{"id":1126,"date":"2013-08-07T14:17:43","date_gmt":"2013-08-07T13:17:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=1126"},"modified":"2013-08-07T14:24:03","modified_gmt":"2013-08-07T13:24:03","slug":"im-kaufhaus-ein-besuch-in-der-vergangenheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2013\/08\/07\/im-kaufhaus-ein-besuch-in-der-vergangenheit\/","title":{"rendered":"Im Kaufhaus &#8211; ein Besuch in der Vergangenheit"},"content":{"rendered":"<p>Heute morgen hat meine Tastatur den Geist aufgegeben. Nichts ging mehr, weder arbeiten noch kommunizieren. Eine neue musste her, und zwar SOFORT. Also raus ins richtige Leben, &#8222;bestellen im Internet&#8220; w\u00e4re jetzt keine sinnvolle Option.<\/p>\n<p>Meine letzten Tastaturen hatte ich im Abstand von drei Jahren bei KAUFHOF gekauft, der l\u00e4nger schon &#8222;Galeria Kaufhof&#8220; hei\u00dft. Ein riesiges Kaufhaus hinter dem Ostbahnhof, auf den ersten Blick ganz wie fr\u00fcher: Vier Stockwerke, mehrere Rolltreppen, irgendwo drinnen ein Restaurant, und ja, auch Kundentoiletten. Damit man inmitten der 10.000 Dinge auch findet, was man sucht, gibts schicke beleuchtete Schauk\u00e4sten neben jeder Rolltreppe, die pro Stockwerk den Weg weisen sollen. <\/p>\n<h2>Die gro\u00dfe Leere<\/h2>\n<p>Mein ungeplanter Besuch fiel auf einen Mittwoch, so kurz nach 11 Uhr Vormittags. Der erste Eindruck: es war unglaublich leer! Im ganzen Erdgeschoss bummelten vielleicht drei bis f\u00fcnf Leute herum, die nicht offensichtlich zum Verkaufspersonal geh\u00f6rten. Angesichts der vielen mit einigem Gestaltungsaufwand hin drapierten Waren auf sehr viel Grundfl\u00e4che wirkte das Ganze fast gespenstisch, ja irgendwie grotesk.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst suchte ich die Kundentoiletten, die sich laut Leitsystem im ersten Stock befinden sollten. Das ist die Abteilung Damenmoden, voll gestellt mit nach Farbe oder Marke auf Kleiderst\u00e4nder sortierten Klamotten. \u00dcber jedem (!) St\u00e4nder prangte ein orangenes SALE-Plakat mit Prozent-Zeichen,  was meine durchaus vorhandene Bereitschaft, evtl. beil\u00e4ufig ein T-Shirt o.\u00e4. mitzunehmen, nicht gerade anregte. Wenn ALLES reduziert ist, was soll das dann \u00fcberhaupt?<\/p>\n<p>Au\u00dfer mir war noch ein Paar um die 70 auf diesem Stockwerk zu gange, jedenfalls soweit ich das weitl\u00e4ufige Terrain \u00fcberblicken konnte. Und die Verk\u00e4uferinnen, die sich mir gleich zu dritt freundlich zuwandten, weil ich so suchend umher schaute. Die Kundentoilette? Im vierten Stock. Aber das Leitsystem? Oh ja, das m\u00fcsste mal ge\u00e4ndert werden!<\/p>\n<p>Lohnt nicht mehr, dachte ich, sagte es aber nicht laut. Und erinnerte mich an Zeiten, als es schier unm\u00f6glich war, in einem solchen Kaufhaus die Aufmerksamkeit einer der wenigen Verk\u00e4uferinnen zu gewinnen. Schwer genug, \u00fcberhaupt eine zu finden, doch war die dann mit Sicherheit besch\u00e4ftigt oder von einem anderen Kunden belagert. Und immer mieden sie den Blickkontakt&#8230;.  Und dennoch stand morgens eine mittlere Menge Mensch vor den noch geschlossenen Glast\u00fcren und wartete geduldig auf Einlass in die sch\u00f6ne bunte Warenwelt: alles unter einem Dach!<\/p>\n<h2>Elektronik-Abteilung? Vorbei&#8230;<\/h2>\n<p>&#8222;Alles&#8220; gibts nat\u00fcrlich schon lange nicht mehr. Keine M\u00f6bel, keine Teppiche, keine Werkzeuge, keine Fernseher,  Fahrr\u00e4der und K\u00fchlschr\u00e4nke, sondern haupts\u00e4chlich Klamotten, Kosmetik, Schuhe, Bettzeug und Geschirr. Die Abteilung mit PC-Bedarf, Druckern, Tastaturen, DigiCams und Handys war im vierten Stock gewesen, den ich nun &#8211; auch wg. der Toilette &#8211; ansteuerte. Doch siehe da: Auch diese Warenwelt gl\u00e4nzte nun durch Abwesenheit. Der vierte Stock bot nurmehr einen tunnel-artigen Zugang zum Restaurant, in dem ein Rentner als einziger Gast seinen Kaffee trank. An den W\u00e4nden des Gangs lockten Gro\u00dfplakate mit Werbung f\u00fcr das Fr\u00fchst\u00fccksbuffet &#8211; aber wer kommt da schon hin, wenn es im 4.Stock gar nichts mehr zu sehen gibt? Dass man die Verkaufsfl\u00e4che nach Abschaffung des Elektronik-Bedarfs nicht anderweitig nutzt, sondern mit Bretterw\u00e4nden au\u00dfer Sicht bringt, l\u00e4sst tief blicken. <\/p>\n<p>Immerhin fand ich neben dem Restaurant eine Toilette, vor der sich ein wirklich bedauernswerter Angestellter auf einem Stuhl langweilte, wo er die ganze Zeit die Wand anstarren musste. Zu tun gab es ja nichts, doch offensichtlich m\u00fcssen Leute &#8222;besch\u00e4ftigt werden&#8220;, sonst w\u00fcrde man eine so wenig frequentierte Toilette nur gelegentlich von einem Putzdienst checken lassen. <\/p>\n<p>Leicht melancholisch gestimmt verlie\u00df ich das ungl\u00fcckliche Warenhaus, dessen endg\u00fcltiges Ende nicht abzuwenden sein wird. F\u00fcr ein paar Rentner und die wenigen Anwohner braucht es keinen vierst\u00f6ckigen Konsum-Palast. Niemand BRAUCHT mehr solche Kaufh\u00e4user, denn es gibt extra L\u00e4den f\u00fcr Reiche und Arme, f\u00fcr Schlanke und Dicke, f\u00fcr Bastler und Gartenbedarf, f\u00fcr M\u00f6bel, Medien- und Elektronik. <\/p>\n<p>Und &#8222;alles unter einem Dach&#8220; (aber WIRKLICH ALLES und noch viel mehr&#8230;) hab&#8216; ich zuhause am heimischen Bildschirm, wenn ich im Netz shoppe. <\/p>\n<p>Die Tastatur hab&#8216; ich dann in einem Computershop gekauft, bzw. gleich zwei, falls sie mal wieder ausf\u00e4llt. <\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute morgen hat meine Tastatur den Geist aufgegeben. Nichts ging mehr, weder arbeiten noch kommunizieren. Eine neue musste her, und zwar SOFORT. Also raus ins richtige Leben, &#8222;bestellen im Internet&#8220; w\u00e4re jetzt keine sinnvolle Option. Meine letzten Tastaturen hatte ich im Abstand von drei Jahren bei KAUFHOF gekauft, der l\u00e4nger schon &#8222;Galeria Kaufhof&#8220; hei\u00dft. 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