{"id":161,"date":"2008-04-02T12:32:01","date_gmt":"2008-04-02T10:32:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2008\/04\/02\/ein-gefuehl-der-leere\/"},"modified":"2008-08-24T11:38:08","modified_gmt":"2008-08-24T09:38:08","slug":"ein-gefuehl-der-leere","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2008\/04\/02\/ein-gefuehl-der-leere\/","title":{"rendered":"Ein Gef\u00fchl der Leere"},"content":{"rendered":"<p>Grade hab&#8216; ich die erste ernsthafte &#8222;To-Do-List&#8220; geschrieben seit ich wieder zuhause bin. Alle Arbeit dieser ersten Woche war ein eher chaotisches Rumwuseln und Werkeln, reagieren auf das, was sich in den Vordergrund dr\u00e4ngt, nicht etwa ein in die Zukunft gerichtetes planvolles Tun. Der Wechsel aus tropischer Hitze in den recht winterlichen deutschen Fr\u00fchling, dazu die \u00fcber die Medien herein dr\u00e4uenden deutschen Stimmungen und Probleme waren als Eindr\u00fccke schon ganz f\u00fcr sich so spektakul\u00e4r &#8222;anders&#8220;, dass ich mich auf einer ganz basalen Ebene einfach &#8222;gepl\u00e4ttet&#8220; f\u00fchlte und gar nicht erst versuchte, gro\u00dfartig aktiv zu sein.<!--more--><\/p>\n<p>So langsam l\u00e4sst das nun wieder nach. Ich bin tats\u00e4chlich &#8222;angekommen&#8220; in meinem Berliner Heimb\u00fcro, doch anders als vor der Reise stehe ich inmitten einer Leere. Kurz nach der Ankunft beschrieb ich den Zustand analog zur Gangschaltung als den Moment mit getretener Kupplung, bevor man den neuen Gang einlegt: Nicht hier, nicht dort, aus allem drau\u00dfen.<\/p>\n<p>In den ersten Tagen war das angenehm, geradezu selbstverst\u00e4ndlich, eine n\u00f6tige Pause, um den Wechseln zu verarbeiten.   Jetzt dr\u00e4ngt sich mehr und mehr die Frage auf, welchen Gang ich denn nun einlegen will, einlegen sollte, wollte, k\u00f6nnte, m\u00fcsste?<\/p>\n<h2>Der n\u00e4chste Kick l\u00e4sst auf sich warten<\/h2>\n<p>Der Vergleich hinkt insofern, dass ich nat\u00fcrlich mein t\u00e4gliches Gesch\u00e4ft weiter betreibe: die Brotarbeit muss getan werden und wird auch getan. Allerdings hab&#8216; ich es in meinem gesamten bisherigen Arbeitsleben darauf angelegt, den Bereich der routinierten &#8222;Brotarbeit&#8220; klein zu halten und immer mehr von und mit dem zu leben, was aktuell Gegenstand meiner Begeisterung ist. Und im Moment f\u00fchle ich keinerlei Begeisterung f\u00fcr irgend etwas. Zwar wei\u00df ich, dass sie sich in der Regel einstellt, sobald ich mich auf eine konkrete Arbeit einlasse, zum Beispiel eine neue Website gestalte. Diese kleinen &#8222;Flows&#8220; im konzentrierten Tun meine ich jetzt aber nicht,  sondern so ein \u00fcber das Allt\u00e4gliche hinaus weisendes Sehnen und W\u00fcnschen (manchmal auch F\u00fcrchten), das zum Beispiel mit der Reise nach Kambodscha verbunden war, solange sie noch in der Zukunft lag.<\/p>\n<p>Es fehlt mir die Aussicht auf den n\u00e4chsten Kick, wenn ich es mal genau anschaue. Um Zukunft zu gestalten, braucht es W\u00fcnsche nach Ver\u00e4nderung, doch grade f\u00e4llt mir so gar nichts ein, was ich gerne anders h\u00e4tte. Mein Ehrgeiz, JEMAND zu sein, ist nicht mehr besonders gro\u00df, jedenfalls keine Ressource mehr, aus der ich st\u00e4ndig die Kraft und Lust zur LEISTUNG sch\u00f6pfen k\u00f6nnte, wie das fr\u00fcher so leicht ging. Ab und an kommen mir zwar Ideen, was die Welt noch brauchen k\u00f6nnte, doch sackt der Teil der Begeisterung, der vor allem damit gl\u00e4nzen will, regelm\u00e4\u00dfig schnell wieder weg. Der Blick wird realistisch und sieht den erforderlichen Aufwand, die Ungewissheit einer wie immer gearteten Rendite &#8211; und nimmt Abstand von der Umsetzung, denn sooooo wichtig und n\u00f6tig ist das ja nun doch nicht und ich hab&#8216; ja schon ohne neue Projekte EIGENTLICH jede Menge zu tun. So d\u00fcmpelt meine unternehmerische Ader schon seit einiger Zeit vor sich hin, und im Moment &#8211; inmitten der Leere &#8211; sind gro\u00dfe Vorhaben sowieso wenig reizvoll.<\/p>\n<h2>Wenn die Erde fehlt<\/h2>\n<p>Ich w\u00fcrde mich mit solchen Gedanken gar nicht aufhalten, wenn ich den <a href=\"http:\/\/www.das-wilde-gartenblog.de\/2007\/07\/16\/heisse-tage-im-wilden-garten\/\">wilden Garten<\/a> noch h\u00e4tte. Der bot t\u00e4glich ein &#8222;Ziel&#8220; in fu\u00dfl\u00e4ufiger N\u00e4he, brachte mich in Kontakt mit der Erde, den Pflanzen und Tieren, gab Gelegenheit, mich k\u00f6rperlich zu bewegen. Er rettete mich vor der Virtualisierung, vor dem Abdriften in Missbefindlichkeiten, die allein aus Gedanken entstehen. Die &#8222;Sehnsucht nach dem n\u00e4chsten Kick&#8220; taucht nicht auf bzw. ist etwas zum dr\u00fcber lachen, wenn man nur mal ein bisschen Kompost sieben braucht, um diese Verstiegenheiten aus der Seele zu entlassen.<\/p>\n<p>Das alles ist nun weg. Vor der Reise haben wir den Garten abgeben m\u00fcssen, da der Nachbar das Grundst\u00fcck gekauft hat und nun in einen Parkplatz verwandelt. Weil das seit letzten Sommer bekannt war und ich viel Zeit hatte, mich an den Gedanken zu gew\u00f6hnen, ist meine Trauer \u00fcber den Verlust jetzt nicht besonders heftig. Mir kocht keine Wut hoch, wenn ich sehe, dass der neue Besitzer schon die ersten B\u00e4ume gef\u00e4llt hat. Es ist sogar besser, dass etwas passiert, denn wenn der Garten noch unber\u00fchrt w\u00e4re, w\u00e4re er ja &#8222;theoretisch&#8220; noch nutzbar. Anstatt drastischer Wut und Trauer bemerke ich allerdings zunehmend den tats\u00e4chlichen Verlust, den Mangel dessen, was der Garten mir gegeben hat: reales Leben diesseits der Welt der Zeichen, Texte, Bilder und Gedanken. Und das T\u00c4GLICH, nicht nur w\u00e4hrend eines Wochenendausflugs.<\/p>\n<p>So umf\u00e4ngt mich also die Leere und ich bin gespannt, was sich daraus ergeben wird.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Grade hab&#8216; ich die erste ernsthafte &#8222;To-Do-List&#8220; geschrieben seit ich wieder zuhause bin. Alle Arbeit dieser ersten Woche war ein eher chaotisches Rumwuseln und Werkeln, reagieren auf das, was sich in den Vordergrund dr\u00e4ngt, nicht etwa ein in die Zukunft gerichtetes planvolles Tun. 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