{"id":1149,"date":"2004-10-06T09:50:55","date_gmt":"2004-10-06T08:50:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=1149"},"modified":"2013-08-25T10:00:16","modified_gmt":"2013-08-25T09:00:16","slug":"1149","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2004\/10\/06\/1149\/","title":{"rendered":"Kleine Nachrichten im Oktober: Verdunkelung, \u00c4rger, Schreiben, Harmonie"},"content":{"rendered":"<p><strong>Es klopft und h\u00e4mmert<\/strong>, gerade bauen sie ein Ger\u00fcst auf, um die Fassade des Mietshauses zu erneuern, in dem ich wohne. Heut&#8216; wird sich also meine physische Nahwelt verdunkeln und ich werde zwei Monate D\u00fcsternis und L\u00e4rm ertragen m\u00fcssen. &#8222;Besser jetzt als im Fr\u00fchling&#8220;, sagte der Hauseigent\u00fcmer, und wo er Recht hat, hat er Recht. Ich bin gespannt, ob es mir gelingen wird, diesen Teil der &#8222;Au\u00dfenwelt&#8220; einfach auszublenden und frohgemut weiter meine Tage vor dem PC zu verbringen!<\/p>\n<p>*<\/p>\n<p><strong>Ich habe es gewagt,<\/strong> einem Autor, den ich gerne lese, etwas aus dem eigenen Erleben zu berichten &#8211; mit Bezug auf seinen letzten Artikel, in dem es darum ging, wie beschissen er sich f\u00fchlt, wenn andere Menschen ihn penetrant von etwas zu \u00fcberzeugen versuchen, von dem er genau wei\u00df, dass es falsch ist. <br \/>In einer solchen Situation kann ich zwar schweigen, weil ich wei\u00df, dass Argumentieren sowieso nichts bringt, doch nicht immer ist es ein &#8222;gelassenes Schweigen&#8220;: anscheinend lebt in mir immer noch der Wunsch, Andere zu meiner &#8222;Sicht der Dinge&#8220; zu bekehren &#8211; und genau das erlebe ich dann als &#8222;genervt sein&#8220;, als Ungeduld und \u00c4rger. Warum sollte es mich sonst st\u00f6ren, wenn Andere irren? Allenfalls Mitgef\u00fchl w\u00e4re angebracht, schlie\u00dflich sind SIE es, die mit den Folgen der eigenen Blindheit und Verbohrtheit leben m\u00fcssen. <br \/>\nDieses Mitgef\u00fchl empfinde ich allerdings nur dann, wenn ich gerade ganz mit mir im Reinen bin, wenn ich nichts will und nichts brauche, sondern &#8222;alles flie\u00dft&#8220;. Also eher selten.<\/p>\n<p>Der Weblog-Autor war \u00fcber den freundlich vorgetragenen Versuch, meine Erfahrung mit ihm zu teilen, offensichtlich &#8222;not amused&#8220;. Er f\u00fchlt sich &#8222;belehrt&#8220; und schimpft nun vor sich hin, bzw. rein ins WorldWideWeb.   <\/p>\n<p>*<\/p>\n<p><strong>Ich wundere mich<\/strong>  immer wieder dar\u00fcber, was Menschen so alles nervig finden k\u00f6nnen: wollte man sich danach richten, d\u00fcrfte man nicht mal mehr &#8222;Piep&#8220; sagen! Manche k\u00f6nnen scheinbar mit Freundlichkeit und Anteilnahme nichts anfangen: f\u00fchlen sich geradezu bedroht, vereinnahmt, von fremden M\u00e4chten in un\u00fcberschaubare Pflichten genommen. Das &#8222;Fenster zum Anderen&#8220; verschlie\u00dft sich so mehr und mehr. Spontane angstfreie Kommunikation wird unm\u00f6glich, denn die Empathie im Miteinander funktioniert nicht: die Freundlichkeit wird gar nicht GEF\u00dcHLT, geschweige denn beantwortet. Statt dessen verdunkelt irgend ein feindseliges &#8222;Denken \u00fcber den Anderen&#8220; jeglichen Kontakt. Angenehm ist es gewiss nicht, so zu empfinden.<\/p>\n<p>*<\/p>\n<p><strong>Meinen alten B\u00fcrostuhl,<\/strong> auf dem ich so gelitten habe, hab&#8216; ich getauscht und sitze nun auf einem schlichteren Teil, das ANDERE Leiden mit sich bringt: nicht mehr Beine und unterer R\u00fccken schmerzen und schlafen ein, sondern Hals und Schultern verspannen sich. Abwechslung ist gut, sag ich mir. Wenn&#8217;s gar nicht mehr geht, benutze ich den Swopper, der absolute &#8222;Gesundstuhl&#8220;, der zu &#8222;aktivem Sitzen&#8220; zwingt und nach jeder Seite frei schwingt. Ein tolles Teil, aber eben auch anstrengend! Letztlich werde ich, egal auf welchem Stuhl ich sitze, einfach \u00f6fter aufstehen und etwas anderes tun m\u00fcssen.<\/p>\n<p>*<\/p>\n<p><strong>Mein neues Kursthema &#8222;Erotisch schreiben&#8220;<\/strong> fasziniert mich! Zwar schreibe ich seit Jahren schon gelegentlich Szenen und Geschichten, doch sah ich das lange als blo\u00dfen Teil der pers\u00f6nlichen Kommunikation mit einem &#8222;Geliebten in der Ferne&#8220;: lustvolles Schreiben, aber nicht weiter erw\u00e4hnenswert, jedenfalls nicht im beruflichem Sinn. Jetzt sehe ich &#8211; inspiriert durch den kommenden Kurs und ein pers\u00f6nliches Schreib-Coaching, das bereits angelaufen ist &#8211; die vielen Facetten dieser &#8222;Unternehmung&#8220;: Erotisches Schreiben eignet sich aufs Wunderbarste, die Basics dessen zu vermitteln, was ich unter &#8222;gutem Schreiben&#8220; ganz allgemein verstehe. Ich glaube n\u00e4mlich nicht ans &#8222;Pauken&#8220; schreibtechnischen Wissens,  sondern sehe das Schreiben als Geste des Beobachtens und Mitschreibens: Je mehr Dimensionen und Aspekte mir im Rahmen des &#8222;Geschehens&#8220; einer erotischen Fantasie bewusst sind, desto besser wird das Schreiben. Und was k\u00f6nnte sich dazu besser eignen, als Texte rund ums erotische Erleben, das wir ja alle teilen? <\/p>\n<p>*<\/p>\n<p><strong>&#8222;Ich will nicht streiten, ich will Harmonie!&#8220;<\/strong>, sagt ein lieber Freund, der mir gelegentlich von frustrierenden Erfahrungen mit der Kommunikation im Internet berichtet. Ich wei\u00df gut, wovon er spricht: Blo\u00dfer Text, ohne Mimik und Gestik, ohne die M\u00f6glichkeit, das eben Gesagte angesichts der Reaktion des Anderen zu relativieren, birgt unendlich viele M\u00f6glichkeiten zum Missverst\u00e4ndnis. Als Schreibende bin ich weitgehend machtlos, kann nicht wissen, was der Leser in meine Worte alles hineindeuten wird, und wenn ich zuviel dar\u00fcber nachdenke, kann ich das Schreiben gleich ganz lassen.<\/p>\n<p>&#8222;Harmonie&#8220; ist etwas, das ich in mir selber herstellen muss, wenn ich darauf Wert lege. Wer angesichts einer feindseligen Reaktion ausschlie\u00dflich denkt: Was habe ICH  falsch gemacht? Womit hab&#8216; ICH das verdient?,  lebt in st\u00e4ndiger Verteidigungshaltung &#8211; nicht gerade harmonisch!  Zudem geht dieses Denken davon aus, dass es w\u00fcnschenswert w\u00e4re, das eigene Verhalten in vorauseilendem Gehorsam stets allen \u00fcblen M\u00f6glichkeiten anzupassen, die da vielleicht lauern m\u00f6gen. Wo aber bliebe dann das Eigene, die &#8222;Harmonie mit mir selbst&#8220;?<\/p>\n<p>Wenn ich mich so verhalte, dass ich selber in aller Klarheit dazu stehen kann, ist auf meiner Seite alles geleistet. Was der Andere damit anf\u00e4ngt, ist seine Sache. Versteht er etwas falsch, bin ich gern bereit, noch einmal zu erl\u00e4utern, was ich meinte.  Wenn er aber &#8222;dar\u00fcber sauer ist&#8220;, dass ich bin, wie ich bin, kann ich&#8217;s auch nicht \u00e4ndern. ER m\u00fcsste sich \u00e4ndern, wenn ihm die Welt so nicht gef\u00e4llt &#8211; oder er kreist eben weiter in \u00fcblen Stimmungen und Missgef\u00fchlen.<\/p>\n<p>Ich habe in den ersten Netzjahren schmerzlich gelernt, darauf zu achten, meine EIGENEN \u00fcblen Gef\u00fchle nicht ins &#8222;\u00f6ffentliche Gespr\u00e4ch&#8220; der Netze zu kippen. Emotional begr\u00fcndete Auseinandersetzungen kommen \u00fcberhaupt erst in Betracht, wenn ich jemanden pers\u00f6nlich und nicht nur per Email kenne. Und selbst dann stimmt meistens der Spruch von Baghwan Sri Raynesh: &#8222;Denk nicht, sie sind gegen dich. Daf\u00fcr haben sie gar keine Zeit!&#8220;. <\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es klopft und h\u00e4mmert, gerade bauen sie ein Ger\u00fcst auf, um die Fassade des Mietshauses zu erneuern, in dem ich wohne. Heut&#8216; wird sich also meine physische Nahwelt verdunkeln und ich werde zwei Monate D\u00fcsternis und L\u00e4rm ertragen m\u00fcssen. &#8222;Besser jetzt als im Fr\u00fchling&#8220;, sagte der Hauseigent\u00fcmer, und wo er Recht hat, hat er Recht. 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