{"id":1579,"date":"2002-09-11T14:38:13","date_gmt":"2002-09-11T12:38:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=1579"},"modified":"2014-10-12T14:39:58","modified_gmt":"2014-10-12T12:39:58","slug":"september-eleven","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2002\/09\/11\/september-eleven\/","title":{"rendered":"September eleven"},"content":{"rendered":"<h1>September eleven<\/h1>\n<p>Es ist kurz nach zehn und ich f\u00fchl mich so wohlig weh. Traurig, anger\u00fchrt, ersch\u00fcttert und voller Sympathie f\u00fcr die Amerikaner. Der Feuerwehrmannfilm zum 11.September, der soeben in 145 L\u00e4ndern gleichzeitig gezeigt wurde, hat mich gef\u00fchlsm\u00e4\u00dfig voll erwischt. (Ganz so, wie es wohl auch gedacht war). Selbst ein Jahr danach noch sind die einst\u00fcrzenden T\u00fcrme des World Trade Center und das, was da angerichtet wurde, weit furchtbarer, katastrophaler, grausiger als alles, was man sonst so mitbekommt: \u00dcberschwemmungen, gro\u00dfe Flut, Sturmkatastrophen, Kriege hier und dort, das ganze Elend eben. all das ber\u00fchrt mich auch, das eine weniger,  das andere mehr &#8211; aber \u00fcber alledem gibt es ein ganz einzigartiges Gef\u00fchl des Grauens, ein ganz besonderes WTC-Entsetzen: diese aufschlagenden K\u00f6rper der Menschen, die gesprungen sind! Die ganze Situation in den oberen Stockwerken, all die letzten Telefongespr\u00e4che &#8211; mein Gott, wie kann man nur &#8222;danach&#8220; noch ein Hochhaus bauen, planen, bewohnen oder darin arbeiten???<\/p>\n<p><strong>Es wird nichts mehr so sein, wie zuvor,<\/strong> sagten alle vor einem Jahr. Und es wird doch immer wieder ganz genau so. Nach jeder Katastrophe  kehrt die Ignoranz zur\u00fcck, die Herzen erkalten und jeder k\u00fcmmert sich wieder nur um sich selbst. Zwischen Stress und Spa\u00df das gro\u00dfe G\u00e4hnen, sofern nicht die angst die Laune verdirbt: angst um den arbeitsplatz, angst vor armut, Krankheit und alter,  angst, nicht mehr stark, gesund und reich genug zu sein, um uns auch weiterhin um uns selber k\u00fcmmern zu k\u00f6nnen. Nicht zu vergessen die angst vor dem anderen, der immer erfolgreicher, besser, schneller und auch noch erotischer ist. Zu guter letzt die gro\u00dfe angst vor dem Tod, weil wir nichts mehr w\u00fcnschen, als dass dieses Leben  immer so weiter geht. Man g\u00f6nnt sich ja sonst nichts.<\/p>\n<p>Einzig nach einer Katastrophe erwachen wir f\u00fcr kurze Zeit aus der gew\u00f6hnlichen Verblendung und schnuppern einen Hauch Wirklichkeit. Wie Leben sein kann, wenn man die Probleme gemeinsam anpackt, wenn jeder jedem hilft, &#8222;ohne Ansehung der Person&#8220; &#8211; nur, weil es auch ein Mensch ist. Inmitten  gro\u00dfer Gefahr wird auf einmal klar, wie sch\u00f6n das Leben ist, wie gut es ist, zu atmen und in die Sonne zu sehen. Alles, was man da durch Karriere, Erfolg oder Selbstinszenierung noch dazugewinnen und draufpacken kann, ist vergleichsweise Pipifax! also verblassen die kleinen und gro\u00dfen Unterschiede zu Fu\u00dfnoten einer faszinierenden Geschichte &#8211; einer Geschichte, die immer von Helden handelt, obwohl sie &#8222;nichts besonderes&#8220; taten &#8211; wie eben diese Feuerwehrm\u00e4nner am 11.September. Nur das, was jeder Mensch in derselben Situation auch getan h\u00e4tte &#8211; ja doch, wir kennen den Spruch!<\/p>\n<p>aber, und das ist das Problem, wann sind wir schon mal Mensch?<\/p>\n<p>Immerhin haben wir jetzt einen neuen Gedenktag: September Eleven, der erste globale Volkstrauertag. Nicht \u00fcberall in der Welt wird er im gleichen Geiste begangen, aber auch nicht ignoriert. Da es in der Welt vor allem an gemeinsamen Erlebnissen mangelt, die ins Erleben von Gemeinsamkeit und Gemeinschaft umschlagen k\u00f6nnen, ist der 11.September, wie er heute &#8211; und vermutlich auch in Zukunft  &#8211; rund um den Globus multimedial zelebriert wird, vielleicht ganz gut. Gut zum Herz-Erweichen &#8211; und das h\u00e4tten wir ja wirklich n\u00f6tig!<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>September eleven Es ist kurz nach zehn und ich f\u00fchl mich so wohlig weh. Traurig, anger\u00fchrt, ersch\u00fcttert und voller Sympathie f\u00fcr die Amerikaner. Der Feuerwehrmannfilm zum 11.September, der soeben in 145 L\u00e4ndern gleichzeitig gezeigt wurde, hat mich gef\u00fchlsm\u00e4\u00dfig voll erwischt. (Ganz so, wie es wohl auch gedacht war). Selbst ein Jahr danach noch sind die [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[8],"tags":[396,395],"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1579"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1579"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1579\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1579"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1579"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1579"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}