{"id":115,"date":"2007-12-30T14:02:55","date_gmt":"2007-12-30T12:02:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2007\/12\/30\/auch-ein-jahresrueckblick\/"},"modified":"2007-12-30T14:14:06","modified_gmt":"2007-12-30T12:14:06","slug":"auch-ein-jahresrueckblick","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2007\/12\/30\/auch-ein-jahresrueckblick\/","title":{"rendered":"Auch ein Jahresr\u00fcckblick?"},"content":{"rendered":"<p>Das Energie-Tief scheint \u00fcberwunden &#8211; ach, was sag ich, es ist einfach durch. Immer diese Arbeitssprache, als best\u00fcnde alles aus M\u00fche und Leistung! In den letzten Tagen hab&#8216; ich NICHTS getan und es war gut so: kein bloggen, kein Blick auf die ToDo-Liste, nicht mal die &#8222;verteilten Aufr\u00e4umarbeiten&#8220;, die ich ins Auge gefasst hatte &#8211; nur rumlungern, lesen, surfen, durch die TV-M\u00e4rchen-Welt zappen, ein Saunabesuch und ein paar kurze Kontrollg\u00e4nge in den Garten.   Das weihnachtliche Still-Stehen der Gesch\u00e4ftswelt vermittelt deutlich gr\u00f6\u00dfere Ruhe als wenn ich mir ganz individuell eine Auszeit nehme. Der Herdentier-Aspekt im menschlichen Leben verschwindet offenbar niemals ganz: Was alle machen bzw. nicht machen, f\u00e4llt leichter als jede eigene Bewegung.<!--more--><\/p>\n<h2>Abschied vom wilden Garten<\/h2>\n<p>Grade ist der Jahresr\u00fcckblick das kollektive Thema &#8211; soll ich also auch?  Immerhin f\u00e4llt mir sofort ein &#8222;wesentliches Ereignis&#8220; ein, n\u00e4mlich die <a href=\"http:\/\/www.das-wilde-gartenblog.de\/2007\/09\/19\/gekuendigt-wilder-garten-auf-abruf\/\">K\u00fcndigung des Gartens im August<\/a>. Die Gr\u00fcne Idylle, die mir im Sommer 2006 zugefallen war, wurde vom Nachbarn gekauft, der dort alles platt machen und das Grundst\u00fcck als Auto-Abstellplatz nutzen wird. Es war dann doch ein Schock f\u00fcrs Gem\u00fct, obwohl ich die ganze Zeit wusste, dass das jederzeit passieren kann, denn es war nur eine &#8222;\u00dcberlassung  zur kostenlosen Nutzung&#8220; mit 14-t\u00e4giger K\u00fcndigungsfrist.<\/p>\n<p>Bis gestern war unklar, wann der neue Eigent\u00fcmer das Grundst\u00fcck ben\u00f6tigen w\u00fcrde, nun ist es soweit: Bis Mitte Februar ist noch Zeit zum ausr\u00e4umen, dann ist Schluss. In den f\u00fcnf Monaten seit der K\u00fcndigung machte ich die lehrreiche Erfahrung, dass der Ausblick auf eine Zukunft doch wesentlich das JETZT mitbestimmt &#8211; zumindest, wenn es sich um einen Garten handelt, in dem ein Gro\u00dfteil des g\u00e4rtnerischen Tuns zwangsl\u00e4ufig auf Wachsen und Werden ausgerichtet ist: Warum noch B\u00e4ume beschneiden, wenn sie doch bald gef\u00e4llt werden? Ich setzte keine Pflanzen mehr und lie\u00df die, die schon da waren, wachsen wie sie wollten, bzw. verdorren, ohne noch irgend etwas abzur\u00e4umen. <a href=\"http:\/\/www.das-wilde-gartenblog.de\/2007\/10\/02\/komposthaufen-im-jahreslauf\/\">Kompost sieben?<\/a> Wozu denn? Immerhin war der Garten noch Erholungsort, die Mittagspausen in der gr\u00fcnen Wildnis werde ich vermissen.<\/p>\n<p>Mein eigenes Gerede vom Leben im Augenblick erschien auf einmal als spiritueller Hochmut und blo\u00dfes Geschw\u00e4tz:  Solange die Zukunft OFFEN ist, der Raum der Hoffnungen und Planungen also zur (potenziellen) Nutzung bereit steht, l\u00e4sst sich locker im &#8222;Hier und Jetzt&#8220; sinnvoll agieren &#8211; wenn ich aber wei\u00df, dass es keine Zukunft gibt, sieht das anders aus. Wenn ich also mal erfahren sollte, dass ich noch sechs Monate zu leben habe, werde ich mir nicht noch den zus\u00e4tzlichen Stress machen, weiter &#8222;Apfelb\u00e4umchen zu pflanzen&#8220;!<\/p>\n<h2>Ullas Abschied<\/h2>\n<p><a href=\"http:\/\/www.altweibersommer.de\/\"><strong>Ulla<\/strong><\/a> ist in diesem Jahr gestorben: eine liebe Freundin, die ich schon viele Netzjahre kannte, eine kreative, fr\u00f6hliche Frau, die wunderbar fotografierte, viel schrieb, an verschiedenen Schreibimpulse-Kursen teilnahm, und  mich immer mit ihrer &#8222;schnoddrigen Schreibe&#8220; beeindruckte. Sie war die erste aus meinem weiteren Umfeld, die auf ihrer Homepage von ihrer Krankheit berichtete, von ihren Diagnosen und ihrem Entschluss, keine Chemotherapie zu machen. <a href=\"http:\/\/altweibersommer.blogg.de\/\">Ihre letzten Eintr\u00e4ge<\/a> schrieb sie aus dem Hospiz heraus, in dem sie die letzten Tage verbrachte. Ich werde Ulla nicht vergessen, eine lebenslustige, liebevolle und sehr mutige Frau!<\/p>\n<h2>Neue Web-Werke<\/h2>\n<p>Und sonst?  Was meine eigene Web-Arbeit angeht, war es das Jahr des Bloggens: neben das Digital Diary trat <a href=\"http:\/\/www.das-wilde-gartenblog.de\">das wilde Gartenblog<\/a>, in dem ich h\u00e4ufig schrieb und vor allem viele <a href=\"http:\/\/www.das-wilde-gartenblog.de\/twg15\/index.php\">Bilder zeigte<\/a>: mit der <a href=\"http:\/\/www.das-wilde-gartenblog.de\/2007\/09\/10\/neue-digicam-die-ersten-bilder\/\">neuen DigiCam<\/a> hab&#8216; ich 2007 soviel fotografiert wie zuvor im ganzen Leben nicht! Im Sommer kam das neue <a href=\"http:\/\/www.webwriting-magazin.de\/\">Webwriting-Magazin<\/a> dazu, jetzt ebenfalls ein Blog, nachdem es mehrere Jahre blo\u00df als &#8222;Webleiche&#8220; herum stand, Memorial meiner fr\u00fcheren Zusammenarbeit mit Michael Charlier, der sich anderen Arbeitsfeldern zugewendet hatte. Bisher ist es ein &#8222;Gelegenheits-Blog&#8220;, doch werde ich dort in Zukunft \u00fcber alles schreiben, was mir in Sachen Internet erw\u00e4hnenswert erscheint.<\/p>\n<h2>Ende des Blogger-Hypes &#8211; Themen-Recycling<\/h2>\n<p>Das Update und die Bekanntmachung des WWMAG hat meine Aufmerksamkeit einige Zeit auf die &#8222;Blogosph\u00e4re&#8220; gerichtet, wobei ich am\u00fcsiert feststellte, dass es nichts Neues unter der Sonne gibt, au\u00dfer ein paar neuen technischen Features. Ich kam mir stellenweise vor wie auf einer Zeitreise in die Jahre 1996 bis 1998, als die &#8222;Homepage-Szene&#8220; boomte und alle glaubten, ungeheuer wichtig zu sein und gerade eine wesentliche Weltver\u00e4nderung zu vollziehen &#8211; n\u00e4mlich die, dass nun &#8222;jeder ins Netz schreiben&#8220; und seine Meinung \u00e4u\u00dfern kann.  Dieselben Themen wie damals bewegten in der Bloggerszene die Gem\u00fcter der n\u00e4chsten Generation: Werbung oder nicht, Sinn und Unsinn pers\u00f6nlicher Publikationen (<a href=\"http:\/\/www.webwriting-magazin.de\/jenseits-von-katzen-content-und-info-haeppchen\/\">&#8222;Katzencontent&#8220;<\/a>), Konkurrenz zu traditionellen Medien, Klagen \u00fcber fehlende Inhalte jenseits des &#8222;Bloggens&#8220;, gegenseitiges  ans Bein Pinkeln der &#8222;A-Blogger&#8220;, Beschw\u00f6rungen und Abges\u00e4nge auf ein &#8222;Wir-Gef\u00fchl&#8220;, das mit wachsender Verbreitung der Blogs naturgem\u00e4\u00df abnimmt.<\/p>\n<p>2007 war bereits das Jahr des <a href=\"http:\/\/www.webwriting-magazin.de\/mit-dem-bloggen-aufhoeren\/\">Niedergangs des Blogger-Hypes<\/a>,  die Webwelt treibt eine neue Kuh durchs Dorf: <a href=\"http:\/\/www.webwriting-magazin.de\/web-20-fuer-aeltere-gar-nicht-so-einfach\/\">Communities<\/a>, die zeitgem\u00e4\u00dfe Fortentwicklung der alten Foren und noch \u00e4lteren Mailinglisten. Und wieder wei\u00df man nicht so genau, wie damit richtig Geld verdient werden soll, springt aber schon mal auf den fahrenden Zug auf, um nichts zu verpassen. &#8222;Richtig Geld&#8220; scheint es jedoch immer nur zu geben, wenn man rechtzeitig Hoffnungen darauf verkaufen kann: Etwas aufbauen und dann von einem &#8222;Gro\u00dfen&#8220; kaufen lassen, der dann ern\u00fcchtert feststellt, dass das alles nur l\u00e4uft, wenn viel menschliche Arbeit investiert wird. Und gerade das will man ja immer wieder gerne vermeiden &#8211; so ein \u00c4rger!<\/p>\n<h2>\u00dcber den Tellerrand<\/h2>\n<p>Und der gro\u00dfe Rest der Welt? Entgegen dem Eindruck, den die Medien vermitteln, war es ein friedlicheres Jahr, sogar im Irak scheint sich die Lage gebessert zu haben (zum \u00c4rger von Bin Laden, der deshalb gerade eine neue &#8222;Warnung&#8220; per Video zum besten gab). Hierzulande lie\u00df der Aufschwung die Kassen klingeln und die Arbeitslosenzahlen drastisch zur\u00fcck gehen &#8211; doch <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/online\/2007\/51\/zersplitterte-gesellschaft-tanja-dueckers\">nicht alle hatten etwas davon<\/a>, was zu einem Linksruck in der politischen Landschaft f\u00fchrte. Wie man liest, schwingt auch an der Theorie-Front das Pendel wieder in die andere Richtung:  Kritiker des neoliberalen Turbo-Kapitalismus, der nur den Shareholder-Value kennt, bekommen mehr Aufmerksamkeit und in den Unternehmen entdeckt man die Wichtigkeit der &#8222;Work-Life-Balance&#8220;, wer h\u00e4tte das gedacht!<\/p>\n<p>Dass <strong>die Klimafrage<\/strong> zum Top-Thema wurde, kann ich nur begr\u00fc\u00dfen &#8211; zwei Jahre meines Arbeitslebens (1994\/95) war ich als Projektleiterin in Sachen Klimakatastrophe aktiv und erinnere mich noch gut an den Frust, den es bedeutete, im Rahmen der <a href=\"http:\/\/www.energyoffice.org\/\">erarbeiteten Kampagnen<\/a> f\u00fcr Mieter, Beh\u00f6rden und Unternehmen immer wieder zu bemerken, wie sehr die Sache den Leuten am Arsch vorbei geht. Nun ist das Klima Transmissionsriemen f\u00fcr eine ganze Reihe anstehender Ver\u00e4nderungen &#8211; ich war halt nur der Zeit zu weit voraus.<\/p>\n<p>Zum R\u00fcckblick geh\u00f6rt ja eigentlich auch ein Ausblick: mal sehen, ob mich die Muse da in den n\u00e4chsten Tagen noch mal k\u00fcsst.<\/p>\n<p>Falls nicht, habt alle einen guten Rutsch!<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Energie-Tief scheint \u00fcberwunden &#8211; ach, was sag ich, es ist einfach durch. Immer diese Arbeitssprache, als best\u00fcnde alles aus M\u00fche und Leistung! 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