{"id":1393,"date":"2014-03-21T10:18:07","date_gmt":"2014-03-21T09:18:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=1393"},"modified":"2014-03-21T10:25:28","modified_gmt":"2014-03-21T09:25:28","slug":"woran-sind-die-piraten-gescheitert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2014\/03\/21\/woran-sind-die-piraten-gescheitert\/","title":{"rendered":"Woran sind die Piraten gescheitert?"},"content":{"rendered":"<p> Antje Schrupp schreibt in ihrem aktuellen Posting <a href=\"http:\/\/antjeschrupp.com\/2014\/03\/20\/was-das-scheitern-der-piraten-lehrt\/\">&#8222;Was das Scheitern der Piraten lehrt&#8220;<\/a> \u00fcber die m\u00f6glichen Gr\u00fcnde des piratischen Kenterns:<\/p>\n<blockquote><p>Ein wesentlicher Punkt scheint mir zu sein, dass viele in der Piratenpartei Macht und Politik verwechselt haben, beziehungsweise Macht als Ersatz f\u00fcr Politik verstanden haben. Und dass sich deshalb in ihrem Scheitern auch die Krise einer mit zu viel M\u00e4nnlichkeit aufgeladenen Parteienpolitik zeigt (was nicht dasselbe ist wie \u201ezu viele M\u00e4nner\u201c, aber nat\u00fcrlich damit zusammenh\u00e4ngt), die auch symptomatisch f\u00fcr andere Parteien ist. Nur dass die \u2013 vermutlich durch ihre mehr oder weniger quotenbasierten Gegenstrategien \u2013 diesem Prozess nicht mit voller H\u00e4rte ausgeliefert sind.<\/p>\n<p>Unter \u201eMacht\u201c verstehe ich hier eine Praxis, die eigenen inhaltlichen Anliegen durchzuboxen, indem man auf formale M\u00f6glichkeiten und Rechte zur\u00fcckgreift und es dar\u00fcber vernachl\u00e4ssigt, sich mit den Anliegen von politischen Gegner_innen und derem Begehren wirklich inhaltlich auseinanderzusetzen.  <\/p><\/blockquote>\n<p>Wie allermeist finde ich Antjes Fragestellung spannend, deshalb poste ich <strong>meinen l\u00e4ngeren Kommentar <\/strong>dazu auch hier:<\/p>\n<p> Das Scheitern der Piratenpartei ist f\u00fcr mich ein erneuter Beweis, dass \u201cBasisdemokratie\u201d nur in \u00fcberschaubaren Gruppen funktioniert, die genug Zeit und Lust haben, sich miteinander inhaltlich auseinander zu setzen. Nicht aber in landesweiten Parteien, deren Mitgliedschaft in die zigtausende geht!<\/p>\n<p>    Offenbar muss jede Generation diese Erfahrung einmal selber machen \u2013 insofern waren und sind die Piraten auf jeden Fall ein n\u00fctzliches Lernfeld. Eine Partei braucht Strukturen, die es erm\u00f6glichen, Streitfragen zu entscheiden und damit auch zu den Akten zu legen. Nat\u00fcrlich auch mit der Folge, dann klar sagen zu k\u00f6nnen: diese Position geh\u00f6rt nicht zu unserem Parteiprofil und muss also drau\u00dfen bleiben.<\/p>\n<p>    Statt dessen kochen s\u00e4mtliche Probleme immer weiter vor sich hin. Die gelegentlichen Parteitage als einziges \u201coberstes Gremium\u201d sind alles andere als demokratisch, da dort nur jene Piratinnen und Piraten entscheiden, die auch anwesend sind. Also immer nur ein kleinerer Teil der Mitglieder.<\/p>\n<p>    Das gro\u00dfe piratische Versprechen einer \u201cLiquid Democray\u201d <em>(Nachtrag: St\u00e4ndige Mitgliederversammlung, SMV)<\/em> wurde nicht umgesetzt \u2013 genau das aber war f\u00fcr viele eine gro\u00dfe Hoffnung auf eine echte Ver\u00e4nderung des \u00fcblichen \u201cPartei machens\u201d. Doch alsbald versandete das Vorhaben im Streit zwischen den Datensch\u00fctzern und den Transparenzlern, die sich nicht darauf einigen konnten, ob man bei Abstimmungen nun mit Klarnamen oder zumindest nachvollziehbarem Pseudonym mitbestimmen soll oder komplett anonym.<\/p>\n<p>    Das Feminismus-Thema war gleichwohl das erste, bei dem es \u201chart zur Sache\u201d ging, wobei ich durchaus den Eindruck hatte, dass es den Piraten zu gutem Teil \u201cvon au\u00dfen\u201d augezwungen wurde. Sie reagierten allerdings mehrheitlich eher \u201cweich\u201d, was man an der gro\u00dfen Bereitschaft, Frauen in \u00c4mter zu w\u00e4hlen und am \u201cdurchgendern\u201d der Texte ja sehen konnte.<\/p>\n<p>    Als grunds\u00e4tzlich problematisch zeigte sich auch die \u201cgelebte Transparenz\u201d bzw. die nicht mehr vorhandene Trennung zwischen privat und \u00f6ffentlich. Jeder Furz, den jemand per Twitter abgelassen hat, wurde als \u201c\u00c4u\u00dferung eines Piraten\/einer Piratin\u201d geshitstormt und von der Presse gerne in anderen \u00d6ffentlichkeiten skandalisiert.<\/p>\n<p>    Die Konflikte, die zum Scheitern f\u00fchrten, sind insofern nicht genuin \u201cpiratische\u201d, sondern solche, die sich aus dem Versuch, in Zeiten des Internets und der sozialen Medien \u201cPolitik 2.0\u2033 zu machen, zwangsl\u00e4ufig ergeben. Zu geringe weibliche Mitgliedschaft oder fehlende \u201cPatriarchen\u201d erscheinen mit gegen\u00fcber diesen Mega-Themen als nachrangige Aspekte.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Antje Schrupp schreibt in ihrem aktuellen Posting &#8222;Was das Scheitern der Piraten lehrt&#8220; \u00fcber die m\u00f6glichen Gr\u00fcnde des piratischen Kenterns: Ein wesentlicher Punkt scheint mir zu sein, dass viele in der Piratenpartei Macht und Politik verwechselt haben, beziehungsweise Macht als Ersatz f\u00fcr Politik verstanden haben. 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