{"id":1480,"date":"2014-06-15T14:29:52","date_gmt":"2014-06-15T12:29:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=1480"},"modified":"2014-06-15T23:25:32","modified_gmt":"2014-06-15T21:25:32","slug":"vertrauenskrise-im-web-googles-algorithmus-wird-uns-nicht-helfen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2014\/06\/15\/vertrauenskrise-im-web-googles-algorithmus-wird-uns-nicht-helfen\/","title":{"rendered":"Vertrauenskrise im Web: Googles Algorithmus wird uns nicht helfen!"},"content":{"rendered":"<p>Mittlerweile ist es auch ein Thema der Gro\u00dfmedien: Heerscharen bezahlter Meinungsmacher (<a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/propaganda-aus-russland-putins-trolle-1.1997470\">&#8222;Putins Trolle&#8220;<\/a>) im Dienste russischer Interessen mischen die Debatten in den Kommentariaten auf und beeinflussen die Mitlesenden in Sinne ihrer Auftraggeber. Stammleser <a href=\"http:\/\/hinterwaldwelt.blogspot.de\/\">Hardy<\/a>, mit dem ich ziemlich ausschweifend \u00fcber die Folgen und den Verfall der Netzkultur diskutiere, <a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2014\/06\/10\/netzutopie-frieden-unter-den-menschen\/#comment-51779\">sieht einen allgemeinen Vertrauens-GAU<\/a> im Netz, der bisher kaum thematisiert werde:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Wir gehen ins Netz, weil wir etwas wissen wollen. Wir wollen nachgucken, wenn wir was kaufen, was andere dazu sagen. Wir wollen unsere eigene Meinung an dem messen, was im Internet gemeint wird. Wir k\u00f6nnen das nur, wenn wir <strong>Vertrauen<\/strong> haben k\u00f6nnen.<br \/>\nUnd das ist mein zentraler punkt: dieses Vertrauen wird durch viele Dinge systematisch zerst\u00f6rt \u2026 und statt daran zu arbeiten, da\u00df das thematisiert und aufbereitet wird, erleben wir die drei Affen: <strong>nichts sehen, nichts h\u00f6ren, nichts sagen<\/strong>. Das ist meine Kritik an dem, was sich f\u00fcr \u201cNetzgemeinde\u201d h\u00e4lt \u2013 Orchideenthemen, Ichfixiertheit, Fangemeinde.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p><!--more--><br \/>\nNun ist &#8222;Vertrauen im Netz&#8220; kein ganz neues Thema, Aspekte davon werden seit Jahren unter dem <a href=\"http:\/\/2012.tagdermedienkompetenz.de\/wp\/category\/vertrauen\/\">Stichwort &#8222;Medienkompetenz&#8220;<\/a> verhandelt &#8211; allerdings eher im Kontext von Datenschutz und Big Data als mit Blick auf die Inhalte und ihre Verfasser, mit denen wir im Netz t\u00e4glich umgehen. Verweist zum Beispiel jemand als &#8222;Beleg&#8220; f\u00fcr eine krasse Behauptung auf einen Artikel im Web: Wie k\u00f6nnen wir wissen, ob man dem ver\u00f6ffentlichenden Medium bzw. dem jeweiligen Autor \/ der Autorin vertrauen kann? Wie lie\u00dfe sich erkennen, in wessen Auftrag bzw. f\u00fcr welche Interessen dort publiziert wird? Noch weit weniger einsch\u00e4tzbar sind anonyme und pseudonyme Kommentierer, die nicht immer deutlich als &#8222;Troll&#8220; erkennbar sind, wenn sie menschenverachtende, asoziale Sichtweisen verbreiten &#8211; Statements, die die niedersten Beweggr\u00fcnde im Menschen ansprechen und ihnen per &#8222;das wird man ja nochmal sagen d\u00fcrfen&#8220; den Status einer zu tolerierenden &#8222;anderen Meinung&#8220; verschaffen.  <\/p>\n<h2>Googles &#8222;Author Rank&#8220;: Vertrauen per Algorithmus?<\/h2>\n<p>Mittlerweile gibt es kaum mehr ein menschliches Bed\u00fcrfnis, f\u00fcr das uns Google nicht schon eine eigene L\u00f6sung anbietet. In Sachen &#8222;Vertrauen&#8220; ist es <a href=\"http:\/\/www.seo-trainee.de\/google-authorship-markup-und-author-rank-eine-einfuehrung\/\">Googles Author Rank<\/a>, der die Dinge richten soll: Jedem ein GooglePlus-Profil, Aufhebung jeglicher Anonymit\u00e4t, Verkn\u00fcpfung der von einer Person ver\u00f6ffentlichten Artikel mit dem Profil (Authorship) plus einer &#8211; nat\u00fcrlich geheim bleibenden &#8211; algorithmischen Bewertung,  sowie dem sich daraus ergebenden &#8222;Author-Rank&#8220;. <\/p>\n<p>So  &#8222;vertrauensw\u00fcrdig&#8220; gemachte Artikel sollen dann (irgendwann? Schon jetzt?) in den Suchergebnissen weiter vorne stehen als andere Beitr\u00e4ge ohne &#8222;verifizierte&#8220; Autorschaft. So ein Link sieht dann so aus:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2014\/06\/06\/geiler-content\/\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/authorship.png\" alt=\"Suchergebnis mit Autor-Markup\" width=\"460\" height=\"112\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1484\" srcset=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/authorship.png 460w, https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/authorship-300x73.png 300w\" sizes=\"(max-width: 460px) 100vw, 460px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Zweifellos ist ein Artikel von einer realen Person, die mit ihrem Namen zu den ver\u00f6ffentlichten Inhalten steht, erstmal glaubw\u00fcrdiger als einer aus anonymer Quelle. <em>(Immerhin wagt es der- bzw. diejenige, im &#8222;richtigen Leben&#8220; auf die Inhalte angesprochen zu werden)<\/em>. Wer aber sagt mir, dass der von Googles Algorithmen erfasste &#8222;echte Autor&#8220; auch wirklich echt ist? Auch wieder nur Google, indem ich den Namen google und mehr \u00fcber die Person finde oder auch nicht. Immer wieder werden aufw\u00e4ndige Fake-Profile bekannt, deren Verfasser\/innen es schafften, andere f\u00fcr lange Zeit \u00fcber die eigene Identit\u00e4t zu t\u00e4uschen. Schlie\u00dflich ist es ein Leichtes, jede Menge Infos &#8222;\u00fcber sich&#8220; im Web zu verteilen. <\/p>\n<p>Geht das in Teilen sinnvolle Bem\u00fchen um Transparenz in Sachen Autor\/innenschaft auch noch in ein &#8222;Ranking&#8220; ein, wird es ziemlich absurd, denn was kann ein Algorithmus schon bewerten? <a href=\"http:\/\/www.seo-trainee.de\/google-authorship-markup-und-author-rank-eine-einfuehrung\/\">Amke Pistoor (Seo Trainee) nennt als m\u00f6gliche Ranking-Faktoren<\/a> zum Beispiel <\/p>\n<ul>\n<li>die Umlaufgeschwindigkeit von Artikeln, gemessen an Tweets, +1, Likes und Shares, <\/li>\n<li>die Follower-Zahl und die Aktivit\u00e4ten im Google+-Profil des Autors,<\/li>\n<li>die H\u00e4ufigkeit der Artikel<\/li>\n<li>die Autorit\u00e4t der ver\u00f6ffentlichenden Seiten.<\/li>\n<\/ul>\n<p>H\u00f6chstens das letzte Kriterium hat aus meiner Sicht einen gewissen Vertrauens-Impact, alle anderen kann jeder Spinner mit &#8222;geilem Content&#8220; erreichen. Googles Suchergebnisse und Linkbewertungen repr\u00e4sentieren im \u00fcbrigen nicht die ganze Online-Welt. In vielen Zusammenh\u00e4ngen spielt Googles Autoren-Kennzeichnung keine Rolle &#8211; und angesichts der sowieso schon schier \u00fcberw\u00e4ltigenden Pr\u00e4senz der Suchmaschine finden wir das tendenziell auch gut so. <\/p>\n<h2>Wir m\u00fcssen selbst Vertrauen schaffen<\/h2>\n<p>Programme und Algorithmen werden uns vor dem Fluch der massiven Vertrauensverluste nicht retten, das m\u00fcssen wir schon selber machen. Menschen suchen Orientierung im Netz &#8211; und viele vertrauen auf das, was sie da so lesen in derselben fraglosen Art, wie man einst dem gedruckten Wort vertraute: Es steht ja in der Zeitung, es muss also was Wahres dran sein&#8230; <em>(Dass eine &#8222;professionell aussehende&#8220; Webseite mit ein paar Mausklicks ins Web gestellt werden kann, ist z.B. allen nicht bewusst, die sich noch nie mit dem Erstellen von Web-Medien befasst haben)<\/em><\/p>\n<p>Wer jetzt meint, das sei halt Dummheit und es sei doch Sache jedes Individuums, sich mehr Medienkompetenz anzueignen, pflegt sein arrogantes Elite-Bewusstsein, tr\u00e4gt aber zur L\u00f6sung nichts bei. <\/p>\n<p>Fragen wir uns doch mal alle ernsthaft: Was kann man, was k\u00f6nnen wir, was kann ich tun, um Vertrauen wieder herzustellen? <\/p>\n<p>Als alter schreibfreudiger Webworkerin f\u00e4llt mir dazu erstmal nur ein: vertrauenserweckende Webseiten bauen, ordentliche Informationen versammeln, kommentierte Linklisten zu Medien erstellen, also selber zur ORIENTIERUNG beitragen, die die Menschen im Web suchen.<\/p>\n<p>Gestalterisch w\u00e4re das ein &#8211; teilweises &#8211; Zur\u00fcck zu gut sichtbaren Themenseiten und weg von der \u201cOrdnung\u201d, die sich seit dem Aufkommen der Blogs allein am Erscheinungsdatum eines Artikels festmacht. Personen statt Themen, Datum statt Inhalt &#8211; diese neue &#8222;Sortierung&#8220; hat ja die ktastrophale Wirkung, dass alles Wissen und alle Bewertungen, die kundige Menschen ab und an ver\u00f6ffentlichen, schnell aus der Aktualit\u00e4t verschwinden. \u201cLetzte Artikel\u201d hilft da auch nichts, im Gegenteil.<\/p>\n<p>F\u00fcr Menschen, die Orientierung zu relevanten Themen suchen, sind chronologisch geordnete Meinungsbeitr\u00e4ge unbekannter Leute aus den letzten paar Tagen oder Wochen wenig hilfreich. Man k\u00f6nnte aus dem Siegeszug dieser Struktur glatt eine Verschw\u00f6rungstheorie basteln: ja, lass sie nur frei reden, aber wir geben ihnen daf\u00fcr Werkzeuge und Plattformen, die so vorstrukturiert sind, dass alles gleich verschwindet und nie wieder gefunden wird.<\/p>\n<p>Unterst\u00fctzt  wird das auch noch vom Google-Algorithmus, der bei der Zusammenstellung der Suchergebnisse ein klares Aktualit\u00e4ts-Kriterium anlegt (was im Kommerz-Bereich dazu f\u00fchrt, dass man in Abst\u00e4nden dasselbe wieder schreiben muss, mit etwas anderen Worten).<\/p>\n<p><strong>Was das Kommentardilemma angeht:<\/strong> Die Gro\u00dfmedien sind ja sp\u00e4testens jetzt auf das Problem aufmerksam geworden und werden sich evtl. etwas einfallen lassen. Die <a href=\"https:\/\/krautreporter.de\/das-magazin\">Krautreporter<\/a>, die nun starten werden, lassen nur die Abonennten kommentieren \u2013 ein Beispiel, das vielleicht Schule machen wird. Auch die Gro\u00dfmedien werden drauf kommen, die Zahlschranke nicht vor Artikel, sondern vor ihre Communities zu setzen, die sie dann auch ernsthafter betreiben werden. Hoffentlich mit aussagekr\u00e4ftigen Profilen und ohne Linkgeiz: Wenn man zu den eigenen Seiten, Profilen und sonstigen Ver\u00f6ffentlichungen nicht verweisen darf, wird das nichts mit &#8222;vertrauensw\u00fcrdigen Kommentaren&#8220;.<\/p>\n<p>Dies sind ein paar zugegeben unausgegorene Vorschl\u00e4ge und gewiss finden sich leicht zu alledem Argumente im Stile von &#8222;geht nicht, weil&#8230;&#8220;.<br \/>\nEs w\u00e4re allerdings sch\u00f6n, wenn es nicht dabei bliebe!<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mittlerweile ist es auch ein Thema der Gro\u00dfmedien: Heerscharen bezahlter Meinungsmacher (&#8222;Putins Trolle&#8220;) im Dienste russischer Interessen mischen die Debatten in den Kommentariaten auf und beeinflussen die Mitlesenden in Sinne ihrer Auftraggeber. 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