{"id":1386,"date":"2014-03-11T12:29:03","date_gmt":"2014-03-11T11:29:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=1386"},"modified":"2015-12-14T15:00:40","modified_gmt":"2015-12-14T14:00:40","slug":"wohin-verschwindet-die-zaertlichkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2014\/03\/11\/wohin-verschwindet-die-zaertlichkeit\/","title":{"rendered":"Wohin verschwindet die Z\u00e4rtlichkeit?"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>\u201eFrauen sind wertvoll f\u00fcr die Welt, denn sie sind z\u00e4rtlich, f\u00fcrsorglich, geduldig und gef\u00fchlvoll. Danke daf\u00fcr &#038; sch\u00f6nen Frauentag!\u201c <\/p><\/blockquote>\n<p>F\u00fcr &#8222;Dodo&#8220; <a href=\"http:\/\/maedchenblog.blogsport.de\/2014\/03\/08\/flower-power\/#comment-130834\">ist so ein Satz Murks<\/a>, genau wie &#8222;80% rosa\/pastellfarbener Kitsch&#8230;und \u00e4hnlicher Kackschei\u00df&#8220;, der Frauen zum internationalen Frauentag zugemutet wird. Ihr Kommentar steht unter dem kritischen Blogpost <a href=\"http:\/\/maedchenblog.blogsport.de\/2014\/03\/08\/flower-power\/\">&#8222;Flower Power&#8220;<\/a> im M\u00e4dchenblog, in dem es hei\u00dft: <!--more--><\/p>\n<blockquote><p>Der heutige Tag soll verdeutlichen wie weit der Weg zur gleichberechtigten Gesellschaft noch ist und wie n\u00f6tig es ist, dass sich deshalb Frauen* empowern und alle mit ihnen k\u00e4mpfen. Doch was wird stattdessen getan? Wir feiern diesen Tag indem wir sie darauf reduzieren, was doch eigentlich hinterfragt werden soll. Indem wir den Sexismus reproduzieren, der doch \u00fcberwunden werden soll. Indem wir ein Bild von Frausein als das scheinbar einzige \u201efeiern\u201c, obwohl es doch nur eine M\u00f6glichkeit von unz\u00e4hligen ist. Indem wir eine Weiblichkeit feiern, ohne uns im Klaren dar\u00fcber zu sein, dass diese \u00fcberhaupt keinen hohen Stellenwert in unserer Gesellschaft hat.<\/p><\/blockquote>\n<p>Man darf also nur feiern, was einen HOHEN STELLENWERT in der Gesellschaft hat? Also etwa die starke, ganztags berufst\u00e4tige Frau, die niemals schw\u00e4chelt, keine &#8222;femininen&#8220; Gef\u00fchlsregungen zeigt und das mit den Kindern und der Familie im Hintergrund so hinbekommt, dass das gesch\u00e4ftige Getriebe niemals gest\u00f6rt wird?<\/p>\n<p>Mir ist das Anliegen von Dodo und der &#8222;Schirmherrin&#8220; durchaus klar und ich finde ihre Kritik im feministischen Kontext auch sehr nachvollziehbar und berechtigt. Auf Frauen wurden und werden Aspekte projiziert, die nur einen Teil des Mensch-Seins ausmachen: Emotionalit\u00e4t, F\u00fcrsorglichkeit, Sensibilit\u00e4t, Spontaneit\u00e4t, Z\u00e4rtlichkeit, Harmoniestreben, Friedlichkeit &#8211; und wenn man sagt, eine Frau sei im Alter &#8222;jung geblieben&#8220;, dann ist oft damit gemeint, dass &#8222;das M\u00e4dchen in ihr&#8220; noch immer gelegentlich sp\u00fcrbar ist. Das M\u00c4DCHEN &#8211; nicht die erwachsene Frau. Zum Set der Erwartungen an die Weiblichkeit geh\u00f6rt also auch eine gewisse Kindlichkeit, zumindest das unerwachsene, spielerische Verhalten von Teenys. <\/p>\n<p>Das traditionelle Geschlechterverh\u00e4ltnis gab diesen Projektionen 100% Raum durch die klare Trennung der Rollen: Frau sorgt f\u00fcr ein gem\u00fctliches Heim, k\u00fcmmert sich um die Kinder und bietet dem Mann, der erm\u00fcdet von der Arbeit in der Welt da drau\u00dfen nachhause kommt, ein optimales Erholungsumfeld. <\/p>\n<p>Seit den 70gern ist, wie wir alle wissen und gewiss nicht bedauern, dieses Modell im Schwinden begriffen und heute in dieser Reinform kaum mehr anzutreffen. Frauen erk\u00e4mpften sich den Auszug aus der traditionellen Rolle, eroberten die Berufswelt und k\u00f6nnen heute &#8211; im Prinzip &#8211; alles werden, was auch M\u00e4nner werden k\u00f6nnen. Allerdings nur dann, wenn sie das mit dem Kinder-kriegen gleich ganz lassen (wie ich), oder es &#8222;irgendwie&#8220; gebacken bekommen, ihre jeweilige Arbeit &#8211; sei es Beruf oder Berufung &#8211; mit ihrem Mutter-Sein zu vereinbaren. <\/p>\n<p>Dass es dabei au\u00dferordentlich knirscht, muss ich sicher nicht weiter ausf\u00fchren. Thema dieses Beitrags ist jedoch nicht nur die &#8222;mangelnde Vereinbarkeit von Beruf und Familie&#8220;, von der sich heute auch immer mehr M\u00e4nner, die gerne gute V\u00e4ter sein wollen, betroffen f\u00fchlen. Sondern die Frage: Wohin verschwindet die Z\u00e4rtlichkeit? Wo ist in unserer heutigen, durch\u00f6konomisierten Welt noch Platz f\u00fcr spontane Gef\u00fchle, f\u00fcr spielerisches (=&#8220;kindliches&#8220;) Verhalten, f\u00fcr die schlichte Freude am Dasein, f\u00fcr Harmonie und friedliches, zweckfreies Miteinander? Also f\u00fcr all das, was fr\u00fcher &#8222;von Frauen geliefert&#8220; und erwartet wurde &#8211; und f\u00fcr das man sich mit Blumen zum Muttertag (West) bzw. zum Frauentag (Ost) bedankte?<\/p>\n<p>Wenn heute Frauen f\u00fcr &#8222;ehemals weiblich konnotierte&#8220; Eigenschaften gelobt werden, nennt das die Feministin &#8222;positive Diskriminierung&#8220;. Und sorgt so daf\u00fcr, dass M\u00e4nner zumindest Frauen keine T\u00fcren mehr aufhalten, keine Blumen mehr schenken und schon gar keine &#8222;sexistischen&#8220; Komplimente mehr machen. Gut so?<\/p>\n<p>Wer bleibt eigentlich in dieser Situation \u00fcbrig als m\u00f6gliche Projektionsfl\u00e4che f\u00fcr die Sehnsucht nach jenen Lebensaspekten, die fr\u00fcher von Frauen erwartet und erm\u00f6glicht wurden? Hier lasse ich die Leser\/innen lieber alleine weiter denken und frage weniger brisant: Wo und wie soll sich das erfolgreiche, gef\u00fchlt autarke Individuum vom Stress der verdichteten und flexibilisierten Arbeit erholen &#8211; physisch und psychisch? <\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich im Konsum! &#8222;Weil ich es mir wert bin&#8220; soll ich dies und das kaufen, in der Hoffnung, durch den Kaufakt etwas wieder zu gewinnen, was diese Gesellschaft aus dem realen Leben zunehmend verbannt. Und es gibt ja noch Wellness: baden, entspannen, saunieren, streicheln, massieren, sinnliches genie\u00dfen und jede Menge Zuwendung &#8211; vermittelt von Dienstleistern und Dienstleisterinnen f\u00fcr alle, die es sich leisten k\u00f6nnen. <\/p>\n<p>Das werden allerdings immer weniger, die <a href=\"http:\/\/www.bzw-weiterdenken.de\/2014\/02\/care-krise-und-care-revolution\/\">&#8222;Care-Krise&#8220;<\/a> kann nicht kapitalistisch gel\u00f6st werden. Ein Dilemma, zu dem mir jetzt auch nichts Konkretes einf\u00e4llt. Allenfalls die Hoffnung auf widerst\u00e4ndige Frauen und M\u00e4nner, die keine Lust haben, ihr Leben vollst\u00e4ndig dem &#8222;Hamsterrad&#8220; unterzuordnen, das sich immer schneller dreht, auf dass das Kapital sich rentiere. <\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eFrauen sind wertvoll f\u00fcr die Welt, denn sie sind z\u00e4rtlich, f\u00fcrsorglich, geduldig und gef\u00fchlvoll. Danke daf\u00fcr &#038; sch\u00f6nen Frauentag!\u201c F\u00fcr &#8222;Dodo&#8220; ist so ein Satz Murks, genau wie &#8222;80% rosa\/pastellfarbener Kitsch&#8230;und \u00e4hnlicher Kackschei\u00df&#8220;, der Frauen zum internationalen Frauentag zugemutet wird. 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