{"id":1655,"date":"2015-02-17T00:31:05","date_gmt":"2015-02-16T23:31:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=1655"},"modified":"2015-12-12T15:18:57","modified_gmt":"2015-12-12T14:18:57","slug":"schreibblockaden-leuchtturmtexte-social-media-kritik-und-die-wiedergeburt-der-linkliste","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2015\/02\/17\/schreibblockaden-leuchtturmtexte-social-media-kritik-und-die-wiedergeburt-der-linkliste\/","title":{"rendered":"Schreibblockaden, Leuchtturmtexte, Social-Media-Kritik und die Wiedergeburt der Linkliste"},"content":{"rendered":"<p>Dass ich hier gut zwei Wochen nichts geschrieben habe, liegt u.a. daran, dass ich vieles \u00fcber die derzeit brennenden Problemfelder lese: \u00fcber ISIS, Ukraine, Griechenland, Finanzkapitalismus\/Euro\/Geldkrise und vieles mehr. <\/p>\n<p>Will ich nun zu einem dieser Mega-Themen einen Blogbeitrag verfassen, f\u00fchle ich mich gefordert, erst jede Menge Gelesenes zu referieren, bevor ich \u00fcberhaupt zu eigenen Gedanken kommen k\u00f6nnte. Wir leben in so unterschiedlichen Welten, dass man eine gemeinsame Basis des Meinens und Wissens gar nicht mehr voraussetzen kann. <\/p>\n<p>Informative oder hinf\u00fchrende Texte zu verlinken, hilft nicht viel. Kaum jemand geht den Links in Blogartikeln nach, liest dort weiter (oder sichtet wenigstens die Quelle) und kehrt zur\u00fcck. Klar, wer hat schon soviel Zeit? Also sind meine Diary-Artikel in der Regel so gehalten, dass man sonst nichts dazu lesen muss &#8211; bzw. das ist quasi der lange schon &#8222;eingefleischte&#8220; Anspruch, unter dem ich schreibe. Der mich aber auch zeitweise verstummen l\u00e4sst, wenn eine entsprechende Aufbereitung zu Thema X, Y oder Z einfach zuviel Arbeit machen w\u00fcrde, in Stunden gerechnet. (Recht viele fleissige Stunden muss ich den Gebrauchstexten widmen, mit denen ich Geld verdiene). <!--more--><\/p>\n<h2>Teilen?<\/h2>\n<p>Also melde ich meinen &#8222;Lesestoff&#8220; einfach weiter, meist auf Twitter, in der Hoffnung, so wenigstens zur Verbreitung sinnvoller Meme und Narrative beizutragen. Wobei diese Intention auf Twitter vermischt ist mit anderen Gr\u00fcnden, aus denen ich hier und da mal was verlautbare, Twitter eignet sich nur sehr beschr\u00e4nkt als &#8222;Linkliste guter Texte&#8220;, die ich festhalten und verbreiten, am liebsten auch mit Diary-Lesern diskutieren w\u00fcrde. Wobei &#8222;diskutieren&#8220; ja etwas ist, das ich auf Twitter gar nicht erwarte, nicht ansatzweise. <\/p>\n<p>Auf Facebook l\u00e4ngere Texte teilen bringt nur selten \u00fcberhaupt eine Reaktion. &#8222;Likes&#8220; bedeuten mir nichts und wenn ich dort doch mal irgendwo etwas sichte, was nach &#8222;Diskussion&#8220; und nicht nach blo\u00dfer Aneinanderreihung minimalster Stimmf\u00fchlungslaute aussiehst, ist es schwierig, das Gespr\u00e4ch Tage sp\u00e4ter wieder zu finden im schnell flie\u00dfenden Strom der Meldungen. Alles dort ist fl\u00fcchtig, zersplittert, schnell in der Vergangenheit versackt, und sowieso neigt dort niemand zu langen Kommentaren. Unter den dortigen Umst\u00e4nden und dem minimalen Support f\u00fcr Kommentare kein Wunder. <\/p>\n<h2>Surftipps bloggen?<\/h2>\n<p>Bleibt noch das kurze hinterher bloggen: Ein einzelner Medien-Tipp wie <a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2015\/02\/04\/hast-du-mal-80-minuten-um-die-mutter-aller-krisen-zu-verstehen\/\">Hast du mal 80 Minuten, um die Mutter aller Krisen zu verstehen?<\/a> ist gelgentlich drin, doch kann ich auch in dieser Form dem Input nicht gerecht werden, den ich gerne &#8222;kuratiert weiter reichen&#8220; w\u00fcrde. Mehrere davon in einem Posting f\u00fchren dann zu Blog-Formaten wie <a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2014\/09\/28\/linktipps-am-sonntag\/\"\">Linktipps am Sonntag<\/a>, die dann aber wieder mehr &#8222;Sammelsurium&#8220; sind, kaum stabiler als ein paar Tweets, nicht geeignet zum Festhalten, zur kontinuierlichen Meinungsbildung \u00fcber l\u00e4ngere Zeit. <\/p>\n<h2>CODE rules: Totale Zerstreuung vorkonfiguriert<\/h2>\n<p>Das, was in den Nullerjahren als Web 2.0 so irre neu und erfolgreich war, kommt mir mehr und mehr als mutwillige Zerst\u00f6rung aller Sinnzusammenh\u00e4nge und dauerhaften Strukturen vor. Blogs waren und sind im Unterschied zu den fr\u00fcheren &#8222;Homepages&#8220; chronologisch strukturiert: Nicht mal ich selbst w\u00fcrde im Digital Diary nach einem THEMA suchen, zu dem ich mal was geschrieben habe. Alles verschwindet in der Vergangenheit, ist ja auch allermeist f\u00fcr &#8222;hier und jetzt&#8220; geschrieben bzw. wird so rezipiert. Mehr noch gilt das f\u00fcr die &#8222;sozialen Medien&#8220;, die chronologisch und entlang an Personen strukturiert sind, nicht entlang an Themen wie klassische Foren (die es zum Gl\u00fcck f\u00fcr viele Bereiche noch immer gibt).<\/p>\n<p>Diese neuartige Struktur gro\u00dfer Bereiche des Internets fand ich eigentlich immer schon nervig. F\u00fcr kleine private Freundeskreise ist es ja nett, auf FB-Manier miteinander verbunden zu sein. Das aber war und ist nie mein Interesse gewesen beim &#8222;ins Web schreiben&#8220;. Ich interessiere mich vornehmlich f\u00fcr die Welt, m\u00f6chte auf einer &#8222;Agora&#8220; die Themen des Gemeinwohls besprechen &#8211; aber die mediale Umwelt, wie sie in sozialen Netzen gestaltet ist, macht das Verfolgen von Themen unbequem. Das Prinzip des &#8222;Folgens&#8220; und &#8222;befreundens&#8220; ist ausgesprochen hinderlich daf\u00fcr, denn wenn ich einer Person wegen ihrer Befassung mit Thema A folge, das ich interessant finde, bekomme ich gleich auch deren Themen B, C, D bis Z mit &#8211; jede weitere Person ein weiteres Info-Gewitter, von dem ich doch eigentlich nur einen Bruchteil wissen wollte. Und nein, das kann man eben NICHT mit &#8222;richtig filtern&#8220; wegbekommen. Das ist leider die sch\u00f6ne neue Grundstruktur, die sich &#8222;sozial&#8220; nennt und jene im Info-Gau ersaufen l\u00e4sst, die anderes wollen als mit ein paar Freunden in Kontakt bleiben.<\/p>\n<p>Klassische Mischthemenblogs sind zwar auch nicht Inhalte-zentriert, aber immerhin stabiler und ETWAS \u00fcbersichtlicher als das Geschwurbel in den Netzwerken. Sie sind kleine \u00fcberschaubare Inseln im bewegten Info-Ozean, die in aller Regel auch nach Wochen noch auffindbar sind. Das Digital Diary ist mit seinen \u00fcber 16 Jahren geradezu ein Gipfel nachhaltigen Bloggens, doch auch hier sind viele zeitlose Texte v\u00f6llig unzug\u00e4nglich, sind Opfer der &#8222;historischen Blog-Ordnung&#8220;, verschwunden in ferner Vergangenheit f\u00fcr die sich niemand interessiert. <\/p>\n<h2>Die gute alte Linkliste&#8230;<\/h2>\n<p>Der Versuch, Wichtiges f\u00fcr den Eigengebrauch zu strukturieren und festzuhalten, brachte im Netz dereinst die Bookmarking-Tools hervor, die als halb-\u00f6ffentliche Linkslisten einige Zeit n\u00fctzlich waren, bevor sie von SEOs zugespamt und von den sozialen Netzen praktisch abgel\u00f6st wurden. Ich hab die nie konsequent benutzt, genauso wenig wie meine Browser-Lesezeichen. Artikel und Videos, die mich sehr beeindrucken, m\u00f6chte ich nun mal nicht nur f\u00fcr mich notieren, sondern tats\u00e4chlich auch teilen. Und dar\u00fcber hinaus dauerhaft zug\u00e4nglich halten, wiederfindbar, dadurch leicht zitierbar und auch sp\u00e4ter noch in Blogartikeln und anderswo verlinkbar. Vor allem auch nicht abgelegt mittels fremder Dienste, die morgen verschwunden oder so ver\u00e4ndert sein k\u00f6nnen, das meine Sammlung von Lesens- und Sehenswertem nicht mehr nutzbar ist. <\/p>\n<p>Kurzum: Ich werde wieder klassische Linklisten bauen, abseits der Blogstruktur, nach Themen geordnet, evtl. kurz kommentiert. Und sollte ich zu dem jeweiligen Gegenstand selber etwas bloggen, werde ich diese Artikel ebenfalls dazu stellen, als Eigenbeitrag gekennzeichnet. Wer sich also mal daf\u00fcr interessiert, wie ich zu Thema X stehe, k\u00f6nnte dann evtl. f\u00fcndig werden &#8211; auch eine Auswahl empfohlener Fremd-Beitr\u00e4ge sagt ja einiges aus. <\/p>\n<p>Angesto\u00dfen wurden diese noch etwas verworrenen \u00dcberlegungen \u00fcbrigens durch den gro\u00dfartigen Artikel <\/p>\n<blockquote><p><a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/kultur\/2015-02\/islamischer-staat-dschihadisten-aus-europa-essay\"><strong>Islamischer Staat &#8211; Beginnend mit Worten, endend mit Blut<\/strong><\/a> &#8211; Extremisten konkurrieren um die Jugend des Westens. Warum wird gerade der IS zur neuen Heimat der Entt\u00e4uschten? 15 Anmerkungen zu europ\u00e4ischen Dschihadisten von Georg See\u00dflen<br \/>\nZEIT ONLINE Februar 2015\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Ein echter Leuchtturmtext, der nun nicht bis zur Umsetzung der Linklisten-Idee warten muss! Auch die Kommentare enthalten noch manche Perle und sind gut lesbar, da eine aktive Moderation alle, die sich im Ton vergreifen, gnadenlos l\u00f6scht.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dass ich hier gut zwei Wochen nichts geschrieben habe, liegt u.a. daran, dass ich vieles \u00fcber die derzeit brennenden Problemfelder lese: \u00fcber ISIS, Ukraine, Griechenland, Finanzkapitalismus\/Euro\/Geldkrise und vieles mehr. 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