{"id":1593,"date":"2014-10-29T13:27:49","date_gmt":"2014-10-29T12:27:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=1593"},"modified":"2015-08-16T13:29:53","modified_gmt":"2015-08-16T11:29:53","slug":"mehr-freude-strategien-gegen-den-netzfrust","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2014\/10\/29\/mehr-freude-strategien-gegen-den-netzfrust\/","title":{"rendered":"Mehr Freude &#8211; Strategien gegen den Netzfrust"},"content":{"rendered":"<p>Die liebevollen Kommentare zu meinem <a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2014\/10\/28\/netz-frust\/\">&#8222;Netzfrust&#8220;<\/a> raten mehrheitlich zur Web-Di\u00e4t: nicht mehr so viele schlechte Nachrichten aus aller Welt konsumieren, die doch nur die Laune verderben, ohne dass man wirklich etwas gegen all den Mist tun k\u00f6nnte. Ja, Ihr habt ja so recht! Ich brauche mehr Freude im Alltag und sollte nicht soviel Zeit darauf verwenden, das \u00dcble zu sichten, zu selektieren und weiter zu reichen. Die Idee, zumindest durch diese &#8222;Kuratierung&#8220; der Bad News etwas zum Wohl der Welt beizutragen, ist vielleicht nicht ganz falsch, wird aber kontraproduktiv, wenn ich selber dabei tief in den psychischen Keller aus Wut, Angst und Trauer steige. <\/p>\n<p>W\u00fcrde ich heute aus dem Leben scheiden, w\u00fcrde es auf Twitter garantiert nicht auffallen, dass meine Tweets \u00fcber &#8222;Bemerkenswertes&#8220; fehlen!!! Anstatt \u00fcber zu wenig Resonanz in Zeiten &#8222;sozialer Medien&#8220; zu klagen, k\u00f6nnte ich mich SELBST freudigerem Tun und Erleben zuwenden. Noch nie ist es mir auf diesen Spielfeldern um pers\u00f6nliches Gl\u00e4nzen mit vielen Likes, Fans, Friends, Retweets gegangen (sonst h\u00e4tte ich vornehmlich Katzen-Content gepostet), aber immer wieder hat es mich sehr frustriert, wenn aus meiner Sicht WICHTIGES fast gar nicht bemerkt wird &#8211; sei es als Blogpost oder als weiter gereichter Inhalt. Das Bild vom Mitmenschen wird so definitiv verzerrt, dabei geht es zumindest vielen von ihnen vermutlich wie mir: zu viele schlechte Nachrichten bewirken Apathie, das Gef\u00fchl der Machtlosigkeit nimmt zu, das eigene Potenzial, &#8222;trotzalledem&#8220; irgendwas Positives, Ermunterndes, Tr\u00f6stliches zu schreiben nimmt drastisch ab.<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p>Also: Webdi\u00e4t! Wenn etwas wirklich Wichtiges passiert, erreicht mich die Nachricht sowieso. (Als die Flugzeuge ins World Trade Center st\u00fcrzten, hat mich ein Freund ANGERUFEN und gesagt, ich solle sofort den Fernsehen einschalten). Die vielen Stunden, die ich im Lauf der Woche mit dem Sichten der News zubringe, werde ich anders f\u00fcllen. Aber wie? Hier ein paar Ideen:<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Mehr &#8222;Selfcare&#8220;:<\/strong> Oft ist es so, dass ich mich weit mehr um ferne liegende Dinge und Themen k\u00fcmmere als um solche im Nahbereich. Je n\u00e4her an mir dran, desto unwichtiger &#8211; eine verbesserungsf\u00e4hige Haltung mit einigem Freude-Potenzial, wenn es gelingt. Warum hab ich mir z.B. nicht lange schon eine neue TV-Brille machen lassen, anstatt mich nach deren Verlust mit der &#8222;Fernzone&#8220; der Gleitsichtbrille zufrieden zu geben? Warum war ich das letzte Mal irgendwann im Fr\u00fchjahr in der Sauna, obwohl ich Sauna sehr genie\u00dfe? Warum liegen hier schon wieder viele nutzlose Dinge herum, obwohl es mir doch Freude macht, viel Platz und \u00dcbersicht zu haben? <\/li>\n<li><strong>Mehr Ordnung schaffen:<\/strong>  der letzte Punkt zieht sich durch verschiedene Bereiche, wenn ich genau hinschaue. Hier und da staut sich allerlei auf, das eine ordnende und entsorgende Hand br\u00e4uchte. Der ganze \u00fcbrig gebliebene Kram von der K\u00fcchenrenovierung, der noch immer rumsteht, ist genauso bereinigungsbed\u00fcrftig wie der immer wieder zur D\u00fcne anwachsende Papierstapel rechts au\u00dfen auf meinem Schreibtisch. &#8222;Steuer 2013&#8220; sollte auch fertig sortiert und abgegeben werden, der Kleiderschrank geh\u00f6rt mal wieder aussortiert und ein paar neue Klamotten gekauft &#8211; anstatt dass ich (weil mich als Homeworkerin ja fast niemand sieht&#8230;) mein Lieblingsshirt trage bis es zerf\u00e4llt! <\/li>\n<li><strong>Schenken und teilen<\/strong> &#8211; in Zeiten der wachsenden &#8222;Sharing-\u00d6konomie&#8220; sollte es ein Leichtes sein, kaum gebrauchte Dinge auf nette Weise loszuwerden oder zumindest zu teilen. &#8222;Auf nette Weise&#8220; meint: mit ein bisschen mehr Kontakt zu echten Menschen. Zwar sp\u00fcre ich nicht wirklich einen Mangel, aber tats\u00e4chlich treffe ich nur selten Unbekannte, beziehe mein Menschenbild also viel zu sehr aus den Medien. <\/li>\n<li><strong>Mehr kreative Arbeit<\/strong> &#8211; durch die Zersplitterung des einstigen, noch sehr ganzheitlichen &#8222;Webdesigns&#8220; in vielerlei arbeitsteilige, jeweils f\u00fcr sich aufw\u00e4ndige Gewerke, habe ich mich selbst mehr und mehr aufs Konzeptionieren, Beraten, Schreiben\/Business-Bloggen, Promoten verlegt und besch\u00e4ftige f\u00fcrs Technische bei Bedarf f\u00e4hige Mitarbeiter. Das klappt bei Kundenprojekten auch gut, doch mir selbst fehlt dadurch was. Das zeigt sich auch darin, dass meine eigenen Blogs noch immer kein neues Design haben. Anstatt viel rumzusurfen k\u00f6nnte ich mich also wieder mehr mit eigenen Projekten befassen. Eben nicht mehr mit dem Anspruch, jedes St\u00fcck Code selber zu schreiben &#8211; das macht ja heute niemand mehr!<\/li>\n<li><strong>Konkret sozialpolitisch arbeiten<\/strong> &#8211; Stammleser kennen mein Projekt &#8222;Formulare verstehbar machen&#8220; &#8211; hier ein <a href=\"http:\/\/www.kub-berlin.org\/formularprojekt\/was-im-ersten-halben-jahr-geschah-ein-projektbericht\/\">Bericht zum Stand der Dinge von Ende September<\/a>, erschienen auf dem Projektblog, das ich (angelehnt ans Design des Tr\u00e4gers KuB) erschaffen habe. Solche Aktivit\u00e4ten sind sehr konkret und es macht Freude, dass sich hier Freiwillige f\u00fcr den guten Zweck zusammen finden und tats\u00e4chlich was tun! Mehr Konzentration auf diese Aktivit\u00e4t kann also nicht schaden, sie ist sowieso n\u00f6tig, da es mit einem Jahr hier wahrlich nicht getan ist.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>&#8222;Du musst dein Leben \u00e4ndern&#8220;<\/strong> &#8211; so hat mal der Philosoph Sloterdijk ein dickes Buch benannt. Ich hab&#8216; es zur H\u00e4lfte gelesen und gar nichts ge\u00e4ndert. Auch eine Liste wie die obige (die nur einen Teil dessen aufz\u00e4hlt, was mir alles eingefallen ist) repr\u00e4sentiert einen so hohen \u00c4nderungsbedarf, dass ich davor stehe und frage: wie soll ich denn das alles schaffen? Der Tag hat doch nur 24 Stunden! Fange ich mal an, dr\u00fcber nachzudenken, wie und was anders werden sollte, kommen gleich soviele ToDos in den Kopf, dass ich davor in Ehrfurcht erstarre &#8211; und mich dann wom\u00f6glich doch lieber der Sichtung der aktuellen News zuwende. Die Weltereignisse sind ja doch soooooo viel wichtiger! Im \u00fcbrigen ruft schon bald das &#8222;Dringliche&#8220;, die Brotarbeit will ja auch immer noch getan werden&#8230; <\/p>\n<p>So wird \u00fcberdeutlich: exzessiver Medienkonsum ist auch ein Weglaufen vor dem eigenen Leben, ist Vermeiden von Anstrengungen und Kreisen im Gewohnten, das sich nun mal am einfachsten mit &#8222;Rumsurfen&#8220; kombinieren l\u00e4sst. <\/p>\n<p>Aber ziel- und sinnloses &#8222;rumsurfen&#8220; deprimiert mich, das ist ebenfalls wahr. Die Flucht in <a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2014\/10\/24\/breaking-bad-game-of-thrones\/\">andere Formen der Ablenkung<\/a> hilft nur punktuell, nie nachhaltig. Es f\u00fchrt kein Weg daran vorbei, mich selber aufzuraffen! Statt &#8222;surfen&#8220; kann ich ja berichten, ob und wie es gelingt.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die liebevollen Kommentare zu meinem &#8222;Netzfrust&#8220; raten mehrheitlich zur Web-Di\u00e4t: nicht mehr so viele schlechte Nachrichten aus aller Welt konsumieren, die doch nur die Laune verderben, ohne dass man wirklich etwas gegen all den Mist tun k\u00f6nnte. Ja, Ihr habt ja so recht! 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