{"id":1855,"date":"2015-12-15T12:32:07","date_gmt":"2015-12-15T11:32:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=1855"},"modified":"2015-12-19T13:49:47","modified_gmt":"2015-12-19T12:49:47","slug":"9-von-10-toete-ich-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2015\/12\/15\/9-von-10-toete-ich-nicht\/","title":{"rendered":"9 von 10 t\u00f6te ich nicht"},"content":{"rendered":"<p>Doch, ich kann einer Fliege durchaus was zu Leide tun, aber ich scheue davor zur\u00fcck, andere Lebewesen &#8222;einfach so&#8220; umzubringen.  <!--more-->Die Stechm\u00fccken im Sommer wollen an mein Blut: wenns klappt, bin ich mit einem Handschlag schneller und die Schnake ist platt. Auch all die Schnecken, die den Salat im Garten wegfressen, trage ich mittlerweile nicht mehr jedes Mal in den Wald, sondern trete  auch einfach mal drauf &#8211; allerdings mit einem unguten Gef\u00fchl der Schuld.<\/p>\n<p>Zuhause sind es andere Mitbewohner, die mich zweifeln lassen. Sie fallen kaum auf und nur ab und zu flattert mir so eine K\u00fcchenmotte entgegen. Es ist nicht schwer, sie zwischen den H\u00e4nden tot zu klatschen, eine gewisse Treffsicherheit vorausgesetzt.<br \/>\nHier eine vergr\u00f6\u00dferte Ansicht der rund einen Zentimeter langen <strong>D\u00f6rrobstmotten<\/strong> bzw. Plodia interpunctella:<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/doerrobstmotte.jpg\" alt=\"D\u00f6rrobstmotte\" width=\"500\" height=\"291\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1856\" \/><\/p>\n<p>Sie gelangen in die K\u00fcche, indem sie ihre Eier in Reis, Mais, M\u00fcsli, Mehl, auch Teigwaren, Geb\u00e4ck, Gew\u00fcrzen, N\u00fcssen, Kakao, Trockenobst, Suppenbeuteln, Schokolade und Getreide ablegen. Man kauft sie also gleich mit und bemerkt sie erst, wenn die Larven geschl\u00fcpft sind und die fertigen Motten das Weite suchen. Anf\u00e4llig sind insbesondere Lebensmittel, die man vielleicht mal f\u00fcr ein bestimmtes Gericht gekauft, aber nicht aufgebraucht hat. Sobald ich vermehrt Motten bemerke, kontrolliere ich alles durch und werfe angebrochene Packungen weg. <\/p>\n<h2>Aber: diese eine, die da fliegt&#8230;<\/h2>\n<p>Vielleicht liegt es an dem relativ langsamen Geflatter dieser Gesch\u00f6pfe, das mich jedes Mal z\u00f6gern l\u00e4sst, wenn mir eine fliegend begegnet: Diese Motte hat ja auch nur ein Leben, das sie vermutlich gerne lebt. Und: tut sie mir ein Leid? Bedroht sie mich? Nein, nicht wirklich. Kann sein, dass ich mal wieder eine angebrochene Packung entsorgen muss und mal so insgesamt durch die K\u00fcchenschr\u00e4nke schauen &#8211; aber deshalb ihr Leben jetzt beenden?<br \/>\nManchmal schlag ich auch ganz schnell zu &#8211; vielleicht, weil ich an dem Tag schon drei Exemplare gesichtet habe. Das ist dann auch ok, aber wenn ich sie beim ersten Versuch verfehle, darf sie in der Regel doch entkommen, ich versuche es kein zweites Mal.  <\/p>\n<p>Der Moment der Schlaghemmung hat etwas Philosophisches: Die Motte und ich &#8211; beide sind wir Lebewesen, die ihr Leben nicht selbst gemacht, sondern geschenkt bekommen haben. Und wir haben gr\u00f6\u00dftes Interesse daran, nicht zu sterben. Je l\u00e4nger ich bei diesem Gedanken verweile, desto unwahrscheinlicher wird es, dass ich noch zuschlage.<\/p>\n<p>Alle, die Ordnung und Sauberkeit als Wert ziemlich weit oben ansiedeln, werden das vermutlich verr\u00fcckt finden. Aber es ist, wie es ist &#8211; und die Momente der Solidarit\u00e4t mit einer Motte find ich gar nicht so \u00fcbel.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Doch, ich kann einer Fliege durchaus was zu Leide tun, aber ich scheue davor zur\u00fcck, andere Lebewesen &#8222;einfach so&#8220; umzubringen.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[148],"tags":[],"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1855"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1855"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1855\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1855"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1855"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1855"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}