{"id":1568,"date":"2002-11-21T13:16:19","date_gmt":"2002-11-21T11:16:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=1568"},"modified":"2014-10-12T13:17:59","modified_gmt":"2014-10-12T11:17:59","slug":"fuehlen-schlemmen-zu-viel-sitzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2002\/11\/21\/fuehlen-schlemmen-zu-viel-sitzen\/","title":{"rendered":"F\u00fchlen, schlemmen, zu viel sitzen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die Wohnungssuche<\/strong> schreitet voran! Ich hab&#8216; etwas in Aussicht und recht gute Chancen, es auch zu bekommen. Mein erster Plan, die Wohnung direkt neben der jetzigen zu mieten, die seit l\u00e4ngerem leer steht, war vor ein paar Wochen gescheitert, doch jetzt auf einmal bietet die Hausverwaltung sie mir DIREKT an &#8211; ohne Makler. Pl\u00f6tzlich hab ich freie Auswahl, aber mein Gef\u00fchl hat schon anders entschieden: nicht mehr der TOP-STANDARD eines grundsanierten Altbaus, sondern eine Wohnung als &#8222;Aufgabe&#8220;, zwar von der Mieterin modernisiert, aber doch so, dass  f\u00fcr mich &#8211; SOFERN es \u00fcberhaupt klappt &#8211; jede Menge zu tun bleibt. Einen wunderbaren Blick in die Weite bietet die Wohnung auch &#8211; ein echter Gl\u00fccksfall.<\/p>\n<p>Freu dich nicht zu fr\u00fch, sagt mir ein lieber Freund. Wenn es sich dann zerschl\u00e4gt, bist du entt\u00e4uscht!  Was aber, das frag ich mich dann,  sollen wir im Leben eigentlich f\u00fchlen, wenn wir uns dem Verlangen, der Sehnsucht, der Hoffnung verweigern, weil wir die Entt\u00e4uschung, die Traurigkeit, den Verlust scheuen?<\/p>\n<p><strong>Viel essen, gut essen und trotzdem abnehmen<\/strong> &#8211; wer w\u00fcnscht sich das nicht? Und genau das erlebe ich seit etwa zwei Wochen! Seit ich im Mai mit dem Rauchen aufgeh\u00f6rt hatte, war ich kontinuierlich schwerer geworden, so drei, vier Kilo, mit der Tendenz zum weiter wachsen. Das hat mir nicht mehr gefallen, bin also mal dem Hinweis aus einer Mailingliste gefolgt:  Kohlsuppendi\u00e4t! Das h\u00f6rt sich derma\u00dfen absurd an, aber ich dachte: WENN ich schon sowas Irres mache wie eine Di\u00e4t, dann kann es ruhig gleich was ganz Verr\u00fccktes sein! Nat\u00fcrlich hab&#8216; ich nicht &#8222;5 Kilo in einer Woche&#8220; abgenommen, wie es der Umschlag des kleinen Buches &#8222;die magische Kohlsuppe&#8220;  versprochen hatte (sie meinten damit auch den Verlust an Wasser, der bei v\u00f6lliger Befolgung der Rezepte und weitgehendem Salzverzicht einsetzt). Aber ich hab&#8216; eine neue Weise des Essens kennen gelernt: warme Suppen am Mittag, richtig scharf statt besonders salzig, \u00fcber den Tag dazu jede Menge Obst und\/oder Gem\u00fcse, gelegentlich Fisch und Gefl\u00fcgel &#8211; also das ist wirklich eine Essweise, die mich zufrieden stellt. Und ich nehme t\u00e4glich ab, tats\u00e4chlich, obwohl ich soviel esse wie sonst nie.<\/p>\n<p>Was mir haupts\u00e4chlich in dieser Erfahrung aufgefallen ist: Wie sehr man doch gewisse \u00dcberzeugungen verinnerlicht hat, die gar nie im Bewu\u00dftsein stehen und deshalb auch nicht mehr hinterfragt werden! Man schleppt sie als Altlasten mit sich, sie bestimmen das Leben und man denkt, die Welt sei nun mal so &#8211; dabei schaffen diese \u00fcberzeugungen ihre jeweilige Erfahrung! <br \/>\nSo ist offensichtlich bei mir die \u00dcberzeugung sehr stark gewesen, eine &#8222;gesunde&#8220; Ern\u00e4hrung, die auch noch zum Abspecken f\u00fchrt, sei in jedem Fall eine Form von Darben, von Sich-Zusammen-Rei\u00dfen, von kontrolliertem Essen, das nie den tats\u00e4chlichen Appetit befriedigt. Vielleicht im schlimmsten Fall mal f\u00fcr ein paar Tage lebbar, aber gewi\u00df nicht als Alltag! F\u00fcr eine abstrakte Gesundheit und ein sowieso unerreichbares (ebenso ungesundes, bzw. verr\u00fccktes!) Hungerharken-Sch\u00f6nheitsideal ein viel zu hoher Preis.<\/p>\n<p>Tatsache ist, ich hab noch selten so viel geschlemmt wie derzeit! Der tr\u00fcbe November macht echt Appetit, ich halte mich (mal versuchsweise) an keinerlei Mengen- und Zeit-Vorgaben, sondern esse, wann und wieviel ich Lust habe.  Dabei erlebe ich wirklich jede Menge &#8222;Du sollst nicht-&#8230;&#8220;, die sich protestierend zu Wort melden, wenn ich etwa den dritten Teller Suppe verdr\u00fccke &#8211; ODER wenn ich schon eine Stunde sp\u00e4ter einen Obstsalat zubereite. Mein Askese-\u00dcber-Ich schl\u00e4gt die H\u00e4nde \u00fcber dem Kopf zusammen &#8211; und ich nehme ab! F\u00fchl mich dabei ganz wunderbar, denn schon zwei Kilo weniger ergeben ein Gef\u00fchl zunehmender Leichtigkeit. Mittlerweile hat auch dieses gesteigert E\u00dfbed\u00fcrfnis wieder  deutlich nachgelassen.<\/p>\n<h2>Arbeiten und Sitzen<\/h2>\n<p>Immer noch bzw. schon wieder arbeite ich ungeheuer viel. Komme praktisch nicht mehr zu privaten Dingen, keine Mailinglisten mehr, kein Herumsurfen, lange schon kein Diary-Eintrag. Ein paar liebe Leute m\u00fc\u00dften Mail von mir bekommen, andere will ich eigentlich anrufen, die Gr\u00fcndung meiner Coaching-Gruppe zum hoffentlich n\u00fctzlichen regelm\u00e4\u00dfigen Austausch (Freiberuflerinnen) schleppt sich auch so dahin und wartet auf meinen Einsatz &#8211; Himmel, es kann sich eigentlich nur noch um Stunden, wenige Tage handeln, bis sich der Dschungel lichtet!<\/p>\n<p>Das sag ich mir und anderen schon ein paar Wochen lang, aber bisher hat es sich dann immer anders dargestellt. Nun ja, ich will ja umziehen, ich werde Geld brauchen, zudem sind meine Kunden allesamt wirklich angenehme Menschen, mit denen ich gern Kontakt habe &#8211; und trotzdem ist es manchmal heftig f\u00fcr mich. Im Grunde bin ich eine weniger &#8222;ausgelastete&#8220; Gangart gew\u00f6hnt &#8211; vielleicht aber auch einfach mal urlaubsreif?<\/p>\n<p>Manchmal macht der K\u00f6rper nicht mehr mit. Das viele Sitzen auf dem tollen Grahl-Duo-Back-B\u00fcrostuhl, den ich mir f\u00fcr teueres Geld vor ein paar Jahren als letzte und beste L\u00f6sung zugelegt hatte, macht mich krank! Ich sitze offensichtlich so bequem, dass ich (erstmal) alles Physische vergesse &#8211; nur meine Wirbels\u00e4ule vergi\u00dft nicht. \u00dcber den Tag staucht st\u00e4ndiges Sitzen sie zusammen, was zunehmend unertr\u00e4gliche Folgen zeitigt. Und ich MERKE es dann doch, es ist ja nicht so, dass es mir schlecht ginge und ich m\u00fc\u00dfte mich fragen: Woher kommt das jetzt wohl? Nein, ich merke oft und oft \u00fcber den Tag, dass es nun eigentlich reicht &#8211; und doch gibt es nun mal Zeiten, wo ich dieser Einsicht nicht folge. Bis es schlicht nicht mehr geht und es mich vom Stuhl weg treibt!  Gestern hab ich den tollen Stuhl mal beiseite gestellt und einen schlichten Holzstuhl benutzt, es war eine Erholung. Da kann man n\u00e4mlich gar nicht erst solange drauf sitzen.<\/p>\n<p>Tja, die einfachen Dinge, die Basics, sind die interessanten Spielfelder, auf denen sich immer wieder etwas \u00e4ndert, sich immer wieder Herausforderungen und Leiden zeigen, aber auch erstaunliche neue Erfahrungen machen lassen. Wohnen, essen, sitzen. Handeln, f\u00fchlen, das ganz Konkrete erleben &#8211; so komme ich zum Mittelpunkt der Welt. <\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Wohnungssuche schreitet voran! Ich hab&#8216; etwas in Aussicht und recht gute Chancen, es auch zu bekommen. Mein erster Plan, die Wohnung direkt neben der jetzigen zu mieten, die seit l\u00e4ngerem leer steht, war vor ein paar Wochen gescheitert, doch jetzt auf einmal bietet die Hausverwaltung sie mir DIREKT an &#8211; ohne Makler. 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