{"id":1280,"date":"2014-02-09T10:32:10","date_gmt":"2014-02-09T09:32:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=1280"},"modified":"2015-12-12T15:13:48","modified_gmt":"2015-12-12T14:13:48","slug":"vom-schreiben-das-innere-selbst-ausdruecken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2014\/02\/09\/vom-schreiben-das-innere-selbst-ausdruecken\/","title":{"rendered":"Vom Schreiben: Das innere Selbst ausdr\u00fccken"},"content":{"rendered":"<p><em>Diesen Text von 2007 hab&#8216; ich bei Aufr\u00e4umungsarbeiten auf einer schon lange nicht mehr genutzten Domain aus einem alten Blog gerettet, bevor ich das Ganze l\u00f6schte.<\/em><\/p>\n<blockquote><p>\u201cDer vollkommenste individuelle Selbstausdruck ist die objektivste Beschreibung der Welt. Der gr\u00f6\u00dfte K\u00fcnstler ist derjenige, der auszudr\u00fccken vermag, was von jedem Menschen empfunden wird. Und wie bringt er dies zustande? Dadurch, da\u00df er SUBJEKTIVER ist als andere. Je getreuer er sich SELBST zum Ausdruck bringt, desto n\u00e4her kommt er den anderen, denn unsere wahre Natur ist nicht unser eingebildetes beschr\u00e4nktes \u201cIch\u201d. Unsere wahre Natur ist so weit und allumfassend und zugleich so unfa\u00dfbar wie der Weltenraum. Sie ist sunyata &#8211; Leere &#8211; im tiefsten Sinn.\u201d<\/p><\/blockquote>\n<p><!--more--><br \/>\nDieses Zitat von Lama Anagarika Govinda, einem westlichen Buddhisten, hat mich immer schon sehr beeindruckt. In wenigen Worten trifft er, was ich in meiner gesamten bisherigen Schreiberfahrung als das Wesentliche erkannte und erlebte. Je oberfl\u00e4chlicher und \u201cweltlicher\u201d die Themen, desto gr\u00f6\u00dfer ist der Dissenz, desto eher prallen Sichtweisen und Lebenstile aufeinander, desto eher herrscht Kontroverse und Krieg \u00fcber \u201cden rechten Weg\u201d, \u201cdie richtige Sicht\u201d.<\/p>\n<p>Meine eigentliche Info-Quelle bin ich selbst. Ich schreibe aus mir heraus, bringe zum Ausdruck, was sich schreiben will, was wiederum Folge von Eindr\u00fccken ist &#8211; manche Eindr\u00fccke motivieren zum Schreiben, andere nicht. Ich H\u00d6RE in mich hinein, wenn ich schreibe, und staune manchmal, was da alles kommt. Die AUFGABE, der REIZ ist dann, es m\u00f6glichst unverf\u00e4lscht zum Ausdruck zu bringen &#8211; also ungest\u00f6rt durch Ehrgeiz und Geliebt-werden-wollen.<\/p>\n<p>Hier begegne ich dem inneren Kritiker und dem Zensor, die regelm\u00e4\u00dfig allerlei Bedenken tragen und mich am schreiben hindern wollen. Es geht dann nicht darum, sie einfach mundtot zu machen und zu \u00fcbergehen, sondern sie kennen zu lernen und ihnen in bewusster Auseinandersetzung das jeweilige \u201cok!\u201d abzutrotzen. Nach und nach werden sie weniger militant und nicken schon mal Dinge ab, die noch vor Jahren nicht in Frage gekommen w\u00e4ren &#8211; steter Tropfen h\u00f6hlt den Stein!<\/p>\n<p>Was mir an Anagarikas Statement weniger gef\u00e4llt, ist die Rede vom \u201cgro\u00dfen K\u00fcnstler\u201d. Es stimmt, dass \u201cgro\u00dfe K\u00fcnstler\u201d ihre jeweilige Kunst aus sich heraus sch\u00f6pfen, doch w\u00e4re es auf jeden Fall ein Irrweg, ein gro\u00dfer K\u00fcnstler sein zu wollen. Der Ehrgeiz ist eine Barriere, die es verhindert, einfach nach innen zu lauschen und ohne Urteil und Einmischung wahrzunehmen, was zum Ausdruck dr\u00e4ngt. Wer \u201cAutor werden\u201d will, ist bereits nicht mehr bei sich selbst (griech: auto), sondern sucht Ruhm und Ehre, schaut auf den \u201cMarkt\u201d und in die m\u00f6glichen Verwertungsschubladen, was zur Mode der Zeit passen k\u00f6nnte und was nicht.<\/p>\n<p>Wer dagegen einfach weiter schreibt, schreibt auch immer besser, erkennt sich schreibend selbst und damit auch die Anderen, die Menschen, die Welt.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diesen Text von 2007 hab&#8216; ich bei Aufr\u00e4umungsarbeiten auf einer schon lange nicht mehr genutzten Domain aus einem alten Blog gerettet, bevor ich das Ganze l\u00f6schte. \u201cDer vollkommenste individuelle Selbstausdruck ist die objektivste Beschreibung der Welt. Der gr\u00f6\u00dfte K\u00fcnstler ist derjenige, der auszudr\u00fccken vermag, was von jedem Menschen empfunden wird. 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