{"id":183,"date":"2008-05-20T09:54:45","date_gmt":"2008-05-20T07:54:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=183"},"modified":"2016-02-10T14:06:48","modified_gmt":"2016-02-10T13:06:48","slug":"vom-altern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2008\/05\/20\/vom-altern\/","title":{"rendered":"Das Alter &#8211; ein Schr\u00f6ckensgespinst?"},"content":{"rendered":"<p>Da schreibt mir ein alter Bekannter auf die Frage, wie es ihm geht: <em>&#8222;Es kommt jetzt das Schr\u00f6ckensgespinst &#8222;Alter&#8220; mit gr\u00f6\u00dferen Schritten angelaufen, l\u00e4sst sich nicht mehr<br \/>\nleugnen. Aber davon abgesehen ist alles sch\u00f6n.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Eigentlich ein ganz normaler Satz &#8211; und gerade deshalb stutze ich und bin wieder mal ein wenig ersch\u00fcttert, wie sehr das Alter doch in Verruf ist. In diesen jugendwahnsinnigen Zeiten erscheint es als absoluter GAU, als finales Stranden in einer Art H\u00f6lle, an die man lieber gar nicht erst denkt, vielleicht in der irrationalen Hoffnung, es werde einen nicht treffen. \u00c4hnlich wie Kinder, die die Hand vor die Augen halten und meinen, dann nicht gesehen zu werden. <!--more--><\/p>\n<p>Na klar, in einer Welt, in der die \u00e4u\u00dfere Erscheinung in Gestalt glatter Jugendlichkeit mehr und mehr zum obersten Wert wird, in der Gesundheit und Fitness als Bringschuld gelten und jegliche Zeichen k\u00f6rperlichen Verfalls als Versagen angesehen werden, wundert es nicht, wenn viele von der schieren Schreckensstarre ergriffen werden, sobald die ersten wei\u00dfen Haare sich zeigen.<\/p>\n<p>Aber muss man sich dem unterwerfen? Verengt es nicht den Blick ganz gewaltig, immer nur auf das zu schauen, was entschwindet, anstatt auf das, was zugewonnen wird? Ist es nicht sogar so, dass dieser Zugewinn verunm\u00f6glicht wird, wenn allzu sehr darum gek\u00e4mpft wird, m\u00f6glichst lange mit den Jungen auf ihren Gebieten mithalten zu k\u00f6nnen? Immer mehr legen sich unters Messer, um sich straffen zu lassen: Gesicht, Bauch, Beine, Po, da muss das Fett weg und die Falten  &#8211; was aber ist mit dem Herzen, mit dem Geist?<\/p>\n<p>Gilt doch nichts, denken jetzt bestimmt einige. Es ist aber gerade das Wesen und die Freiheit im zunehmenden Alter, dass es immer weniger darauf ankommt, wie die Allgemeinheit \u00fcber etwas denkt. Das krampfhafte Bem\u00fchen, etwas zu gelten, jemand Besonderer zu sein, den eigenen Platz zu finden und von dort aus weitere Eroberungen zu machen, ist der typische Stress der Jugend. Voller Ehrgeiz streben sie nach Erfolg, Macht, Einfluss, Besitz &#8211; oder konstruieren sich als Rebellen gegen diese &#8222;etablierten Werte&#8220;, was nicht weniger anstrengend ist.<\/p>\n<p>Wie sch\u00f6n, wenn man in diesem Laufrad nicht mehr strampeln muss!  Nicht, dass man sich in eine Einsiedlerh\u00fctte zur\u00fcck zieht, bewahre &#8211; aber das t\u00e4gliche Streben wird doch bedeutend spielerischer, wenn man schon einiges hinter sich hat. Humor, Gelassenheit, Freiraum f\u00fcr spontanes Handeln, wachsende Liebe zu allem Lebendigen befreit von den Scheuklappen, die den Blick stets auf die Erreichung irgendwelcher Ziele konzentrieren, die meist in der Zukunft liegen. Eine Zukunft, deren Eintritt man als Jugendwahnsinniger eigentlich nur f\u00fcrchten kann &#8211; was f\u00fcr eine Ver-r\u00fccktheit!<\/p>\n<p>Manchmal denke ich, diejenigen \u00c4lteren, denen die Angst vor dem Alter so sehr im Nacken sitzt, haben vielleicht gar nicht gelebt. Jedenfalls nicht ihr eigenes Leben, sondern immer nur das, was vom Umfeld erwartet wird. Dann tritt nat\u00fcrlich mit den sichtbaren Alterserscheinungen die &#8222;Torschlusspanik&#8220; ein: auf einmal wird klar, dass man Leben nicht auf &#8222;sp\u00e4ter&#8220; verschieben kann, denn irgendwann ist es ja tats\u00e4chlich \u201arum!<\/p>\n<p>Die beste Altersvorsorge ist deshalb, das Leben hier und jetzt in vollen Z\u00fcgen zu genie\u00dfen, womit ich jetzt keine Wellness-Aktivit\u00e4ten meine, sondern das Ausleben des eigenen Wesens in seiner Ganzheit. Das kann auch mal Leiden bedeuten, aber es sollte das eigene Leid sein, nicht eines, das man meint, ertragen zu m\u00fcssen, weil der Mut fehlt, der eigenen inneren Stimme zu folgen.<\/p>\n<p>Altern kann dann sogar ziemlich spannend sein!<\/p>\n<p>Was meint Ihr?<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Da schreibt mir ein alter Bekannter auf die Frage, wie es ihm geht: &#8222;Es kommt jetzt das Schr\u00f6ckensgespinst &#8222;Alter&#8220; mit gr\u00f6\u00dferen Schritten angelaufen, l\u00e4sst sich nicht mehr leugnen. 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