{"id":108,"date":"2007-12-17T11:09:32","date_gmt":"2007-12-17T09:09:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2007\/12\/17\/jahresendzeit-lockende-stille\/"},"modified":"2007-12-17T11:13:12","modified_gmt":"2007-12-17T09:13:12","slug":"jahresendzeit-lockende-stille","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2007\/12\/17\/jahresendzeit-lockende-stille\/","title":{"rendered":"Jahresendzeit &#8211; lockende Stille"},"content":{"rendered":"<p>Eigentlich wei\u00df ich ja, wie es geht:  in der Morgenfr\u00fche die kreative Arbeit &#8211; und alles andere gar nicht erst anschauen, was &#8222;herein kommen&#8220; will, sonst zerfasert der Geist! Keine endlosen To-Do-Listen, sondern Tages- und Wochenpl\u00e4ne, die das Gef\u00fchl geben, es geschafft zu haben. Regelm\u00e4\u00dfig aufr\u00e4umen, damit nicht un\u00fcbersichtliche D\u00fcnen mit Papieren entstehen, und nicht zu lange am Monitor sitzen, sondern ordentliche Pausen machen: Bewegung, Fr\u00fchst\u00fccken, frische Luft.<\/p>\n<p>Klingt einfach und phasenweise mache ich das auch so. Doch immer wieder kehrt der Schlendrian ein: dann schaue ich morgens gleich in die Mailbox, werde gefangen von Angelegenheiten, die vermeintlich sofortige Bearbeitung brauchen, surfe im Web, um mir erst ein wenig &#8222;Rumlesen&#8220; auf News-Seiten, Foren und Blogs zu g\u00f6nnen, um dann &#8211; mittlerweile 1000 verschiedene Dinge im Kopf &#8211; im Gef\u00fchl einer gewissen Gehetztheit ans &#8222;eigentliche&#8220; zu gehen, auf das ich mich aber nurmehr m\u00fchevoll konzentrieren kann. Tage des rasenden Stillstands reihen sich aneinander, wenn ich es nicht schaffe, das &#8222;wie von selbst&#8220; ablaufende Geschehen zu stoppen, um mich in einer bewussten Anstrengungen wieder besser zu organisieren.<!--more--><\/p>\n<h2>Stille kommt<\/h2>\n<p>Jetzt aber weihnachtet es sehr und ich freue mich riesig auf die Leere! Die Stille, die sich umso mehr breit macht, je gesch\u00e4ftiger sich alle dem Fest der Feste zuwenden, das ich schon Jahrzehnte nicht mitfeiere. Nicht mehr aus Ressentiment gegen heuchlerisches Miteinander oder allzu kommerzielle Geschenke-Orgien wie in der idealistischen Jugendzeit, sondern einfach so, weil es keinen Bedarf gibt: Ohne Kinder MUSS ich ja nicht und meine restliche Herkunftsfamilie besuche ich traditionell im Januar, wenn alles vorbei ist.<\/p>\n<p>Und in diesem Jahr geh\u00f6ren die stillen Tage also ganz allein mir! Ich habe darauf verzichtet, einen Transfer-Kurs anzubieten, der mich einer Gruppe &#8222;Jahresendzeitmuffel&#8220; verpflichtet und in ein enges Zeitkorsett von Aufgaben und Zust\u00e4ndigkeiten einspannt. Einmal in f\u00fcnf Jahren will ich mich selber besinnen, die stille Zeit nutzen, um auszumisten, aufzur\u00e4umen, Ballast abzuwerfen und innerlich zu sortieren, was wichtig ist und was nicht &#8211; wie ich mich darauf freue!<\/p>\n<h2>Ballast abwerfen<\/h2>\n<p>In der letzten Woche bin ich auf einen neuen Computer &#8222;umgestiegen&#8220;, was keine kleine Sache war. Dabei ist mir das Chaos aufgefallen, dass trotz oberfl\u00e4chlicher \u00dcbersichtlichkeit in meinen Schubladen und Regalen herrscht:  technische Kleinteile, jede Menge Daten-CDs, B\u00fccher, die ich nie mehr lesen werde, niemals benutzte Kleinger\u00e4te, die nur da sind, weil sie mir zu schade f\u00fcr den M\u00fclleimer waren &#8211; wow, was da alles weg kann! Und erst die Ordner im Regal: Beh\u00f6rdenschreiben aus mehreren Jahrzehnten, sicherheitshalber behalten, Staubf\u00e4nger erster G\u00fcte! Gerade haben liebe Freunde das Haus eines verstorbenen Onkels geerbt, das enthielt sage und schreibe 200 solcher Ordner! Bei mir sind es zwar nur knapp drei\u00dfig, die aber locker auf 15 zu reduzieren w\u00e4ren:  Zeugnisse und Ausweise, aktuelle Bankkonten, Steuerunterlagen seit Beginn der Selbst\u00e4ndigkeit, K\u00fcnstlersozialversicherung: mehr muss echt nicht sein.<\/p>\n<p>Jede Menge Zeug kann also weg. Ich will \u00dcbersicht, leeren Platz und immer wissen, wo die wenigen Dinge sind, die ich wirklich brauche, bzw. aus b\u00fcrokratischen Gr\u00fcnden aufbewahren muss. Klamotten, die ich nicht trage, kommen auch gleich mit weg, ebenso K\u00fcchenger\u00e4tschaften, die ich nicht benutze, wie etwa den unvermeidlichen Wok, den wohl jeder mal irgendwo kauft oder geschenkt bekommt. Schon seltsam, dass sich immer wieder soviel ansammelt, obwohl ich Shopping hasse und mich f\u00fcr quasi &#8220; konsumbehindert&#8220; halte!<\/p>\n<p>Das \u00e4u\u00dfere Ausmisten und Aufr\u00e4umen ist ein sch\u00f6ner Einstieg in die innere Sammlung: sammeln, was ansteht, was ich vorhabe in n\u00e4chster Zeit, wie ich mein weiteres &#8222;Leben und Arbeiten&#8220; gestalten will und auf was ich gut verzichten kann. Ich denke mal, das ist kein &#8222;ganz gro\u00dfes Thema&#8220;, denn im wesentlichen lebe ich so, wie es mir gef\u00e4llt und w\u00fcnsche mir keine gro\u00dfen Ver\u00e4nderungen. Allerdings stimmt mich diese Gen\u00fcgsamkeit gelegentlich skeptisch: ist das nun Selbstverwirklichung oder eine Alterserscheinung?? Bin ich dabei, zu vergreisen, weil mir nichts einf\u00e4llt, wenn andere (z.B. angesichts eines zu knackenden Lotto-Jackpots) das Spiel &#8222;w\u00fcnsch dir was!&#8220; spielen?<\/p>\n<p>Dieses und andere &#8222;besinnliche&#8220; Jahresendthemen werden in n\u00e4chster Zeit das Digital Diary f\u00fcllen. Wer mag, schaut mal rein!<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eigentlich wei\u00df ich ja, wie es geht: in der Morgenfr\u00fche die kreative Arbeit &#8211; und alles andere gar nicht erst anschauen, was &#8222;herein kommen&#8220; will, sonst zerfasert der Geist! Keine endlosen To-Do-Listen, sondern Tages- und Wochenpl\u00e4ne, die das Gef\u00fchl geben, es geschafft zu haben. 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