{"id":1431,"date":"2014-04-17T00:37:39","date_gmt":"2014-04-16T23:37:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=1431"},"modified":"2014-04-22T12:32:16","modified_gmt":"2014-04-22T11:32:16","slug":"plan-b-oder-hypertext-als-utopie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2014\/04\/17\/plan-b-oder-hypertext-als-utopie\/","title":{"rendered":"&#8222;Plan B&#8220; oder Hypertext als Utopie"},"content":{"rendered":"<p>W\u00e4hrend einer <a href=\"https:\/\/plus.google.com\/u\/0\/+StefanM%C3%BCnzSELF\/posts\/bUz4F5XXnXH\">von Stefan M\u00fcnz angezettelten Diskussion auf Google+,<\/a> die sich thematisch schnell von ihrem Startimpuls (<a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/netzwelt\/netzpolitik\/springer-chef-doepfner-kritisiert-internet-monopol-von-google-a-964652.html\">&#8222;Springer-Chef D\u00f6pfner: &#8222;Wir haben Angst vor Google&#8220;<\/a>) weg und \u00fcber &#8222;Google&#8220;, &#8222;Monopole&#8220;, &#8222;Kapitalismus&#8220; hin zur Lage der Menschheit insgesamt bewegte, kam mal wieder der &#8222;Plan B&#8220; zur Sprache. Kann ja nicht ausbleiben, wenn man sich weitgehend einig ist, dass es kracht, wenn wir so weiter machen wie bisher &#8211; fast egal, welches B\u00fcndel an Hauptursachen und vermutlicher Zeit, die uns bleibt, den einander weitgehend fremden Gespr\u00e4chsteilnehmern so vorschwebt.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nNun war das Mem &#8222;Plan B&#8220; einigen Mitdiskutanten bereits insofern bekannt, als sie sich  vor etlichen Jahren &#8211; in der euphorischeren Anfangszeit von Google+ &#8211; tats\u00e4chlich selbst daran gemacht hatten, einen &#8222;Plan B&#8220; zu entwickeln. Einfach mal so aus einem Kommentar-Thread heraus, jedoch mit Umsteigen auf ein Google-Doc. Ja warum denn nicht? Wir haben ja l\u00e4nger schon Internet&#8230; :-) <\/p>\n<p>Ich war zwar Feuer und Flamme f\u00fcr die Intention des Vorhabens (wer sucht heute nicht gerne nach Weltrettung?), hatte aber nicht den Schimmer einer Hoffnung, dass diese Herangehensweise etwas bringen w\u00fcrde. Was ja nicht wundert angesichts der Erl\u00e4uterung, die Stefan M\u00fcnz als &#8222;Moderator&#8220; auf <a href=\"http:\/\/claudia-klinger.de\/archiv\/symposium\/t_an_c.htm\">Rolf Todescos<\/a> Erw\u00e4hnung des &#8222;Plan B&#8220; der unwissenden Mehrheit der Mitlesenden  nachreichte:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Vielleicht sollten wir die anderen Mitdiskutanten hier mal \u00fcber die Backgrounds aufkl\u00e4ren. Wir hatten vor etwa zweieinhalb Jahren &#8211; ausgehend von einer Google+-Diskussion mit ein paar Leuten eine Google Group eingerichtet, in der wir ganz in Ruhe eine neue Menschheitsverfassung entwickeln wollten, die als ein GoogleDoc gemeinsam bearbeitet werden konnte. Warum immer am hier und heute kleben, warum nicht mal versuchen, alles irgendwie anders und besser zu denken? Das war die Devise.<br \/>\nDie Gruppe gibts auch noch:<br \/>\nhttps:\/\/groups.google.com\/forum\/#!forum\/verfassungen-verfassen<br \/>\nBei uns war es damals so, dass wir uns nach einer Weile doch irgendwie verzettelt haben, einander nicht mehr so richtig folgen konnten in den Gedankeng\u00e4ngen, und dann war da ja auch noch dieses &#8222;echte Leben&#8220;, mit Geldverdienenm\u00fcssen, Familie und so. Jedenfalls ist die Sache dort wieder eingeschlafen. Aber vielleicht gelingts ja trotzdem noch &#8211; es darf dort gerne weiter gerungen werden &#8211; und dann bekomme ich vielleicht auch mal wieder Lust \u00f6fters dort mitzumischen. Aber die Z\u00fcndkerze spielen m\u00f6chte ich eigentlich nicht :-)\ufeff&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Wow, jetzt beim Verlinken der <a href=\"https:\/\/groups.google.com\/forum\/#!forum\/verfassungen-verfassen\">&#8222;Gruppe&#8220;<\/a> sehe ich, wie weit die Leute noch gegangen sind &#8211; so mit Herzblut und Textarbeit, Diskussion und Web\/Netz-Konfiguration&#8230;  Ich bin schon abgesprungen, als es noch nicht mehr gab aus 1,5 gef\u00fchlte DIN A4-Seiten eines Dokuments, das dann &#8211; wie ich jetzt sehe &#8211; noch deutlich gewachsen ist. (Es hei\u00dft <a href=\"https:\/\/docs.google.com\/document\/d\/1Bm46urYBjBcG8QP4o_MJauHCKrrjBS8lhHDplW2pQxk\/edit?disco=AAAAAETMHwQ\">&#8222;Entwurf einer Verfassung&#8220;<\/a> &#8211; hab es auch jetzt nicht weiter gelesen).<\/p>\n<p><strong>Warum das so nicht geht?<\/strong> Weil auch &#8222;Plan A&#8220; kein PLAN ist, sondern ein Geschehen. Allerdings eines, das sich in seinen s\u00e4mtlichen \u00fcblen Ausw\u00fcchsen auf menschliches Handeln, Wollen, Sehnen und Entscheiden zur\u00fcckf\u00fchren l\u00e4sst. Da ist kein Gott (der sich speziell um unser Schicksal k\u00fcmmert) und auch keine Natur, der wir nur trauen br\u00e4uchten (die kommt gut ohne uns aus) &#8211; wir sind als ganze Menschheit wie auch als Individuum tats\u00e4chlich voll verantwortlich, zumindest unbezweifelbar urs\u00e4chlich f\u00fcr dieses &#8222;<a href=\"http:\/\/www.sein.de\/gesellschaft\/nachhaltigkeit\/2014\/nasa-kollaps-unserer-zivilisation-unausweichlich.html\">dem Untergang beschleunigt entgegen rennen<\/a>&#8222;, das wir als ab und an wache Individuum kaum \u00fcbersehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Gegen Plan A, der keiner ist, kann man nicht mit einem &#8222;Plan B&#8220; antreten, der ernsthaft versucht, PLAN zu sein. Wir k\u00f6nnen uns in einer Debatte ja meist nicht mal mehr \u00fcber die Bedeutung der Begriffe einigen, und bei jeder erdenklichen vorgeschlagenen Regel finden sich kreative Geister, die deren Kollateralsch\u00e4den glaubhaft aufzeigen. Zudem kommen beim Begriff &#8222;Plan B&#8220;, wenn er im Kontext &#8222;Kapitalismus&#8220; auftaucht, auch immer gleich Bef\u00fcrchtungen auf, dass m\u00f6glicherweise die FREIHEIT beschr\u00e4nkt werden solle &#8211; und das geht ja gar nicht&#8230;<\/p>\n<p>&#8222;Plan B&#8220; muss genauso ein Geschehen sein wie &#8222;Plan A&#8220;. Er kann nicht ausgedacht, verabredet und durchgesetzt, sondern muss GELEBT werden. Damit meine ich jetzt NICHT die gr\u00fcne Agenda \u00f6kologischeren und ges\u00fcnderen Lebens, sondern die Art, wie wir Politik machen, machen wollen, sollten und k\u00f6nnten &#8211; in Zeiten des Internets. Wie wir es schaffen k\u00f6nnten, dieses krasse Lemminge-Verhalten zu beenden.<\/p>\n<p>Dabei ist das wichtigste Wort das &#8222;wir&#8220;, nicht das &#8222;wie&#8220;. Im letzteren Bereich sind Menschen begnadet erfinderisch, wenn sie entsprechend motiviert sind. Da m\u00fcssen wir uns keine Sorgen machen.<br \/>\nDas Problem ist das planetare &#8222;wir&#8220;, das so schwer mitf\u00fchlbar ist, weil unsere Psyche noch immer auf der Stufe eines Stammesbewusstseins verharrt: Die Anderen, die Fremden, die Leute da irgendwo im Rest der Welt sind uns nicht so nah und wichtig. Nicht mal der Wohnungsnachbar ist es ja noch, egal wie sozial und menschenfreundlich unsere Gesinnung &#8222;im Prinzip&#8220; sein mag.<\/p>\n<p>Da nun aber mehr und mehr Menschen in aller Welt Anschluss ans Netz bekommen, wird es immerhin m\u00f6glich, bwz. POTENZIELL m\u00f6glich, miteinander zu reden. Sogar im &#8222;richtigen Leben&#8220; ist das l\u00e4nger schon leicht machbar, sei es im Kontext Migration, &#8222;Fl\u00fcchtlingsstrom&#8220; oder Tourismus. Dass wir trotz Abdankung der Gatekeaper nicht mal in Europa wirklich zu einem &#8222;gro\u00dfen Gespr\u00e4ch&#8220; \u00fcber Grenzen hinweg finden, ist bezeichnend f\u00fcr das Versagen in Sachen &#8222;wir&#8220;. <\/p>\n<p>Wer aber soll die Welt retten wenn nicht wir?<\/p>\n<p>&#8222;Hypertext als Utopie&#8220; ist mir in den Sinn gekommen, weil ich &#8211; angeregt durch das Gespr\u00e4ch &#8211; ein altes Interview mit Stefan M\u00fcnz nochmal las: <a href=\"http:\/\/www.webwriting-magazin.de\/muenz.htm\">Hypertext als vergessene Kunst<\/a>. Da sagte Stefan: <\/p>\n<blockquote><p>\n&#8222;Hypertexting erfordert ein eigenes, andersartiges redaktionelles Arbeiten. In den meisten Redaktionen wird nur herk\u00f6mmlich gearbeitet, eben so, wie du es beschreibst. Bei der Texterstellung wird nicht ber\u00fccksichtigt, was es zu dem Thema bereits gibt im Web, der Text stellt sich selber nicht bewu\u00dft in den Kontext der anderen Texte. Die meisten neuen Texte sagen zwischen den Zeilen immer nur das eine: &#8222;jetzt komm ich, und ich bin das einzig Wahre, was zu dem Thema gesagt wird&#8220;. Gerade Magazine, die aus diesem Selbstbewu\u00dftsein ihr ganzes Daseinsrecht ableiten, tun sich schwer mit echtem Hypertext. Denn Hypertexting ist &#8222;kongeniales&#8220; Arbeiten, ein Akzentesetzen im Bewu\u00dftsein, f\u00fcr ein gro\u00dfes Ganzes zu arbeiten, das nicht nur auf der eigenen Domain stattfindet.&#8220;\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Ich \u00fcbersetze mal, um zu zeigen, was mich dabei inspiriert hat:<\/p>\n<blockquote><p>\n&#8222;Plan B&#8220; erfordert ein eigenes, andersartiges Leben und Arbeiten. Meist wird ja nur herk\u00f6mmlich gearbeitet, eben so, wie du es beschreibst. Dabei wird nicht ber\u00fccksichtigt, was es f\u00fcr das jeweilige Bed\u00fcrfnis schon f\u00fcr &#8211; von anderen erarbeitete &#8211; L\u00f6sungen gibt. Man stellt das eigene Tun nicht bewu\u00dft in den Kontext des Handelns Anderer. Die meisten Aktivit\u00e4ten wollen immer nur das eine beweisen: &#8222;jetzt komm ich, und ich bin das einzig Wahre, f\u00fcr das sich zu leben lohnt&#8220;. Gerade Organisationen und Gruppen, die aus diesem Selbstbewu\u00dftsein ihr ganzes Daseinsrecht ableiten, tun sich schwer mit &#8222;Plan B&#8220;. Denn &#8222;Plan B&#8220; ist &#8222;kongeniales&#8220; Arbeiten, ein Akzentesetzen im Bewu\u00dftsein, f\u00fcr ein gro\u00dfes Ganzes zu arbeiten, das weit mehr umfasst als die pers\u00f6nlichen Wohlf\u00fchlinteressen auf kurze Frist.\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Tja, ob wir wohl noch rechtzeitig Hypertext-f\u00e4hig werden?<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>W\u00e4hrend einer von Stefan M\u00fcnz angezettelten Diskussion auf Google+, die sich thematisch schnell von ihrem Startimpuls (&#8222;Springer-Chef D\u00f6pfner: &#8222;Wir haben Angst vor Google&#8220;) weg und \u00fcber &#8222;Google&#8220;, &#8222;Monopole&#8220;, &#8222;Kapitalismus&#8220; hin zur Lage der Menschheit insgesamt bewegte, kam mal wieder der &#8222;Plan B&#8220; zur Sprache. 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