{"id":1557,"date":"2014-10-03T11:41:41","date_gmt":"2014-10-03T09:41:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=1557"},"modified":"2014-10-05T12:07:07","modified_gmt":"2014-10-05T10:07:07","slug":"der-sinn-des-lebens-nach-gregor-eisenhauer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2014\/10\/03\/der-sinn-des-lebens-nach-gregor-eisenhauer\/","title":{"rendered":"Der Sinn des Lebens nach Gregor Eisenhauer"},"content":{"rendered":"<p>Gestern blieb ich kurz beim RBB h\u00e4ngen geblieben. In der Sendung &#8222;Stilbruch&#8220; <a href=\"http:\/\/www.rbb-online.de\/stilbruch\/archiv\/20141002_2215\/Die-zehn-wichtigsten-Fragen-des-Lebens.html\">kam der Philosoph Gregor Eisenhauer zu Wort<\/a>, der seit 10 Jahren f\u00fcr den Tagesspiegel Nachrufe auf Berlinerinnen und Berliner schreibt. Kein Wunder, dass man so recht nahe an der Sinnfrage lebt. Eisenhauer hat nun ein Buch mit dem sch\u00f6nen Titel &#8222;Die zehn wichtigsten Fragen des Lebens in aller K\u00fcrze beantwortet&#8220; geschrieben. Es f\u00e4llt auf, dass dieser Titel mit dem Hinweis &#8220; in aller K\u00fcrze&#8220; dem Zeitgeist weit entgegen kommt: Sich allzu ausf\u00fchrlich mit Sinnfragen zu besch\u00e4ftigen, scheint unzumutbar, da baut man (= der Verlag?) lieber vor. :-) <!--more--><\/p>\n<p>Nun aber zu Eisenhauers wesentlichen Gedanken &#8211; z.B. diesem hier:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Erf\u00fcllt ist das Leben dann, wenn du dr\u00fcber nachdenken kannst und guthei\u00dft, was du getan hast. Das muss die Reihenfolge sein, erst dr\u00fcber nachdenken, was du getan hast und dann es guthei\u00dfen. Und nicht sagen, toll, was ich tue, und dann, bevor ich sterbe, denke ich mal dr\u00fcber nach!&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Man mag sich fragen, warum es nicht reichen soll, einfach toll zu finden, was man tut. Kann ein Leben &#8222;unerf\u00fcllt&#8220; sein, wenn jemand mehrheitlich alles &#8222;toll fand&#8220; was er oder sie im Leben so geleistet, unternommen oder unterlassen hat? <\/p>\n<p>Nehmen wir z.B. einen Tech-Blogger, der Jahr um Jahr in Vollzeit und dar\u00fcber hinaus \u00fcber technische Gadgets bloggt (die bald wieder uncool sind). Einen, der das ganz toll findet und sogar seinen Lebensunterhalt damit verdient. Wird er pl\u00f6tzlich aus dem aktiven Leben gerissen, z.B. durch einen Unfall, k\u00f6nnten ihm durchaus Gedanken kommen wie: <em>Soll das ALLES gewesen sein? Hab ich nicht eine Menge &#8222;richtiges Leben&#8220; verpasst? War da nicht noch was, au\u00dferhalb der Gadget-Welt?<\/em><\/p>\n<p>Am Beispiel wird deutlich, wann und warum sich solche Fragen stellen. Eisenhauer formuliert es so: <\/p>\n<blockquote><p>\n&#8222;Wir stellen uns nicht wirklich der Tatsache, dass wir irgendwann nicht mehr sind, weil das ist so kr\u00e4nkend, das ist f\u00fcr uns, die wir so verw\u00f6hnt sind vom Leben, eine so einschneidende Tatsache, dass wir irgendwann nicht mehr da sind, dass wir das weit weit von uns schieben. Bis zu dem Tag, an dem es zu sp\u00e4t ist.&#8220;\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Zu sp\u00e4t f\u00fcr was? Er meint vermutlich, um noch einen Ausgleich zu schaffen, um Dinge nachzuholen, die man vernachl\u00e4ssigt hat, ungelebte M\u00f6glichkeiten, die man im falschen Bewusstsein endloser Lebenszeit immer auf morgen oder &#8222;vielleicht n\u00e4chstes Jahr&#8220; verschoben hat. Am Lebensende muss es dann ziemlich frustrierend sein, zu erkennen, dass man sich die ganze Zeit mit Nichtigkeiten besch\u00e4ftigt hat, die angesichts des Endes keinen echten Wert haben. <\/p>\n<p>Was aber hat diesen echten Wert, jenseits des blo\u00dfen &#8222;hat Spass gemacht&#8220; ?<\/p>\n<p>Eben dar\u00fcber sollen wir nachdenken. Aber schauen wir mal ans andere Ende dieses Anspruchdenkens: Das Leben wird so gesehen leicht zum Projekt. Neben den Alltagsanforderungen tritt das Bem\u00fchen um Ausgewogenheit: Work-Life-Balance, Beziehung, Freundschaften, Familie, b\u00fcrgerschaftliches Engagement, Weiterbildung \/ Horizonterweiterung, Reisen, ausgleichende Hobbys, Sport, &#8222;Arbeit&#8220; an der Gesundheit &#8211; und <a href=\"http:\/\/minimamuse.wordpress.com\/2014\/10\/01\/oktober-challenge-7tagemit-mehr-muse\/\">Mu\u00dfe muss<\/a> ja auch noch irgendwo dazwischen passen!<\/p>\n<p>Schon weil man ja nicht wei\u00df, wann das Ende kommt, ist so eine auf die finale Bilanz ausgerichtete Lebensplanung kaum realistisch. Im Denken an die eigene Endlichkeit kommt etwas zutiefst Widerspr\u00fcchliches zu Bewusstsein. Es ist unm\u00f6glich, das Leben &#8222;vom Ende her&#8220; zu leben, denn kaum etwas h\u00e4tte angesichts dessen wirklich Bestand. Selbst jemand, der sein ganzes Leben dem Helfen und Welt verbessern verschrieben hat, w\u00fcrde sich fragen m\u00fcssen: Vers\u00e4ume ich nicht eine Menge? Wer bin ich, mal abgesehen von meinem sozialen Engagement? <\/p>\n<h2>Leben im Blick aufs Ende?<\/h2>\n<p>Ab und an die Sinnfrage zu stellen, ist dennoch nicht \u00fcberfl\u00fcssig &#8211; wir k\u00f6nnen nur nicht in ihr verweilen. Die bekannte Weisung &#8222;Lebe jeden Tag als w\u00e4re es dein letzter&#8220; ist eine unm\u00f6gliche Forderung, denn menschliches Leben findet in Erinnerung einer Vergangenheit und in Erwartung einer Zukunft statt. &#8222;Ganz im Hier und Jetzt&#8220; passt gut f\u00fcr eine Liebesnacht, f\u00fcr die Sauna und die Meditation aufs Fliegengesumm im Liegestuhl &#8211; aber nicht f\u00fcr alles andere, was wir so im Leben unternehmen, arbeiten, vorhaben und umsetzen. <\/p>\n<p>Letztendlich kommt auch Eisenhauer zu einer Antwort auf die Sinnfrage, die man angesichts seiner anderen Statements nicht erwarten w\u00fcrde:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Die Sinnfrage stellen sich meist nur Leute, die das Leben vor sich haben, wo das Lebensf\u00fclle so gro\u00df ist, dass man gar nicht ahnt, was man mit der ganzen Lebensf\u00fclle machen soll. Wenn sich die Lebensf\u00fclle eindampft auf nur noch wenige Tage oder Wochen, dann ist die Antwort eindeutig die: Lass mich noch einen Tag, eine Stunde hier sein. Das ist der Sinn des Lebens: Da sein.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<h2>Wer lebt? Wer stirbt?<\/h2>\n<p>Dar\u00fcber, dass dieses Dasein endlich ist, tr\u00f6sten sich die Menschen auf unterschiedliche Weise. Religionen versprechen die Weiterexistenz in einem &#8222;Jenseits&#8220;, viele glauben an eine Wiedergeburt und unendlich viele Leben. Mir ist beides nicht m\u00f6glich, also musste ich etwas Anderes finden: Die Ent-Identifizierung mit diesem besonderen sterblichen Ich. Kommen mir solche Gedanken, halte ich dagegen: Dass da ein &#8222;Ich&#8220; sei, ist sowieso nur eine praktische Illusion f\u00fcrs allt\u00e4gliche Leben. In Wahrheit ist nirgends ein substanzielles ICH, keine wandernde Seele, nichts dergleichen. Wenn \u00fcberhaupt ETWAS ist, dann ist es ALLES &#8211; und so bin ich wie ein Blatt am Baum, eines von Milliarden. Was &#8222;ich&#8220; nicht erlebe, erleben Andere &#8211; alles selber haben\/erleben zu wollen, ist auch nur eine Form von Gier. Also etwas zum Abgew\u00f6hnen!<\/p>\n<p>Mal schauen, ob dieser Trost bis an mein pers\u00f6nliches Ende reicht. :-)<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3832197591\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&#038;camp=1638&#038;creative=19454&#038;creativeASIN=3832197591&#038;linkCode=as2&#038;tag=digitaldiary-21&#038;linkId=DBKJY274MK4DHLHI\"><img decoding=\"async\" border=\"0\" src=\"http:\/\/ws-eu.amazon-adsystem.com\/widgets\/q?_encoding=UTF8&#038;ASIN=3832197591&#038;Format=_SL160_&#038;ID=AsinImage&#038;MarketPlace=DE&#038;ServiceVersion=20070822&#038;WS=1&#038;tag=digitaldiary-21\" ><\/a><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/ir-de.amazon-adsystem.com\/e\/ir?t=digitaldiary-21&#038;l=as2&#038;o=3&#038;a=3832197591\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" \/><\/p>\n<p><strong>Die zehn wichtigsten Fragen des Lebens in aller K\u00fcrze beantwortet<\/strong><br \/>\nVon Gregor Eisenhauer<br \/>\n254 Seiten, gebunden<br \/>\nVerlag: Dumont<\/p>\n<p>***<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestern blieb ich kurz beim RBB h\u00e4ngen geblieben. 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