{"id":1617,"date":"2002-08-14T12:57:21","date_gmt":"2002-08-14T11:57:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=1617"},"modified":"2014-12-06T13:00:17","modified_gmt":"2014-12-06T12:00:17","slug":"das-wasser-ein-feind","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2002\/08\/14\/das-wasser-ein-feind\/","title":{"rendered":"Das Wasser &#8211; ein Feind ?"},"content":{"rendered":"<p>Es ist etwas anderes, jemandem zuzuh\u00f6ren, der &#8222;mitten im Wasser steht&#8220;, als nur im Fernsehen mit dem \u00fcblichen Katastrophen-Interesse die Sondersendungen anzugucken: Wow, und das bei uns! Nein, das Internet machts m\u00f6glich, Freunde und Bekannte berichten von den steigenden Fluten, von voll gelaufenen Kellern und von der furchtbar gedr\u00fcckten Stimmung der letzten Tagen. Gef\u00fchle der Ohnmacht, des ausgeliefert-Seins, immer mehr Opferbewu\u00dftsein &#8211; und dann die oft unausgesprochene, aber dennoch dr\u00e4ngende Frage nach dem &#8222;Warum?&#8220;.<\/p>\n<p>Die &#8222;gro\u00dfe Bedr\u00fcckung&#8220; ist etwas, das mich innerlich herausfordert. Komischerweise w\u00fcsste ich gerne, wie ich angesichts so einer Sache reagieren w\u00fcrde. Ganz gewiss w\u00fcrde ich nicht &#8222;warum?&#8220; fragen, ich wundere mich richtig \u00fcber diese Frage! Es ist doch klar, warum: Die Klimaforscher haben das lange schon so oder so \u00e4hnlich angesagt. auch die mit der Theorie von den &#8222;nat\u00fcrlichen Schwankungen&#8220; \u00e4ndern an den Tatsachen nichts. Und wenn jetzt alle (v\u00f6llig verst\u00e4ndlich!) ihre Ventilatoren und Gebl\u00e4se anwerfen, um das Feuchte so schnell wie m\u00f6glich zu trocknen, wird erneut die Folge mit &#8222;Mehr von der Ursache&#8220; bek\u00e4mpft. Dass man nun mal nicht anders handeln kann, gemahnt an das Tragische im Leben, das schon seit den Griechen zu gro\u00dfen Kunstwerken motiviert.<br \/>\nOder ist es ein anderes &#8222;Warum?&#8220; &#8211; eine philosophische Sinn-Frage? Dann ist f\u00fcr mich klar, dass ich den Sinn selber geben mu\u00df: Das Wasser in seiner GEWALT hat das Potential, mir alles zu nehmen, was ich in meinen Besitz gebracht habe: Gegenst\u00e4nde, Verdienste, Wirkungsm\u00e4chtigkeiten verschiedenster art. Was bin ich, jenseits von alledem? WER bin ich &#8211; zur Not in einer Turnhalle, nur mit dem Besitz, den ich als Klamotte am Leibe trage? <\/p>\n<p>W\u00fcrde ich \u00fcber die materiellen Verluste klagen? Angst empfinden, weil ich jetzt meine Auftragstermine nicht einhalten kann, kein Geld mehr habe und nicht wei\u00df, was kommt?<br \/>\nIch wei\u00df es nicht, habe aber in einer hinteren Ecke des Bewu\u00dftseins doch noch ein Selbstbild, dass das von sich nicht glaubt, nicht in der Tiefe! Fast bin ich neidisch auf diejenigen, die Gelegenheit haben, die Wirklichkeit zu erfahren (und dabei sich selbst) &#8211; obwohl es vermessen ist, so zu denken. In der Erfahrung sieht alles anders aus, als wenn man im Trockenen sitzt und philosophiert.<\/p>\n<h2>Die Freude am Mitmensch<\/h2>\n<p>Was aber immer wieder beeindruckend ist und zur Faszination einer Katastrophe geh\u00f6rt: auf einmal nehmen die Menschen einander wieder wahr, rennen nicht mehr v\u00f6llig dicht eigenen Zielen, Pl\u00e4nen und Pflichten nach, sondern arbeiten zusammen, helfen einander! Die &#8222;Welle der Hilfsbereitschaft&#8220; ist f\u00fcr mein Empfinden nicht nur dem augenblick der Katastrophe geschuldet, sondern auch der tiefen Unzufriedenheit mit dem, was unsere &#8222;Normalit\u00e4t&#8220; ausmacht. Dieses ignorant-effektive aneinander-vorbei-Funktionieren wie R\u00e4dchen in einer gro\u00dfen Maschine &#8211; (noch dazu eine, die immer weniger Leute zum Weiterlaufen braucht.)<\/p>\n<p>In den letzten Tagen lange Nachrichten geguckt: all die Berichte \u00fcber die Zerst\u00f6rungen, das ungeahnte ausma\u00df, fast ganz Sachsen ist betroffen, gro\u00dfe Teile von Bayern, heut&#8216; Nacht noch die zweite Flutwelle aus Prag&#8230; dann die Spendenkonten, alle 10 Minuten eingeblendet, die ank\u00fcndigungen der Hilfsma\u00dfnahmen &#8211; der St\u00e4dte, der L\u00e4nder, des Bundes, ja, Europa wird angezapft!<br \/>\nUnd ein komischer Gedanke schleicht sich ein: k\u00f6nnte DaS nicht die Wende sein? Die Rettung aus der Krise? Das Ende der &#8222;Kaufzur\u00fcckhaltung?&#8220; Wird nicht all das, was jetzt kaputt geht oder \u00fcberschwenmmt wird, so schnell wie m\u00f6glich geputzt, ausger\u00e4umt, renoviert, repariert, neu gekauft und neu gebaut?<\/p>\n<p>Vom privaten Keller bis zur \u00f6ffentlichen Infrastruktur ist jede Menge auf breiter Fl\u00e4che dahin &#8211; werden nicht alle, die irgend etwas handwerken und bauen k\u00f6nnen, die n\u00e4chste Zeit voll besch\u00e4ftigt sein? Ja, sogar arbeitslose dazu nehmen, weil so viel zu tun ist? Irgend jemand wird ja bezahlen: Ersparnisse, staatliche Hilfen, neue Verschuldungen, Spendengelder &#8211;<br \/>\naus dem Schlamm und unter den Dreckmassen hervor kommt wie Ph\u00f6nix aus der asche der Kreislauf aus Geld, Waren und Dienstleistungen wieder in Gang???<br \/>\nK\u00f6nnte es nicht so sein????<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist etwas anderes, jemandem zuzuh\u00f6ren, der &#8222;mitten im Wasser steht&#8220;, als nur im Fernsehen mit dem \u00fcblichen Katastrophen-Interesse die Sondersendungen anzugucken: Wow, und das bei uns! Nein, das Internet machts m\u00f6glich, Freunde und Bekannte berichten von den steigenden Fluten, von voll gelaufenen Kellern und von der furchtbar gedr\u00fcckten Stimmung der letzten Tagen. 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