{"id":1486,"date":"2014-06-18T11:51:45","date_gmt":"2014-06-18T09:51:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=1486"},"modified":"2016-02-09T13:21:05","modified_gmt":"2016-02-09T12:21:05","slug":"der-schleier-der-hormone-abenteuer-altern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2014\/06\/18\/der-schleier-der-hormone-abenteuer-altern\/","title":{"rendered":"Der Schleier der Hormone &#8211; Abenteuer Altern"},"content":{"rendered":"<p><em>Maike (kleinerdrei.org) setzt sich in ihrem Artikel <a href=\"http:\/\/kleinerdrei.org\/2014\/06\/i-am-oldschool-baby\/\">&#8222;I am oldschool, Baby&#8220;<\/a> mit dem eigenen Altern auseinander. Sie ist 44 und w\u00fcnscht sich Beitr\u00e4ge von \u00c4lteren, was mich zu einem langen Kommentar inspiriert hat. Da das ein ziemlich langer und sehr pers\u00f6nlicher Text geworden ist, stelle ich ihn auch hier ein &#8211; damit ich in zehn Jahren (sofern ich dann noch lebe und mir sowas in den Kopf kommt) mal schauen kann, was mittlerweile aus mir geworden ist, verglichen mit heute.<\/em><\/p>\n<p>Nun denn: ich werde diesen Sommer 60 und hab die Auseinandersetzung mit &#8222;Altern&#8220; weitgehend hinter mir (kommen wird nur noch jene mit zunehmender Gebrechlichkeit, die uns alle irgendwann erwischt. Nachlassende Kr\u00e4fte sp\u00fcrte ich schon ab Mitte\/Ende 40&#8230;)<br \/>\n<!--more--><br \/>\nAuch ich bin kinderlos (wollte es nie anders) und das ist aus meiner Sicht eine Erleichterung in Sachen Altern, da es etliche Rollenerwartungen erspart, die Kinder und Enkel mit sich bringen.<\/p>\n<p>Gl\u00fcck hatte ich auch mit meinem Geburtsjahr, denn meine &#8222;wilde Jugendzeit&#8220; konnte ich in den 70gern und 80gern erleben &#8211; eine Zeit, in der noch nicht so ein &#8222;Mode-Druck&#8220; und Schlankwahn herrschte wie heute. Ganz im Gegenteil waren wir konsumkritisch und h\u00fcllten uns in unauff\u00e4llige Jeans, T- und Sweatshirts in blue und schwarz &#8211; eine Klamotten-(Un-)kultur, die ich einfach nie abgelegt habe, da ich mich nicht gro\u00df f\u00fcrs Selbst-Styling interessiere (Ausnahmen waren immer nur mal ein paar Monate heftiger Verliebtheit). Meine Haare hab ich nur einmal mit 18 gef\u00e4rbt und dann nie wieder &#8211; sie gehen in den letzten Jahren in hellgrau-blond, im Sommer in fast wei\u00df \u00fcber und mir gef\u00e4llt das! Weil ich es viel zu selten zum Fris\u00f6r schaffe, sind sie meist &#8222;zu lang f\u00fcr mein Alter&#8220;, aber das interessiert mich nicht und mein (14 Jahre j\u00fcngerer) Liebster findet sie gut.<\/p>\n<p>Mit den Wechseljahren \u00e4ndern sich K\u00f6rper, Gef\u00fchle und auch der Geist. Mein ganzes Leben lang hab ich mich als selbstbestimmte Person empfunden, die tut was sie will, sagt was sie denkt und die sich von niemandem die Butter vom Brot nehmen l\u00e4sst. Bin mir sicher, dass das auch heute noch von Menschen, die mich lange kennen, so best\u00e4tigt w\u00fcrde.<\/p>\n<p>ABER: erst mit den Wechseljahren hab&#8216; ich gemerkt, was WIRKLICHE GEISTIGE FREIHEIT ist!!! Alle Welt redet beim Thema &#8222;Wechseljahre&#8220; von irgendwelchen Zipperlein, vom Nachlassen \u00e4u\u00dferer Attraktivit\u00e4t, von Verlusten aller Art. Total verr\u00fcckt! F\u00fcr mich war es unglaublich toll, zu bemerken, wie der &#8222;Schleier der Hormone&#8220; von mir abf\u00e4llt!! Ja, so hab ich es wirklich empfunden und nur gestaunt, dass ich diesen &#8222;Schleier&#8220; im &#8222;Leben davor&#8220; nie wirklich bemerkt hatte.<\/p>\n<p>Was meine ich damit? Es gibt eine Form des Sich-Beziehens auf andere, auf Partner, Freunde, gesch\u00e4tzte Autorit\u00e4ten, auf &#8222;innere Stimmen&#8220;, mit denen ich wie selbstverst\u00e4ndlich mein Leben lang &#8211; tats\u00e4chlich oder in Gedanken &#8211; Dialoge f\u00fchrte, um quasi das f\u00fcr mich Richtige, Gute, Wahre und Sch\u00f6ne heraus zu finden. Damit einher ging auch immer eine \u00e4u\u00dfere Suche &#8211; als g\u00e4be es da irgendwo gro\u00dfartige weise Frauen oder M\u00e4nner, die es besser w\u00fcssten als ich. Vielerlei Weisheitsb\u00fccher bis hin zur Ratgeberliteratur lesen war eine Form dieser Suche &#8211; aber diese Haltung pr\u00e4gte auch ganz selbstverst\u00e4ndlich das Alltagsverhalten. Meine Selbstsicherheit war (vor den Wechseljahren) nie wirklich bis ins tiefste Innere echt, denn es gab da immer diese zweifelnden, in Frage stellenden Stimmen, die ich &#8211; jeweils mit mehr oder weniger M\u00fche &#8211; irgendwie zum Schweigen bringen musste.<\/p>\n<p>Ein wichtiges Element dieser Seinsweise war auch das Selbstbild, das ich von mir hatte: immer bei den Guten, immer bem\u00fcht, alles richtig und m\u00f6glichst perfekt, kontrolliert und unangreifbar zu machen, mutwillig blind gegen\u00fcber den eigenen Fehlern, Ecken und Kanten. Bekam dieses Selbstbild mal irgendwelche Risse, wollte ichs nicht wahrhaben und machte &#8222;die Umst\u00e4nde&#8220; verantwortlich. Und da ich selber so mit mir umging, fiel es mir auch schwer, die Andersheit der Anderen gelassen zu tolerieren &#8211; bis hin zum in der Tendenz kritischen und &#8222;erzieherischen&#8220; Umgang mit geliebten Partnern.<\/p>\n<p>Die Wechseljahre ERL\u00d6STEN mich von alledem! Der innere Dialog ist verstummt, ich suche nicht mehr nach Weisheit bei Fremden, sondern folge meiner Intuition, meiner Erfahrung, meinen Impulsen. Was ANDERE \u00fcber mich meinen &#8211; sei es das \u00c4u\u00dfere oder meine Gedanken und Taten &#8211; interessiert mich nurmehr ganz sachlich als Feedback zum jeweiligen Thema. Es TRIFFT mich nicht, verunsichert mich nicht, denn ich bin mir ja meiner Selbst (inkl. &#8222;Fehler&#8220;) und meiner Handlungen ganz anders bewusst als fr\u00fcher. Gilt \u00fcbrigens f\u00fcr Lob genauso wie f\u00fcr Tadel &#8211; oft sagt beides mehr \u00fcber die Person aus, die sie \u00e4u\u00dfert, als \u00fcber mich.<\/p>\n<p>So erlebe ich seit Ende vierzig eine wunderbare Gelassenheit und gro\u00dfe Freiheit. Wenn die \u00d6strogene (der &#8222;Schleier&#8220;) runter fahren, erlebt frau erstmal einen Testosteron-\u00dcberschuss: innerer Kraftzuwachs, Mut, Risikobereitschaft, sich nochmal neu erfinden, allerlei erleben und wagen, was man bisher aus irgendwelchen Vorbehalten, Bedenken, Selbstbild-Problemen nicht in Betracht zog. Neue erotische Abenteuer, Phasen mit besonderer Freude am Sex&#8230;<\/p>\n<p>Mit den weiter fortschreitenden Jahren harmonisiert sich das dann wieder und frau empfindet sich in ruhigerem Fahrwasser, ohne etwas zu vermissen.<\/p>\n<p>Barbara schreibt in ihrem Kommentar:<\/p>\n<blockquote><p>\n&#8220; Ich kenne im \u00fcbrigen so tolle Frauen 50+, die mit mir in den Clubs<br \/>\nabrocken, dass ich nicht wirklich Sorge trage, dass unsere Generation<br \/>\nirgendwie per Gesetz verpflichtet ist, trutschig zu werden:).&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Wenn &#8222;truschig&#8220; bedeutet, sich solche Events nicht mehr anzutun, dann bin ich GERNE truschig! :-) Die Interessen \u00e4ndern sich und auch das, was Freude macht! Mich macht es heute richtig gl\u00fccklich, wenn ich irgendwo n\u00fctzlich sein, mit meiner Lebenserfahrung helfen kann &#8211; OHNE dass ich das irgendjemandem aufdr\u00e4ngen m\u00fcsste oder wollte. Und ich hab einen <a href=\"http:\/\/www.das-wilde-gartenblog.de\">Garten<\/a>&#8230;<\/p>\n<p>Mit das Sch\u00f6nste ist, die Andersheit der Anderen (auch des Partners) gelassen akzeptieren und oft sogar sch\u00e4tzen zu k\u00f6nnen. Meine N\u00e4chsten muss ich nicht mehr &#8222;erziehen&#8220; bzw. ungefragt belehren, sondern nur jeweils die passende N\u00e4he oder Distanz w\u00e4hlen. Das geht am besten, indem ich alleine wohne &#8211; ein Zustand, in dem ich mich &#8222;angekommen&#8220; und gl\u00fccklich f\u00fchle.<\/p>\n<p>Alles in allem: das Altern kann mehr Freiheit und viele neue Abenteuer bedeuten, doch ist die Voraussetzung daf\u00fcr Offenheit f\u00fcr Ver\u00e4nderung, nicht Festhalten-wollen am Gewohnten, Emanzipation von Rollenerwartungen aller Art.<\/p>\n<p>Freu dich drauf!<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Maike (kleinerdrei.org) setzt sich in ihrem Artikel &#8222;I am oldschool, Baby&#8220; mit dem eigenen Altern auseinander. 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