{"id":1862,"date":"2015-12-18T12:45:39","date_gmt":"2015-12-18T11:45:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=1862"},"modified":"2015-12-18T15:18:37","modified_gmt":"2015-12-18T14:18:37","slug":"facebook-die-waermestube","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2015\/12\/18\/facebook-die-waermestube\/","title":{"rendered":"Facebook, die W\u00e4rmestube"},"content":{"rendered":"<p>Jeden Morgen geht nun der Versuch weiter, eine andere Surfkultur zu praktizieren: vor allem <a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2015\/12\/16\/anders-surfen-blogs-statt-news\/\">Blogs statt News<\/a> zu lesen und mich nicht in den Strudel der &#8222;Aufreger&#8220;, erst recht nicht in den Sumpf der Hass-Kommentariate ziehen zu lassen. Dabei will ich diese Blogs nicht nur kurz konsumieren, sondern die Menschen wirklich wahrnehmen, kommentieren oder auf andere Art in Resonanz gehen.<!--more--><\/p>\n<p>Heute hab&#8216; ich mich also auf <strong>&#8222;Geist und Gegenwart&#8220;<\/strong> festgelesen &#8211; und zwar auf einem \u00c4LTEREN ARTIKEL vom Oktober, weil meine <a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/meine-blog-bibliothek\/\">&#8222;Blogbibliothek&#8220;<\/a> seltsamerweise diesen Beitrag als &#8222;Neuesten&#8220; anzeigt (warum, muss ich erst noch rausfinden). Egal, der Beitrag ist ziemlich zeitlos, geht es doch um <a href=\"http:\/\/www.geistundgegenwart.de\/2015\/10\/warum-facebook-schlecht-ist.html\">&#8222;10 Gr\u00fcnde, warum Facebook schlecht f\u00fcr uns ist&#8220;<\/a>. <\/p>\n<p>Gilbert Dietrich z\u00e4hlt dort alle Punkte auf, die man Facebook vorwerfen kann, aber auch der &#8222;Nutzerschaft&#8220;, die sich so bereitwillig im Zuckerberg-Universum festhalten l\u00e4sst. Dass sich da manch eine Nutzerin auf die F\u00fc\u00dfe getreten f\u00fchlt, wundert nicht, also gab es auch <a href=\"http:\/\/www.geistundgegenwart.de\/2015\/10\/warum-facebook-schlecht-ist.html?showComment=1444121233324#c5750889160684258362\">langen und ebenfalls begr\u00fcndeten Widerspruch<\/a>, leider gespickt mit allerlei beleidigenden Anw\u00fcrfen gegen Gilbert (das hab ich dann wiederum <a href=\"http:\/\/www.geistundgegenwart.de\/2015\/10\/warum-facebook-schlecht-ist.html?showComment=1450430513699#c146763637203604013\">kritisiert<\/a>).<\/p>\n<h2>Folgenlose Vorw\u00fcfe &#8211; Nachteil ist auch Vorteil<\/h2>\n<p>Angesichts der unz\u00e4hligen Argumente, die bereits &#8222;gegen Facebook&#8220; vorgebracht wurden, ist es ja durchaus erstaunlich, dass dennoch kaum jemand Facebook ganz verl\u00e4sst, auch nicht die Kritiker, wie Gilbert selbstkritisch anmerkt. Zumindest eine &#8222;Seite&#8220; wird oft weiter gepflegt, damit weiterhin Leser zum Blog finden. Bei Geist und Gegenwart kommen so offenbar VIELE, doch bleiben die gerade mal eine Minute und 43 Sekunden &#8211; frustrierend f\u00fcr den Autor, aber nicht frustrierend genug, um die Seite zu l\u00f6schen (die Hoffnung stirbt zuletzt&#8230;). <\/p>\n<p><strong>Man fragt sich: Warum bleiben so viele?<\/strong> Das wei\u00df ich nicht, aber immerhin kann ich die eigenen Motive bedenken, die mich von einer L\u00f6schung abhalten. Eins davon zeigt, wie ein bekannter und viel benannter Nachteil aus Nutzersicht ein VORTEIL sein kann. Gilbert klagt zum Beispiel an: <\/p>\n<blockquote><p>\n&#8222;Facebook f\u00fchrt uns systematisch in die Irre, denn es best\u00e4tigt zunehmend unsere eigene Sichtweise auf die Dinge. Alles Kontroverse wird aus unserem personalisierten Netzwerk herausgefiltert. Die Algorithmen lernen, was wir m\u00f6gen, welchen Aussagen wir zustimmen und mit welchen Leuten wir am st\u00e4rksten interagieren. Das f\u00fchrt dazu, dass uns verst\u00e4rkt die Sachen angezeigt werden, die wir ohnehin denken. Wir haben so immer weniger die Gelegenheit, neues zu lernen oder unsere eigenen Sichtweisen zu hinterfragen. Wir werden systematisch in eine Form der Idiotie getrieben, unsere Welt verengt sich, Diversit\u00e4t und Meinungsverschiedenheiten werden zugunsten eines falschen Konsens unterdr\u00fcckt. Facebook ist absichtlich auf die Verk\u00fcrzung unserer Gedanken, Gef\u00fchle und Erlebnisse zugeschnitten. &#8222;<\/p><\/blockquote>\n<p>Alles richtig. Aber Facebook ist, so gro\u00df es auch ist, nicht die GANZE Welt. Gerade die hier gebotene Gl\u00e4ttung, Banalisierung, Verk\u00fcrzung und vor allem die Konzentration auf das, WAS GEF\u00c4LLT, ist eben nicht nur ein Bug, sondern auch ein gesch\u00e4tztes Feature. <\/p>\n<p>Denn was erlebe ich denn sonst so &#8222;online&#8220;? <\/p>\n<ul>\n<li>Unter Berichten in Gro\u00dfmedien von wichtigen, weltbewegenden Vorg\u00e4ngen taucht man in <a href=\"http:\/\/de.ejo-online.eu\/digitales\/die-macht-der-onlinekommentare\">Hassreden<\/a> ein, die die Laune f\u00fcr Stunden in den Keller dr\u00fccken. <\/li>\n<li>Auf Twitter laufen tausende Kurz-News auf, die auf jeden Fall das Gef\u00fchl vermitteln, das nie und nimmer alles sinnvoll &#8222;kuratieren&#8220; zu k\u00f6nnen. Die Interaktion mit Fremden in der gebotenen K\u00fcrze erzeugt Missverst\u00e4ndnisse, Blockieren, &#8222;Haten&#8220; und Entfolgen sind \u00fcbliche Umgangsformen, Shitstorms an der Tagesordnung. <\/li>\n<li>Dann die Blogs: bei vielen, die so rumstehen, ist unklar, ob und inwiefern die Betreiber\/innen sie \u00fcberhaupt noch pflegen. Viele nervige H\u00fcrden erschweren das Kommentieren und bei &#8222;moderierten&#8220; Blogs wei\u00df man nie, wie lange es dauern wird bis zur Freischaltung &#8211; und ob die \u00fcberhaupt jemals kommt. <\/li>\n<li>Schreibe ich einen langen substanziellen Kommentar, passiert es nicht selten, dass darauf gar nicht reagiert wird &#8211; offensichtlich will da jemand nicht diskutieren, sondern sich mit den Beitr\u00e4gen nur selbst darstellen und dem Google-Algo Futter bieten. <\/li>\n<li>Auf Google+ sind gef\u00fchlt vor allem Webworker, Social-Media- und andere Profis zu Gange. Google spielt mir immerhin jede Menge &#8222;Beautiful Pictures&#8220; in den Stream, wohl im Bem\u00fchen, dem eine weniger &#8222;fachliche&#8220; Anmutung zu geben. (Vermutlich hab ich die mal selbst abonniert! Hilft aber nicht&#8230;)<\/li>\n<\/ul>\n<p>Ich k\u00f6nnte fortfahren, belasse es aber dabei. <strong>Verglichen mit alledem ist Facebook tats\u00e4chlich eine W\u00c4RMESTUBE<\/strong>: ein Zufluchtsort f\u00fcr frierende Seelen, die gerade &#8222;mal was Anderes&#8220; brauchen als  &#8222;nur Info&#8220;, Fachdiskussionen, VIELLEICHT irgendwann mal oder auch nie reagierende Blogger, und schon gar nicht das \u00fcberall so ungeheuer schnell ausbrechende Hauen und Stechen.<\/p>\n<h2>Wohlf\u00fchlen gef\u00e4llt mir<\/h2>\n<p>Logge ich bei Facebook ein, sehe ich nichts dergleichen. Statt dessen l\u00e4uft am rechten Rand ein Stream mit aktuellen Aktionen &#8211; und zwar solchen:<\/p>\n<ul>\n<li>Mario Beck gef\u00e4llt Anita Bauers Beitrag.<\/li>\n<li>\nIris Bauer gef\u00e4llt &#8222;Bilder und Farben aus meinem Leben&#8220;<\/li>\n<li>Susanne Baumgart hat Marianne Koiners Beitrag kommentiert.<\/li>\n<li>Lutz Hartmann gef\u00e4llt Sabine M\u00fcllers Foto. <\/li>\n<li>Ina Hoffmann hat Ulrich Kellers Beitrag geteilt. <\/li>\n<\/ul>\n<p>usw. usf. (Namen sind ge\u00e4ndert). <\/p>\n<p>Jede Aktion ist versehen mit dem Profilbild einer meist freundlich l\u00e4chelnden Person.  Per Mausover kann ich aufpoppen lassen, was diesen Menschen gerade gef\u00e4llt, was sie teilen und kommentieren &#8211; und ich kann sofort einsteigen, teilhaben an dem, was ich in einem &#8222;sozialen Medium&#8220; gelegentlich suche: Aufmerksamkeit, Resonanz, friedlich-freundlicher Umgang, Entspannung, Unterhaltung mit ganz normalen Menschen, die grade weder k\u00e4mpfen noch etwas verkaufen wollen.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich kann man Facebook anders nutzen und hat dann auch andere Erlebnisse. In Polit-Gruppen wird man keine W\u00e4rmestuben-Atmosph\u00e4re vorfinden oder erwarten, aber diese muss man ja erstmal aufsuchen. Vermutlich bin ich mit meiner sehr gemischten Gruppe &#8222;Befreundeter&#8220; bei FB kein exotischer Einzelfall: das sind Verwandte, reale Freunde, Online-Freunde und Bekannte, Arbeitskontakte und allerlei &#8222;Netz-Promis&#8220;, sowie viele komplett Unbekannte, die mich \u00fcber eins meiner Blogs &#8222;kennen&#8220;. Mit gro\u00dfem zahlenm\u00e4\u00dfigen \u00dcbergewicht an Menschen, denen ich physisch noch nie begegnet bin, die sich aber auf FB auch &#8222;gef\u00e4llig&#8220; verhalten, soweit ich das mitbekomme.<\/p>\n<p>Kurzum: wenn ich mal &#8211; sofort! &#8211; ein Bed\u00fcrfnis nach einer gewissen <strong>W\u00e4rme im Netz<\/strong> versp\u00fcre, dann ist Facebook tats\u00e4chlich die Adresse der Wahl. Denn:<\/p>\n<blockquote><p>Diversit\u00e4t und Meinungsverschiedenheiten werden zugunsten eines falschen Konsens unterdr\u00fcckt. Alles Kontroverse wird aus unserem personalisierten Netzwerk herausgefiltert. Facebook ist absichtlich auf die Verk\u00fcrzung unserer Gedanken, Gef\u00fchle und Erlebnisse zugeschnitten.<\/p><\/blockquote>\n<p>Stimmt. Und das ist eine Dienstleistung, f\u00fcr die es eine gro\u00dfe Nachfrage gibt!<br \/>\nGelegentlich auch von mir. <\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jeden Morgen geht nun der Versuch weiter, eine andere Surfkultur zu praktizieren: vor allem Blogs statt News zu lesen und mich nicht in den Strudel der &#8222;Aufreger&#8220;, erst recht nicht in den Sumpf der Hass-Kommentariate ziehen zu lassen. 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