{"id":1089,"date":"2013-05-26T23:20:42","date_gmt":"2013-05-26T22:20:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=1089"},"modified":"2013-05-26T23:34:58","modified_gmt":"2013-05-26T22:34:58","slug":"schmerz-ist-nicht-zwingend-als-leiden-zu-interpretieren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2013\/05\/26\/schmerz-ist-nicht-zwingend-als-leiden-zu-interpretieren\/","title":{"rendered":"Schmerz ist nicht zwingend als Leiden zu interpretieren"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Du steckst deine Beschwerden ja ganz gut weg&#8220;, sagte heute ein alter Freund, als ich am Rande unseres Gespr\u00e4chs die einsetzenden Zahnschmerzen nur kurz erw\u00e4hnte, um im \u00fcbrigen den gemeinsam geschauten &#8222;Tatort&#8220; und dann die Lage der Welt zu besprechen.<\/p>\n<p>Weil er ein alter Freund ist, den ich mindestens einmal die Woche sehe, wei\u00df er gut, dass &#8222;Zahnweh&#8220; nicht das einzige ist, sondern so in etwa das f\u00fcnfte oder sechste in der Reihe diverser Zipperlein, die f\u00fcr mich so ab Mitte 40, erst recht ab 50 nach und nach virulent wurden. &#8222;Zahnweh&#8220; wohlgemerkt nicht wg. Karies, wie bei den Jungen, sondern als Begleitkonzert des Sich-Verabschiedens eigener Z\u00e4hne auf Nimmerwiedersehen: jeder Verlust er\u00f6ffnet eine neue Baustelle rund um Zahnersatz (bzw. dessen Neu-Arrangement, und heute auch dessen Finanzierung!), ist also nie von heut&#8216; auf morgen abgehakt.<\/p>\n<p>Ich denke jetzt nicht im Traum daran, meinen Mitlesenden eine Liste meiner &#8222;Beschwerden&#8220; zu geben (wer wirklich lange mitliest, wei\u00df, dass ich ein lebender &#8222;Sitzschaden&#8220; bin). Tatsache ist, dass mein Freund recht hat: es tangiert mich im Herzen nicht wirklich. Ich bewerte all diese Erscheinungen auch nicht anders als das Wetter. Das kann, subjektiv betrachtet, gelegentlich nervig sein, aber es ist nun mal ein Geschehen, dem ich ausgesetzt bin und \u00fcber das ich mich nicht unn\u00f6tig aufregen will. <strong>Es ist, wie es ist &#8211; es ist nicht &#8222;gegen mich&#8220;<\/strong>. <\/p>\n<p>Auch dass mein Leben ein Ende haben wird, ist so ein Geschehen. Die Wahrnehmung zunehmender Hinf\u00e4lligkeit und Schw\u00e4che (verglichen mit fr\u00fcher, mit 20 oder 30!) erinnert daran, dass es so weiter gehen wird, letztlich bis zum Tod. Aber ich w\u00e4re doch sch\u00f6n bl\u00f6d, wenn ich mich von diesen nat\u00fcrlichen Prozessen deprimieren lie\u00dfe! ICH bin zum Gl\u00fcck nicht der Dreh- und Angelpunkt der Welt, sondern nur ein St\u00e4ubchen unter vielen. Klar wird mich gelegentlich die Wehmut packen, wenn ich mal das Ende recht nahe sehe und ich all das, was ich in dieser Welt liebe, mit Abschiedsaugen anschauen werde. Trotzdem hoffe ich, dass ich letztlich so bleibe, wie ich immer war: interessiert an Anderen, an der Welt, nicht allzu sehr am pers\u00f6nlichen Befinden. <\/p>\n<p>Wenn ich das grade Geschriebene lese, beschleicht mich der Zweifel, ob r\u00fcber kommt, was ich meine. Die Haltung, die ich als &#8222;Schmerz muss nicht Leiden sein&#8220; vermitteln will, ist vermutlich gar nicht vermittelbar. Sie w\u00e4chst einem zu oder war immer schon da &#8211; und vor allem ist sie KEINE LEISTUNG! Nichts, was man in Selbstverwirklichungskursen erringen kann, nicht mal etwas nur GUTES, denn die andere Seite dieser Haltung kann man auch als Verwahrlosung beschreiben: Jemand, der sich nicht genug &#8222;um sich k\u00fcmmert&#8220;, sondern stets dazu neigt, Impulsen zu folgen, sich &#8222;nach au\u00dfen zu wenden&#8220;, anstatt sich zu besinnen, sich zu pflegen, zu sch\u00fctzen, stets gesund zu ern\u00e4hren, fit zu halten und und und&#8230; <\/p>\n<p>Ja, oft genug schei\u00df ich drauf! Und das werde ich auch weiter tun&#8230;. :-)<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Du steckst deine Beschwerden ja ganz gut weg&#8220;, sagte heute ein alter Freund, als ich am Rande unseres Gespr\u00e4chs die einsetzenden Zahnschmerzen nur kurz erw\u00e4hnte, um im \u00fcbrigen den gemeinsam geschauten &#8222;Tatort&#8220; und dann die Lage der Welt zu besprechen. 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