{"id":173,"date":"2008-05-09T11:47:08","date_gmt":"2008-05-09T09:47:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=173"},"modified":"2008-05-16T13:49:24","modified_gmt":"2008-05-16T11:49:24","slug":"braucht-erfolg-das-streben-nach-zielen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2008\/05\/09\/braucht-erfolg-das-streben-nach-zielen\/","title":{"rendered":"Braucht Erfolg das Streben nach Zielen?"},"content":{"rendered":"<p>Immer wieder stolpere ich \u00fcber die Erfolgs- und Karriereblogs, die ihrer Leserschaft nahe bringen wollen, wie man es anstellt, beruflich erfolgreich zu sein. Dazu sei es unverzichtbar, sich selber &#8222;hohe Ziele&#8220; zu setzen und dann alle T\u00e4tigkeiten daraufhin anzusehen, ob sie einen dem Ziel n\u00e4her bringen oder nicht. Es gibt da jede Menge Schaumschl\u00e4ger, die mit ein paar rei\u00dferischen Versprechungen ihre B\u00fccher, E-Book oder Kurse unters Volk bringen wollen, aber auch seri\u00f6se &#8222;Pers\u00f6nlichkeitsentwickler&#8220;, die engagiert ihre Lehre verbreiten &#8211; im sp\u00fcrbar ehrlichen Bem\u00fchen, den Menschen weiter zu helfen. <\/p>\n<p><strong>Und so geht&#8217;s:<\/strong> Ziele finden, Ziele sehr konkret formulieren und einen Zeitraum festlegen, bis wann man sie erreichen will. Zielerreichung imaginieren (wie wird mein Leben sein, wenn das Ziel erreicht ist?); den Weg zum Ziel in Schritte aufteilen und loslegen, immer wieder schauen, ob man dem Ziel n\u00e4her gekommen ist. Ist doch einfach!<!--more--><\/p>\n<h2>Zieltechnisches Versagen und trotzdem Erfolg<\/h2>\n<p>W\u00fcrde ich mir diese Lehre zu eigen machen, m\u00fcsste ich mich trotz beruflicher Erfolge als Versagerin f\u00fchlen. Denn noch nie ist es mir gelungen, ein l\u00e4ngerfristiges &#8222;hohes Ziel&#8220; zu formulieren, das in irgend einer Art meine Leidenschaft entz\u00fcndet. Kleine, eher operationale Zielvorstellungen wie &#8222;mit dieser Einkommenss\u00e4ule sollte ich 30% mehr verdienen k\u00f6nnen&#8220; haben (auch erst in den letzten zwei Jahren) durchaus ihren Beitrag geleistet: schlie\u00dflich wei\u00df ich nur dann, dass ich Erfolg habe, wenn ich irgendwann mal konkret sage, was das im Einzelfall bedeutet. Das aber ist doch eine eher banale &#8222;Weisheit&#8220;, die es kaum verdient, so ein Bohei drumrum zu machen. <\/p>\n<h2>Macht dir Freude, was du tust?<\/h2>\n<p>Mein Arbeitsleben hat sich immer schon rund um Lust und Freude entwickelt. Und zwar Freude im Hier und Jetzt, nicht irgendwann sp\u00e4ter: ich war komplett unwillig und damit auch unf\u00e4hig, l\u00e4ngere Zeit einer Besch\u00e4ftigung nachzugehen, die mich als solche gar nicht interessiert, mit der ich aber Geld verdiene. Das <strong>Leben f\u00fcr die Freizeit,<\/strong> das Wochenende und den Urlaub konnte mich noch nie locken: man arbeitet einfach viel zu lange, um sich derart auf ein &#8222;sp\u00e4ter&#8220; vertr\u00f6sten zu lassen. Zudem strengt Arbeit auch an und wenn ich dann endlich &#8222;Zeit f\u00fcrs Eigentliche&#8220; h\u00e4tte, bin ich doch schon viel zu ausgepowert, um in der &#8222;Frei-Zeit&#8220; noch wirklich kreativ und freudig ganz andere Dinge zu unternehmen. Ein paar Studentenjobs in gro\u00dfen Firmen und Beh\u00f6rden hatten mir das klar gemacht: Selbst eine &#8222;ruhige Kugel&#8220; (das gab&#8217;s damals noch!) machte mich schier wahnsinnig vor Langeweile. Ich stellte schnell fest: So geht das nicht, ein solches Berufsleben w\u00e4re f\u00fcr mich die H\u00f6lle. <\/p>\n<p>Heraus gekommen ist dann ein <strong>&#8222;prek\u00e4rer Patchwork-Lebenslauf&#8220;<\/strong> mit wechselnden Engagements voller Leidenschaft, darunter Zeiten offizieller Arbeitslosigkeit, in denen ich z.B. Politik machte bzw. mich &#8222;ehrenamtlich&#8220; (im Grunde &#8222;hauptamtlich&#8220;) sinnvoll besch\u00e4ftigte. Immer wieder auch Selbst\u00e4ndigkeit: Mal eine Zeitung, mal eine Kneipe, und seit 1996 dann das Internet, in das ich mich begeistert entlang an eigenen Projekten einarbeitete &#8211; bis dann Leute kamen und sagten: Mach das doch auch mal f\u00fcr uns!<\/p>\n<h2>In der Arbeit aufgehen<\/h2>\n<p>Ziele? Hatte ich nicht, definitiv nie. Mein &#8222;Ziel&#8220; war, in der Arbeit aufzugehen, mich selbst zu vergessen im kreativen Tun, mit anderen oder alleine spannende Projekte anzuschieben &#8211; und darauf musste ich nicht m\u00fchsam hinarbeiten, das war sofortiges Ergebnis der t\u00e4glichen Wahl: was tu&#8216; ich JETZT?  <\/p>\n<p>Ok, heute ist wieder der Tag, an dem ich die <strong>Umsatzsteuervoranmeldung<\/strong> (ah, allein schon das Wort!) machen muss. Das ist nicht gerade eine spa\u00dfige T\u00e4tigkeit, wenn es auch mittlerweile ganz interessant ist, sich alle drei Monate mal einen \u00dcberblick zu verschaffen, was so gelaufen ist an der Finanzfront. Aber es ist nur EIN HALBER TAG in drei Monaten &#8211; durchaus verkraftbar!  <\/p>\n<p>Ein Leben, das sich an der <strong>Freude am Machen<\/strong> orientiert, braucht kein Anh\u00e4ufen materieller Werte oder Statussysmbole. Erfolge im Sinne der Erfolgstrainer hatte ich ja durchaus auch: mal 160.000 Mark vom Bezirksamt zur freien Verwendung in der Stadtteilarbeit, mal \u00fcberdimensional gut bezahlte Web-Auftr\u00e4ge von Institutionen, die nicht gew\u00f6hnt waren, dass es auch preiswerter geht (das musst ich nicht etwa verlangen bzw. verhandeln, es war um die Jahrtausendwende &#8222;das \u00dcbliche&#8220;). Doch ich f\u00fchlte nichts dabei, so etwas &#8222;erreicht zu haben&#8220;, Ans\u00e4tze von <strong>Siegertreppchen-Gef\u00fchlen<\/strong> dauerten grade mal 5 Minuten, dann war nurmehr wichtig, was mir IMMER wichtig ist: Macht es Freude, was ich da tue?? <\/p>\n<p>Und so geht die Lehre von den &#8222;hohen Zielen&#8220; nach wie vor an mir vorbei, denn ich bin immer schon angekommen, wo ich sein will. Von da aus geht es weiter, indem ich meinen Impulsen folge und zu allem, was so auf mich zukommt und sich als M\u00f6glichkeit er\u00f6ffnet, <strong>ja<\/strong> oder <strong>nein<\/strong> sage: quasi &#8222;aus dem Bauch heraus&#8220;, der zu Belohnungen in der Zukunft kein Verh\u00e4ltnis hat, aber sehr genau wei\u00df, was Spass macht. Ebenso kann das Herz mein &#8222;Arbeitgeber&#8220; sein, dann freue ich mich am guten Sinn, den eine Sache hat. Alleine aus dem rechnenden Verstand heraus ein Berufsleben zu bestehen, kann ich mir gar nicht vorstellen &#8211; und f\u00fcr mich ist das sehr gut so! <\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Immer wieder stolpere ich \u00fcber die Erfolgs- und Karriereblogs, die ihrer Leserschaft nahe bringen wollen, wie man es anstellt, beruflich erfolgreich zu sein. 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