{"id":1572,"date":"2002-10-31T13:49:39","date_gmt":"2002-10-31T11:49:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=1572"},"modified":"2016-02-10T14:16:04","modified_gmt":"2016-02-10T13:16:04","slug":"oktober-nachrichten-aus-klingers-welt-yoga-alte-menschen-wahrnehmung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2002\/10\/31\/oktober-nachrichten-aus-klingers-welt-yoga-alte-menschen-wahrnehmung\/","title":{"rendered":"Oktober-Nachrichten aus Klingers Welt: Wohnen, Yoga, Wahrnehmung"},"content":{"rendered":"<p><strong>Zum Beispiel das Wohnen:<\/strong> Die Wohnung in der G\u00e4rtnerstra\u00dfe ist jetzt gek\u00fcndigt, sp\u00e4testens Ende Januar werde ich also anderswo wohnen, und zwar allein. Wieder  allein nach zehn Jahren Zweisamkeit, das ist schon ein Abenteuer! Allerdings bin ich guten Mutes, dass ich mittlerweile \u00fcber genug Routinen und zu meinem Leben passende Gewohnheiten verf\u00fcge, um nicht v\u00f6llig aus der Form zu geraten, wenn ich es nicht selber will.<\/p>\n<p>Da sich bei mir &#8211; mal abgesehen von der Aufl\u00f6sung der Wohngemeinschaft mit meinem liebsten Freund &#8211; kein bleibender Wunsch nach Ortsver\u00e4nderung eingestellt hat und ich den Aufwand des Umzuges f\u00fcrchte, neige ich dazu, eine leere Wohnung im selben Haus zu mieten: etwas kleiner und mit einem Zimmer nach hinten hinaus, und damit wesentlich ruhiger. Mal sehen, ob das klappt, morgen hab ich einen Besichtigungstermin. <\/p>\n<p><strong>Yoga:<\/strong> Ruhiger muss das Zimmer sein, weil ich mich entschlossen habe, nach 12 Jahren Praxis endlich selber Yoga zu lehren: diesen wunderbar diesseitigen ZEN-Yoga meines Lehrers Hans-Peter Hempel, der mir mittlerweile in Fleisch und Blut \u00fcbergegangen ist. In der letzten Woche hab&#8216; ich ihn um die Erlaubnis gebeten, Anf\u00e4nger anzuleiten, und er hat zugesagt, mich zu unterst\u00fctzen. Das zweite Zimmer wird also ein Yoga-Zimmer, genau wie bei ihm! Genau wie er werde ich niemals anstreben, ausschlie\u00dflich vom Yoga zu leben, und also in der Lage sein, mit ganz kleinen Gruppen von vier bis f\u00fcnf Leuten zu arbeiten. <\/p>\n<p>Gestern fr\u00fch war ich dann zum ersten Mal in der TU, wo Hans-Peter in einer Sporthalle einen Anf\u00e4ngerkurs f\u00fcr die Studenten gibt. Es ist dort zwar eine recht gro\u00dfe Gruppe, doch um zu lernen, wie die Stunden mit Anf\u00e4ngern ablaufen, ist es optimal.  Lang war ich nicht mehr in einem solchen \u00f6ffentlichen Geb\u00e4ude und die fast militante H\u00e4sslichkeit der Umgebung, die absolute Lieblosigkeit, mit der die R\u00e4ume ausgestattet bzw. mit dem Notwendigsten voll geknallt sind, hat mich schon ersch\u00fcttert! Aber egal, als die 14 jungen Frauen und M\u00e4nner vor uns auf ihren Matten lagen und Hans-Peter damit begann, \u00fcbend, zeigend, redend und ber\u00fchrend die Grundlagen zu vermitteln, war es eine Yoga-Stunde wie jede andere: ruhig, konzentriert, lehrreich &#8211; das Buddha-Feld breitet sich \u00fcberall aus, wo man es l\u00e4sst.<\/p>\n<p><strong>Der physische Raum<\/strong>, das f\u00e4llt mir immer mehr auf, ist in unserer Welt ein Problem-Bezirk. Das geht \u00fcber \u00f6ffentliche Stra\u00dfen und Pl\u00e4tze mit ihren Verwahrlosungserscheinungen, betrifft s\u00e4mtliche unter \u00f6ffentlicher Verwaltung stehenden Einrichtungen (Beh\u00f6rden, Unis, Krankenh\u00e4user&#8230;), betrifft aber auch viele ganz gew\u00f6hnliche, durchaus gepflegte Veranstaltungsr\u00e4ume: man sitzt unbequem, zu viele Menschen dr\u00e4ngen sich auf zu engem Raum, es ist zu kalt, zu hei\u00df, zu zugig, zu ungel\u00fcftet, zu verraucht, Kochger\u00fcche durchwabern Orte, wo man sich eigentlich auf geistige Themen konzentrieren will &#8211; \u00fcberall ist der Grund derselbe: die Menschen SP\u00dcREN NICHTS mehr, sind v\u00f6llig DICHT und in ihr Gr\u00fcbeln, Wollen, F\u00fcrchten, Meinen, Planen versponnen. Und die R\u00e4ume sind nur die \u00e4u\u00dfersten H\u00fcllen, es geht weiter mit den Klamotten: wenn ich mir das ganze Programm der Billigklamotten in den Massen-L\u00e4den so angucke, vor allem ANF\u00fcHLE, dann ist das meiste aus Vollsynthetik oder Mischgewebe, unbequem kratzend, Allergien unterst\u00fctzend, Schwei\u00df treibend, Hautatmung verhindernd &#8211; aber weil es modisch aussieht und billig ist, ziehen die Leute freiwillig solche Folterklamottten an und gew\u00f6hnen  sich  schon fr\u00fch daran, den virtuellen Schein (&#8222;wie mich die anderen finden, wie ich wirke&#8230;&#8220;) \u00fcber das Sinnlich-physische Sein zu stellen und Letzeres nach und nach ganz zu vergessen.<\/p>\n<p>Dass dann auch der K\u00f6rper selber langsam aus der Wahrnehmung gleitet und jeder Bezug zur eigenen Befindlichkeit abhanden kommt, bemerken viele erst dann, wenn es brennt, wenn eine richtige Krankheit daran erinnert: Hey, es gibt mehr zwischen Himmel und Erde, als dein medialer Input dich t\u00e4glich tr\u00e4umen l\u00e4\u00dft!<\/p>\n<p>Aber dar\u00fcber k\u00f6nnte man endlos B\u00fccher schreiben, die dann ja auch wieder nur in voller Ignoranz des K\u00f6rpers gelesen werden. Das ist nun mal nicht die Welt des Denkens, es bedarf einer Praxis, die alle Aspekte des Menschen &#8211; Gedanke, Gef\u00fchl, K\u00f6rper &#8211; wieder ins nat\u00fcrliche Zusammenspiel bringt. F\u00fcr mich ist das ZEN-Yoga, f\u00fcr dich kann es etwas anderes sein, Hauptsache, es gelingt, dran zu bleiben, damit die Wirkungen sich auch entfalten  k\u00f6nnen.  <\/p>\n<\/p>\n<p &auml;lign=\"right\"><sp&auml;n id=\"autor\">Claudia Klinger<\/sp&auml;n>, <sp&auml;n id=\"datum\">30.10.2002<\/sp&auml;n><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zum Beispiel das Wohnen: Die Wohnung in der G\u00e4rtnerstra\u00dfe ist jetzt gek\u00fcndigt, sp\u00e4testens Ende Januar werde ich also anderswo wohnen, und zwar allein. Wieder allein nach zehn Jahren Zweisamkeit, das ist schon ein Abenteuer! 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