{"id":1899,"date":"2002-07-17T18:28:23","date_gmt":"2002-07-17T16:28:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=1899"},"modified":"2016-01-26T18:28:50","modified_gmt":"2016-01-26T17:28:50","slug":"kurz-dahin-geplaudert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2002\/07\/17\/kurz-dahin-geplaudert\/","title":{"rendered":"Kurz dahin geplaudert&#8230;"},"content":{"rendered":"<p>Einfach mal in die Tasten tippen und schauen, was dabei heraus kommt. Nicht lang \u00fcberlegen, immer im Rhythmus bleiben &#8211; oh, jetzt hab&#8216; ich den verbotenen Gedanken gedacht und schon stockt das Ganze, noch bevor es richtig angefangen hat.  Okay okay, also lieber Zeit lassen, die Leere im Hirn genie\u00dfen, nicht nach Themen und Lesern fragen, nicht nach arbeit, die lautstark nach mir ruft und nicht nach dem n\u00e4chsten Kaffee, f\u00fcr den die Milch nicht mehr reicht, sondern erst beim B\u00e4cker gegen\u00fcber geholt werden muss.  <\/p>\n<p>Es ist halb neun und schreibend komme ich mir vor, als w\u00fcrde ich die Schule schw\u00e4nzen. Ich verbrauche Energie, die f\u00fcr andere Dinge verplant ist, um S\u00e4tze aneinander zu reihen, einfach nur, weil es mich gl\u00fccklich macht. Manchmal schreib ich nur kurz, wie jetzt, manchmal dauert so eine Session aber auch bis zu zwei Stunden; dann ist eine Pause f\u00e4llig, in der ich allenfalls mechanische Dinge tun kann, ganz gewiss nichts Kreatives mehr!<\/p>\n<p>So manches mal verschwindet auch schon recht fr\u00fch am Tag die Bereitschaft, immerzu auf einem Stuhl zu sitzen. Der K\u00f6rper mag einfach nicht mehr &#8211; und das wirkt sich auf alles aus, was ich dann noch tue, denke, schreibe und gestalte, nicht unbedingt zu dessen Vorteil.<br \/>\nLieber mal aufstehen &#8211;  BEVOR es richtig \u00e4tzend wird! &#8211; und eine Yoga-\u00dcbung einschieben. Kaum etwas regeneriert, erfrischt, belebt, beruhigt und  kl\u00e4rt die Gedanken in k\u00fcrzerer Zeit. <\/p>\n<p>\nZum Beispiel  mach&#8216; ich gerne die Vorbeuge: R\u00fccken gerade, aus der H\u00fcfte heraus langsam &#8222;abknicken&#8220;, den Oberk\u00f6rper nach unten h\u00e4ngen lassen, die Haare ber\u00fchren den Boden, ein ulkiges Gef\u00fchl. Durch die Beine hindurch sehe ich die Welt um 180 Grad gedreht, ich schaukle mit dem Kopf, um sicher zu sein, dass er ganz locker nach unten baumelt &#8211; wie angenehm! <\/p>\n<p>Zumindest sieben Atemz\u00fcge sollte man in einer solchen &#8222;Asana&#8220; ausharren, so lange dauert es n\u00e4mlich, bis alle Ebenen meines Wesens die Ver\u00e4nderung bis in ihre Einzelheiten mitbekommen und mitgef\u00fchlt haben. Bei \u00dcbungen wie dieser bleibe ich auch gerne l\u00e4nger in der Stellung, genie\u00dfe sie richtig, ja, ich genie\u00dfe alle \u00dcbungen, die nicht auf aktiver Muskelanspannung (Kraft-aus\u00fcbung) beruhen &#8211; vermutlich einer der Gr\u00fcnde, warum ich &#8222;zus\u00e4tzlich&#8220; ins Fitness-Center gehe. Dort begegnet mir das Thema Kraft n\u00e4mlich als &#8222;Problem  mit einem Ger\u00e4t&#8220; &#8211; und DaS ist schlie\u00dflich eine heute ganz \u00fcbliche und ausgesprochen gewohnte Form, der Welt ins kalte auge zu schauen. <\/p>\n<p>Tja, und wenn ich das mal so aus der Distanz betrachte, stelle ich fest, dass ich auch im Center die Ger\u00e4tschaften tendenziell eher meide, die Zeiten werden k\u00fcrzer, die Wiederholungen weniger, eigentlich macht mir das Ganze schon keinen Spa\u00df mehr. Daf\u00fcr sind Fitness und ausdauer im Cardio-Training (Walken, Rudern, Steppen) gewaltig gewachsen. Im letzten September schaffte ich gerade mal zehn Minuten, heute laufe, rudere und steppe ich locker eine dreiviertel Stunde, f\u00fchl&#8216; mich dabei blendend und genie\u00dfe das Schwitzen. Dazu 20 Minuten nicht mehr so richtig ernst gemeintes Krafttraining, und dann, ja dann geht&#8217;s in mein pers\u00f6nliches Paradies, die SaUNa. (Ohne die Sauna w\u00e4r&#8216; ich n\u00e4mlich gar nicht erst Mitglied geworden!)<\/p>\n<p>Wenn ich dann hinterher auf der B\u00e4derliege entspanne, empfinde ich jedes Mal gro\u00dfe Dankbarkeit f\u00fcr das mir ohne Zutun geschenkte Dasein in der entwickelten Industriegesellschaft, die dieses privilegierte Schwelgen im reinen Wohlgef\u00fchl erm\u00f6glicht: in Frieden und Freiheit, mit frischer Luft und sauberem Wasser, zu einem f\u00fcr die gro\u00dfe Mehrheit erschwinglichem Preis.  Wer hat das schon, mal weltweit umher geschaut? Schade nur, dass es f\u00fcr selbstverst\u00e4ndlich genommen wird und kaum noch jemanden gl\u00fccklich macht. Die meisten laufen hierzulande mit einer Miene herum, als h\u00e4tten sie in den W\u00fcsten des Sudan  Hunger und Krieg zu erleiden oder neben den lecken Pipelines im \u00f6lverseuchten Nigeria dem Shell-Konzern ein paar Dollar abzubetteln. Aber was rede ich, vermutlich sehen die Leute dort vergleichsweise gut aus, sind weder \u00fcbergewichtig noch neurotisch und lachen sich ganz oft an!<\/p>\n<\/p>\n<p align=\"right\">","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einfach mal in die Tasten tippen und schauen, was dabei heraus kommt. Nicht lang \u00fcberlegen, immer im Rhythmus bleiben &#8211; oh, jetzt hab&#8216; ich den verbotenen Gedanken gedacht und schon stockt das Ganze, noch bevor es richtig angefangen hat. 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