{"id":1594,"date":"2014-10-30T11:39:52","date_gmt":"2014-10-30T09:39:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=1594"},"modified":"2014-10-30T11:52:50","modified_gmt":"2014-10-30T09:52:50","slug":"zersplitterte-aufmerksamkeit-hektisches-surfen-wir-ignorieren-das-menschliche-mass","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2014\/10\/30\/zersplitterte-aufmerksamkeit-hektisches-surfen-wir-ignorieren-das-menschliche-mass\/","title":{"rendered":"Zersplitterte Aufmerksamkeit, hektisches Surfen &#8211; wir ignorieren das menschliche Ma\u00df"},"content":{"rendered":"<p>In Resonanz auf meinen <a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2014\/10\/28\/netz-frust\/\">&#8222;Netzfrust&#8220;<\/a> und die angedachten <a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2014\/10\/29\/mehr-freude-strategien-gegen-den-netzfrust\/\">Strategien, dem zu entgehen<\/a>, schrieb Markus in den Kommentaren:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Mir selbst hat das Netz die Aufmerksamkeit versaut. Ich kann nicht mehr lesen. Das M\u00e4andern durch alle Angebote auch und gerade sozialer Netzwerke und M\u00f6glichkeiten hat mich zu einem Psychowrack gemacht, das sich nicht mehr konzentrieren und bei einer Sache bleiben kann. Insofern w\u00e4re eine Di\u00e4t auch f\u00fcr mich hilfreich \u2013 mit dem Ziel, nur eine Sache auf einmal zu tun. Wenn ich lese, den PC ausgeschaltet zu lassen. Und wenn er an ist, einem Plan zu folgen, einer to-do-Liste, die man abarbeitet, um den Rechner danach wieder auszuschalten und vielleicht so wieder ein wenig Ordnung in den Umgang mit all den Angeboten und Inhalten zu schaffen.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Das ist eine sehr drastische Beschreibung des Zustands, in dem ich mich auch oft vorfinde. Und ich habe festgestellt, dass das sogar Angst macht. Eine unbestimmte, hintergr\u00fcndige, kaum fassbare Angst ohne konkreten Grund, wie ich sie einst als letzte, nurmehr &#8222;feingeistige&#8220; Folge eines veritablen Katers kannte. Schwierig, sie wirklich zu Bewusstsein kommen zu lassen. Man glaubt lange, es l\u00e4ge allein an den Inhalten, die beim Surfen durch unz\u00e4hlige Medien zwangsl\u00e4ufig erfasst werden: soviel Elend, Hass, L\u00fcgen, Ignoranz, Kriegstreiberei, total verr\u00fcckte Weltsichten, st\u00e4ndige Crash-Prophezeiungen &#8211; welche Psyche soll das aushalten?<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p>Eine falsche Sicht! Menschen halten eine ganze Menge aus, man muss nur mal in echte Krisengebiete schauen und das Befinden der Betroffenen mit unserem gem\u00fctlichen &#8222;Medienstress&#8220; vegleichen. Da liegen Welten dazwischen, das meiste \u00dcble und B\u00f6se da drau\u00dfen betrifft uns (noch?) nicht direkt, bei weitem nicht. Dass aber blo\u00df mittelbar Gewusstes auch nur ansatzweise an dieses vielf\u00e4ltige Leid heran reicht, halte ich f\u00fcr unwahrscheinlich. So heftig &#8222;mitf\u00fchlend&#8220; sind wir in der Regel nicht, auch wenn es verlockend ist, so von sich zu denken.<\/p>\n<h2>Aufmerksamkeit: nicht unendlich teilbar<\/h2>\n<p>Ich vermute eher, der Teppich mieser, aber kaum greifbarer Gef\u00fchle und Befindlichkeiten, der durch exzessives &#8222;herum Surfen&#8220; entsteht, ist ein Zeichen, dass wir das menschliche Ma\u00df ignorieren. Die Ressource &#8222;Aufmerksamkeit&#8220; ist ein wertvolles Gut, von der wir f\u00e4lschlicherweise annehmen, sie sei unbegrenzt vorhanden. Dem ist aber nicht so: je mehr wir sie verteilen, desto gr\u00f6\u00dfer wird die Verwirrung und das Gef\u00fchl der Bodenlosigkeit und  Unsicherheit. Es ist die Angst, die Orientierung zu verlieren, denn normalerweise haben wir ja einen Fixpunkt, an dem entlang wir agieren: eine Not, die gewendet werden muss, eine Pflicht, der wir nachkommen wollen, einen Wunsch, nach dessen Erf\u00fcllung wir streben. <\/p>\n<p>Diese Normalit\u00e4t wird verlassen, sobald man sich dem ziellosen Surfen hingibt: jeglicher Fixpunkt ist schnell verschwunden, man folgt einfach spontanen Impulsen, l\u00e4sst die Aufmerksamkeit von beliebigen Ausl\u00f6sern und Aufregern einfangen, wobei kein Ziel l\u00e4nger fesselt, sondern immer gleich der n\u00e4chste Reiz zum weiter klicken verf\u00fchrt. Rational reden wir uns das als &#8222;uns informieren&#8220; sch\u00f6n, nennen es gar Pause, Mu\u00dfe, Ausgleich f\u00fcr zielgerichtetes Tun (=Arbeit!). Dabei ist es all das gerade nicht, sondern ganz im Gegenteil ein &#8222;freiwilliger Stress&#8220;, dessen suchthafte Aspekte man z.B. bemerken kann, wenn mal nicht schnell genug &#8222;Nachschub&#8220; gefunden wird. Da das Web zu jeder Zeit beliebig viel Nachschub von allem und jedem bietet, deutet ein vermeintlicher Mangel an ausreichend ber\u00fchrenden (!) Inhalten darauf hin, dass wir unsere seelischen Kapazit\u00e4ten schlicht verbraucht haben, bzw. jetzt eigentlich st\u00e4rkeren Tobak br\u00e4uchten (den Bedarf f\u00fcllen Anbieter wie heftig.de oder f\u00fcr ganz Abgebr\u00fchte Seiten wie das ber\u00fcchtigte Rotten). <\/p>\n<h2>Medien-Di\u00e4t<\/h2>\n<p>Seit gestern meide ich zielloses Surfen, suche auch keine Aggregatoren auf, um &#8222;mich zu informieren&#8220;, sondern achte darauf, mich mit Ziel und Sinn durch die Online-Welt zu bewegen. Es ist nicht einfach, denn ich versp\u00fcre immer wieder den Impuls, einfach mal auf Rivva, Net-News-Global oder Google News zu klicken (sic!). <\/p>\n<p>Aber NEIN, ich mache jetzt Ernst mit der Medien-Di\u00e4t! Gestern war ich im Garten, was immer ein gutes Anti-Dot zum &#8222;virtuellen Leben&#8220; ist, und danach hab&#8216; ich <a href=\"http:\/\/www.das-wilde-gartenblog.de\/2014\/10\/29\/leben-tomaten-ewig-und-wer-kennt-diese-zwei-pflanzen\/\">\u00fcber die Garten-Erlebnisse<\/a> einen Blogbeitrag verfasst. Auch weiterhin werde ich mir gestatten, Blogartikel zu lesen, die sich auf meine aktuellen Postings beziehen. So fand ich gestern einen Artikel auf &#8222;Zur\u00fcck in Berlin&#8220; <a href=\"http:\/\/zurueckinberlin.wordpress.com\/2014\/10\/29\/muss-ja-auch-mal-wieder-sein-eine-linkliste\/\">mit reizvoll eingebundenen Links zu weiteren bemerkenswerten Postings<\/a>. Nach drei weiteren Texten (denen aus Absatz 4, heftig!) hab ich mich dann erinnert und Schluss gemacht.  <\/p>\n<p>Ja, einfach ist es nicht.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Resonanz auf meinen &#8222;Netzfrust&#8220; und die angedachten Strategien, dem zu entgehen, schrieb Markus in den Kommentaren: &#8222;Mir selbst hat das Netz die Aufmerksamkeit versaut. Ich kann nicht mehr lesen. 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