{"id":1845,"date":"2015-11-30T00:07:12","date_gmt":"2015-11-29T23:07:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=1845"},"modified":"2015-11-30T00:17:13","modified_gmt":"2015-11-29T23:17:13","slug":"wir-ich-man-oder-wie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2015\/11\/30\/wir-ich-man-oder-wie\/","title":{"rendered":"Wir, ich, man &#8211; oder wie?"},"content":{"rendered":"<p>Peter <a href=\"https:\/\/p-adler.de\/man-wir-ich-wie-geht-es-uns\/\">bloggte k\u00fcrzlich<\/a> zu einem wiederkehrenden Problem:<\/p>\n<blockquote><p>Die Angewohnheit, \u201eman\u201c, \u201ewir\u201c oder \u201euns\u201c \u2013 synonym f\u00fcr \u201e(m)ich\u201c \u2013 zu benutzen, finde ich bei einigen Beschreibungen unm\u00f6glich. Mit \u201esynonym benutzen\u201c meine ich: \u201eman\u201c, \u201ewir\u201c, bzw. \u201euns\u201c versteckt sich hinter der Allgemeinheit und distanziert sich (sprachlich) von mir selbst&#8230;.<br \/>\n&#8230; \u201eIch\u201c zu benutzen macht mich verletzlicher, l\u00e4sst weniger Platz zum Mogeln. Ich bin damit an mir und meiner Wahrheit dran \u2013 ich lasse Menschen n\u00e4her an mich heran. Und wer ist \u00fcberhaupt \u201ewir\u201c in manchen Formulierungen, Beitr\u00e4gen, Artikeln? Wenn ich solches lese, f\u00fchle ich mich meist nicht angesprochen, warum auch?<\/p><\/blockquote>\n<p> <!--more--><\/p>\n<p>Da mir der Kommentar dazu l\u00e4nger geraten ist als Peters Blogpost, soll er auch hier ins Diary-Archiv eingehen &#8211; wobei ich &#8222;dort drau\u00dfen&#8220; die Beispiele nicht alle verlinkt habe, hier aber schon:<\/p>\n<p>Als Vielschreiberin hab ich mir dar\u00fcber schon oft Gedanken gemacht und bin der Ansicht, dass es f\u00fcr alle Schreibweisen richtige und passende Anwendungen gibt. Wenn ich tats\u00e4chlich NUR von mir spreche, dann ist es auch richtig, ich zu sagen. Spreche ich aber von einer Allgemeinheit bzw. einer Mehrheit, dann passt \u201eman\u201c und \u201ewir\u201c durchaus \u2013 und zwar unabh\u00e4ngig davon, ob ich mich selbst einschlie\u00dfe oder nicht (!).<\/p>\n<p>Hab grade mal mein <a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/digital-diary-gesamtinhalt-1999-bis-heute\/\" rel=\"nofollow\">Blogarchiv<\/a> nach Beispielen durchforstet:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2012\/03\/29\/demokratie-wie-kann-man-mehr-mitbestimmung-der-buerger-organisieren\/\">\u201eDemokratie: Wie kann man mehr Mitbestimmung der B\u00fcrger organisieren?\u201c<\/a><\/p>\n<p>Hier ist wohl unstrittig, dass ich das alleine nicht kann. Derlei Beispiele machen ganz allgemein die Mehrheit der \u201eMan\u201c- und \u201eWir\u201c-Verwendungen aus \u2013 v\u00f6llig korrekt.<\/p>\n<p>Im Einzelfall kann man (nicht nur ich), das jeweilige \u201ewir\u201c jedoch durchaus kritisch hinterfragen:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2012\/05\/11\/talkshows-die-arroganz-der-grosverdiener-oder-wer-ist-wir-bei-anne-will\/\" rel=\"nofollow\">\u201eTalkshows: die Arroganz der Gro\u00dfverdiener \u2013 oder: Wer ist WIR bei Anne Will?\u201c<\/a><\/p>\n<p>n\u00e4mlich dann, wenn es nicht als Bezug auf eine Allgemeinheit, sondern zu Zwecken der Ausgrenzung (z.B. der Nichtw\u00e4hler\/Falschw\u00e4hler) genutzt wird.<\/p>\n<p>Wie steht es aber mit:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2009\/12\/07\/klimagipfel-wir-koennen-wenn-wir-wollen\/\">\u201eKlimagipfel: WIR k\u00f6nnen, wenn wir wollen\u201c<\/a> \u2013 ?<\/p>\n<p>Der Beitrag handelt von vielen M\u00f6glichkeiten, Energie zu sparen und CO\u00b2-Aussto\u00df zu vermeiden. Erst ganz am Ende gibt es einen Satz mit \u201eich\u201c, bezogen auf den Versuch, die Raumtemperatur bei 19 Grad zu halten.<\/p>\n<p>Das WIR in einer solchen Rede will Misst\u00e4nde \/ Fehlverhalten anprangern, ohne dass ich mich von den S\u00fcnden ausnehme. Eine ziemlich g\u00e4ngige Version, die durchaus sinnvoll ist. W\u00fcrde man (!) hier \u201ebeim ICH bleiben\u201c, w\u00e4re es ein g\u00e4nzlich anderer Artikel!<\/p>\n<p>Die Alternative zu diesem WIR\/MAN w\u00fcrde zwangsl\u00e4ufig zur Abgrenzung\/Spaltung in Gut und B\u00f6se, zur Anklageschrift gegen konkrete Gruppen (seien es \u201edie Herrschenden\u201c oder die \u201ebesinnungslos Konsumierenden\u201c) \u2013 verbunden mit der Selbstdarstellung, wie gut ich es doch vergleichsweise mache \u2013 oder eben mit der Selbstbezichtigung: wie wenig ich es schaffe, das Richtige zu tun.<\/p>\n<p>Ich-Texte neigen ganz oft dazu, jammernd\/selbstanklagend oder selbstbeweihr\u00e4uchernd zu werden \u2013 wer ein \u201eAufhebens um die eigene Person\u201c nicht so sch\u00e4tzt, nutzt gern \u201eman\u201c um das zu vermeiden.<\/p>\n<p>Der Vermeidung allzu krassen Selbstlobs dient  z.B. so eine Headline:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2007\/06\/20\/wie-man-13-blogs-kommentiert-ohne-zu-langweilen\/\">\u201eWie man 13 Blogs kommentiert ohne zu langweilen\u2026\u201c<\/a><br \/> \u2026und die anderen 39 dann doch nicht mehr schafft!<\/p>\n<p>Ein weiterer Spezialfall:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2008\/05\/11\/6-fragen-die-man-nur-google-fragt\/\">\u201e6 Fragen, die man nur Google fragt\u201c<\/a><\/p>\n<p>es folgen dann \u201eIch-Fragen\u201c (z.B. Wie vertraue ich meinem Mann ?), die niemand einem menschlichen Gegen\u00fcber stellen w\u00fcrde, die aber als Suchphrase bei Google eingegeben wurden.<\/p>\n<p>\u2013 \u2013 \u2013<\/p>\n<p>Sehr interessant in diesem Kontext empfand ich seit dem Mauerfall das Ost-West-Gef\u00e4lle!<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Wessis zur Kritik des MAN neigen, wie Du sie hier formulierst, und geradezu anklagend darauf verweisen, dass man sich hinter dem MAN und WIR nur verstecken wolle, verwendeten Ossis (die \u00c4lteren bis heute) massenweise und ungebrochen das MAN in S\u00e4tzen, in denen es definitiv und erkennbar einzig und alleine um pers\u00f6nliche autobiografische Fakten geht.<\/p>\n<p>Das liegt vermutlich an der \u201eErziehung zum Kollektiv\u201c, aus meiner Sicht aber vor allem daran, dass es im Westen eine \u201eTherapiegeschichte\u201c gibt:  Psychologie, Gruppentherapie, Selbsterfahrungsworkshops etc. \u2013 das alles fand im Osten nicht statt, wurde im Westen jedoch exzessiv gelebt (WG-Anzeigen: nur Therapie-Erfahrene!).<\/p>\n<p>Die Verdammung des \u201eman\u201c r\u00fchrt von daher und hat auch partielle Berechtigung, f\u00fchrt aber andrerseits in einen selbstbez\u00fcglichen Individualismus und Narzismus, der Gesellschaft und Gemeinschaft ausblendet und dazu f\u00fchren kann, dass \u201eman\u201c meint, an allem immer nur selbst schuld zu sein \u2013 sehr passend in Zeiten des Neoliberalismus.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Peter bloggte k\u00fcrzlich zu einem wiederkehrenden Problem: Die Angewohnheit, \u201eman\u201c, \u201ewir\u201c oder \u201euns\u201c \u2013 synonym f\u00fcr \u201e(m)ich\u201c \u2013 zu benutzen, finde ich bei einigen Beschreibungen unm\u00f6glich. 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