{"id":1778,"date":"2015-08-17T11:23:41","date_gmt":"2015-08-17T09:23:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=1778"},"modified":"2015-08-17T18:01:33","modified_gmt":"2015-08-17T16:01:33","slug":"flucht-zum-beispiel-syrien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2015\/08\/17\/flucht-zum-beispiel-syrien\/","title":{"rendered":"Flucht: Zum Beispiel Syrien"},"content":{"rendered":"<p>Es gibt Texte, die ich einfach festhalten will. Einen solchen fand ich auf <a href=\"https:\/\/zoebeck.wordpress.com\/2015\/08\/15\/flucht\/\">&#8222;Erase and Rewind&#8220;<\/a> und darf ihn mit Erlaubnis der Bloggerin Zo\u00eb hier abbilden. <!--more--> Er wurde von jemandem geschrieben, der die \u00fcblichen Anw\u00fcrfe gegen Fl\u00fcchtlinge nicht unbeantwortet lassen wollte. All diese herzlosen Tiraden voller Neid und Missgunst, die den Fl\u00fcchtlingen unterstellen, sie k\u00e4men nur her, um sich zu bereichern (&#8222;die haben ja sogar alle Handys!&#8220;), gierige Wirtschaftsfl\u00fcchtlinge allesamt. <\/p>\n<p>Zo\u00eb schreibt in ihrem Vorwort:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Ich deute an, dass der Verfasser aus biografischen Gr\u00fcnden sehr genau wei\u00df, wor\u00fcber er schreibt, wenn er \u00fcber die Verh\u00e4ltisse in Syrien berichtet. Wenn er soweit ist, sich \u00f6ffentlich in die Diskussion zu st\u00fcrzen, wird er sicherlich etwas dazu sagen. Aber es geht gar nicht darum, wie er pers\u00f6nlich involviert ist. Und es geht gar nicht nur um Syrien. Ich m\u00f6chte, wenn ich diesen Text nun einstelle, betonen, dass die beschriebenen Verh\u00e4ltnisse in Syrien nur exemplarisch sind. \u00c4hnlich oder anders furchtbar sieht es in den anderen L\u00e4ndern aus,  aus denen Fl\u00fcchtlinge kommen.&#8220; <\/p><\/blockquote>\n<p>Entstanden ist der Text auf Facebook &#8211; und hier ist er nun:<\/p>\n<h2>Flucht<\/h2>\n<p>Sehr geehrter Herr XXX:<\/p>\n<p>Leider kenne ich Sie nicht pers\u00f6nlich, so dass ich mich beflei\u00dfigt sehen mu\u00df, ihre Fragen hinsichtlich der Fl\u00fcchtlingssituation hier per Facebook ein wenig zu erhellen, sofern dies m\u00f6glich sei. Dieses Medium ist mehr ein Dialog, als Textform, allerdings mit dem Nach- bzw. Vorteil behaftet, je nach dem, dass das Gesagte nicht schon am n\u00e4chsten Tag verblasst, sondern stehen und nachlesbar bleibt. Also gut:<\/p>\n<h2>1 \u2013 Der Status Quo, der casus bellum<\/h2>\n<p>In s\u00e4mtlichen vom IS besetzten Regionen, ob im Irak, in Syrien, Libyen etc. ist die Situation so entsetzlich grausam, dass die wenigen \u00dcberlebenden, welche ihre Angeh\u00f6rigen verloren, einfach a) zu sehr mit dem eigenen \u00dcberleben besch\u00e4ftigt sind und b) so abgestumpft und c) so hoffnungslos, dass die wirklichen Wehklagen gar keinen Einzug in unsere Medien finden. Wer allerdings vom tats\u00e4chlichen Wirkungsgrad der Abschlachtungsorgien des IS nicht so wirklich \u00fcberzeugt ist, kann \u00fcber Beirut, Amman oder Antalya gerne in diese Regionen einreisen und sich ein Bild machen. Ein One Way Ticket ist dabei anzuraten, denn dass herk\u00f6mmliche Mitteleurop\u00e4er im B\u00fcrgerkrieg verschleppt, ermordet oder als Kanonefutter eingesetzt werden, ist nicht auszuschlie\u00dfen. Den Rest erledigen m\u00f6rderische 40 bis 50 Grad Hitze, massiver Wassermangel, Nahrungsmangel und Epidemien. Aber gehen wir davon aus, dass der normale Mitteleurop\u00e4er das \u00fcberlebt, weil er noch selbst Armeedienst geleistet hat, \u00fcber topographische, sprachliche und medizinische Kenntnisse verf\u00fcgt: Das, was er \/ sie dort sieht, wird so wenig begreiflich und erkl\u00e4rbar sein, dass einem im wahrsten Sinne die Worte fehlen. Schweigen. Trauma. Unfallopfer auf deutschen Autobahnen, nicht zu reden von Mi\u00dfbrauchsopfern sprechen teils bis zum Lebensende nicht vom erlebten Leid, trotz Traumatherapeuten, \u00c4rzten, Psychologen etc. pp., welche Hilfe leisten.<\/p>\n<h2>2 \u2013 Das Thema WLAN, Smartphone etc. <\/h2>\n<p>Es ist richtig, dass nicht jeder in einer Kriegsregion sofort Zugang zu Elektrizit\u00e4t und technischem Zubeh\u00f6r hat. Aber viele eben doch. Dort, wo Milit\u00e4r ist, ist immer auch Strom. Liegt in der Natur der Sache. Es gibt einfach auch mehr Waffen als Brot. Liegt auch in der Natur des Krieges. Sprich, es ist tats\u00e4chlich einfacher, ein Smartphone aufzuladen, selbst an der Batterie eines ausgebrannten Jeeps, als Trinkwasser zu besorgen. (Das ist dann im ausgebrannte Jeep schnell weg.) Wo die WLANS herkommen? Aus der ersten Welt. Alleine vor den K\u00fcsten Togos, Somalias, Ghanas und Libyens liegt soviel angestrandeter, von mafi\u00f6sen M\u00fclltransportern aus Europa billig verklappter Elektroschrott, dass in der Tat jeder Einwohner ein Handy hat, aber eben keine Flasche Wasser. Das f\u00fchrte bereits zu Hilfsprogrammen der UNO und des UNHCR und der UNESCO, statt Geld in den Ausbau von Elektrizit\u00e4tsnetzen eher in die Lieferung von Batterien, kleine Solaranlagen und Stromspeichern zu geben, weil weltweit mehr Menschen Zugang zu Internet und Smartphones haben als eben zu Frischwasser, Nahrungsquellen, Ackerb\u00f6den oder Verkehrswegen, ob in Bolivien, Surinam, Uganda, Algerien, Syrien, Pakistan etc. pp. Kurz: Wir werden auf diesem Planeten irgendwann verhungern, aber davon gibt es dann wenigstens sch\u00f6ne letzte Aufnahmen. Paradox? Grotesk, aber so ist es leider. Ergo nutzen die Menschen Internet und Smartphone, um auf ihr Leid aufmerksam zu machen.<\/p>\n<h2>3 \u2013 Das Nachholen von Familienmitgliedern<\/h2>\n<p>Ist ungef\u00e4hr so wenig ein nat\u00fcrliches Bed\u00fcrfnis wie Atmen oder Essen. Stellen Sie sich vor, Sie m\u00fcssten auf waghalsiger Flucht Ihre Familienmitglieder zur\u00fccklassen: Wen w\u00fcrden Sie im Krieg lassen? Ihre Mutter? Den Sohn? Die Schwester? Dann doch eher die Cousine oder den Neffen? Wer kann \u00fcberhaupt fliehen? Wer ist krank? Wer alt? Wer entscheidet, wer selektiert wird? (Das etwas negativ konnotierte Wort \u201eselektieren\u201c passt in seinem immanenten Zynismus perfekt.) Kann ich jemandem in die Augen schauen und ihm sagen: Deine Tochter darf rein, aber dein Sohn bleibt da? Grausame Entscheidungen. Die werden gerade min\u00fctlich getroffen.<\/p>\n<h2>4 \u2013 Topographie, Geographie, Densit\u00e4t, Meteorologie und Demoskopie alleine Syriens seit 1988:<\/h2>\n<p>Aus zwei Gr\u00fcnden m\u00f6chte ich neben vielen weiteren Staaten, die von Krieg und Wut zerst\u00f6rt sind, Syrien als Fallbeispiel heraus heben: Zum Einen, weil ich gerade von diesem Land etwas mehr Kenntnis besitze, zum Anderen, weil die Syrer gerade 2015 eine neue und gleichzeitig die gr\u00f6\u00dfte Fl\u00fcchtlingsmenge f\u00fcr Deutschland bedeuten.<br \/>\nSyrien ist als Staat ehemals so gro\u00df gewesen wie etwa das Gebiet der ehemaligen DDR plus Hessen. Fl\u00e4chenm\u00e4\u00dfig also kein Zwergstaat, aber auch keine Riesennation.<br \/>\nIm Unterschied zu Deutschland besteht das o. g. Gebiet aber zu 75% aus W\u00fcste. Lediglich an der Mittelmeerk\u00fcste, den Gebirgsregionen davor und dem Euphrattal existieren mehr oder weniger gute Trinkwasserquellen. Auf das Gebiet der ehemaligen DDR plus Hessen \u00fcbertragen w\u00fcrde sich das etwa so lesen: Die Menschen siedeln an einem Streifen zwischen Wismar und R\u00fcgen. In Berlin. Im Th\u00fcringer Wald und an der Werra. Dazwischen Leere.<\/p>\n<p>Die ehemalige DDR und Hessen hatten 1988 zusammen circa 19 Millionen Einwohner. Vielleicht Zwanzig. Im selben Jahr hatte Syrien 10 Millionen Einwohner. Mehr ging aufgrund der Klima- und Ackerlage nicht. In den syrischen W\u00fcsten herrschen tags\u00fcber monatelang im Sommer weit \u00fcber 45 Grad. In Deutschland \u00e4chzen die Menschen, weil es heuer endlich mal einen normalen Sommer gibt \u2013 obwohl Wasser, Bars, Klimaanlagen, Schwimmb\u00e4der etc. doch relativ geh\u00e4uft vorkommen.<\/p>\n<p>1990 drangen zun\u00e4chst weitere Fl\u00fcchtlinge aus den pal\u00e4stinensischen Krisenherden, Kurden und ab 1991 aufgrund des ersten Golfkriegs im Irak circa 1 Million (!) neue Fl\u00fcchtlinge nach Syrien. Die syrische Verfassung weist per se keine Fl\u00fcchtlinge zur\u00fcck und half trotz eigener Versorgungsprobleme den Neuank\u00f6mmlingen.<br \/>\nMitte der neunziger Jahre flohen vor den ersten Terrorwellen in Algerien erst einige hunderttausend Algerier, dann aufgrund der Sanktionen gegen den Irak circa 1 Million Iraker nach Syrien.<br \/>\nSeit dem zweiten Irakkrieg durch die USA flohen im v\u00f6llig verw\u00fcsteten Irak weitere 3 Millionen (!) Iraker nach Syrien.<\/p>\n<p>Im Jahre 2008 gab es demnach in Syrien knapp 17 Millionen Einwohner. Das Land ist aber seither nicht gewachsen und die W\u00fcste hat sich aufgrund klimatischer Ver\u00e4nderungen und dem Bau des Euphrat\u2013Staudamms auf t\u00fcrkischer Seite, welche demnach die Wassermenge gezielt drosseln kann, nicht vergr\u00fcnt, sondern ist noch gewachsen.<br \/>\nEtwa 11 Millionen Syrern standen dann 6 Millionen nichtsyrische Fl\u00fcchtlinge auf einem K\u00fcstenstreifen von Wismar nach R\u00fcgen, dem Th\u00fcringer Wald und dem Werratal gegen\u00fcber. Die Reaktion Syriens: H\u00e4user bauen, um die Immobilienpreise nicht noch weiter steigen zu lassen. Vereinfachte Integrationsverfahren f\u00fcr schnellere Staatsb\u00fcrgerschaft, neue Stadtviertel bauen. Und: Der Strom an Fl\u00fcchtlingen nach Europa wurde gestoppt, denn in Syrien fanden die Fl\u00fcchtlinge Heimat, vielleicht mehr schlecht als recht, vielleicht in einer Diktatur, aber immer noch besser, als im kriegszerst\u00f6rten Herkunftsland.<\/p>\n<p>Zum Vergleich: Wir sprechen im wasserreichen Deutschland bei derzeit 80.000 Fl\u00fcchtlingen in einem Land mit 80 Millionen Einwohnern von \u201eEngp\u00e4ssen\u201c.<br \/>\nNun, die Engp\u00e4sse sind ein Thema, denn dass Syrien als Fl\u00fcchtlinge aufnehmendes Land nun v\u00f6llig zerst\u00f6rt ist, bedeutet, dass nicht nur die 11 Millionen Syrer eine neue Heimat finden m\u00fcssen, sondern auch die schon geflohenen 6 Millionen \u201eAltfl\u00fcchtlinge\u201c. Was das f\u00fcr Mensche bedeuten mu\u00df, die also schon seit teils 25 Jahren auf der Flucht sind, kann sich keiner ausmalen, der \u00e4hnliches nicht erlebt hat.<\/p>\n<h2>5 \u2013 Zum Thema Heimat verlassen und warum alle nach Europa wollen<\/h2>\n<p>Von \u201eWollen\u201c kann in der Regel keine Rede sein, sondern eher von \u201eM\u00fcssen\u201c:<\/p>\n<p>Der Irak, Syrien, Algerien, Libyen und der Libanon hatten vor der Zerst\u00f6rung durch den Krieg einst die bestausgebildeten Menschen in der orientalischen Welt, \u00c4gypten mit eingerechnet: Namhafte Wissenschaftler, Ingenieure, \u00c4rzte, IT-Experten und weitere Fachkr\u00e4fte haben an den Universit\u00e4ten Bagdads, Kairos, Damaskus, Algiers, Latakyas etc. pp. abgeschlossen, ausgebildet und ihr Wissen in die Welt getragen. Kooperationen mit europ\u00e4ischen, mit deutschen Universit\u00e4ten entstanden. Die so erzeugten Netzwerke haben Handelsauftr\u00e4ge mit einem Volumen in dreistelliger Milliardenh\u00f6he in den letzten 30 Jahren generiert, wovon gerade deutsche Industrie und Wissenschaft, Handel und Finanzbranche sehr profitiert haben. Alleine syrische Spitzenkr\u00e4fte, die jahrzehntelang zwischen Deutschland und Syrien navigierten, haben in Deutschland bedeutende Werke oder G\u00fcter geschaffen, die kaum einer kennt und die doch so wichtig sind:<\/p>\n<p>Die deutsche Neumayer III Forschungsstation in der Antarktis wurde von einem Deutsch-Syrer konzipiert und gebaut. Das deutsche Forschungsschiff \u201ePolarstern\u201c war jahrelang mit einem technischen Leiter aus Syrien betraut. Mit Verlaub, ein Ingenieur aus einem W\u00fcstenstaat hilft deutschen Wissenschaftlern, ein Forschungslabor in der Antarktis aufzubauen. Ein Hammer. Aber das nur am Rande. Ebenso bauten diese Forscher Messinstrumente in der Flugtechnik, die zur Bodenspektralanalyse beitragen, Sanierungen von alten Villen und Schl\u00f6ssern in der s\u00e4chsischen Schweiz wie in Brandenburg durch deutsch-syrische Ingenieure, in der Herzkatheterforschung, aber auch in der IT f\u00fcr die Telekom und die Deutsche Bahn fanden und finden Sie Spuren von ehemals syrischen, heute deutschen Spitzenkr\u00e4ften, die mit ihrem Werk und Wirken nicht nur vielen Menschen hierzulande zu mehr Gesundheit, Sicherheit und Wohlstand, sondern auch zu Kulturwahrung und Nachhaltigkeit verhalfen. Und genau diese Menschen versuchen nun auch, anderen Syrern (so wie eben auch Libyer, Algerier, Iraker, \u00c4gypter) zu helfen, zu informieren. Eben \u00fcbers Internet. Wie sonst? Mit einer Schubkarre?<br \/>\nDoch das ist nur Schmuck am Nachthemd. Viel wichtiger ist bei der Frage, ob man die Heimat verl\u00e4sst, folgende Tatsache:<\/p>\n<p>Syrien, der Irak, \u00c4gypten, Israel und Jordanien bilden zusammen mit dem Iran, Indien, Ostafrika und China die \u00e4ltesten Kulturen der Menschheit auf diesem Planeten. Bleiben wir bei Syrien, als bereits eingef\u00fchrtes Beispiel: Syrische Christen, Alawiten, Juden, Jesiden, Aram\u00e4er, Drusen etc. waren stolz auf ihre biblische Heimat, die auch in unseren Kirchen Einzug h\u00e4lt. Doch in der Bibel ist kein Wort von Magdeburg, Kiel oder Frankfurt. Aber von Petra, Jerusalem, Nazareth, Damaskus, Smyrna, Sidon, Hebron usw. Syrische Architekten halfen beim Bau der Pyramiden in \u00c4gypten. Ph\u00f6nizische Seefahrer aus Syrien und dem Libanon, sp\u00e4ter Karthager kartographierten die alte Welt von Irland bis Indonesien schon 7 Jahrhunderte, bevor die ersten r\u00f6mischen Soldaten in Germanien eintrafen. Noch sp\u00e4ter kamen alleine aus Syrien 7 r\u00f6mische Kaiser. Die ersten Universit\u00e4ten wurden hier gebaut und so weiter und so fort. Und im 20. Jahrhundert waren die Syrer stolz, eine f\u00fcr orientalische Verh\u00e4ltnisse recht moderne Gesellschaft aufzubauen, die laizistisch gepr\u00e4gt den Staat \u00fcber die Religion stellte, freie Aus\u00fcbung der Konfessionen aber auch Gleichstellung der Frau, unverschleiert und berufsf\u00f6rdernd, lebte und sch\u00fctzte. Die Erdverbundenheit der Syrer ist in der orientalischen Welt ber\u00fchmt: Der einzige Grund, warum dieser kleine Landfetzen \u00fcberhaupt noch Widerstand gegen den IS h\u00e4lt, ist, weil sich die \u00dcberlebenden tats\u00e4chlich eher in den Kampf gegen den IS werfen, als ihre Heimat zu verlassen. Keiner will irgendwo Bittsteller werden, jemandem auf der Tasche liegen, oder alles aufgeben. Und dort schon gar nicht. Nur: Nach vier Jahren Krieg sind die Menschen tot, krank, zerm\u00fcrbt, ausgebrannt, sie k\u00f6nnen nicht mehr. Die, die sich nicht apathisch oder alt oder krank vom IS enthaupten lassen, versuchen, nun doch zu fliehen. Warum? Weil die alte Heimat restlos und unwiederbringlich zerst\u00f6rt und verloren ist. So wie Ostpreu\u00dfen 1945. Die Heimat ist weg. Die wenigen Soldaten \u00e4hnlich wie in Deutschland mittlerweile unter 19 oder \u00fcber 45 Jahre alt. Aber klar, die gehen einfach mal so weg. Sicher.<\/p>\n<h2>6 \u2013 Warum nach Deutschland?<\/h2>\n<p>Nun, zun\u00e4chst einmal wieder ein Blick auf die Landkarte: Der IS sickert massiv durch die Landesgrenzen mit der T\u00fcrkei, dem Irak, Jordanien nach Syrien. Die weiteren Grenzen bildet Syrien mit Israel und Libanon. Einzig der Libanon ist, milit\u00e4risch betrachtet, kein Feindesland. Und das Mittelmeer bleibt. Also geht die Flucht nach Westen, nicht nach Osten. Deutsche Fl\u00fcchtlinge aus Masuren, Schlesien oder Preu\u00dfen fl\u00fcchteten auch nicht nach Moskau. Das d\u00fcrfte doch verst\u00e4ndlich sein.<\/p>\n<h2>Konkreter noch, warum Deutschland?<\/h2>\n<p>Zun\u00e4chst sprechen aufgrund der o. g. Netzwerke und Verbindungen ohnehin viele Syrer Deutsch, Englisch oder Franz\u00f6sisch. Aber Deutsch gilt und galt als Sprache der Wissenschaft, Technik und Bildung und Philosophie. Mit Deutschland verbindet Syrien Handel seit der R\u00f6merzeit, sogar davor. Handelswege f\u00fchrten seit Rom von Damaskus und Aleppo \u00fcber die Adria, den Brenner und Prag bis nach N\u00fcrnberg, Dresden, Hamburg und Stralsund. Bernstein wurde bereits 1000 v. Chr. von R\u00fcgen \u00fcber den Brenner nach Damaskus und von dort nach \u00c4gypten transportiert. Wir sprechen hier also von 3000 Jahre alten Handelsbeziehungen. Wohlstand. Entwicklung. Aufgrund der alten Handelsbeziehungen werden die Syrer in der arabischen Welt auch \u201edie Bayern\u201c genannt. Seit jeher blicken Syrer nach Deutschland, noch bevor es eigentlich ein Deutschland, wohl aber schon seit Jahrtausenden ein Syrien gab. Die Frage m\u00fcsste also eher lauten: Wohin sonst, wenn nicht nach Deutschland? Nach Saudi-Arabien sicherlich nicht! Da w\u00e4re ein Kopfschuss einfacher! Die wenigsten Deutschen wissen, dass die Syrer sie seit jeher als Freunde betrachten. Wegen ihrer Kultur, Musik, Literatur.<br \/>\nAngesichts der aktuellen Antipathien, ja Aggressionen, die syrische Fl\u00fcchtlinge hierzulande teils erfahren m\u00fcssen, scheint dies nun, wo Syrien nicht mehr liefern kann, ja bitten mu\u00df, eine eher einseitige Freundschaft gewesen zu sein. Gut, dass die Mehrheit offenkundig anders denkt, auch ohne die historischen Dimensionen im Einzelnen zu kennen.<\/p>\n<h2>7 \u2013 Das Thema Facebook und \u00dcberwachungen<\/h2>\n<p>Glauben Sie mir, wenn Sie \u00fcber die Stra\u00dfe laufen und ein Heckensch\u00fctze Ihrer Tochter in den R\u00fccken schie\u00dft oder Ihre fu\u00dflahmen Eltern enthauptet, ist das, was Assad denkt, wenn Sie was auf Facebook posten, Ihr geringstes Problem.<br \/>\nIn der Hoffnung, Ihre Fragen mit ein paar wenigen, in der G\u00e4nze ihrer Komplexit\u00e4t nicht ausreichenden Daten beantwortet zu haben, die mir etwas Schlaf und Zeit raubten, w\u00fcnsche ich Ihnen alles Gute und verabschiede mich.<\/p>\n<p>\/Zitat________<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt Texte, die ich einfach festhalten will. 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