{"id":1419,"date":"2003-10-26T07:59:16","date_gmt":"2003-10-26T06:59:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=1419"},"modified":"2014-04-13T07:59:55","modified_gmt":"2014-04-13T06:59:55","slug":"andere-saiten-aufziehen-weg-vom-monitor","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2003\/10\/26\/andere-saiten-aufziehen-weg-vom-monitor\/","title":{"rendered":"Andere Saiten aufziehen: Weg vom Monitor!"},"content":{"rendered":"<p>Heute morgen aufgewacht und gewusst: ich muss andere Saiten aufziehen, muss allen Ernstes ein &#8222;Programm&#8220; f\u00fcr meinen Tag, jeden Tag, machen, und es auch ohne Frage durchziehen! Wenn ich nicht damit aufh\u00f6re, von fr\u00fch bis sp\u00e4t vor dem PC zu sitzen, werde ich es bald, sehr bald, nicht mehr k\u00f6nnen. Nicht psychisch, aber k\u00f6rperlich.<\/p>\n<p>Und da ich mir ein Dasein als Pflegefall ohne PC absolut nicht vorstellen kann, ist es wohl soweit: entweder &#8222;sozialvertr\u00e4glich ableben&#8220; oder etwas \u00e4ndern.<\/p>\n<p>Heute also aufgestanden, eine Stunde Spatziergang, z\u00fcgiges Gehen durch den nieselnden Regen, es ist warm, entgegen dem, was der Wetterbericht ank\u00fcndigt hatte.<\/p>\n<p>Winterzeit-Umstellung. Ich habe eine Stunde gewonnen.Wie jedes Jahr werde ich die Uhren erstmal NICHT umstellen, um mir dieses Gef\u00fchl zu erhalten: ich bin FR\u00dcHER dran, habe noch MEHR Zeit&#8230;<\/p>\n<p>Nachhause gekommen, in der K\u00fcche herum geputzt, dankbar, dass es in der Wohnung noch einiges zu putzen und aufzur\u00e4umen gibt. Ich werde wissen, WAS TUN, wenn ich in den n\u00e4chsten Tagen PC-ferne Stunden einlege. Staubsaugen, Papiere und Daten-CDs sortieren, &#8211; auch die Steuerbelege ordnen ist eine PC-freie Arbeit, die ansteht. Im schlimmsten Fall k\u00f6nnte ich Fenster putzen!<\/p>\n<p>Seit einer Stunde ist es nicht mehr aufgetreten, das kleine taube Gef\u00fchl in der rechten Hand, nur Teile der Finger, nicht GANZ taub, nur ein klein wenig, genug, um zu merken: Das ist NICHT die Durchblutung, das sind die Nerven! Das ist ein neuer Sitzschaden, diesmal nicht vom Lendenwirbel ausgehend, wie der, der den Oberschenkel teilweise taub gemacht hat, sondern von einem Wirbel in der R\u00fcckenmitte &#8211; einer, der sich mir neuerdings erst als &#8222;Problem&#8220; erweist.<\/p>\n<p>Nun ist es wieder weg &#8211; f\u00fcr jetzt. Sitze, bzw. hocke auf dem Stuhl, seit einer Stunde erst, und kommentiere die Beitr\u00e4ge meiner Kursteilnehmr. Es ist die &#8222;ideale Gruppe&#8220;, f\u00fcnf M\u00e4nner, f\u00fcnf Frauen. Alles l\u00e4uft wunderbar. Im Kurs vermittle ich nicht nicht nur das &#8222;in den Schreibfluss kommen&#8220;, sondern auch, das Internet kreativ und kommunikativ zu nutzen &#8211; so, wie ich es kenne und liebe.<\/p>\n<p>Ich lade also praktisch dazu ein, so zu werden wie ich &#8211; netz-technisch betrachtet.<\/p>\n<p>Kann ich das denn wirklich empfehlen??? Obwohl ich erreiche, was ich will, umsetze, was ich mir ausdenke, mich vor dem Ger\u00e4t weitestgehend verwirkliche, sitze ich doch tats\u00e4chlich da und leide! Leide k\u00f6rperlich &#8211; und manchmal auch psychisch, wenn ich zulange vor der Glotze allein bin.<\/p>\n<p>Ein Gef\u00fchl der Einsamkeit, manchmal, das in sich absurd ist: Ich WEISS genau, dass ich mir jetzt NICHT w\u00fcnsche, unter X, Y und Z zu sein, irgend etwas zu reden, auf Andere einzugehen, mit ihren Befindlichkeiten mitzuschwingen &#8211; nein, tats\u00e4chlich W\u00dcNSCHE ich mir das selten. Ich inszeniere es gelegentlich, so alle zwei Wochen. Und es reicht.<\/p>\n<p>Oder doch nicht? WER bin ich? DIE, der das v\u00f6llig reicht, die ganz zufrieden ist mit sich allein und der Kommunikation mit Anderen \u00fcber &#8222;die Kan\u00e4le&#8220; &#8211; oder auch die, um die ich mich irgendwie k\u00fcmmern muss wie um ein krankes Kind? Die ich eigentlich nicht gewohnt bin, zum &#8222;Ich&#8220; zu z\u00e4hlen, weil sie keinen Verstand hat und sich nur \u00fcber K\u00f6rperbefindlichkeiten und gelegentliche Gef\u00fchlseinbr\u00fcche unverst\u00e4ndlicher Art mitteilt &#8211; als Mrs. Hide?<\/p>\n<p>&#8222;Als wer&#8220; will ich mich erleben? Das soll ich mich fragen und es &#8222;kreieren&#8220;, r\u00e4t mir ein lieber Freund. Himmel, ich kreiere st\u00e4ndig, als was ich mich erleben will, aber offensichtlich reicht das nicht. Offensichtlich ist das, was ich kreiere, viel zu vern\u00fcnftig, zu vermittelt, zu vergeistigt &#8211; ich weiss es selber nicht genau.<\/p>\n<p>Wie aber soll ich aus dem &#8222;ich denke, ich m\u00f6chte gern&#8230;&#8220; etwas kreieren, was dem &#8222;Ich denke NICHT&#8220; n\u00fctzt?<\/p>\n<p>Beim Herumlaufen heute Morgen das Wissen: Herumlaufen, putzen, sporteln ist nur dann langweilig, wenn ich dabei &#8222;weiter denke&#8220;. Immer weiter daran denke, was ich tun werde, wenn ich endlich wieder vor dem PC sitze, also wieder handlungsf\u00e4hig und wirkungsm\u00e4chtig bin. Vom Netz abgeschnitten bin ich nur halb.<\/p>\n<p>Das ist der Fehler. Wie ich es \u00e4ndere, weiss ich noch nicht!<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute morgen aufgewacht und gewusst: ich muss andere Saiten aufziehen, muss allen Ernstes ein &#8222;Programm&#8220; f\u00fcr meinen Tag, jeden Tag, machen, und es auch ohne Frage durchziehen! 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