{"id":169,"date":"2008-04-23T12:30:13","date_gmt":"2008-04-23T10:30:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=169"},"modified":"2008-04-25T14:17:17","modified_gmt":"2008-04-25T12:17:17","slug":"web-20-beschleunigt-zerstreut-mit-allem-verbunden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2008\/04\/23\/web-20-beschleunigt-zerstreut-mit-allem-verbunden\/","title":{"rendered":"Web 2.0: Beschleunigt, zerstreut, mit allem verbunden"},"content":{"rendered":"<p>Lange hab&#8216; ich &#8222;Web 2.0&#8220; mehr oder weniger ignoriert: der Hype um die &#8222;sozialen Netzwerke&#8220; und Communities, die News-Portale, die &#8222;bewerte dies-bewerte-das&#8220;-Seiten, die Sammlungen \u00f6ffentlicher Bookmarks und die unz\u00e4hligen M\u00f6glichkeiten, irgendwo pers\u00f6nliche Daten zu hinterlassen, um &#8222;Freunde&#8220; zu finden. All die Gelegenheiten, sich mit allem und jedem virtuell zu verbinden, lie\u00dfen mich weitgehend kalt. Kein Wunder, es ist ja auch <strong>die dritte Welle<\/strong> grundst\u00fcrzender Internet-Begeisterung, die ich mitbekomme, und so fallen mir zu den meisten hochgelobten Neuerungen erst mal S\u00e4tze ein wie <em>&#8222;so neu ist das gar nicht!&#8220;, &#8222;das hatten wir doch  1997 auch schon&#8220;<\/em> und \u00e4hnliche eher abturnende Urgestein-Gedanken. <!--more--><\/p>\n<p>Ich erinnere mich noch gut an ein Mailgespr\u00e4ch mit Gerd-Lothar-Reschke so ungef\u00e4hr 1997,  als ich gerade selbst heftig ergriffen war und meinte, die Welt w\u00fcrde sich durch das funkelnagelneue Web grundst\u00fcrzend ver\u00e4ndern. Schwer begeistert vertrat ich den Standpunkt, dass mein engagiertes &#8222;verwebben&#8220; von allerlei Nichtigkeiten auch jenseits der jeweils verhandelten Inhalte einen guten Sinn habe: n\u00e4mlich das Erschaffen und Erhalten von Verbindungen, die ja irgendwann einmal wichtig werden k\u00f6nnten. <strong>Vernetzung als Selbstzweck,<\/strong> immer in der stillen Annahme, dass &#8211; vielleicht gleich morgen &#8211; gro\u00dfe neue Gedanken blitzgeschwind durch das Netz schwappen k\u00f6nnten, die dann alle Welt bewegen und letztlich auch das sogenannte &#8222;Real Life&#8220; ver\u00e4ndern w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Tatsache war, dass mir schon damals mein &#8222;Reales Leben&#8220; recht gut gefiel und ich gar keine gro\u00dfartigen Ver\u00e4nderungen w\u00fcnschte. Hauptsache, der Netzzugang war gesichert, der nicht nur Spa\u00df und vielf\u00e4ltigen Austausch mit anderen Menschen erm\u00f6glichte, sondern mir auch ganz beil\u00e4ufig ein neues Berufsfeld erschloss, auf dem ich mich kreativ austoben konnte. <\/p>\n<h2>Die zweite und dritte Welle<\/h2>\n<p>Mit der Weltver\u00e4nderung ging es dann auch nicht so schnell wie gedacht, im Gegenteil: Ab 1998 eroberten &#8222;die Kommerziellen&#8220; das Web. Das Primat des \u00d6konomischen drang ein in eine Welt, die sich bis dahin als &#8222;neues Land der Freiheit&#8220; verstanden hatte, in dem Eigentum und Rendite keine Bedeutung haben sollten &#8211; von wegen! W\u00e4hrend die erste Netizen-Generation nur langsam begriff, dass es eine totale Trennung zwischen dem Reich des Geld-Verdienens, Kaufens und Verkaufens einerseits, und dem des Geistes, der Kunst und des zweckfreien Austauschs andrerseits nicht geben kann, schwoll die Start-Up-Blase immer weiter an und platzte schlie\u00dflich im Jahr 2001, womit der &#8222;zweite Netzhype&#8220; sein Ende fand. <\/p>\n<p>Mit dem Aufkommen der Blogs setzte dann die dritte Welle ein: wieder einmal wurde die M\u00f6glichkeit, dass nun &#8222;jeder sich \u00f6ffentlich \u00e4u\u00dfern kann&#8220;  in den Himmel gelobt und als &#8222;total neue Qualit\u00e4t&#8220; gefeiert, bzw. von den etablierten Medien und M\u00e4chten gef\u00fcrchtet. Ich war verbl\u00fcfft:  Genau DAS war doch bereits mit dem Aufkommen des Webs verwirklicht,  war lang und breit diskutiert, in s\u00e4mtliche denkbaren utopischen bis abgr\u00fcndigen Visionen gegossen, durchgekaut bis zum Abwinken! <a href=\"http:\/\/claudia-klinger.de\/archiv\/symposium\/\">Bedeutungsschwangere Symposien<\/a>, herum reisende Netz-Promis und Propheten, auf den Zug aufspringende Geisteswissenschaftler, die endlich ihr Thema finden, Aktive, die sich als Elite f\u00fchlen und die Masse der Konsumenten und noch Ahnungslosen, die allenfalls &#8222;Katzencontent&#8220; beitragen  &#8211; been there, done that, irgendwie kam mir das alles soooooo bekannt vor und gar nicht mehr spannend.  <\/p>\n<h2>Teilnehmende Beobachtungen<\/h2>\n<p><a href=\"http:\/\/twitter.com\/HumanVoice\" title=\"..und hier zwitschere ich manchmal mit\"><img decoding=\"async\" class=\"rechts_or\" src=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/bilder\/meintweet.jpg\" alt=\"\" border=\"0\"><\/a> Immerhin hab&#8216; ich trotzdem weiter hingeschaut, was Web 2.0 so alles bietet, denn ich sehe durchaus die Gefahr, im Gef\u00fchl <em>&#8222;kenn&#8216; ich doch alles schon&#8220; <\/em> zu vergreisen und dann nicht mehr zu bemerken, wenn es WIRKLICH etwas Neues gibt. Hab&#8216; also mein bis 2005 statisches Web-Diary in ein &#8222;Blog&#8220; verwandelt,  weitere Themen-Blogs gestartet, Social Bookmarking eingebunden und auch <a href=\"https:\/\/www.xing.com\/profile\/Claudia_Klinger2\">die eine<\/a> oder <a href=\"http:\/\/de.facebook.com\/people\/Claudia_Klinger\/1014371019\">andere<\/a> Community besichtigt und ausprobiert. Mit Interesse beobachte ich, wie diejenigen, die alles nutzen und \u00fcberall dabei sein wollen, mit Hilfe von <a href=\"http:\/\/www.webwriting-magazin.de\/friendfeed-share-this-aber-warum-eigentlich\/\">&#8222;Aggregationstools&#8220;<\/a>, die gerade wie Pilze aus dem virtuellen Boden schie\u00dfen, im Ozean des Information-Overflows versuchen, den Kopf \u00fcber Wasser zu halten. Und immer schneller zucken die Botschaften durchs Netz: im Moment ist &#8222;Twitter&#8220; mit seinen 140 Zeichen pro Stimmf\u00fchlungslaut das &#8222;gro\u00dfe Ding&#8220;, mittels dem sich der Schwarm versammelt bzw. bewegt. Vor einem Jahr hab&#8216; ich mir das schon einmal angesehen, keinen Sinn darin gefunden und dar\u00fcber gespottet. Jetzt twittere ich wieder mal mit und siehe da: es ist doch nicht nur bl\u00f6des &#8222;Gezwitscher&#8220;, auch wenn es beim dr\u00fcber lesen so aussieht. <\/p>\n<p>Alles in allem verdichtet sich bei mir derzeit der Eindruck: Was wir &#8222;damals 1996&#8220; als <strong>Vernetzung von allem mit allem<\/strong> getr\u00e4umt haben, wird jetzt tats\u00e4chlich gesellschaftliche Wirklichkeit. Es hat l\u00e4nger gedauert als gedacht, denn zun\u00e4chst hat sich HTML, die Sprache des Webs, derart verkompliziert, dass ein Bremseffekt eintrat: es konnte eben nicht mehr jeder &#8222;mal eben eine Seite bauen&#8220; &#8211; nur wir, die wir das von Beginn an getan hatten, konnten fast anstrengungslos ins immer Kompliziertere hineinwachsen. Und haben dabei kaum bemerkt, dass uns &#8222;die Massen&#8220; gar nicht mehr folgen konnten, selbst wenn sie schon gewollt h\u00e4tten!  <\/p>\n<p>Mit dem &#8222;Web 2.0&#8220; hat sich das ge\u00e4ndert: ganz real, nicht nur als M\u00f6glichkeit. Und die Bedeutung, die das auf den unterschiedlichsten Ebenen hat, l\u00e4sst sich nicht mehr am einzelnen &#8222;Inhalt&#8220; ablesen, der durch die Kan\u00e4le str\u00f6mt, sondern erschlie\u00dft sich dem Teilnehmenden in der Wirkung aufs je eigene Leben  &#8211;  und auf das, was &#8222;Gesellschaft&#8220; in Zukunft sein wird.  <\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lange hab&#8216; ich &#8222;Web 2.0&#8220; mehr oder weniger ignoriert: der Hype um die &#8222;sozialen Netzwerke&#8220; und Communities, die News-Portale, die &#8222;bewerte dies-bewerte-das&#8220;-Seiten, die Sammlungen \u00f6ffentlicher Bookmarks und die unz\u00e4hligen M\u00f6glichkeiten, irgendwo pers\u00f6nliche Daten zu hinterlassen, um &#8222;Freunde&#8220; zu finden. All die Gelegenheiten, sich mit allem und jedem virtuell zu verbinden, lie\u00dfen mich weitgehend kalt. Kein [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[7],"tags":[16,14],"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/169"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=169"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/169\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=169"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=169"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=169"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}