{"id":110,"date":"2007-12-19T14:12:04","date_gmt":"2007-12-19T12:12:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2007\/12\/19\/einsamkeit-an-weihnachten\/"},"modified":"2008-01-21T18:01:50","modified_gmt":"2008-01-21T16:01:50","slug":"einsamkeit-an-weihnachten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2007\/12\/19\/einsamkeit-an-weihnachten\/","title":{"rendered":"Fest der Liebe: Einsamkeit an Weihnachten?"},"content":{"rendered":"<p>Als Jahresendzeit-Muffel  meide ich die festlichen Verstrickungen rund ums Fest der Feste seit Jahrzehnten.  In der wilden Jugendzeit emp\u00f6rte ich mich noch \u00fcber die Geschenke-Orgie, das &#8222;lieb sein auf Kommando&#8220; und das ganze kommerzielle Geschwurbel, das in den Superm\u00e4rkten schon im September beginnt. Sp\u00e4ter wurde ich dann milder, g\u00f6nnte den Leuten ihren Spa\u00df, hielt mich gleichwohl raus und genoss die stillen Tage als verdiente Auszeit, in der ich endlich Dinge tun kann, die sonst im Tagesgesch\u00e4ft wenig Platz finden, z.B. viel im Diary schreiben, aufr\u00e4umen, ausmisten, Klarheit und \u00dcberblick auf allen Ebenen schaffen &#8211; wie angenehm!<!--more--><\/p>\n<p>Da ich zur Zeit die im Netz schwer &#8222;gehypten&#8220; Communities erforsche, bekomme ich mit, wie massiv das Thema Weihnachten die Gem\u00fcter bewegt.  Vor allem f\u00e4llt mir auf, dass Weihnachten offensichtlich viele dazu motiviert, sich als &#8222;Einsame&#8220; zu outen und ihre ganze Bed\u00fcrftigkeit in die Online-Welt zu schreiben &#8211; ein Verhalten, das sie nicht unbedingt attraktiver macht, aber immerhin allerlei Ermunterungen und Mitleidsreaktionen von Seiten der Leser ausl\u00f6st.  Andere werden nicht m\u00fcde, ihren extrem hohen Grad des &#8222;eingebunden seins&#8220; zu verk\u00fcnden: \u00fcberquellende Mail-Accounts, hektische Festvorbereitungen, aufw\u00e4ndige Festivit\u00e4ten mit Famile und Hinz und Kunz &#8211; es wird vorgetragen wie ein Status-Symbol: seht her, ich bin NICHT einsam!<\/p>\n<p>Was ist nur los mit den Leuten? Warum haben so viele Probleme damit, sich als Alleinstehende sinnvoll zu besch\u00e4ftigen? Sie scheinen sich als M\u00e4ngelwesen und Vollversager zu empfinden, wenn sie am heiligen Abend nicht irgendwo unterm Weihnachtsbaum sitzen und am 1.Weihnachtsfeiertag niemand eine Gans in den Ofen schiebt. Ist das die dunkle R\u00fcckseite des &#8222;Fests der Liebe&#8220;  &#8211; die H\u00f6lle der Einsamkeit?<\/p>\n<p>Wenn ich dann genauer hinsehe und zum Beispiel die Profile derjenigen lese, die so jammervoll ihre Sehnsucht nach Liebe in Gedichten und Prosa verlautbaren, ist der Grund ihrer Einsamkeit leicht erkennbar:  Sie schauen nur auf sich, auf ihre Bed\u00fcrfnisse und Mangelgef\u00fchle, zudem haben  sie sehr konkrete Vorstellungen, wie die- oder derjenige sein soll, der sie aus ihrer Verlassenheit endlich erl\u00f6sen m\u00f6ge. Sie interessieren sich im Grunde f\u00fcr nichts au\u00dfer sich selbst und pflegen einen komplett egozentrischen Blick auf die Welt &#8211; ist es da ein Wunder, dass sie einsam sind?<\/p>\n<p>Einsamkeit ist ein selbst gemachtes Mangelgef\u00fchl. Anstatt sich zu fragen, was fehlt und was sie gerne h\u00e4tten, k\u00f6nnten diese Menschen (wenigstens zu Weihnachten!) sich zur Abwechslung fragen, was gebraucht wird und was sie geben k\u00f6nnten. Und dann einen Schritt nach drau\u00dfen tun und einfach damit anfangen: es gibt so viele M\u00f6glichkeiten, sich zu engagieren, zwischen den Jahren und an den Festtagen irgendwo mitzuhelfen, wo helfende H\u00e4nde dringend gebraucht werden.  Auch gibt&#8217;s vielleicht Menschen im Bekanntenkreis, die ebenfalls alleine sind: anstatt auf Einladungen zu warten k\u00f6nnte man doch selbst auf andere zugehen und etwas veranstalten. Aber nein, sie sitzen ja so viel lieber vor dem Monitor und h\u00e4mmern ihr Elend in die Tastatur!<\/p>\n<p>Aufmerksamkeit und Zuwendung ist nicht nur etwas, das wir alle gerne haben wollen, sondern vor allem etwas, das wir GEBEN k\u00f6nnen. Ein Geben, das seinen Lohn in sich tr\u00e4gt, denn als Gebender bekommt man automatisch das zur\u00fcck, wonach das Herz verlangt &#8211; und ganz ohne suchen und bem\u00fchtes &#8222;Pfauenrad-schlagen&#8220; nach dem Motto: schaut, wie toll ich bin, will mich denn keiner?<\/p>\n<p>Es braucht nur eine \u00c4nderung der Blickrichtung um 180 Grad:  nach au\u00dfen, zu den Anderen schauen &#8211; und nicht auf die eigene &#8222;Verlassenheit&#8220;. Dann ist Einsamkeit nie wieder ein Thema, nicht mal zur Weihnachtszeit.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als Jahresendzeit-Muffel meide ich die festlichen Verstrickungen rund ums Fest der Feste seit Jahrzehnten. In der wilden Jugendzeit emp\u00f6rte ich mich noch \u00fcber die Geschenke-Orgie, das &#8222;lieb sein auf Kommando&#8220; und das ganze kommerzielle Geschwurbel, das in den Superm\u00e4rkten schon im September beginnt. 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