{"id":1421,"date":"2003-11-13T08:03:10","date_gmt":"2003-11-13T07:03:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=1421"},"modified":"2014-04-13T08:05:07","modified_gmt":"2014-04-13T07:05:07","slug":"leben-und-arbeiten-was-anliegt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2003\/11\/13\/leben-und-arbeiten-was-anliegt\/","title":{"rendered":"Leben und Arbeiten: Was anliegt"},"content":{"rendered":"<p>Immer mehr altbekannte Webprojekte verschwinden aus dem Netz. Langsam wird das &#8222;Urgestein&#8220; des Internet der fr\u00fchen Jahre vom Fluss der Ver\u00e4nderung abgetragen und zerrieben. Viele haben ihre &#8222;Herzprojekte&#8220; einfach eingestellt, andere versuchen auf die eine oder andere Art, ihr bisher kostenloses Webschaffen zu kommerzialisieren. Fortlaufend Werte erschaffen, Qualit\u00e4t ins Netz stellen und daf\u00fcr \u00fcber die Jahre nur ein bisschen Schulterklopfen und viel Meckereien zur\u00fcck zu bekommen, ist offensichtlich auf Dauer nicht nachhaltig. Es kostet immerhin Zeit, Herzblut und Energie, die an anderer Stelle fehlt &#8211; z.B. dort, wo Geld verdient werden muss.<\/p>\n<p>Mein pers\u00f6nliches Leben &#038; Arbeiten ist eine st\u00e4ndige Suche: Wie schaffe ich es, f\u00fcr das, was ich am liebsten tue, bezahlt zu werden und nicht f\u00fcr irgend etwas Anderes? Ich geh\u00f6re nicht zu denen, die da von Anfang bis Ende eine klare Trennung akzeptieren: hier der Brotjob, der mich ruhig an\u00f6den darf, dort die Kunst, die Freiheit, das &#8222;Wahre, Sch\u00f6ne und Gute&#8220;. Das w\u00e4re allenfalls lebbar, wenn der &#8222;Brotjob&#8220; eine einfache k\u00f6rperliche Arbeit w\u00e4re, wie etwa Putzen. Etwas arbeiten, bei dem man sich bewegt und nicht viel denken muss, l\u00e4sst gro\u00dfe Freir\u00e4ume f\u00fcr &#8222;geistige Arbeit&#8220; &#8211; kostet dann aber doch zuviel Energie und wird, was sehr ungerecht ist, auch noch extrem beschissen bezahlt.<\/p>\n<p>Meine Schreibkurse sind ein Schritt in Richtung &#8222;Verwirklichung&#8220; &#8211; mit Gruppen und Individuen online zu kommunizieren, Schreib-Projekte anzuleiten, etwas von dem weiter zu geben, was mich selbst so unendlich bereichert, ist tats\u00e4chlich ein St\u00fcck Erf\u00fcllung! ABER, das sehe ich jetzt schon, nachdem zwei Kurse einige Wochen laufen: es kann nicht das EINZIGE sein! Es ist mir nicht m\u00f6glich und auch nicht w\u00fcnschenswert, in der Rolle der &#8222;Schreibkurs-Leiterin&#8220; vollst\u00e4ndig aufzugehen. Denn ich schreibe ja auch selbst und habe nicht vor, das einzustellen. W\u00fcrde ich nur noch &#8222;vermitteln&#8220;, m\u00fcsste ich ansonsten verstummen &#8211; und ich merke, dass ich nicht im Traum daran denke! Im Gegenteil, mir fallen mehr Themen ein denn je, ich f\u00fchle st\u00e4rker als sonst die Lust, zu schreiben, und die neuen &#8222;ungeschriebenen Artikel&#8220; kommen mir sogar besser, wichtiger und inhaltsreicher vor als so Manches, was mir schon in die Tasten floss, als ich noch genug Zeit und Mu\u00dfe zum Schreiben hatte.<\/p>\n<p>Damit komme ich wieder an den Punkt, der sich mir nicht zum ersten Mal aufdr\u00e4ngt: Wie schaffe ich mir einen Freiraum zum Schreiben, ohne dass ich diesen Freiraum durch Mehrarbeit auf anderen Ebenen selber finanzieren muss? Ganz klar: Ich brauche daf\u00fcr ein &#8222;passives Einkommen&#8220;: Geld, das verdient wird, ohne dass ich daf\u00fcr st\u00e4ndig neu arbeiten m\u00fcsste. Denn jedes neue Projekt, jede neue Dienstleistung, die ich mir ausdenke, bekannt mache und vermarkte, zieht mich ja wieder vom Schreiben ab, besetzt jene inneren Ressourcen, aus denen meine Texte flie\u00dfen, mit den jeweils mit ihr verbundenen Inhalten und Aufgaben.<\/p>\n<h2>Neue Impulse<\/h2>\n<p>Dass ein langj\u00e4hriger Diary-Leser im August ganz von selbst damit angefangen hat, &#8222;mich zu f\u00f6rdern&#8220;, hat mich in innere Bewegung versetzt. So etwas ist also m\u00f6glich, geschieht einfach so, ohne dass ich es erwartet oder verlangt h\u00e4tte! Ein anderer bem\u00e4ngelte, dass ich nirgends meine Kontonummer ver\u00f6ffentliche. (hier: 24891109, Postbank Berlin, 10010010) Ich staune und frag mich, ob das eine &#8222;Methode&#8220; w\u00e4re: Soll ich um F\u00f6rderer und Spenden werben? Soll ich meine uralte Konditionierung endlich mal ablegen, die mir vorschreibt, bescheiden zu sein, mich nicht anzupreisen, keine Lob-und-Dank-Mails im Web auszustellen, und niemals auf so etwas wie &#8222;Return of Investment&#8220; zu achten?<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich m\u00fcsste ich dann den F\u00f6rderern etwas &#8222;Zus\u00e4tzliches&#8220; bieten &#8211; aber das lie\u00dfe sich ja durchaus machen! Die ganze Idee k\u00f6nnte ich als Projektidee in eigener Sache begreifen, genauso, wie ich \u00fcblicherweise die Interessen und Vorhaben meiner Webdesign-Kunden kreativ aufgreife und ihnen Gestalt gebe. Statt dessen hab&#8216; ich mich jahrelang nicht mal um die eigene Startseite im Web gek\u00fcmmert: www.claudia-klinger.de ist gegen\u00fcber dem Digital Diary str\u00e4flich vernachl\u00e4ssigt &#8211; warum eigentlich? Vorgestern hab&#8216; ich es immerhin geschafft, in einer Nachtsitzung diese Seite mal aufzur\u00e4umen. Jetzt zeigt sie wirklich meine gesamte Weblandschaft seit 1996 und ich muss nicht mehr \u00fcber Google nach eigenen Seiten suchen. Ein erster Schritt &#8211; weitere werden folgen, ich wei\u00df nur noch nicht, welche.<\/p>\n<p>Ein alter Freund riet mir, auf dieser Startseite meine Webdienstleistungen zuoberst zu nennen &#8211; genau das mach&#8216; ich nicht, denn die Domain www.claudia-klinger.de repr\u00e4sentiert mich in meinem Gef\u00fchl ALS GANZES. Was dort an erster Stelle steht, wird immer das sein, was mir gerade am wichtigsten ist &#8211; und Webdienstleistungen sind das derzeit eher nicht. Nat\u00fcrlich freu ich mich \u00fcber jeden neuen Kunden, versenke mich nach wie vor in dessen Projekt &#8211; aber ganz pers\u00f6nlich bin ich auf der Suche nach MEHR, nach vielf\u00e4ltigeren Einkommensquellen, die der Verschiedenheit meiner Aktivit\u00e4ten 1:1 entsprechen. Bez\u00fcglich Webdesign, wo ich meine gestalterisch-organisatorische Ader auslebe, ist alles lange klar. Und auch die Schreibkurse sind f\u00fcrs erste erfolgreich und als &#8222;zweites Bein&#8220; ausbaubar. DAS ist gerade aktuell, deshalb steht &#8222;Transfer 2004 &#8211; Wenn die Nacht am tiefsten ist&#8220;Rauslink an erster Stelle. Ich werde mich da noch mal ein St\u00fcck tiefer einlassen, eventuell selber mitschreiben. Bei nur 16 Tagen Laufzeit ist das auch m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Fehlt noch das eigene Schreiben. Denn schon wieder dr\u00e4ngt die Zeit, ein Webdesign-Kunde braucht mich, die Kursteilnehmer erwarten meine Kommentare zu ihren Texten. Ich f\u00fchle ich mich als Zeit-Diebin und komme allenfalls zu einem kurzen Bericht \u00fcber den Stand der Dinge. Nicht aber zu alledem, \u00fcber das ich furchtbar gerne schreiben w\u00fcrde: \u00dcber Krebs zum Beispiel (meine Mutter ist gestern operiert worden), \u00fcber die subtil ins Totalit\u00e4re steuernde Entwicklung des Medizinbetriebs, \u00fcber Vorsorge, Krankheit und Gesundheit, \u00fcber das Altern und seine interessanten Qualit\u00e4ten, \u00fcber Sex und Erotik, \u00fcber die spezifisch deutsche Art, Ver\u00e4nderungen abzublocken, zu verurteilen, zu jammern und zu klagen, anstatt neugierig ins &#8222;Unversicherbare&#8220; aufzubrechen &#8211; Themen ohne Ende bilden eine Art Schlange, einen R\u00fcckstau in meinem Bewusstsein, der mir sagt: Ich muss etwas \u00c4NDERN, um wieder in den Fluss zu kommen. So wie bisher geht es nicht weiter: ich kann nicht bleiben, was ich immer war, tun, was ich immer tat &#8211; ich will MEHR.<\/p>\n<p>F\u00fcr dieses &#8222;Mehr&#8220; eine Gestalt zu finden, ist das, was anliegt. Vielleicht finde ich sie in den &#8222;16 heiligen N\u00e4chten&#8220; &#8211; mal sehen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Immer mehr altbekannte Webprojekte verschwinden aus dem Netz. Langsam wird das &#8222;Urgestein&#8220; des Internet der fr\u00fchen Jahre vom Fluss der Ver\u00e4nderung abgetragen und zerrieben. Viele haben ihre &#8222;Herzprojekte&#8220; einfach eingestellt, andere versuchen auf die eine oder andere Art, ihr bisher kostenloses Webschaffen zu kommerzialisieren. 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