{"id":112,"date":"2007-12-21T13:08:32","date_gmt":"2007-12-21T12:08:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2007\/12\/21\/gegenstaende-die-niemand-braucht\/"},"modified":"2022-12-29T19:23:12","modified_gmt":"2022-12-29T18:23:12","slug":"gegenstaende-die-niemand-braucht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2007\/12\/21\/gegenstaende-die-niemand-braucht\/","title":{"rendered":"Gegenst\u00e4nde, die niemand braucht"},"content":{"rendered":"<p>Gestern war ich bummeln: Tauentzien, Ku&#8217;damm, Weihnachtsmarkt an der Ged\u00e4chniskirche. Die aufw\u00e4ndige Illuminierung der Shopping-Meile schert sich nicht ums Klima und beeindruckt mit Lichterketten und strahlenden Tierformen auf dem Mittelstreifen.  &#8222;Fr\u00f6hliche Weihnachten allen Berlinern w\u00fcnscht die Wall GmbH&#8220; schreit es in Leuchtschrift quer \u00fcber die Stra\u00dfe, kaum trete ich aus der U-Bahn am Wittenbergplatz. Dem Kloh\u00e4uschen-Hersteller verdankt die City-West ihr Weihnachtslicht  &#8211; danke, danke, danke!<\/p>\n<p>Noch ist es fr\u00fch am Abend, es herrscht kein Gedr\u00e4nge, so dass ich das Angebot der Buden und Verkaufsst\u00e4nde problemlos sichten kann. Was es da nicht alles gibt! Steckerleuchten f\u00fcr 10 Euro im Retro-Design (kultig!), Brettchen und K\u00f6rbe aus poliertem Wurzelholz, jede Menge Schmuck, Schals, Buddha-Statuen, noch mehr Lampen, R\u00e4ucherst\u00e4bchen, Aroma-\u00d6l, weitere Schals, Wandschmuck in Schiefer mit Uhr drauf, noch mal Wurzeln mit &#8222;eingebauten&#8220; Emaille-Gesichtern (h\u00fcbsch!), Holzspielzeug, Baumschmuck, Kerzen und wieder andere Schals &#8211; manches gef\u00e4llt mir sogar, doch bin ich, wie meistens, konsumbehindert: Ansehen ist ok, aber sobald ich daran denke, etwas von alledem nach hause zu tragen, sehe ich es bei mir herum stehen, Platz wegnehmen und heftig verstauben. Verr\u00fcckt &#8211; oder allzu normal? Fr\u00fcher fehlte das Geld und ich beneidete die Leute, die sich alles Sch\u00f6ne leisten konnten, wonach es sie gel\u00fcstete. Heute k\u00f6nnte ich auch, zumindest ein bisschen, aber das Besitzverlangen ist weg!<!--more--><\/p>\n<p>Dinge los werden, die ich nicht mehr brauche oder nie brauchen konnte,  entm\u00fcllen, ent-sorgen, entr\u00fcmpeln ist mir soviel n\u00e4her als &#8222;jagen &#038; sammeln&#8220;, so dass sich schon beim zweiten Blick auf irgend ein &#8222;sch\u00f6nes Ding&#8220; innere Stacheln aufstellen: noch so eine Last, noch so ein Staubf\u00e4nger (ich putze NICHT gern!). Wieder so ein Teil, das ich JETZT nett finde, das aber definitiv keinen Nutzen hat au\u00dfer dem, sch\u00f6n auszusehen? Nein! Es reicht v\u00f6llig, was von selber rein kommt, indem liebe Menschen etwas mitbringen.<\/p>\n<p>Gestern zum Beispiel der Kalender und die urige &#8222;Schatzkiste&#8220;, gef\u00fcllt mit lockenden Kalorienbomben. Ja, auch bei den vielen s\u00fc\u00dfen und gehaltvollen Leckereien steht mir gleich vor Augen, wie mich deren Verzehr \u00fcber mein Gewichtslimit (73 Kilo bei 165) heben wird:  ZU VIEL ist das, wogegen ich an der Konsumfront k\u00e4mpfe, deren Warenstrom aus 10.000 h\u00fcbschen aber nicht gebrauchten Gegenst\u00e4nden mir manchmal vorkommt wie eine Monster-Welle, die nur ein Verhalten nahe legt: rette sich, wer kann! Ich sch\u00e4tze mal, 80 Prozent aller Dinge, die rund um Weihnachten gekauft und verschenkt werden, sind definitiv \u00fcberfl\u00fcssig: f\u00fcllen Schrankw\u00e4nde und Kleiderschr\u00e4nke, verstopfen Regale,  landen auf Hochb\u00f6den oder im Keller. Was, wenn mal alles voll ist?<\/p>\n<h2>Fest des Schenkens<\/h2>\n<p>Weihnachten wird mittlerweile auch in Japan gefeiert, obwohl es dort nur 1% Christen gibt. Von den Urspr\u00fcngen des Festes wissen sie dort fast nichts, es gilt als &#8222;Fest des Schenkens&#8220;. Schon verr\u00fcckt, dass die Feier zur Geburt jenes Jesus, der einst die H\u00e4ndler aus dem Tempel warf, nun als abendl\u00e4ndischer <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Potlatsch\">&#8222;Potlatsch&#8220;<\/a> seine Globalisierung erf\u00e4hrt! Aber so kommt es immer: Buddha wollte auch nicht mittels Bildern und Statuen verehrt werden, doch wurde und wird niemand sonst so h\u00e4ufig in Stein, Holz, Messing, Bronze und Gips gegossen wie er.<\/p>\n<p>Mit Geschenken und Mitbringseln aller Art will man zeigen, dass der Beschenkte einem etwas wert ist. Etwas kaufen, nett verpacken und mit besten W\u00fcnschen \u00fcberreichen erscheint als einzig angemessenes Mittel, Zuneigung zum Ausdruck zu bringen &#8211; insbesondere, wenn es grade alle machen wie zu Weihnachten. Wochenende f\u00fcr Wochenende melden die Lokalnachrichten im Advent den Stand der Dinge an der Konsumfront, wer da nicht mith\u00e4lt, f\u00fchlt sich glatt als Deserteur. Das &#8222;Weihnachtsgesch\u00e4ft&#8220; gilt als Konjunkturbarometer, ein Minus gegen\u00fcber dem Vorjahr w\u00e4re ein b\u00f6ses Vorzeichen, nicht etwa ein Anzeichen der Einsicht, dass allzu viel &#8222;h\u00fcbsches Zeug&#8220; auch Last sein kann:  gekauft, geschenkt, unterm Weihnachtsbaum gestanden und schon ein Entsorgungsproblem. Die meisten &#8222;Verbraucher&#8220; haben ja schon alles, was sie brauchen bzw. irgendwann brauchen k\u00f6nnten, oft sogar doppelt und dreifach.<\/p>\n<p>Doch unaufhaltsam dr\u00e4ngt der n\u00e4chste Strom sch\u00f6ner Dinge heran, versehen mit den besten W\u00fcnschen, Widerstand ist zwecklos. Der in all den angesammelten \u00fcberfl\u00fcssigen Dingen schier untergehende Messi ist nicht mehr sozialer Problemfall, sondern Leitbild der Gesellschaft. Ich finde, man sollte es ihm sagen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestern war ich bummeln: Tauentzien, Ku&#8217;damm, Weihnachtsmarkt an der Ged\u00e4chniskirche. 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