{"id":1060,"date":"2013-04-05T10:17:30","date_gmt":"2013-04-05T09:17:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=1060"},"modified":"2013-04-05T10:47:12","modified_gmt":"2013-04-05T09:47:12","slug":"deutschland-2013-2-x-2-stunden-warmes-wasser-und-eine-kuche-fur-120-menschen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2013\/04\/05\/deutschland-2013-2-x-2-stunden-warmes-wasser-und-eine-kuche-fur-120-menschen\/","title":{"rendered":"Deutschland 2013:  2 x 2 Stunden warmes Wasser und eine K\u00fcche f\u00fcr 120 Menschen"},"content":{"rendered":"<p>Den folgenden, ziemlich ersch\u00fctternden &#8222;offenen Brief&#8220; fand ich bei der <a href=\"http:\/\/maedchenmannschaft.net\/offener-brief-der-frauen-aus-dem-isolationslager-breitenworbis\/\">M\u00e4dchenmannschaft<\/a>, die auch ein <a href=\"http:\/\/www.thecaravan.org\/files\/caravan\/Breitenworbis_20130401_Musterfax.pdf\">Protest-Fax<\/a> zum herunter laden zur Verf\u00fcgung stellt. Man kann aber auch mailen, die <a href=\"http:\/\/www.integration-migration-thueringen.de\/fachdienst\/wegweiser\/index.php?r_id=10\">zust\u00e4ndigen Amts-Adressen<\/a> haben E-Mail.<\/p>\n<h2>An das Landratsamt Eichsfeld, die Eichsfelder Ausl\u00e4nderbeh\u00f6rde und das Eichsfelder Sozialamt<\/h2>\n<blockquote><p>\nWir leben in einem alleinstehenden Wohnhaus, 2 km von dem Ort Breitenworbis entfernt. Nebenan befindet sich eine stinkende Kl\u00e4ranlage sowie eine Mastanlage, was das Wohnen besonders im Sommer unertr\u00e4glich macht. 120 Menschen \u2013 Familien und Alleinstehende \u2013 m\u00fcssen sich wenige Toiletten, Duschen und K\u00fcchen teilen. Um einzukaufen, zum Arzt, zur Schule oder zum Kindergarten zu gelangen, m\u00fcssen wir mehrere Kilometer zu Fu\u00df auf einer unbeleuchteten Stra\u00dfe laufen. Eine Bushaltestelle gibt es nur im Ort.<\/p>\n<p>Wir f\u00fchlen uns von der Gesellschaft isoliert und ausgegrenzt. Besonders f\u00fcr Frauen, die krank sind und schlecht laufen k\u00f6nnen sowie M\u00fctter mit kleinen Kindern ist dieses Leben unertr\u00e4glich. Hinzu kommt, dass wir mit unseren Problemen nicht ernst genommen werden.<\/p>\n<p>Einmal, als es einer alten Frau sehr schlecht gegangen ist, sind die Frauen, die sich um sie gek\u00fcmmert haben, zum Hausmeister vor Ort gegangen, um einen Taxischein zum Arzt zu bekommen oder zu fragen, ob sie jemand mit dem Auto mitnehmen kann. Die Frau schaffte es selbst nicht mehr zum Arzt. Da wurde uns gesagt, da w\u00fcrde doch ein Einkaufswagen stehen, da k\u00f6nnten wir die Frau doch reinsetzen und zum Arzt schieben. Diese absolut dem\u00fctigende und herablassende Umgehensweise erleben wir als sehr belastend und macht uns w\u00fctend.<\/p>\n<p>Katastrophal ist die \u00e4rztliche Versorgung. Es steht uns nur eine Arzt zur Verf\u00fcgung, der alles mit den selben Medikamenten behandelt \u2013 Paracetamol, Magenmittel und Beruhigungsmittel. Wir k\u00f6nnen uns mit ihm auch nicht richtig verst\u00e4ndigen. Au\u00dferdem werden wir nicht richtig dar\u00fcber informiert, welche Hilfe ( z.B Fach\u00e4rztInnen oder PhysiotherapeutInnen\u2026) wir noch in Anspruch nehmen k\u00f6nnen. Obwohl wir ein Recht auf freie Arztwahl haben, wird uns dies vom Sozialamt verwehrt. Sie behaupten, sie h\u00e4tten einen Vertrag mit diesem Arzt und deswegen m\u00fcssten alle dort hin und der Krankenschein wird nur f\u00fcr diesen Arzt ausgestellt. Wenn wir doch Mal eine \u00dcberweisung zum Facharzt bekommen, ist der Weg sehr weit und wir m\u00fcssen die Fahrtkosten selbst bezahlen. Erst wenn es ganz schlimm ist und andere einer helfen sich zu beschweren, k\u00f6nnen wir den Krankenwagen rufen, der uns ins Krankenhaus bringt. Einmal hat sich sogar ein Arzt aus dem Krankenhaus \u00fcber die schlechte Behandlung beschwert, aber auch das hat nichts bewirkt.<\/p>\n<p>Viele von uns brauchen dringend auch psychologische Hilfe, wegen dem was wir schon im Heimatland erlebt haben und jetzt kommt die Isolation hier dazu. Wir bekommen in dieser Hinsicht aber keinerlei Unterst\u00fctzung und wir k\u00f6nnen uns auch nicht selbst informieren, weil alles zu weit weg ist.<\/p>\n<p>Auch unsere Kinder leiden sehr unter dieser Lebenssituation und wir machen uns gro\u00dfe Sorgen um sie. Einige Kinder haben immer noch keinen Kindergartenplatz, wo sie was lernen und mit anderen Kindern spielen k\u00f6nnen. Der Kinderraum im Lager ist meist zugeschlossen. Wir wollen, dass unsere Kinder deutsch lernen und in einen richtigen Kindergarten mit ausgebildeten ErzieherInnen gehen. Gute Bildung f\u00fcr unsere Kinder ist uns sehr wichtig.<\/p>\n<p>Einige von uns h\u00e4lt nur noch die Tatsache am Leben, dass sie die Verantwortung f\u00fcr die Kinder haben. So verzweifelt sind sie oft. Die Kinder sollten doch Ruhe haben, das war das Ziel der Flucht. Jetzt sind sie in diesem Loch gelandet, in diesem Lager, wie in einem Gef\u00e4ngnis.<\/p>\n<p>Es gibt im Lager aktuell f\u00fcr alle Frauen nur 3 funktionierende Duschen und so m\u00fcssen wir oft anstehen. Au\u00dferdem ist es so, dass es nur morgens und abends jeweils f\u00fcr 2 Stunden warmes Wasser gibt. Das ist besonders f\u00fcr Frauen mit kleinen Kindern und die kranken Frauen schwierig, die dann auch anstehen m\u00fcssen oder kalt duschen. Weil sich die Duschen im Keller befinden, ist das zus\u00e4tzlich problematisch, wenn Frauen mehrere Kinder haben und dann weit weg von den R\u00e4umen sind, wo sich die anderen Kinder aufhalten.<\/p>\n<p>Unsere W\u00e4sche d\u00fcrfen wir nicht selber waschen. Wir m\u00fcssen sie der angestellten W\u00e4schefrau bringen, die dann regelm\u00e4\u00dfig w\u00e4scht. Daf\u00fcr m\u00fcssen wir zahlen, auch wenn wir lieber selber waschen wollen, aber die Wahl wird uns nicht gelassen.<\/p>\n<p>Pro Etage gibt es nur eine K\u00fcche f\u00fcr jeweils 40 Menschen, aber nur eine K\u00fcche im ganzen Haus hat funktionierende Herde. Das bedeutet, dass dort alle Menschen aus dem Lager kochen. Die hygienischen Bedingungen in den K\u00fcchen und den Duschen sind so schlimm, dass es im Lager sowohl Ungeziefer als auch M\u00e4use gibt. Im Winter funktionieren die Heizungen nicht immer gut, so dass die R\u00e4ume zu kalt sind.<\/p>\n<p>Sobald wir nicht machen, was der Hausmeister sagt, droht er damit, die Polizei zu rufen. Die Polizei kommt dann zwar nicht aber viele haben Angst davor und machen deshalb, was der Hausmeister sagt, auch wenn es nicht in Ordnung ist.<\/p>\n<p>Schon lange beschweren wir uns \u00fcber diese schrecklichen Zust\u00e4nde im Lager aber wir wurden nicht ernst genommen und \u00fcber unser Anliegen nach einer eigenen Wohnung wurde sich lustig gemacht. Das Einzige, was sich bisher ge\u00e4ndert hat, ist, das einige W\u00e4nde neu gestrichen wurden. Das \u00e4ndert aber nichts an unserem Leben in der Isolation. Ein sch\u00f6nes Gef\u00e4ngnis bleibt ein Gef\u00e4ngnis!<\/p>\n<p>Wir wollen hier raus, wir wollen selbstbestimmt in Wohnungen leben.<br \/>\nWir wollen selber entscheiden wo wir wohnen.<br \/>\nund wir wollen endlich ein Aufenthaltsrecht bekommen.<\/p>\n<p>Frauen aus dem Fl\u00fcchtlingslager Breitenworbis<\/p><\/blockquote>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Den folgenden, ziemlich ersch\u00fctternden &#8222;offenen Brief&#8220; fand ich bei der M\u00e4dchenmannschaft, die auch ein Protest-Fax zum herunter laden zur Verf\u00fcgung stellt. Man kann aber auch mailen, die zust\u00e4ndigen Amts-Adressen haben E-Mail. An das Landratsamt Eichsfeld, die Eichsfelder Ausl\u00e4nderbeh\u00f6rde und das Eichsfelder Sozialamt Wir leben in einem alleinstehenden Wohnhaus, 2 km von dem Ort Breitenworbis entfernt. 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