{"id":1051,"date":"2013-03-21T12:36:25","date_gmt":"2013-03-21T11:36:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=1051"},"modified":"2013-03-21T13:39:43","modified_gmt":"2013-03-21T12:39:43","slug":"uber-krisen-tango-und-zahnweh","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2013\/03\/21\/uber-krisen-tango-und-zahnweh\/","title":{"rendered":"\u00dcber Krisen-Tango und Zahnweh"},"content":{"rendered":"<p>Abends kommt der Schmerz. Seltsam, denn eigentlich sollte so ein angeschlagener Zahn &#8211; wenn schon &#8211; doch durchweg schmerzen! Was kaputt ist, kann doch nicht einerseits &#8222;ganz normal&#8220; funktionieren, um dann zu n\u00e4chtlicher Uhrzeit in den Krisenmodus zu fallen, der nach sofortiger Action schreit. Und doch ist dem so. <\/p>\n<p>Zum Gl\u00fcck ist der Winter zur\u00fcck und auf meinem Balkon t\u00fcrmt sich der Schnee. Den reibe ich mir auf die Wange, was kurzzeitig den Schmerz lindert. Tabletten wirken kaum. Mein Zahnarzt macht Urlaub bis zum 2. April und seine Vertretung ist jene Zahn\u00e4rztin, mit der ich mich vor eineinhalb Jahren \u00fcberworfen hatte. Weil sie immer gleich ZIEHEN und Ersatz einbauen will. Sie w\u00fcrde triumphierend sagen: <em>&#8222;Sehen Sie, ich hab&#8217;s ja gesagt!&#8220;<\/em> und wieder nicht verstehen, dass 18 Monate mehr mit eigenem Zahn festgehaltene Lebensqualit\u00e4t bedeuten. Insbesondere dann, wenn die anstehende Sanierung den gro\u00dfen Schritt hin zum mobilen Zahnersatz erfordert. <\/p>\n<h2>Durchwursteln&#8230;<\/h2>\n<p>So mache ich es also wie die EU und wurstele mich so durch die Zahn-Krise: mal eine Tablette hier, noch eine dort, zwischenzeitlich scheint es, als h\u00e4tte sich das Problem verzogen, um dann umso wuchtiger zur\u00fcck zu kehren. Dann renne ich alle zehn Minuten auf den Balkon und k\u00fchl&#8216; mir die Backe.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nAnders als die EU hat meine Zahn-Krise allerdings eine klare Perspektive. Abriss, mitsamt der Br\u00fccke, deren einer Pfeiler es nicht mehr tut. Und weil das Ganze sich nicht irgendwo in der Reihe abspielt, sondern am Ende derselben, auf der Hauptkaufl\u00e4che, braucht es auch die Demut, zu akzeptieren: Ja, es ist soweit. Die Zeit der &#8222;dritten Z\u00e4hne&#8220;, die nicht mehr vergessen lassen, dass sie keine &#8222;Echten&#8220; sind, bricht an.  <\/p>\n<p>Immerhin keine Alternativlosigkeit wie bei unserer Gro\u00df-Krise! Bei ihr gibt es niemanden auf der ganzen Welt, der sagen k\u00f6nnte: Jetzt machen wir eine Grundsanierung, akzeptieren alle damit einher gehenden Verluste und fangen dann eben auf anderem Level wieder neu an. Alles Geld will Geld verdienen, Zinsen erwirtschaften &#8211; und weil es sehr viel mehr Geld gibt als reale G\u00fcter und Werte, kann das auf Dauer nicht funktionieren. Das Geld ergie\u00dft sich also als &#8222;Not leidendes Kapital&#8220; in Pseudo-Werte, in &#8222;giftige Papiere&#8220; und riskante Wetten <em>(vulgo: &#8222;die Banken haben aus der Krise nichts gelernt und machen einfach weiter wie bisher&#8220;)<\/em>. Es finanziert Staaten, die noch halbwegs zahlungsf\u00e4hig wirken, f\u00e4llt aber in die Realwirtschaft ein, sobald die Unsicherheiten dieser &#8222;Anlagen&#8220; nicht mehr zu leugnen sind. So werden Rohstoffe teurer und die Aktienm\u00e4rkte boomen sich in die Blase, obwohl die Wirtschaft weltweit schw\u00e4chelt und die Staaten \u00fcberschuldet sind. F\u00fcr sie wird sogar extra Geld &#8222;gedruckt&#8220;, damit ihre Zinslast nicht steigt. Wodurch es immer mehr Geld gibt, ohne dass die G\u00fctermenge, die damit erworben werden kann, in gleichem Ma\u00dfe w\u00e4chst. <\/p>\n<p><strong>Das System braucht einen &#8222;Reset&#8220;<\/strong>, sagt Dirk M\u00fcller (Mr.Dax) fast in jeder Talkshow, in der er auftritt. Anders als der Computer hat das Weltfinanzsystem aber keinen entsprechenden Schalter. Jegliche grunds\u00e4tzliche Ver\u00e4nderung ist nur als Folge massiven Zerfalls und Zerst\u00f6rung mit Krieg und Chaos vorstellbar &#8211; und selbst dann w\u00fcrde sich das alte System restaurieren, wenn dem nicht durch eine Art Welt-Diktatur Einhalt geboten w\u00fcrde. Die man ja auch nicht will (nicht mal in der EU wollte man ja wirklich gegen die &#8222;Steuerspar-Gesch\u00e4ftsmodelle&#8220; einiger Mitgliedsstaaten vorgehen).<\/p>\n<p>Zu pessimistisch? Mir w\u00e4re auch lieb, ich k\u00f6nnte das anders sehen. Drastische Regulierung durch friedliche Verhandlungen, basierend auf der allgemeinen Einsicht in die Not-Wendigkeiten &#8211; das erscheint als allzu verstiegene Utopie. Denn die N\u00f6te, die gewendet werden m\u00fcssten, sind allzu ungleich verteilt und werden immer ungleicher: zwischen L\u00e4ndern und ganzen Regionen, aber auch zwischen den B\u00fcrgern innerhalb der Staaten. <\/p>\n<p>Also konzentrieren wir uns auf das gelobte &#8222;Hier &#038; Jetzt&#8220;, anstatt allzu viel an die Zukunft zu denken. Ich werde die Zahnweh-freien Stunden nutzen, zwar keine Apfelb\u00e4umchen aber immerhin etliche Tomaten, Zucchini und andere vorzieh-f\u00e4higen Gem\u00fcse ans\u00e4hen. Auf der Fensterbank hab&#8216; ich dann WACHSTUM!!! Wo gibts&#8216; das heute schon noch?<\/p>\n<p>***<\/p>\n<p>Ein paar Lesetipps zur Krisenlage: <\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.markusgaertner.com\/2013\/03\/20\/es-gibt-eine-starkere-wahrung-als-den-dollar-doch-die-zerbroselt-gerade\/\">Es gibt eine st\u00e4rkere W\u00e4hrung als den Dollar \u2013 Doch die zerbr\u00f6selt gerade<\/a> &#8211; Gaertner&#8217;s Blog;<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.german-foreign-policy.com\/de\/fulltext\/58566\">Die Perspektiven der Krise &#8211; Vier Szenarien<\/a> &#8211;  www.german-foreign-policy.com;<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.linksnet.de\/de\/artikel\/28594\"><br \/>\nMarktwirtschaft ohne Kapitalismus und Sozialismus ohne Planwirtschaft<\/a> &#8211; Im Gespr\u00e4ch mit Sahra Wagenknecht | Linksnet;<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Abends kommt der Schmerz. Seltsam, denn eigentlich sollte so ein angeschlagener Zahn &#8211; wenn schon &#8211; doch durchweg schmerzen! 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