{"id":1285,"date":"2003-08-06T11:57:08","date_gmt":"2003-08-06T10:57:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=1285"},"modified":"2014-02-09T12:03:50","modified_gmt":"2014-02-09T11:03:50","slug":"von-schreibblockaden-kalten-rippchen-und-startterminen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2003\/08\/06\/von-schreibblockaden-kalten-rippchen-und-startterminen\/","title":{"rendered":"Von Schreibblockaden, kalten Rippchen und Startterminen"},"content":{"rendered":"<p><em>Dieser Text entstand am am 6.August 2003 im &#8222;Schreibimpulse-Blog&#8220;, das ich zur Begleitung meiner Schreibkurse einige Jahre f\u00fchrte. Ich habe ihn ans entsprechende Datum ins Digidiary &#8222;gerettet&#8220;, da das Blog nach einigen Jahren (mit vielen wunderbaren Schreibkursen!) eingestellt wurde.<\/em><\/p>\n<p><strong>Kurzreise nach Frankfurt. Programmierer leibhaftig gesichtet. Sauna und die Lizenz zum Kontakt.<\/strong><\/p>\n<p>Die Hitze war h\u00f6llisch. Hinreise am Sonntag, Montag mehrst\u00fcndiges Arbeitstreffen, gegen Abend dann gleich zur\u00fcck nach Berlin. Solche Hau-Ruck-Aktionen sind eigentlich nicht mein Ding, aber jetzt musste es einfach mal sein. N\u00e4chste Woche f\u00e4hrt Ulf, der die programmiererische Seite von Schreibimpulse.de entwickelt, n\u00e4mlich in Urlaub. Der Starttermin f\u00fcr die Kurse muss aber VORHER stehen. Ein bisschen Anmeldezeit braucht es ja doch, auch wenn schon \u00fcber hundert Leute \u201cInteresse gemeldet\u201d haben. Wer wei\u00df, wieviele davon wirklich dabei sein werden! Himmel, ist das spannend\u2026.<\/p>\n<p>Wir haben ihn, den Starttermin! Endlich! Noch nicht auf den Tag genau, aber so um den 14. \/ 15. Oktober geht\u2019s los. In einem lauschigen Biergaren bei Frankfurt erfreute ich mich an \u201ckaltem Rippchen mit Kartoffelsalat\u201d (das es in Berlin nicht gibt) und an unseren Fortschritten. Seit Monaten maile ich mit Ulf, doch gesehen hatten wir uns noch nie. Er war einer derjenigen, die sich freiwillig gemeldet hatten, um mir das <a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/\">Digital Diary<\/a> von \u201ch\u00e4ndischem Betrieb\u201d auf ein automatisiertes Script umzustellen. Ich wollte einfach keine HTML-Tags mehr sehen, wenn ich Diary schreibe. Nur noch in die Eingabemaske tippen, wenn\u2019s mich \u00fcberkommt &#8211; einfach so \u00fcber\u2019s Web, das m\u00fcsste wunderbar sein!<a id=\"more-24\"><\/a><\/p>\n<p>Na, jetzt ist es bald soweit. Das \u201cautomatische\u201d Digidiary wird bald das Licht der Welt erblicken &#8211; aber eher als ein \u201cAbfallprodukt\u201d unserer Zusammenarbeit. Erstmal hab\u2019 ich Ulf n\u00e4mlich \u201cumgelenkt\u201d. Das Diary war in meiner Priorit\u00e4tenliste ziemlich nach hinten gerutscht, ich steckte voll fasziniert inmitten der Planungen f\u00fcr schreibimpulse.de. Einen Namen hatte ich noch nicht, aber Ideen und Pl\u00e4ne, die mich ganz neu faszinerten: Endlich mal nicht Webdesign, endlich mal eine eigene Unternehmung: nicht immer nur Andere in Szene setzen, sondern selbst etwas entwickeln!<\/p>\n<h2>Ein eigenes Projekt<\/h2>\n<p>Das hatte ich schon lange im Hinterkopf. Sogar mit ganz netten Ideen &#8211; doch so richtig \u201clos gegangen\u201d ist nichts davon. Die Ideen ber\u00fchrten mich nicht wirklich, oder nur in einer beil\u00e4ufigen Art. Zum Beispiel die <strong>\u201cSaunaseite Berlin\u201d<\/strong>: Ich wollte alle Berliner Thermen und Saunen vorstellen &#8211; nat\u00fcrlich nicht datenbankartig \u00f6de, sondern so richtig mit Atmosph\u00e4re. Szenen von nackten Schwitzenden aller Altersgruppen und Geschlechter, wie sie im Dampf verschwinden, standen mir vor dem inneren Auge. Oder das Aufguss-Ritual: Saunameister wedelt mit dem Handtuch und treibt jedem den Gluthauch der W\u00fcste Gobi \u00fcber die nackte Haut &#8211; und alle tun so, als w\u00e4r\u2019 das angenehm! Ja, seit meinen Mecklenburg-Jahren geh ich gern in die Sauna, warum also nicht eine \u201cSaunaseite\u201d?? Ich denke immer gleich in Webseiten &#8211; aber wie und wann soll ich die alle schaffen?<\/p>\n<p>Die Saunaseite hatte immerhin schon ein \u201cFinanzierungsmodell\u201d. Ich wollte Sauna-T\u00fccher verkaufen, die ein Logo und eine Art Code tragen: Mit blauem Streifen heisst \u201classt mich in Ruh!\u201d, mit rotem \u201cIch bin auf Suche\u201d und mit gelbem \u201cAlles au\u00dfer Sex\u201d oder \u201cPlaudern erw\u00fcnscht\u201d. So hatte ich zumindest ins Grobe gedacht. Die Handtuchtr\u00e4gerinnen und Tr\u00e4ger w\u00fcrden einander in den Sauna-Anlagen Berlins erkennen &#8211; mir h\u00e4tte sowas gefallen!<\/p>\n<p>Ich finde, es gibt insgesamt zuwenig \u201cLizenz zur Kontaktaufnahme\u201d au\u00dfer in klar vordefinierten Situationen wie etwa als K\u00e4uferin, Lehrer, Managerin oder Postbeamter. Am richtigen Ort mit entsprechendem Gegen\u00fcber, \u00fcberall, wo wir R\u00e4dchen oder Motoren im Getriebe sind, gibt es \u201cvorgestanzte\u201d Kontakte, voraussehbare Kommunikationsformen und Inhalte. Aber sonst?? Im Alltag muss erstmal \u2018was Katastrophisches passieren, damit die Menschen miteinander reden. Und sei es nur, dass ein Bus zweimal hintereinander ausf\u00e4llt.<\/p>\n<p>Ich verplaudere mich! Das \u201cHandtuchgesch\u00e4ft\u201d sollte nicht das einzige sein, was f\u00fcr Einnahmen sorgt, sondern ich wollte den Berliner Sauna-Unternehmern auch einen \u201cSauna-Pass\u201d schmackhaft machen: deutliche Rabatte f\u00fcr Neukunden &#8211; und diesen Saunapass dann zum Pauschalpreis anbieten, weit g\u00fcnstiger als die zusammen gerechneten Rabatte. Schien mir aussichtsreich, eine \u201cWin-win-Situation\u201d f\u00fcr alle Beteiligten &#8211; und ich w\u00fcrde k\u00fcnstlerisch Saunen in Szene setzen!<\/p>\n<p>Die Saunaseite ist dann doch im Ideenstadium geblieben wie noch manches andere. Schlie\u00dflich geh\u2019 ich nur einmal die Woche schwitzen und so dringlich ist mein Plauderbed\u00fcrfnis auch wieder nicht. In der Sauna jemanden ansprechen ist zudem leichter, als ein Webprojekt aus dem Boden zu stampfen, dass das f\u00fcr viele einfacher macht. Meine Motivation, die Tage mit Sauna-Betreibern zuzubringen oder Handtuchproduktionsm\u00f6glichkeiten zu checken, hielt sich in Grenzen, versetzte mich nicht in Bewegung. Und: in Berlin gibt\u2019s nur wenige gute Saunen, der letzte Standard fehlt ganz &#8211; wer hat hier schon einen Schneeraum? Wer k\u00fchlt das Wasser weiter herunter, als es aus der Leitung kommt?<\/p>\n<p>Genug davon. Meine anderen Ideen erz\u00e4hl ich vielleicht auch nochmal, doch seit mich die Kurse besch\u00e4ftigen, ist das alles vom Tisch! Heute kommt es mir sogar seltsam vor, dass ich nicht weit fr\u00fcher darauf gekommen bin, genau DAS zum Projekt zu machen, was ich im Alltag am liebsten tue: Schreiben, mit anderen kreativ kommunizieren, lockere Gruppen entstehen lassen und soziale Prozesse m\u00f6glichst erg\u00f6tzlich f\u00fcr alle gestalten? Der Untertitel meines Diary sprang mir ganz neu ins Auge: \u201cVom Sinn des Lebens zum Buchstabengl\u00fcck\u201d &#8211; da stand es ja, warum sollte ich in der Sauna und auf den Friedh\u00f6fen (davon demn\u00e4chst!) suchen?<\/p>\n<p>Fast h\u00e4tte ich diese Domain \u201cbuchstabenglueck.de\u201d genannt. Aber Umlaute im Domainnamen sind nicht so gut und die Welt ist voller Zyniker, die das gewollt missverstehen und sich belustigen w\u00fcrden &#8211; also schreibimpulse.de!<\/p>\n<h2>Vom inneren Zensor<\/h2>\n<p>Im Digital Diary bin ich in der letzen Zeit nicht sehr gespr\u00e4chig. Eine gewisse Scheu h\u00e4lt mich davon ab, die Stammleser mehr als gelegentlich mit Artikeln \u00fcber das Werden meiner Online-Kurse zu begl\u00fccken. Vermutlich behindert mich ein tief sitzendes, in vielen Netzjahren eingefleischtes S\u00fcndenbewusstsein: Man macht keine Werbung f\u00fcr eigene kommerzielle Projekte, das ist igitt! Und w\u00e4re nicht alles, was ich dar\u00fcber schreibe, AUCH eine Werbung &#8211; ob ich das will oder nicht? Schlie\u00dflich bin ich fasziniert von meinen Pl\u00e4nen, es begeistert mich, ich kann also nur \u201cwerbend\u201d dar\u00fcber schreiben.<\/p>\n<p>Im Juli also nur zwei Diary-Beitr\u00e4ge und keinerlei \u201cEinf\u00e4lle\u201d, die NICHT mit schreibimpulse.de zusammen hingen, auf irgend eine Art. Das Diary trocknete aus wie die Brandenburger W\u00e4lder. Was tun? Ich f\u00fchlte mich schreiberisch gel\u00e4hmt! Gestern Abend dann, als ein lieber Freund wieder einmal nichts zu einer Frage geantwortet hatte, die mich in Sachen schreibimpulse.de umtreibt (wie so viele derzeit!), wich die L\u00e4hmung von mir: Warum soll ich eigentlich genau das aufgeben, was ich in meinem Kurs A vermitteln will? <strong>\u201cVon sich schreiben &#8211; Webdiarys und mehr\u201d<\/strong> ist der Titel &#8211; und ich h\u00f6r auf, weil ich in den Klauen des inneren Zensors h\u00e4ngen bleibe??? Es darf gelacht werden! :-)))<\/p>\n<p>Warum nicht die Interessenten fragen, wenn ich eine Frage habe, deren Antwort nur sie wissen? Es war nie mein Ding, \u00fcber Zielgruppen nachzudenken, ich kommuniziere lieber direkt. Es gibt \u00fcber hundert Leute, denen ich Infos versprochen habe &#8211; was l\u00e4sst mich eigentlich denken, ich d\u00fcrfe die erst \u201czur Besichtigung\u201d einladen, wenn alles fertig ist? Kursbeschreibungen, \u201c\u00dcber uns\u201d, Konditionen, AGB, Anmeldeformular &#8211; da brauch ich noch ein bisschen Zeit. Warum nicht einfach erz\u00e4hlen, was es Neues gibt? Wie der Aufbau l\u00e4uft, was f\u00fcr neue Erfahrungen ich mache, was bisher geschah\u2026 \u201cVon mir schreiben\u201d und \u201cvom Projekt schreiben\u201d sind zusammen gefallen, na und? Ein Ortswechsel dieses Themas auf schreibimpulse.de verschont das Digital Diary davor, zu \u201ceint\u00f6nig\u201d zu werden &#8211; immerhin interessieren sich viele weder f\u00fcrs Schreiben noch f\u00fcr den Aufbau eines Web-Projekts.<\/p>\n<p>Aber da ist noch etwas: Erz\u00e4hlt die Unternehmerin, was sie unternimmt?? Liest man irgendwo vom Entstehen der vielen Projekte, die mit viel Einsatz und Hoffnung ins Werk gesetzt werden? Gibt\u2019s da eine Schweigepflicht??? Ist es nicht besser, zu warten, bis eine glitzernde Oberfl\u00e4che steht und alles perfekt wirkt? Und niemals ein Wort dar\u00fcber verlieren, wie fraglich, problematisch, fehlertr\u00e4chtig dies und jenes ist, bevor alles \u201cfertig\u201d im Web steht?<\/p>\n<p>Vielleicht ist das wirklich besser, werbetechnisch betrachtet. Aber deshalb monatelang nicht mehr \u00fcber das schreiben, was mich haupts\u00e4chlich bewegt? Kann ich mir nicht vorstellen! Das w\u00e4r es mir auch nicht wert. Schreibimpulse.de soll mich bereichern und nicht einschr\u00e4nken, begl\u00fccken und nicht deprimieren, den Raum der M\u00f6glichkeiten vergr\u00f6\u00dfern und nicht zusammenschrumpfen. Ich schreibe also weiter. An dieser Stelle.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Text entstand am am 6.August 2003 im &#8222;Schreibimpulse-Blog&#8220;, das ich zur Begleitung meiner Schreibkurse einige Jahre f\u00fchrte. Ich habe ihn ans entsprechende Datum ins Digidiary &#8222;gerettet&#8220;, da das Blog nach einigen Jahren (mit vielen wunderbaren Schreibkursen!) eingestellt wurde. 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