{"id":1275,"date":"2014-02-06T12:03:05","date_gmt":"2014-02-06T11:03:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=1275"},"modified":"2016-02-09T13:21:14","modified_gmt":"2016-02-09T12:21:14","slug":"die-andere-altersarmut-einsamkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2014\/02\/06\/die-andere-altersarmut-einsamkeit\/","title":{"rendered":"Die andere Altersarmut: Einsamkeit"},"content":{"rendered":"<p>Menachem schrieb auf GEMEINSAMLEBEN (!) ein paar <a href=\"http:\/\/gemeinsamleben.wordpress.com\/2014\/02\/03\/versicherungen\/\">sehr nachdenklich stimmende S\u00e4tze<\/a>:<\/p>\n<blockquote><p>Erst in diesen Tagen unserer Vergangenheitsreise habe ich erkannt, wie viele Menschen und Freunde fr\u00fcher um mich herum waren, und wie viele es heute noch sind. Diese deprimierende Entwicklung, die ich wahrscheinlich nicht alleine so erlebe, verst\u00e4rkte sich in dem anschlie\u00dfenden Besuch meines Vaters, im SENIORENHEIM Frankfurt auf der Bornheimer Landwehr. Seit 2 Jahren versucht mir mein Vater zu erkl\u00e4ren, mit seinen nunmehr bald 94 Jahren, was Einsamkeit ist. Nat\u00fcrlich verstehe ich seine Worte. Doch zum Gl\u00fcck, bleibt das Gef\u00fchl daf\u00fcr nur ein Gef\u00fchl. Die letzten, mit denen er erz\u00e4hlen und spazieren gehen konnte, sind in den vergangenen 4 Jahren nach und nach gegangen. Niemand mehr, der ihm Anerkennung ausspricht. Niemand mehr, der ihn wahrnimmt.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nAuch er hat, wie ich, nicht gen\u00fcgend in die Lebens- und Altersversicherung der Freundschaften einbezahlt. Der Preis den es zu zahlen gilt, wenn nicht in diese Versicherung investiert wird, ist eine Art der Altersarmut. Armut \u2013 an teilnehmender freundlicher, herzlicher und aufrichtiger Mitmenschlichkeit.<\/p><\/blockquote>\n<p>Nun ist 94 ein wahrlich hohes Alter, in dem es nicht wundert, dass alle Freude &#8222;weggestorben&#8220; sind. Aber: Warum ist es eigentlich so, dass sich Menschen fast ausschlie\u00dflich mit Gleichaltrigen (plusminus wenige Jahre) befreunden? Und je \u00e4lter, umso weniger &#8222;Neue&#8220; kommen hinzu.  <\/p>\n<p>Wer Kinder und Enkel hat, ist &#8211; mal angenommen, der Familienfrieden h\u00e4lt und es sind nicht alle in andere St\u00e4dte gezogen &#8211; \u00fcber diese Nachkommen noch ins Geschehen j\u00fcngerer Generationen verstrickt. Ansonsten scheint das Gesetz &#8222;gleich und gleich gesellt sich gerne&#8220; immer drastischer zu wirken, je \u00e4lter die Menschen werden &#8211; mit Abstrichen beim Willen, sich auf neue Menschen einzulassen, selbst wenn sie \u00e4hnlich alt sind. <\/p>\n<h2>Die Alten und die Jungen<\/h2>\n<p>K\u00fcrzlich war ich in einem kleinen Theater, ein <a href=\"http:\/\/www.modersohn-magazin.de\/2013\/11\/15\/wolf-schneider-als-selbst-ernannter-scharlatan-im-galli-theater\/\">in etwa gleichaltriger Humorist<\/a> trat auf, dessen Zielgruppe aus der Szene &#8222;spirituell Interessierter&#8220; als nahezu homogene Alterskohorte den Raum f\u00fcllte. Alles sehr tolle Menschen, soviel ich in der kurzen Zeit wahrnehmen konnte, mit allen Wassern der Weisheit und Selbstfindung gewaschen, quasi im positiven Sinn &#8222;austherapiert&#8220;.<br \/>\nDennoch f\u00fchlte ich mich nicht wirklich wohl: soviel Selbstgewissheit und ausgestrahltes &#8222;Angekommen sein&#8220; &#8211; mir fehlen leider die richtigen Worte, aber ich f\u00fchlte mich wie eine Durstige unter kundigen Genie\u00dfern edler Weine, die Lust auf einen Energy-Drink oder eine b\u00f6se Zucker-Cola hat. Oder anders gesagt: Die haben und wissen selber schon alles &#8211; was soll ich da noch?<\/p>\n<p>Das totale Kontrastprogramm erlebe ich auf den Festen und Arbeitsterminen der <a href=\"http:\/\/www.kub-berlin.org\/\">KuB.<\/a> Dort sind vor allem junge Menschen aktiv, mehrheitlich Studierende, dazwischen ein paar \u00c4ltere so bis 35, sowie wenige &#8222;Ausreisser&#8220; im 50plus-Alter, die man an einer Hand abz\u00e4hlen kann.<\/p>\n<p>Anders als unter den Gleichaltrigen und \u00c4lteren f\u00fchle ich mich da nicht \u00fcberfl\u00fcssig, ganz im Gegenteil, es gibt sehr viel, was ich beitragen und vermitteln kann, hab&#8216; ich doch selbst viele Jahre in solchen Initiativen zugebracht. Was aber nicht hei\u00dft, dass ich mich \u00fcberall als Besserwisserin einmischen muss, ganz im Gegenteil ist es sehr angenehm, nicht mehr selber &#8222;tragende S\u00e4ule&#8220; sein zu wollen und zu m\u00fcssen: die machen das schon und sogar erstaunlich GUT! Also beschr\u00e4nke ich mich auf <a href=\"http:\/\/www.betterplace.org\/de\/projects\/16145-formulare-verstehbar-machen-ein-ubersetzungsprojekt\">mein dort angesiedeltes Hilfsprojek<\/a>t (sie finden es durchaus staunenswert, wieviel Spenden ich in kurzer Zeit sammeln konnte) und genie\u00dfe ansonsten den lockeren Umgang, das Unfertige und nie Perfekte, sowie die oft erstaunlich aufgeschlossenen jungen Frauen und M\u00e4nner, die ein ganz anderes Verh\u00e4ltnis zu \u00c4lteren zu haben scheinen als es in meiner Generation \u00fcblich war. <\/p>\n<p>Es freut mich jedenfalls, da n\u00fctzlich sein zu k\u00f6nnen &#8211; bis in allt\u00e4gliche Kleinigkeiten hinein, wie etwa mit dem Tipp, die Pellkartoffeln f\u00fcr den Party-Salat vor dem Sch\u00e4len in kaltem Wasser abzuk\u00fchlen, um das nervige &#8222;Wegzupseln&#8220; der Schalen in ein leichtg\u00e4ngiges Abziehen zu verwandeln. :-) Nicht lachen: Die Basics des Kochens lernt man ja heute nicht mehr zwangsl\u00e4ufig von den M\u00fcttern!<\/p>\n<p>Eine Mittf\u00fcnfzigerin, die ich in der KuB kennen lernte, ist k\u00fcrzlich verunfallt und wird etliche Wochen im Krankenhaus und in der REHA zubringen. Nat\u00fcrlich wird sie von den &#8222;Kubbies&#8220; besucht! <\/p>\n<p>Kurzum: ich rate allen \u00c4lteren, sich nicht auf Gleichaltrige und noch \u00c4ltere zu beschr\u00e4nken, sondern immer auch irgendwo anzudocken, wo deutlich J\u00fcngere zugange sind. Ohne selbst auf &#8222;zwanghaft jung&#8220; zu machen oder ihnen als zickige Alte mit 1000 Anspr\u00fcchen auf den Senkel zu gehen, sondern das beitragend, was man eben kann, was erw\u00fcnscht ist und gebraucht wird. Schon allein interessiertes Zuh\u00f6ren scheint ja eine knappe Ressource zu sein und kommt bei suchenden jungen Menschen gut an. Und wer &#8222;mit sich im Reinen&#8220; ist, hat auch Antworten auf viele ihrer Fragen &#8211; man muss nur warten, bis diese Fragen von selber auftauchen, niemals ungefragt die eigenen Weisheiten aufdr\u00e4ngen. <\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Menachem schrieb auf GEMEINSAMLEBEN (!) ein paar sehr nachdenklich stimmende S\u00e4tze: Erst in diesen Tagen unserer Vergangenheitsreise habe ich erkannt, wie viele Menschen und Freunde fr\u00fcher um mich herum waren, und wie viele es heute noch sind. 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