{"id":1563,"date":"2002-12-25T13:01:27","date_gmt":"2002-12-25T11:01:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=1563"},"modified":"2021-01-12T16:31:26","modified_gmt":"2021-01-12T15:31:26","slug":"vom-mausarm-ein-leiden-mit-sinn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2002\/12\/25\/vom-mausarm-ein-leiden-mit-sinn\/","title":{"rendered":"Vom Mausarm &#8211; ein Leiden mit Sinn"},"content":{"rendered":"<p>Nach vier einschl\u00e4gigen Texten ist es also wirklich Weihnachten geworden &#8211; jetzt aber will mir nichts &#8222;Weihnachtliches&#8220; mehr in die Tasten flie\u00dfen. Macht nichts, denk ich mir, wer jetzt durchs k\u00fchle Web surft, anstatt zuhause in Lichterglanz, S\u00fc\u00dfigkeiten und  Gefl\u00fcgel zu versacken, sucht vermutlich sowieso nicht nach &#8222;mehr vom gleichen&#8220;. ;-) <\/p>\n<p>Hey, das war ein Scherz! Ich MAG Weihnachten und meine Entenbrust mit Schw\u00e4bischen Breitband-Nudeln an Wintergem\u00fcse war gro\u00dfartig.  Drau\u00dfen ist es unendlich still, als hielte die Welt den Atem an, die Stra\u00dfen sind leer und es gibt jede Menge Parkpl\u00e4tze, wo man sonst zwanzig Minuten um den Block kreisen muss. Die Studies sind daheim bei ihren Eltern, andere sind abgeflogen in den S\u00fcden, Berlin Friedrichshain wirkt ziemlich \u00f6d, erst recht, wenn weder Schnee noch Sonnenschein von den unz\u00e4hligen Hundehaufen ablenken, die die Gehsteige zieren. Wie sch\u00f6n, ich zieh ja bald ein St\u00fcck weiter, in eine etwas Hunde-\u00e4rmere Gegend!<\/p>\n<p>Auf der Suche nach Inspirationen hab ich gerade in der Vergangenheit &#8222;gebl\u00e4ttert&#8220; und den Beitrag vom 26. Dezember 2001 gelesen: <a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/26_12_01.htm\" target=\"new\"><strong>&#8222;Weihnachten, ein Opferfest&#8220;<\/strong><\/a>. Wie seltsam! Zwar ist die Beschreibung des ausgestorbenen Stadtteils fast w\u00f6rtlich identisch, doch ansonsten ist es ein Artikel, wie ich ihn jetzt ganz bestimmt nicht mehr schreiben w\u00fcrde. Was f\u00fcr eine deprimierende Stimmung: verhaltene Verbitterung, Klage und Anklage, weise Entsagung, unterschwellig agressiv, und dann doch wieder dieser in Melancholie auslaufende Sound gepflegter, um Haltung bem\u00fchter Hoffnungslosigkeit: &#8222;Tote G\u00f6tter plastern unsern Weg&#8220; &#8211; ach je! Dabei ist das gar kein schlechter Spruch, kommt nur drauf an, wie man ihn ausspricht &#8211; eher klagend oder als Erfolgsmeldung. Ich finde, G\u00f6tter, die sich von Menschen zu Tode bringen lassen, sind doch nicht wirklich der Rede wert, oder? <\/p>\n<h2 id=\"mausarm\">Mit links<\/h2>\n<p>Seit \u00fcber zehn Tagen liegt \u00fcbrigens meine PC-Maus nun schon links von mir &#8211; und ich kann alles machen! Da ich extreme Rechtsh\u00e4nderin bin, bzw. war, ist das ein kleines Wunder. Eines von der Art, die einfach kommen M\u00fcSSEN, denn mit rechts versch\u00e4rfte ich st\u00e4ndig meinen &#8222;Mausarm&#8220; und konnte zeitweise nur noch unter gro\u00dfen Schmerzen arbeiten. Wenn ich nun schon auf letztes Jahr zur\u00fcck blicke, f\u00e4llt gleich auch der Beitrag <a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/23_12_01.htm\" target=\"new\"><strong>Vom Elend des Sitzens<\/strong><\/a> ins Auge: dieses Leiden ist lang schon im Anmarsch, und die Idee, mit der Hand zu schreiben und hinterher abzutippen, war nicht wirklich ernst gemeint.<\/p>\n<p>Es ist ein Leiden, das ich nicht einfach aussitzen kann, denn wie sich zeigt, wird es mit der Zeit schlimmer und nicht etwa besser. Trotz Yoga und Fitness-Training, trotz Entspannung in der Sauna und deutlicher Reduzierung der Arbeitszeit (ich sitz nicht mehr 12 bis 16 Stunden am Ger\u00e4t!) ergreift mich dieses Konglomerat aus Symptomen, die sich um die Arbeit am PC entwickeln, immer heftiger. Falsches Sitzen, zu langes Sitzen &#8211; es h\u00f6rt sich einfach an, aber es zu ver\u00e4ndern, ist eine sehr komplexe Bem\u00fchung, die auf mehreren Ebenen ansetzen muss: beim Ger\u00e4t,  bei den M\u00f6beln, bei den Bewegungsabl\u00e4ufen, bei den Arbeitsrythmen, der Abfolge von Arbeitszeiten und Pausen, von Minipausen und gr\u00f6\u00dferen Pausen, bei der Ein\u00fcbung genau passender Dehn- und Entspannungs\u00fcbungen  &#8211; es ist fast eine Wissenschaft und ich muss alles selber erforschen. Zwar gibt es Erfahrungen, Tipps und Therapien &#8211; aber wie immer sind es zu viele, zu widerspr\u00fcchliche auch, und jeder muss seinen Weg in die ganz pers\u00f6nliche Ergonomie letztlich doch selber ausexperimentieren.<\/p>\n<p>Und darauf freue ich mich! Schon jetzt mach ich interessante Erfahrungen, denn nie nie nie h\u00e4tt&#8216; ich gedacht, MIT LINKS arbeiten zu k\u00f6nnen! Das ist mir erst aufgefallen, als ich an einem anderen PC wieder auf Maus rechts umsteigen musste &#8211; die pl\u00f6tzliche Irritation, das Gef\u00fchl des etwas unbequem Ungewohnten machte mir klar: Das Umsteigen hat ja funktioniert! Und das bedeutet wiederum: Selbst drastische Ver\u00e4nderungen sind m\u00f6glich, nicht nur in jungen Jahren.<\/p>\n<p>Im Rahmen meiner Recherchen in dieser Sache bin ich auch auf ein Wunderm\u00f6bel gesto\u00dfen: den Sitz-Stehtisch, automatisch per Knopfdruck h\u00f6henverstellbar. F\u00e4hrt samt schwerem Monitor zu Stehh\u00f6he `rauf, wo ich  weiter arbeiten k\u00f6nnte, bis ich mich m\u00fcde f\u00fchle und wieder sitzen will. Einfach toll! Gerade erforsche ich, wieviele Modelle welcher Hersteller es gibt &#8211; ich will nicht blo\u00df so einen Tisch f\u00fcr mich und ganz allein gesunden, sondern versp\u00fcre Lust, ein Webprojekt in diesem Themenbereich zu machen, schlie\u00dflich sind viele I-Worker krank vom falschen Sitzen oder gerade dabei, es zu werden.<\/p>\n<p>Wer wei\u00df, wohin mich die Auseinandersetzung mit diesem Leiden noch bringen wird. Falsch f\u00e4nde ich es, einfach sitzen zu bleiben und mir einzureden, der Widerstand gegen den Schmerz sei das eigentliche Problem. Ich leiste keinerlei Widerstand, bet\u00e4ube mich nicht, lenke mich nicht ab sondern wende mich der Sache zu, beobachte, forsche und nehme alles sehr ernst. Mein Suchen und mein Handeln hat Tiefe und ich f\u00fchle den Sinn. Das Leiden gibt mir Orientierung und dient als Schl\u00fcssel zu neuen Erfahrungen. Doch nicht, indem ich da sitze und JA, AMEN  dazu sage, sondern indem ich Kraft und Sorgfalt darauf richte, es zu ver\u00e4ndern<\/p>\n<p>Ich f\u00fchre das mal so genau aus, weil ich in den letzten Jahren mit dieser Unterscheidung echte Probleme hatte. Voller Angst, wieder in den alten Macherwahn und das zwanghafte Weltverbessern zu verfallen, an dem ich Mitte drei\u00dfig so drastisch gescheitert war, hatte ich eigentlich seither gegen\u00fcber jedem Tun, jedem Wollen, jedem Begehren und jedem Ver\u00e4nderungswunsch vor allem Bedenken, Einw\u00e4nde, Ja-Abers. Ein gebranntes Kind lernt eben nicht nur dazu, sondern scheut auch das Feuer.<br \/>&nbsp;<br \/>\nAls Feuer-Luft-Temperament geht&#8217;s mir allerdings auf Dauer nicht gut, wenn ich mich allzu lange dem Leben verweigere und nur lamentierend auf dem Zaun sitze. Kann schon sein, dass ich mir immer wieder mal die Finger verbrenne oder gegen eine Wand laufe &#8211; na und? Ebenso wahrscheinlich ist, dass ich interessante M\u00f6glichkeiten zu wunderbaren Wirklichkeiten mache. Und wenn ich &#8211; anders als fr\u00fcher &#8211; vor allem das tue, was mir nicht erst im Erfolg, sondern im Tun selber Freude macht, kann sowieso nichts schief gehen.<\/p>\n<p>&#8222;Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr&#8230;&#8220; &#8211; ach ja ?<br \/>\nIm November hab&#8216; ich mit der Suche angefangen, Anfang Dezember meine Wunschwohnung gefunden und im Januar ziehe ich um!<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach vier einschl\u00e4gigen Texten ist es also wirklich Weihnachten geworden &#8211; jetzt aber will mir nichts &#8222;Weihnachtliches&#8220; mehr in die Tasten flie\u00dfen. 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