{"id":1427,"date":"2003-12-30T16:20:41","date_gmt":"2003-12-30T15:20:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=1427"},"modified":"2014-04-13T08:21:36","modified_gmt":"2014-04-13T07:21:36","slug":"jahresendgedanken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2003\/12\/30\/jahresendgedanken\/","title":{"rendered":"Jahresendgedanken"},"content":{"rendered":"<p>Es gelingt mir im Moment nicht, den langweiligen Kram abzuarbeiten, der in keinem Arbeitsleben ganz vermeidbar ist. Der sich immer wieder zu eindrucksvollen Bergen aufstapelt und dann immer lauter &#8222;du solltest jetzt endlich!!!&#8220; in die Seele schreit. Ich h\u00f6re es, aber es ber\u00fchrt mich nicht. Jedenfalls nicht drastisch genug, um mich aus meiner Jahresendzeitstimmung zu rei\u00dfen, die nach ganz Anderem verlangt.<\/p>\n<p>Nach Ordnung zum Beispiel: Ballast abwerfen, alles Unn\u00f6tige, Zerstreuende, Ablenkende aussortieren, mich ganz neu auf das Wesentliche konzentrieren. Was aber ist &#8222;das Wesentliche&#8220;? Ein f\u00fcr allemal l\u00e4sst es sich gewiss nicht bestimmen &#8211; ja, es l\u00e4sst sich \u00fcberhaupt nicht BESTIMMEN! Es funktioniert jedenfalls nicht, die einzelnen Aktivit\u00e4ten vors geistige Auge zu stellen und sie dann nach &#8222;vern\u00fcnftigen&#8220; Kriterien zu bewerten: Das hier hat keinen sichtbaren Nutzen f\u00fcr irgend jemanden, es bringt auch kein Geld, also wird es gestrichen. Dieses hier hat mir immer mehr \u00c4rger als Freude gebracht, also weg damit! Und jenes sollte eigentlich ein bisschen Welt-retten, ich seh&#8216; aber keinen Erfolg: hau weg den Schei\u00df!<\/p>\n<p>Nicht Funktionieren hei\u00dft: zwar denke ich so, zwar stelle ich immer wieder solche \u00dcberlegungen an, doch in der Praxis hat das wenig Folgen. Ich mag &#8222;dies und jenes&#8220; streichen, und das bringt f\u00fcr den Moment auch Entlastung. Doch nur wenig sp\u00e4ter finde ich mich wieder in neue, \u00e4hnliche Aktivit\u00e4ten verstrickt vor. Offensichtlich geh\u00f6rt es zu meinem &#8222;Wesen&#8220;, mich derart zu zerstreuen, gelegentlich zu verzetteln, Dinge ohne klar benennbaren Nutzen zu tun. SOLLTE ich das \u00e4ndern? K\u00f6nnte ich es, wenn ich wollte? Sollte ich es \u00fcberhaupt wollen?<\/p>\n<p>Jahresendfragen. Ihnen ihre Zeit geben, ihnen ganz entspannt mal wieder ihren gro\u00dfen Auftritt g\u00f6nnen, tut gut. Texte ohne klare Botschaft schreiben, was mir immer mal wieder jemand freundlich oder unfreundlich vorwirft, tut auch gut. Wenn ich mir so manche &#8222;Kritik&#8220; angucke, die mir gelegentlich ins Forum gerotzt wird, frag ich mich immer: Warum muss der das schreiben? Wozu der Aufwand? Wenn ich etwas bl\u00f6de, voll daneben, ganz falsch oder schlicht mies finde, mach&#8216; ich es wie die meisten: Klick und weg! Jede Einlassung, jede Resonanz ist Zuwendung, kostet Zeit und Aufmerksamkeit, auch die schlimmste Beschimpfung. Und ich wende mich nur dem zu, der mir etwas bedeutet, dessen Denken, F\u00fchlen, Handeln mir also nicht egal ist. Zumindest gilt das in den R\u00e4umen der Freiheit. In denen der Notwendigkeit, etwa in einem Arbeitsteam, muss ich mich nat\u00fcrlich einlassen, mich &#8222;auseinander setzen&#8220;. Aber auch dann nur so weit, wie es die gemeinsame Sache fordert, nicht etwa automatenhaft: Der hat was Saubl\u00f6des oder gar Feindseliges gesagt, da spring ich jetzt drauf an&#8230;<\/p>\n<p>Es gibt Freunde, die h\u00e4tten mich gern ein bisschen militanter, k\u00e4mpferischer. Sie empfinden &#8222;stellvertretend&#8220; eine Betroffenheit, die ich so gar nicht f\u00fchle. Wollen mich wom\u00f6glich verteidigen, manche tun es sogar, was ich dann nat\u00fcrlich lieb finde. Aber nicht n\u00f6tig, nicht f\u00fcr mich. Um mich mit jemandem auseinander zu setzen, muss ich doch erst mal mit ihm zusammensitzen! Und seit ich drauf achte, neben wen ich mich setze, seit ich n\u00e4mlich nicht mehr dringlich jemanden brauche, der neben mir sitzt, sondern gern alleine sitze, geht&#8217;s mir gut. Ich schaue auf Alles-was-ist und manchmal schreib ich auf, was ich sehe, f\u00fchle und denke. Es dann &#8222;hinaus zu stellen&#8220;, wo nicht nur Freunde und Bekannte, sondern auch beliebige XYZs es genie\u00dfen, nutzen, ignorieren oder zerrei\u00dfen k\u00f6nnen (wenn sie denn wollen&#8230;), geh\u00f6rt unverzichtbar dazu. F\u00fcr mein Selbstgespr\u00e4ch alleine brauch ich keine Texte produzieren, da reichen mir die Gedankenstr\u00f6me im Kopf! Doch dar\u00fcber hinaus m\u00f6chte ich teilen, m\u00f6chte mein Erleben, meine momentane Sicht-der-Dinge mit-teilen, auf dass diejenigen sich etwas davon nehmen, die es brauchen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Mit dem &#8222;Abschicken&#8220;, dem \u00dcbertragen der Dateien auf den Server und der anschlie\u00dfenden Endkorrektur ist der Akt dann aber vollzogen, ist zu Ende und in sich tief befriedigend. (Danach ist es z.B. leicht, den Geist von allem gerade &#8222;Betexteten&#8220; leer zu machen und sich dem zuzuwenden, was anliegt.) Was dann noch kommt, falls etwas kommt, ist ein ganz anderes Spielfeld: Zu was etwa das nun Ver\u00f6ffentlichte von den Einzelnen gebraucht wird, ist ihr Ding, nicht meins. Selbst wenn ich wollte, k\u00f6nnte ich das nicht beeinflussen. Wie man einen Text versteht, ist nicht von daher bestimmt, wer die Autorin ist und was sie gemeint hat, sondern weitestgehend davon, wer und was man selber gerade ist. (Wer zweifelt, lese mal ein wichtiges Buch f\u00fcnfzehn Jahre sp\u00e4ter wieder!). Ich lese s\u00e4mtliche Reaktionen zuvorderst als Botschaft \u00fcber den Verfasser, lese sie interessiert und bin manchmal fasziniert von der Vielfalt und Unterschiedlichkeit der Reaktionen. Dem einen ist &#8222;mehr als ein sonnt\u00e4glicher Kirchgang&#8220;, was dem anderen &#8222;\u00fcberfl\u00fcssig&#8220; oder gar bek\u00e4mpfenswert erscheint. Wieder ein Anderer sch\u00e4tzt den Unterhaltungsfaktor oder das f\u00fcnfmin\u00fctige Wegschalten vom eigenen, vielleicht gerade stressigen Kopfkino. Manche sind inspiriert, andere ver\u00e4rgert, was den einen ber\u00fchrt, l\u00e4sst die andere kalt oder reizt zu fundiertem Widerspruch. Es ist, wie es ist. Kein Problem, kein Wunder.<\/p>\n<p>Wunderbar aber, dass es mit dem Web nun eine Ver\u00f6ffentlichungsplattform gibt, die den Schreibenden von der Art der Resonanz \u00f6konomisch unabh\u00e4ngig weiter schreiben l\u00e4sst! (Ganz anders als etwa auf dem Buchmarkt, wo es darauf ankommt, wie viele das Buch kaufen, ob sie es gut finden und was die Rezensenten dar\u00fcber schreiben). Das ist zwar &#8222;nur&#8220; eine \u00e4u\u00dfere Freiheit, aber sie ist unverzichtbar, um die innere Freiheit schreibend auszuloten, sie \u00fcberhaupt wahrzunehmen, immer neu zu ergreifen und wom\u00f6glich auszudehnen (und wieder zu teilen&#8230;).<\/p>\n<p>Immer mehr Menschen scheinen dieses Potenzial des Netzes zu bemerken. Sp\u00e4t, aber doch! &#8222;Webtagebuch schreiben&#8220; wird geradezu Mode, wenn das auch f\u00fcr sich genommen nichts hei\u00dfen muss. Doch ich lerne jetzt deutlich mehr Menschen kennen als fr\u00fcher, die diese Art &#8222;freies Schreiben&#8220; f\u00fcr sich nutzen wollen oder schon damit angefangen haben. Nicht mehr das einzelne glitzernde Wortwerk, die tolle Website, das bunte Blog und das ganze &#8222;netzige&#8220; Drumrum steht f\u00fcr sie im Vordergrund, sondern das Wesentliche: die &#8222;Geste des Schreibens&#8220; zum eigenen Wachstum nutzen.<\/p>\n<p>Das Wesentliche &#8211; da ist es wieder! Und jetzt in einer Gestalt, die zu mir spricht, geeignet, mein Jahresendchaos zu ordnen: Weiterschreiben, hier und anderswo, und das, was mir dadurch zugewachsen und geschenkt ist, weiter geben. An die Leser, wie immer schon, und neuerdings in konzentrierter und verdichteter Form an diejenigen, die meine RauslinkSchreibimpulse-Kurse besuchen.<\/p>\n<p>Wegen ihnen h\u00f6r&#8216; ich hier jetzt auf. Wenn es dunkelt, ist es Zeit f\u00fcr &#8222;Transfer 2004 &#8211; wenn die Nacht am tiefsten ist&#8220; (der Kurs f\u00fcr Jahresendzeitmuffel). Selten hat mich eine &#8222;Arbeit&#8220; so gl\u00fccklich gemacht, mich so intensiv und ganz pers\u00f6nlich gefordert. Also werde ich das weiter machen und so gut ich kann ausbauen. Aber nicht bis zum Punkt v\u00f6lliger \u00f6konomischer Abh\u00e4ngigkeit. Ich werde weiter Webseiten bauen, pflegen und updaten, und als Drittes w\u00fcrd&#8216; ich gern mal etwas verkaufen: Dinge, die mir gefallen, die ich nur bewerben, verpacken und verschicken muss &#8211; und nicht immer neue zeitfressende Dienste leisten.<\/p>\n<p>Im Jahr 2005 m\u00f6ge sich das verwirklichen!<\/p>\n<p>*<\/p>\n<p>Euch allen w\u00fcnsch ich einen guten Rutsch, eine Jahresendstimmung, wie Ihr sie m\u00f6gt, und f\u00fcr das n\u00e4chste Jahr Gl\u00fcck und Erfolg! Vergesst die Liebe nicht! <\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gelingt mir im Moment nicht, den langweiligen Kram abzuarbeiten, der in keinem Arbeitsleben ganz vermeidbar ist. Der sich immer wieder zu eindrucksvollen Bergen aufstapelt und dann immer lauter &#8222;du solltest jetzt endlich!!!&#8220; in die Seele schreit. 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