{"id":1420,"date":"2003-11-02T08:01:01","date_gmt":"2003-11-02T07:01:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=1420"},"modified":"2014-04-13T08:02:46","modified_gmt":"2014-04-13T07:02:46","slug":"veraenderungen-im-nahbereich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2003\/11\/02\/veraenderungen-im-nahbereich\/","title":{"rendered":"Ver\u00e4nderungen im Nahbereich"},"content":{"rendered":"<p>Man muss sich Zeit zum Krank-Sein nehmen, um zu gesunden! Zwar bin ich immer noch sehr erk\u00e4ltet, doch in Sachen Mausarm vielleicht ein St\u00fcck weiter &#8211; und das kam so:<\/p>\n<p>\u00dcber den Tag war die Erk\u00e4ltung wieder st\u00e4rker geworden, ich f\u00fchlte mich schw\u00e4cher, fiebriger &#8211; und wagte es schlie\u00dflich um 14 Uhr, innerlich Schluss zu machen, ohne noch meine Kursteilnehmer besonders zu informieren. Im Grunde hatte ich f\u00fcr heute alles getan &#8211; warum dieses komische Gef\u00fchl, mich extra &#8222;abmelden&#8220; zu m\u00fcssen?<\/p>\n<p>Ich telefonierte mit einem Freund und fragte ihn, wie es ist, w\u00e4hrend einer Erk\u00e4ltung &#8222;was zu rauchen&#8220; &#8211; er bot mir sogleich eine &#8222;Hauslieferung&#8220; an, die ich dankend annahm. Kochte also Tee, plauderte kurz mit meinem Gast, wir rauchten einen Joint&#8230; dann ging er wieder und ich legte mich aufs Bett. Bekifft und fiebrig, sehr angenehm. Endlich konnte ich einfach abliegen, keine Stimme murmelte mehr im Hintergrund: Du solltest jetzt lieber&#8230;!<\/p>\n<p>Ruhe, flie\u00dfende W\u00e4rme. Ich fragte mich, ob die hom\u00f6opathischen Globuli, die ich vor einigen Stunden eingenommen hatte, wohl etwas bewirken w\u00fcrden. Immerhin, das Gef\u00fchl der \u00dcbelkeit, das ich beim Husten immer versp\u00fcrt hatte, war verschwunden. Meine Aufmerksamkeit wanderte weiter durch den K\u00f6rper. Pl\u00f6tzliche Schauder schickten Empfindungsgewitter durch alle Nerven und Zellen &#8211; war es etwa zu kalt? Oder kam das vom Fieber, bzw. von der erh\u00f6hten Temperatur? So &#8222;richtig&#8220; Fieber bekomme ich n\u00e4mlich nie: diese gro\u00dfartige Selbstheilungsmethode des K\u00f6rpers ist leider in der Kindheit mit heftigen Medikamenten unterdr\u00fcckt und somit &#8222;abgew\u00f6hnt&#8220; worden. (So wird ein Grundpfeiler gelegt, auf dem der best\u00e4ndige Profit der Pharmaindustrie dann selbstgewiss ruhen kann!).<\/p>\n<p>Einmal noch holte ich eine dickere Decke, bei den n\u00e4chsten Schauern entspannte ich mich dann, genoss einfach die winzigen stromsto\u00dfartigen Sensationen, die mich vielf\u00e4ltig durchfluteten, versuchte, sie m\u00f6glichst WEIT durchflie\u00dfen zu lassen &#8211; vom rechten Zeh ins Scheitelchakra &#8211; und immer mehr zu genie\u00dfen. Wie angenehm&#8230;<\/p>\n<h2>Heureka!<\/h2>\n<p>Auf einmal realisierte meine Aufmerksamkeit Stellen, wo etwas im Argen lag. Wo es nicht &#8222;durchfloss&#8220;, sondern im Gegenteil schmerzhafte Empfindungen ihren Ursprung hatten. Zum Beispiel der rechte Oberarm, mindestens an zwei Stellen &#8211; und an der Schulter auch, eine best\u00e4ndige Verspannung, wirbels\u00e4ulennah. Klar, das war der &#8222;Mausarm&#8220;, lang bekannter Teil der chronischen Beschwerden, die vom zuvielen Sitzen herr\u00fchren. Interessant, dass so als dichte, dunkle Stelle von innen zu sp\u00fcren! Ich versuchte, die Energien, die mich rieselnd durchwanderten, s\u00e4mtlich auf diese blockierten Stellen zu &#8222;jagen&#8220; &#8211; ein bisschen wirkte es auch, die Schmerzpunkte am Arm wurden pl\u00f6tzlich hei\u00dfer. Ich nahm den Vibrator und massierte die schmerzenden Stellen &#8211; nachhaltig, insistierend. Es war sehr &#8222;lustvoll&#8220; und ich bekam als &#8222;inneres Bild&#8220; fast eine Art Diagnose, was da im Einzelnen eigentlich los ist, physisch gesehen.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend ich so in den &#8222;kranken Bereich&#8220; hinein sp\u00fcrte, erinnerte ich mich auf einmal an die Haltungen, die ich t\u00e4glich vor dem PC einnehme. Nicht als Bild, von au\u00dfen gesehen, sondern als &#8222;Empfindungserinnerung&#8220;, von innen erlebt. Und pl\u00f6tzlich fiel es mir wie Schuppen von den Augen: NA KLAR!!! Ich sa\u00df ja st\u00e4ndig SCHIEF, unsymmetrisch, beide Arme und Schultern unterschiedlich belastet und angespannt &#8211; immer auf die gleiche &#8222;unharmonische&#8220; Art!<\/p>\n<p>Und warum? Wegen der &#8222;ausgebauchten&#8220; Form meines neuen Schreibtischs, den ich mir beim Einzug in der G\u00e4rtnerstra\u00dfe als &#8222;Fortschritt&#8220; zugelegt hatte. So ein \u00dcbereck-Teil, dessen Innenseite im Halbrund nach rechts \u00fcbergeht. Was zur Folge hat, dass der Arm im Bereich dieses Halbrunds keine &#8222;nat\u00fcrliche&#8220; Auflage findet, sondern st\u00e4ndig &#8222;im Leeren&#8220; schwebt. Und nicht nur mal kurz, sondern seit zwei Jahren!<\/p>\n<p>GENAU!!! 2001 im Sommer hatte ich den Tisch gekauft, im Fr\u00fchjahr 2002 fingen die &#8222;Mausarm-Beschwerden&#8220; an, und Anfang 2003 musste ich die Maus nach links legen, weil ich vor Schmerz nicht mehr klicken konnte. Seither keine Verschlimmerungen mehr, aber auch keine deutliche Besserung auf der rechten Seite &#8211; obwohl da doch gar keine Maus mehr zu bedienen war!<\/p>\n<p>Ich wusste pl\u00f6tzlich: Ich muss auf einer geraden Seite des Schreibtischs sitzen, egal, wie ich ihn daf\u00fcr hinstellen muss und wie das aussehen wird! HEUREKA, ich hatte es gefunden! Wie konnte ich das nur jahrelang \u00fcbersehen???!!!<\/p>\n<h2>Mach&#8217;s jetzt, mach&#8217;s gleich&#8230;<\/h2>\n<p>Sofort aufgestanden und die Lage besichtigt. Mein &#8222;Arbeitsplatz-Arragement&#8220; war dergestalt angeordnet, dass der \u00dcber-Eck-Schreibtisch einen kleinen Teil des Zimmers gegen den gro\u00dfen Rest abtrennte &#8211; wie eine Empfangsdame sa\u00df ich da &#8222;hinter dem Tresen&#8220;, \u00fcberschaute das ganze Zimmer mit den T\u00fcren zum Wohnzimmer, zum Balkon und zum Flur, rechts der Blick aus dem Fenster &#8211; Feng Shui-m\u00e4\u00dfig alles voll in Ordnung. Aber: Auf, unter und hinter dem Schreibtisch zwei Computer, ein Drucker und ein riesiger Kabelverhau, der auch noch den Scanner auf dem Regal hinter mir einbezog, und mich immer wieder durch seine verworrene Un\u00fcbersichtlichkeit anwiderte. Durch den neuen PC hatte sich das alles noch vervielfacht! In diesem meinem &#8222;Cockpit&#8220; klebte ich im Prinzip den ganzen Tag. Alles, was ich brauchte, war in Griffweite, Maus, Tastatur, Telefon &#8211; und auch der Aschenbecher und der Tabak. Eine kompakte Situation, aus der man sich &#8222;um der Gesundheit willen&#8220; gelegentlich heraus rei\u00dft, nat\u00fcrlich nicht oft genug, denn einen &#8222;echten Grund&#8220; dazu gibt es ja nicht.<\/p>\n<p>Ich \u00fcberlegte, wie ich den Schreibtisch umstellen k\u00f6nnte, wo dann der Beistelltisch hink\u00e4me, die beiden PCs, der Drucker &#8211; oh, ich merkte sofort, dass es ein Riesenaufwand werden w\u00fcrde, kein Stein w\u00fcrde auf dem andern bleiben! Wollte ich das wirklich tun? Jetzt, in DIESEM ZUSTAND? Egal, ich wusste: wenn ich es jetzt nicht sofort angehe, wird das nichts! Mach&#8217;s jetzt, mach&#8217;s gleich, mach&#8217;s richtig, ermunterte ich mich, und begann, die Kabel eins nach dem anderen abzuziehen. Drei Stunden sp\u00e4ter war das Zimmer ein v\u00f6llig anderes!<\/p>\n<h2>Ich zuerst &#8211; und dann das Ger\u00e4t..<\/h2>\n<p>Das war vor zwei Tagen. Jetzt sitze ich sehr exotisch an der kleinsten geraden Seite des Schreibtisches, die in Richtung Zimmermitte ragt. Mit ein bisschen Monitor drehen und Stuhl r\u00fccken kann ich noch zwei andere Sitzweisen mit dieser abwechseln. Der Bildschirm steht vor der Wand, hinter mir (und zu beiden Seiten!) ist freier Raum. Ich kann den Stuhl locker zur\u00fcck schieben und zum Durchlesen aufstehen! Das Telefon steht zwei Meter weiter am Fenster &#8211; ich muss mich erheben und ein St\u00fcck laufen, wenn es klingelt, und das ist wunderbar so! Es gibt auch kein Kabelchaos mehr auf engstem Raum, sondern alle Ger\u00e4te sind \u00fcber mehrere, an der Wand aufgereihte Tische verteilt, gen\u00fcgend weit auseinander, um ganz \u00fcbersichtlich vekabelt zu sein. Die &#8222;D\u00fcnen&#8220; aus vermischten Materialen, Papieren, Technikteilen, Post, Daten- und Musik-CDs sowie B\u00fcromaterial sind ganz nebenbei in \u00fcberschaubare Ordnung gebracht. Der zweite Tisch steht nicht mehr nutzlos rum, bis G\u00e4ste kommen, sondern dient als zweiter Schreibtisch f\u00fcr alles, was den PC nicht braucht.<\/p>\n<p>Das Zimmer ist jetzt &#8211; sieht man von der &#8222;B\u00fcro-Zeile&#8220; an der rechten Wandseite ab &#8211; ein gro\u00dfer leerer Platz: Ausgesprochen einladend, darin im Kreis herum zu gehen, w\u00e4hrend ich nachdenke. Es w\u00e4re jetzt auch gut Platz f\u00fcr einen Flipp-Chart f\u00fcrs spontane Malen, bestimmt eine gute Abwechslung f\u00fcr den maltr\u00e4tierten &#8222;Mausarm&#8220;. Meine To-Do-Listen k\u00f6nnte ich da auch hinschreiben &#8211; gro\u00df und weithin sichtbar!!! Mal sehen, ob ich mir sowas g\u00f6nne!<\/p>\n<p>Sogar meiner alten Idee, auch mal im Liegen zu arbeiten, bin ich ein St\u00fcck n\u00e4her gekommen. Im Moment sitze ich im frei nach hinten kippenden Stuhl, die Beine vor mir auf dem Tisch ausgestreckt. Mit den Zehen ber\u00fchre ich den Monitor, die Tastatur liegt auf den Oberschenkeln. Wegen der Entfernung zum Bildschirm steht die Schrift auf 16 Punkt. Und ich hab mir die Tastaturbefehle von Windows und Word ausgedruckt, um auch mal ohne Maus auszukommen. Ein bisschen sperrig am Anfang, aber es geht.<\/p>\n<p>Klar, das ist nur ein Experiment, der Stuhl ist f\u00fcrs &#8222;Halb-Liegen&#8220; nicht wirklich geschaffen. Ich werde mir eine Spracherkennungssoftware zulegen &#8211; etwas, das ich bis heute f\u00fcr g\u00e4nzlich unn\u00f6tig und \u00fcberfl\u00fcssig hielt &#8211; und allen Ernstes versuchen, Texte zu diktieren, langsam im Kreis herum gehend! Denn so, wie ich jetzt &#8222;an den PC sitze&#8220;, motiviert mich vieles, auch mal wieder aufzustehen, ohne dass ich das Gef\u00fchl h\u00e4tte, mich wirklich von der Arbeit zu entfernen. Warum sollte ich auch immer sitzen bleiben, wenn ich auf den n\u00e4chsten Satz warte?<\/p>\n<p>Vermutlich wird die Genesung des &#8222;Mausarms&#8220; genauso lange dauern, wie seine Erkrankung. Doch ich f\u00fchle, ich habe viel mehr gewonnen als nur die Chance auf Gesundung von dieser einen chronischen Beschwerde. Nach dreizehn Jahren &#8222;am Ger\u00e4t&#8220; bin ich zum ersten Mal dabei, das Equipment und alles was dazu geh\u00f6rt, MIR und meinen ganz konkreten individuellen Bed\u00fcrfnissen anzupassen, anstatt umgekehrt. Dass ich dazu solange brauchte, ist ganz typisch: Selbstver\u00e4nderung geschieht nicht per Beschluss und Verbesserungsvorsatz, sondern erst, wenn der Status Quo so richtig weh tut!<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Man muss sich Zeit zum Krank-Sein nehmen, um zu gesunden! 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