung ausgingen. <\/p>\n<p><strong>Warum?<\/strong> Zum einen, weil schlimme News ganz besonders gerne weiter gereicht werden, zum anderen aber auch, weil so ein Tod angesichts der wohl noch immer schlimmen Zust\u00e4nde vor dem LaGeSo erwartbar war &#8211; und immer noch ist. Sogar das Sozialgericht ist neuerdings \u00fcberlastet, weil die Fl\u00fcchtlinge mangels Alternativen <a href=\"http:\/\/www.deutschlandradiokultur.de\/gefluechtete-stellen-eilantraege-chaos-am-berliner-lageso.2165.de.html?dram:article_id=343016\">Eilantr\u00e4ge wegen Unt\u00e4tigkeit<\/a> stellen. Besonders krass: das LaGeSo hatte es auch nicht mehr geschafft, Fl\u00fcchtlingen zustehende Gelder f\u00fcr Nahrungsmittel auszuzahlen (siehe ZEIT: <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/gesellschaft\/zeitgeschehen\/2016-01\/fluechtlinge-hunger-berlin-lageso\">Hunger in Berlin<\/a>).<\/p>\n<h2>Burnout eines Helfers ?<\/h2>\n<p>Dass die Leute von &#8222;Moabit hilft&#8220; ihrer Quelle lange vertraut haben, mag viele wundern. Doch ist Dirk V. eben nicht irgendjemand, der mal kurz beim  Kleider sortieren geholfen hat, sondern ein Vollzeit-Aktivist, der mit vollem Einsatz an seine pers\u00f6nlichen Grenzen gegangen ist. Er wurde in der Presse gefeiert als <a href=\"http:\/\/www.welt.de\/vermischtes\/article149158524\/Der-Mann-der-24-Fluechtlinge-bei-sich-aufnahm.html\">&#8222;Der Mann, der 24 Fl\u00fcchtlinge bei sich aufnahm&#8220;<\/a> (lesen!). Ein eigenes Leben abseits der Fl\u00fcchtlingshilfe hatte er nicht mehr, weshalb er den im Artikel berichteten vern\u00fcnftigen Vorsatz fasste, &#8222;sich mal eine Auszeit zu nehmen&#8220;. Offensichtlich ist ihm das nicht gelungen, was nicht wundert: Wer st\u00e4ndig verl\u00e4sslich Sozialarbeit leistet, wird auch weiter nachgefragt &#8211; und m\u00fcsste dann ja ablehnen, NEIN zu Bed\u00fcrftigen sagen. <\/p>\n<p>In einem (mittlerweile gel\u00f6schten, aber <a href=\"http:\/\/web.de\/magazine\/panorama\/fluechtlingskrise-schwules-paar-24-fluechtlinge-bericht-haut-31045250\">auf WEB.de in Teilen zitierten<\/a>) Facebook-Eintrag hatte er zudem die Reaktionen beschrieben, die sein Engagement hervor rief:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Die wahre Entt\u00e4uschung kommt f\u00fcr uns in Form von gemeinen SMS, \u00fcber Morddrohungen auf der Stra\u00dfe oder \u00fcber die beleidigenden Briefe an der Haust\u00fcr. Oder auch einfach von Schulfreunden, die lieber die AfD zitieren, jammern und sich selbst bedauern.&#8220; <\/p><\/blockquote>\n<p>Sich rausziehen aus der ganzen Sache h\u00e4tte &#8211; aus subjektiver Sicht, ich spekuliere! &#8211; vielleicht wie ein Nachgeben gegen\u00fcber diesen miesen Drohungen ausgelegt werden k\u00f6nnen. Kurzum: ich kann mir halbwegs vorstellen, wie Dirk V. sich vielleicht f\u00fchlte. Und zwar wegen diverser verst\u00f6render Erfahrungen in meiner eigenen Aktivistinnen-Zeit, sowohl mit mir selbst als auch mit Anderen, die ganz pl\u00f6tzlich sch\u00e4dliche, komplett irre Aktionen machten, die ihnen niemand zugetraut h\u00e4tte!<\/p>\n<p>Alkohol spielt in einem solchen Verlauf eine immer gr\u00f6\u00dfere Rolle. Sich betrinken bringt (vermeintlich) die Entspannung, die man sich selbst auf andere Weise nicht mehr verschaffen kann. Schlie\u00dflich ist &#8222;die Sache&#8220; verdammt wichtig, pers\u00f6nliches Schw\u00e4cheln wahrlich nicht angesagt. Man will ja auch nichts anderes mehr als m\u00f6glichst effektiv weiter funktionieren, will k\u00e4mpfen, helfen, vollen Einsatz bringen &#8211; und irgendwann endet es im pers\u00f6nlichen Desaster.<\/p>\n<h2>Liebe Helfende: Ihr M\u00dcSST mehr auf Euch selbst und Eure Mitstreiter\/innen achten!<\/h2>\n<p> Schickt auch mal jemanden nach hause, achtet auf Entlastung f\u00fcr jene, die sich ganz besonders einsetzen, denn oft sind das Menschen, f\u00fcr die &#8222;Selfcare&#8220; ein Fremdwort ist. Geht an Eure Grenzen, aber nicht st\u00e4ndig dar\u00fcber hinaus!<\/p>\n<p>Lernt aus diesem Mega-Flop &#8211; und helft Dirk, wenn er sich wieder raus traut! <\/p>\n<p>***<\/p>\n<p>Update, mittlerweile erschienen: <a href=\"http:\/\/www.stern.de\/panorama\/weltgeschehen\/lageso--helfer-erfand-toten-fluechtling-betrunken-6671000.html\">Alkohol und Zusammenbruch &#8211; darum erfand der Helfer den Tod eines Fl\u00fcchtlings<\/a> <\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Er w\u00e4re &#8222;leicht betrunken&#8220; gewesen, sagte Dirk V., der Fl\u00fcchtlingshelfer von &#8222;Moabit hilft&#8220;, der den Tod eines Syrers aufgrund der miesen Zust\u00e4nde vor dem LaGeSo (Landesamt f\u00fcr Gesundheit und Soziales) Berlin frei erfunden hatte.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[8],"tags":[],"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1904"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1904"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1904\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1904"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1904"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1904"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}