{"id":1188,"date":"2013-10-01T09:42:37","date_gmt":"2013-10-01T08:42:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=1188"},"modified":"2013-10-11T18:27:26","modified_gmt":"2013-10-11T17:27:26","slug":"woher-kommt-der-sinn-im-leben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2013\/10\/01\/woher-kommt-der-sinn-im-leben\/","title":{"rendered":"Woher kommt der Sinn im Leben?"},"content":{"rendered":"<p>Dieses Blog tr\u00e4gt noch immer den uralten Untertitel &#8222;Vom Sinn des Lebens zum Buchstabengl\u00fcck&#8220;. Dieser Satz wird bei der anstehenden Umgestaltung verschwinden, mir ist nur noch kein neuer Untertitel eingefallen. <\/p>\n<p>Denn die Sinnfrage hat sich f\u00fcr mich erledigt, lange schon. Einst spielte der Satz vom &#8222;Buchstabengl\u00fcck&#8220; darauf an, dass ich mit 42 (!) das Internet entdeckt und meinen ersten richtigen Artikel online gestellt hatte, der den Titel trug &#8222;Vom Sinn des Lebens zum Regenwurmgl\u00fcck&#8220;. (Man schrieb das Jahr 1996, der <a href=\"http:\/\/claudia-klinger.de\/archiv\/MissingLinkAusstell\/reise.htm\">hier archivierte<\/a> Artikel gibt auch einen kleinen Eindruck, wie sich &#8222;surfen&#8220; damals anf\u00fchlte). F\u00fcr mich war das Internet &#8222;Buchstabengl\u00fcck&#8220;: endlich konnte ich mich schreibend nach Belieben ausdr\u00fccken und mit anderen kommunizieren &#8211; einfach so, ohne viel Geld, ohne jemand um Erlaubnis fragen zu m\u00fcssen. Was f\u00fcr ein Gl\u00fcck!<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<h2>Suche ist sinnlos<\/h2>\n<p>Auf einer tieferen Ebene war ich schon damals \u00fcber die Sinnfrage hinaus. Es gibt keinen Sinn, den man suchen und finden m\u00fcsste. Der Sinn ergibt sich ganz &#8222;von selber&#8220;, wenn man die Blickrichtung \u00e4ndert und nicht mehr fortw\u00e4hrend darauf schaut, was einem fehlt, sondern darauf, was man geben k\u00f6nnte. Dann stellt sich schnell das Gef\u00fchl der F\u00fclle ein, denn GEBEN ist angesichts der vielen, denen es an etwas mangelt, und angesichts der vielen Missst\u00e4nde, die einer Verbesserung bed\u00fcrfen, kein Problem. Sobald man sich selbst als Potenzial begreift, das Gute, das Wahre und Sch\u00f6ne in die Welt zu bringen, tritt man geistig aus der Konsum-Orientierung unserer sp\u00e4tkapitalistischen Welt aus. Insofern hab&#8216; ich mich angefreundet mit dem &#8222;Making Sens&#8220; der Amerikaner, das als &#8222;Sinn machen&#8220; das deutsche &#8222;Sinn haben&#8220; zunehmend verdr\u00e4ngt.<\/p>\n<p>Nun werden viele sagen: Ich kann mich nicht noch gro\u00df engagieren, mein Job, meine Verpflichtungen und vielerlei Widerst\u00e4nde lassen mir dazu gar keine Zeit. Was ich mit dem &#8222;sinn-machenden&#8220; Geben meine, ist jedoch nicht zwangsl\u00e4ufig eine &#8222;zus\u00e4tzliche Aktivit\u00e4t&#8220;, sondern erstmal eine \u00c4nderung der Haltung im Rahmen jeglicher Aktivit\u00e4t: im Beruf, in der Familie, in der Gesellschaft &#8211; auch z.B. beim Taxi-Fahren.<\/p>\n<h2>B\u00f6se Welt?<\/h2>\n<p>Letzteres erw\u00e4hne ich, weil es der <a href=\"http:\/\/www.berlinstreet.de\/7458\">Blog-Artikel eines Berliner Taxifahrers<\/a> war, der mich zu diesem Eintrag inspiriert hat. Es ist eine Klage \u00fcber die Menschen, die er durch Berlin f\u00e4hrt: Business-Leute, die nur von M\u00e4rkten und Renditen quatschen, besoffene Jugendliche, die mit der obligatorischen Bierflasche in der Hand besonders &#8222;cool&#8220; sein wollen, Handwerker, die gegen Ausl\u00e4nder polemisieren, und und und. Er erlebt sich als Au\u00dfenseiter, der in dieser &#8222;Normalwelt&#8220; nicht klar kommt:<\/p>\n<blockquote><p>\n&#8222;Sie haben mich ja auch schon gekriegt: Ich habe zwei Jobs, Einbauk\u00fcche, Auto vor der T\u00fcr und einen vollen K\u00fchlschrank. Aber die Seele ist leer. Ein paar Freundschaften gibt es, sehr wenig, auch da gehts teilweise um Ausnutzen des anderen&#8230;..<br \/>\nSchon lange bin ich in der zweiten Lebensh\u00e4lfte, und noch immer geh\u00f6re ich irgendwie nicht dazu. Diese Gesellschaft ist mir so fremd wie vor 30 Jahren. Selbst jetzt mit meiner b\u00fcrgerlichen Existenz bin ich darin ein Au\u00dfenseiter, auch wenns kaum jemand sieht. Ich kann nicht dazugeh\u00f6ren und will es auch nicht. Weil ich Angst habe, dann jegliche Gef\u00fchle zu verlieren.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Dies sind alles S\u00e4tze, die vom Haben und Haben-wollen handeln. Die Seele scheint &#8222;leer&#8220;, wenn man nur darauf schaut, was bei den ANDEREN und in der Gesellschaft falsch und unsch\u00f6n ist. Es ist ein erster gro\u00dfer Irrtum, zu glauben, alle anderen h\u00e4tten einen an der Waffel und man selber nicht. Jeder und jede hat helle und dunkle Seiten und wenn so ein Business-Mensch mal alleine im Taxi sitzt, bringt es ein zuh\u00f6render und zugewandter (gebender) Taxi-Fahrer durchaus mal zustande, dass dieser sich \u00f6ffnet und seine maltr\u00e4tierte &#8222;helle Seite&#8220; zeigt. Aber vermutlich spricht dieser Taxi-Fahrer nicht mit seinen G\u00e4sten, sondern be- und verurteilt nur. Und ist entsprechend schlecht drauf: <\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Das Leben ist leer, selbst wenn es scheinbar voll ist mit Freizeitbesch\u00e4ftigungen, Jobs und allen m\u00f6glichen Terminen. Es ist leer, sinnlos und ich will nicht, dass es auf diese Art weiter geht. Aber ich habe das Gef\u00fchl, dass ich damit ziemlich allein stehe.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Alles, was daran hindert, sich zu engagieren, kreativ und mitf\u00fchlend mit Anderen umzugehen, ist das eigene Ego. Dieses ist nicht etwa &#8222;was Esoterisches&#8220;, sondern jene innere Instanz, der es wichtig ist, JEMAND zu sein &#8211; meist mit ganz bestimmten Vorstellungen von Status, Besitz und Image. Dabei ist es recht egal, ob man sich als besitzlosen Au\u00dfenseiter oder toll integrierten Mach-was-mit-Medien inszeniert &#8211; immer gebiert dieses Ego die Getrenntheit, die letztlich in die innere Leere f\u00fchrt.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieses Blog tr\u00e4gt noch immer den uralten Untertitel &#8222;Vom Sinn des Lebens zum Buchstabengl\u00fcck&#8220;. Dieser Satz wird bei der anstehenden Umgestaltung verschwinden, mir ist nur noch kein neuer Untertitel eingefallen. Denn die Sinnfrage hat sich f\u00fcr mich erledigt, lange schon. 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