{"id":1782,"date":"2015-09-03T10:12:07","date_gmt":"2015-09-03T08:12:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=1782"},"modified":"2015-09-03T11:45:17","modified_gmt":"2015-09-03T09:45:17","slug":"mobilitaet-flexibilitaet-risikobereitschaft-bei-fluechtlingen-und-migranten-unerwuenscht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2015\/09\/03\/mobilitaet-flexibilitaet-risikobereitschaft-bei-fluechtlingen-und-migranten-unerwuenscht\/","title":{"rendered":"Mobilit\u00e4t, Flexibilit\u00e4t, Risikobereitschaft: Bei Fl\u00fcchtlingen und Migranten unerw\u00fcnscht"},"content":{"rendered":"<p>Auf &#8222;Tichys Einblick&#8220;, einer im eigenen Verst\u00e4ndnis &#8222;liberal-konservativen Meinungsseite&#8220; <a href=\"http:\/\/www.rolandtichy.de\/gastbeitrag\/fluechtlinge-die-diktatur-des-rettens\/\">schreibt Gerd Held<\/a>, der auch Autor auf der sog. &#8222;Achse des Guten&#8220; ist, \u00fcber eine &#8222;Diktatur des Rettens&#8220;: <!--more--><\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Vorsicht, dies ist kein Artikel \u00fcber \u201edie Fl\u00fcchtlinge\u201c. Bei den massiven Bev\u00f6lkerungsbewegungen, die sich jetzt auf Deutschland, Europa und andere Wohlstandsregionen der Welt richten, ist \u201eFlucht\u201c nicht der angemessene Oberbegriff. Die Vorgeschichte dieser Welle ist keine allgemeine Verelendung, kein Weltkrieg, keine globale Naturkatastrophe. Gewiss gibt es Notlagen, Katastrophen und Kriege, doch generell ist die Versorgung mit Nahrung, Gesundheit, Information in den \u00e4rmeren Regionen in den vergangenen Jahrzehnten besser statt schlechter geworden.<br \/>\n<strong>Notlagen und neue Anspr\u00fcche<\/strong><br \/>\nDeshalb sind es oft nicht extreme Notlagen, sondern neue W\u00fcnsche und Anspr\u00fcche, die die Menschen in Bewegung setzen, die Staaten auseinanderbrechen lassen und die dann im Gefolge tats\u00e4chlich auch zu Krieg, Gewalt, Hunger, Krankheit f\u00fchren. Auch die Todesf\u00e4lle auf den Migrationsrouten geh\u00f6ren zu diesen Folgen.&#8220;\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Ich gehe jetzt mal auf sein Argument ein:<\/p>\n<p><strong>\u201eDeshalb sind es oft nicht extreme Notlagen, sondern neue W\u00fcnsche und Anspr\u00fcche, die die Menschen in Bewegung setzen\u201c<\/strong><\/p>\n<p>\u201eOft\u201c \u2013 er erkennt also immerhin noch ein paar Menschen als \u201eFl\u00fcchtlinge\u201c an, n\u00e4mlich jene, die vor konkreten Gefahren f\u00fcr Leib und Leben fliehen.<br \/>\nAlle anderen sollen seiner Ansicht nach in ihrem Elend verharren: im zerbombten Kobane zum Beispiel, in den vom IS \u201ebefriedeten\u201c Gebieten, wo man sich ja \u201enur\u201c an die krassen pseudoreligi\u00f6sen Vorgaben halten muss, um nicht gek\u00f6pft oder gekreuzigt zu werden. Das muss doch reichen, oder etwa nicht?  Auch so ein Leben in einem &#8222;Failed State&#8220; oder in den Massenlagern  bettelarmer Nachbarl\u00e4nder der Krisengebiete ist doch gar keine &#8222;konkrete Notlage&#8220; &#8211; was f\u00e4llt den Leuten nur ein, sich auf den Weg zu machen?<\/p>\n<p>Noch nie war es so gut m\u00f6glich, Informationen \u00fcber die Lebensverh\u00e4ltnisse in allen erdenklichen L\u00e4ndern dieser Erde zu bekommen. Die \u201eW\u00fcnsche und Anspr\u00fcche\u201c der global Marginalisierten sind nicht NEU, sondern ganz normale, allen gemeinsame W\u00fcnsche und Anspr\u00fcche nach Sicherheit, Teilhabe, pers\u00f6nlicher Perspektive. Es war zu erwarten, dass nicht alle brav das beschissene Leben an ihrem Herkunftsort aushalten, wenn sie doch wissen, dass es anderswo ein besseres Leben mit gewissen Mindeststandards gibt \u2013 und Frieden!<br \/>\nDie Globalisierung, die uns wirtschaftlich als Segen verkauft wird, ist f\u00fcr andere L\u00e4nder ein Fluch \u2013 etwa weil Afrikas M\u00e4rkte durch Importe aus der EG kaputt gemacht werden. Per Freihandelsabkommen sind viele Staaten gezwungen, ihre M\u00e4rkte zu \u00f6ffnen, die der Konkurrenz viel entwickelterer Industrien nicht gewachsen sind. Ihre Rohstoffe und Billigarbeiter werden von Konzernen ausgebeutet, was sich bei uns in sehr bezahlbaren Preisen f\u00fcr praktisch alle G\u00fcter, vom Handy bis zum T-Shirt zeigt.<\/p>\n<p>Das alles ficht Gerd Held und seine \u201ekonservativ-liberalen\u201c Mitstreiter nicht an. Sie bef\u00fcrworten es mit einiger Sicherheit als segensreiches Wirken freier M\u00e4rkte. <strong>Mobilit\u00e4t, Flexibilit\u00e4t und Risikobereitschaft<\/strong>, die ansonsten unter der neoliberalen Agenda von Seinesgleichen gebetsm\u00fchlenartig gefordert werden, sind im globalen Ma\u00dfstab auf einmal unerw\u00fcnscht, ja gef\u00e4hrlich.<\/p>\n<p>Aber erinnern wir uns:<\/p>\n<p>\u201e\u201cKommt die DM bleiben wir, kommt sie nicht geh\u2019n wir zu ihr!\u201c sagten die Menschen in Ostdeutschland zur Wendezeit. Und niemand l\u00e4sterte da \u00fcber \u201eneue W\u00fcnsche und Anspr\u00fcche\u201c.<\/p>\n<p>Dasselbe haben wir jetzt global. Die \u201eWeltgemeinschaft\u201c hat darin versagt, akzeptable Lebensverh\u00e4ltnisse \u00fcberall herzustellen \u2013 also gibt es massenhafte Migration.<br \/>\n\u201eBremsen und Einhegen\u201c wird nicht helfen, denn auch ein Leben als Illegaler hierzulande erscheint vielen gewiss noch 1000 mal besser als das Leben im Herkunftsland.<\/p>\n<p>Es werden also weiterhin viele kommen \u2013 ob es uns passt oder nicht.<\/p>\n<p>***<\/p>\n<p>Auch dazu:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/netzexil.de\/nichts-neues-von-den-eliten-die-motive-der-fluechtlingsbewegung-sind-wuensche-und-ansprueche\/\">Nichts Neues von den Eliten: Die Motive der Fl\u00fcchtlinge sind \u201eW\u00fcnsche und Anspr\u00fcche\u201c<\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf &#8222;Tichys Einblick&#8220;, einer im eigenen Verst\u00e4ndnis &#8222;liberal-konservativen Meinungsseite&#8220; schreibt Gerd Held, der auch Autor auf der sog. &#8222;Achse des Guten&#8220; ist, \u00fcber eine &#8222;Diktatur des Rettens&#8220;:<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[8],"tags":[],"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1782"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1782"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1782\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1782"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1782"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1782"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}