{"id":1022,"date":"2004-01-28T11:54:29","date_gmt":"2004-01-28T10:54:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=1022"},"modified":"2013-03-10T12:04:29","modified_gmt":"2013-03-10T11:04:29","slug":"genug-gelitten-vom-wollen-und-machen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2004\/01\/28\/genug-gelitten-vom-wollen-und-machen\/","title":{"rendered":"Genug gelitten: Vom Wollen und Machen"},"content":{"rendered":"<p>Der letzte Eintrag handelte <a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2004\/01\/21\/uber-das-wunschen\/\">vom W\u00fcnschen<\/a>. W\u00fcnsche motivieren, zeigen m\u00f6gliche Realit\u00e4ten auf, erwecken Sehns\u00fcchte. Ohne W\u00fcnsche f\u00e4llt es schwer, auch nur einen Handschlag \u00fcber das Notwendige hinaus zu tun. Ja, selbst das Verlangen, dass alles zumindest so bleibt, wie es ist und sich nicht etwa verschlechtert, ist ein Wunsch. Die Not zu wenden ist das Erste, dann treten die M\u00f6glichkeiten der Verbesserung ins Bewusstsein.<\/p>\n<p>Reicht das, um zu handeln? Leider nicht! Immer wieder erlebe ich, dass zwar W\u00fcnsche da sind, dass ich sogar beschlie\u00dfe, nun dies und jenes anders zu machen, um sie zu verwirklichen &#8211; aber bereits nach kurzer Zeit vergesse ich es, bzw. ich denke um, andere Bewertungen der Grundsituation konterkarieren meine Entschl\u00fcsse, weil die Gef\u00fchle, Grundlage der Bewertungen, sich fortlaufend \u00e4ndern. Echte selbst bestimmte Ver\u00e4nderungen sind selten und bis heute kann ich nicht erkennen, woran es liegt, wenn es auf einmal klappt.<\/p>\n<p>Ein banales Beispiel ist das Rauchen. Ich hab schon \u00f6fter aufgeh\u00f6rt, auch \u00fcber l\u00e4ngere Zeitr\u00e4ume. Noch viel \u00f6fter aber hab&#8216; ich beschlossen, aufzuh\u00f6ren, doch hat sich dieser Entschluss in vielen F\u00e4llen nicht lange gehalten. Eigentlich hat es nur DANN ganz gut funktioniert, wenn ich rund um das Aufh\u00f6ren kein gro\u00dfes Aufhebens machte &#8211; aber auch das ist kein Rezept.<\/p>\n<p>Jahrelang sehnte ich mich danach, im Internet mal ein eigenes Projekt zu beginnen, nicht immer nur Aktivit\u00e4ten anderer darzustellen und f\u00fcr sie Webseiten zu bauen. Doch alles, was ich anfing, war reines &#8222;Hobby&#8220; &#8211; ich traute mich nicht, allen Ernstes etwas zu beginnen, wovon ich perspektivisch auch leben will. Dabei mangelte es mir nie an Ideen! Es waren sogar gute Ideen, denn oft konnte ich schon wenige Monate sp\u00e4ter sehen, wie jemand Anders sie verwirklichte, mit Erfolg! Warum hab ICH den Sprung vom W\u00fcnschen und Planen zum Tun nicht geschafft?<\/p>\n<h2>With a little help&#8230;<\/h2>\n<p>Um 2003 die Rauslink Schreibimpulse-Kurse zu verwirklichen, brauchte es einen gro\u00dfen Vorlauf. Ein guter Freund hat viel Herzblut investiert, um mir im Grundsatz klar zu machen, dass es nicht nur m\u00f6glich, sondern auch v\u00f6llig in Ordnung und erfolgversprechend ist, meinen eigenen Impulsen zu folgen. Das ernst zu nehmen und umzusetzen, was mir Freude macht. Aus keinem anderen Grund, als WEIL es mir Freude macht, WEIL ich es f\u00fcr gut und richtig halte, weil ich es als meine Realit\u00e4t w\u00e4hle und erschaffe.<\/p>\n<p>Das allein hat noch nicht gen\u00fcgt. Ich gr\u00fcndete ein kleines Rauslink Frauennetzwerk in Berlin und \u00fcber Monate tagte alle zwei Wochen mein &#8222;Erfolgsteam&#8220;. Hier trug ich mein Konzept vor, bekam Feedback und interessante Ratschl\u00e4ge &#8211; ich erlebte, wie meine Worte (ich WERDE dies und das unternehmen&#8230;) von den Anderen als Wirklichkeit verstanden wurden, wogegen es f\u00fcr mich durchaus noch einfach Pl\u00e4ne, W\u00fcnsche, unverbindliche Konzepte waren. Erst dieses Erleben versetzte mich in die Lage, auch die n\u00e4chsten Schritte zu tun &#8211; es wirklich zu TUN, nicht nur davon zu reden.<\/p>\n<p>&#8222;Wenn wir es nur wollen und machen, kommt der Stein ins Rollen und Krachen&#8220; &#8211; ein Spruch aus der Hausbesetzerzeit, der den Punkt trifft, aber die Frage nicht beantwortet, wie denn dieses Wollen, das mehr als W\u00fcnschen ist, nun eigentlich zustande kommt.<\/p>\n<h2>Im Raum des Leidens<\/h2>\n<p>Seit dem Wochenende hab&#8216; ich einen allergischen Ausschlag \u00fcber den ganzen K\u00f6rper. Das hat mich schwer deprimiert, ich f\u00fchlte mich rundum beschissen. Voller \u00c4rger entsorgte ich s\u00e4mtliche Industrienahrung, einschlie\u00dflich aller Suppenw\u00fcrfel, So\u00dfen und Gew\u00fcrzmischungen mit Glutamat oder anderen undefinierbaren Zusatzstoffen. Gelobte, nie wieder bei Lidl so einen Mist einzukaufen, wie ich es die Tage zuvor leichtsinnig getan hatte: Den Multivitaminsaft mit AEC-Anreicherungen, den Tropical Mix aus 12 exotischen Fr\u00fcchten, die Shrimps in Lake und auch noch eine Dose Putenfleisch im eigenen Saft &#8211; letztere hab&#8216; ich am Abend vor dem Ausschlag zur H\u00e4lfte verzehrt. Zu alledem mehrere Tage Cola Light, das ja praktisch NUR aus &#8222;seltsamen Stoffen&#8220; besteht. Ich dachte, all das w\u00fcrde mir nicht weiter schaden, denn ich hab&#8216; immer alles gegessen, worauf ich Lust hatte &#8211; allerdings nie soviel Schrott auf einmal! Offensichtlich waren das nun zu viele fremde Informationen f\u00fcr mein Immunsystem &#8211; oder lag es an etwas Anderem? Vielleicht was &#8222;Psychisches&#8220;???<\/p>\n<p>Gr\u00fcbelnd versank ich in immer gr\u00f6\u00dfere Wehleidigkeit. Sah diesen Allergie-Schock in einer Reihe von Krankheitserscheinungen, die mich seit Oktober heimsuchen &#8211; Erk\u00e4ltungen, Zahnprobleme, Nasennebenh\u00f6hlenvereiterung, Schlaffheit. Mein Fitnesscenter hatte Ende September die Sauna wegen Umbau geschlossen. F\u00fcr mich ein Grund, nicht mehr hinzugehen, denn ohne die &#8222;Belohnung&#8220; des Saunagangs danach reichte die Motivation nicht mehr zum Sporteln. Zudem war die Arbeit deutlich angewachsen, meine Kurse liefen, ich schaffte es, meine &#8222;gew\u00fcnschte Realit\u00e4t&#8220; zur Wirklichkeit zu machen und hatte Freude daran. Doch alles daneben entwickelte sich mehr und mehr zum Chaos, zumindest empfand ich es so: Un\u00fcbersichtliche Berge von zu erledigenden Dingen, immer drohender das Unerledigte, Steuer 2002 noch immer nicht im Kasten &#8211; in mir wuchs das Gef\u00fchl, dringend mal selber &#8222;auf den Arm&#8220; zu wollen. Mein Empfinden wurde immer selbstmitleidiger und kindlicher, was vielleicht etwas damit zu tun hat, dass ich dann auch ern\u00e4hrungsm\u00e4\u00dfig mehr und mehr schluderte.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich versuchte ich die ganze Zeit, das zu ver\u00e4ndern. Aber alles, was ich &#8222;beschloss&#8220;, bzw. mir vornahm, hielt gerade mal ein paar Stunden, bis mich das n\u00e4chste Tief erwischte. Und dann auch noch der Ausschlag &#8211; so was hatte ich noch nie!<\/p>\n<h2>Realit\u00e4t wird erschaffen<\/h2>\n<p>Ich w\u00fcrde das hier nicht schreiben, wenn es sich nicht ver\u00e4ndert h\u00e4tte. Wenn ich eines begriffen habe, dann das: Jammern, Klagen und Schimpfen verfestigt nur die Zust\u00e4nde, an denen ich leide. Genauso wie meine Coaching-Runde durch Gespr\u00e4che Realit\u00e4t schaffen kann, die von den Teilnehmerinnen dann auch als solche begriffen und umgesetzt wird, genauso erschaffe ich meine Welt, indem ich in Worte fasse, was gerade geschieht. Dieses &#8222;was gerade geschieht&#8220; ist n\u00e4mlich nichts Festes, objektiv Vorhandenes. Sondern ich betrachte Ph\u00e4nomene, bewerte sie von aktuellen Gef\u00fchlen und Befindlichkeiten her, setze sie in Zusammenh\u00e4nge, sehe (w\u00e4hle!) Ursachen und Wirkungen, bilde mir eine Er-Kl\u00e4rung &#8211; und wenn ich all das dann noch in einem h\u00fcbschen runden Artikel der Welt erz\u00e4hle, dann IST es so! Dann bekomme ich wom\u00f6glich mitleidige und hilfreich gemeinte Ratschl\u00e4ge, die mir best\u00e4tigen, dass ich WIRKLICH arm dran bin und Hilfe brauche.<\/p>\n<p>Wirkliche Hilfe kann aber niemand geben, nicht auf der Ebene der Ratschl\u00e4ge: Tu doch dies, mach doch das, \u00e4ndere doch jenes! Denn das ist ja dasselbe, das ich mir auch selbst stets verordne und mit dem ich nicht weiter komme, jedenfalls nicht heraus aus den Zust\u00e4nden des Leidens. Um da heraus zu kommen, muss ich wieder loslassen, die einzelnen Ph\u00e4nomen wieder einzelne Ph\u00e4nomene sein lassen: ein Hautauschlag, ein Jucken am ganzen K\u00f6rper &#8211; na und? Diverse Papiere in verschiedenen Ordnern, die ich mal binnen zwei Stunden zur Steuererkl\u00e4rung 2002 zusammen fassen muss &#8211; ein Problem? Nur, wenn ich es dazu mache, wenn ich mir &#8222;dar\u00fcber einen Kopf mache&#8220;, anstatt es einfach zu tun. Schlaffheit am Nachmittag &#8211; muss mich das tief ber\u00fchren?<\/p>\n<p>Nein! Seit kurzer Zeit wei\u00df ich es wieder! Nichts zwingt mich, an all diesen Dingen &#8222;einzuhaken&#8220; und festzukleben, \u00fcber sie zu gr\u00fcbeln und Ursache-Wirkungszusammenh\u00e4nge zu suchen, in der Meinung, ich k\u00f6nnte dann etwas \u00e4ndern. Ich kann SOFORT etwas \u00e4ndern, indem ich die Ph\u00e4nomene so sein lasse, wie sie mir begegnen und kein &#8222;gro\u00dfes Aufhebens&#8220; um sie mache. Was haben sie mit mir zu tun? Sie kommen und gehen &#8211; auch der Hautauschlag wird wieder gehen. Und selbst, wenn nicht: wie ich merke, kann ich blendend davon absehen und meinen spannenden Arbeiten nachgehen, den n\u00e4chsten Kurs vorbereiten, mich in die Gestaltung einer Website versenken &#8211; und heut&#8216; noch mach&#8216; ich Steuer 2002.<\/p>\n<p>Gestern dann zum ersten Mal keine Schlaffheit am Nachmittag. Dabei war ich v\u00f6llig bereit, sie ganz gelassen auszusitzen. Vielleicht ist sie ja DESHALB nicht gekommen? Achtung, Fehlweg! Der machtgeile Verstand ist immer schnell dabei, neue Konzepte zu erkennen, wie das Leiden zu vermeiden sei. Und verstrickt sich dann im Absurden: Gelassenheit als Kopfkonzept w\u00e4re auch nur eine Vorschrift wie &#8222;du sollst dich gesund ern\u00e4hren&#8220;. Der Vorschrift folgend, m\u00fcsste ich gelassen beobachten k\u00f6nnen, wie ich die Gelassenheit verliere &#8211; und damit bin ich am Ende sinnvollen Denkens: Wer bitte ist da &#8222;ich&#8220;?<\/p>\n<p>Nicht, dass das keine interessante Frage w\u00e4re. Aber auch an ihr will ich jetzt nicht festkleben. Das k\u00f6nnen Andere besser. Zum Geheimnis des Willens, zu dem, was wirklich in die Lage versetzt, \u00c4nderungen zu bewirken, kann ich im Moment nur sagen: es ist ein inneres Umschwenken in eine andere Haltung den Ph\u00e4nomenen gegen\u00fcber, ein tats\u00e4chliches Ergreifen der eigenen Definitionsmacht, die Wirklichkeit schafft. Nach allem, was ich damit schon erlebt habe, sehe ich zumindest, dass es mir letztlich nicht gelingt, es alleine aus mir heraus &#8222;zu machen&#8220;. Denn mein \u00fcbliches Denken, Meinen, W\u00fcnschen und Beschlie\u00dfen geschieht aus dem planenden Verstand, der eben nur ein Teil des Ganzen ist, das ich bin. Und deshalb bleiben solche Beschl\u00fcsse kraftlos, f\u00fchren sogar oft in die Irre, wenn ich dann noch Energie einsetze und mein eigener Sklaventreiber bin.<\/p>\n<p>Aber manchmal bekomme ich einen Ansto\u00df von au\u00dfen. Jemand sagt nicht &#8222;geh du mal wieder ins Fitness-Center&#8220;, sondern \u00f6ffnet mir erneut den Blick auf die Dinge, wie sie sind: Ph\u00e4nomene, die kommen und gehen. Material, aus dem ich durch Bewerten und In-Bez\u00fcge-Setzen meine Wirklichkeit erschaffe. Und auf einmal ist da wieder Spannung, Neugier, Leidenschaft: Ich l\u00f6se die selbst erdachten Leid-Szenarien und schaue, was ich daraus sonst noch machen kann. Wenn es so herum funktioniert, steht ja auch der andern Richtung nichts im Wege.<\/p>\n<p>Und jetzt ruft mich ein Kunde &#8211; ich hab&#8216; richtig Lust auf Arbeit!<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der letzte Eintrag handelte vom W\u00fcnschen. W\u00fcnsche motivieren, zeigen m\u00f6gliche Realit\u00e4ten auf, erwecken Sehns\u00fcchte. Ohne W\u00fcnsche f\u00e4llt es schwer, auch nur einen Handschlag \u00fcber das Notwendige hinaus zu tun. Ja, selbst das Verlangen, dass alles zumindest so bleibt, wie es ist und sich nicht etwa verschlechtert, ist ein Wunsch. Die Not zu wenden ist das [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[11],"tags":[257,251,255,253,256],"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1022"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1022"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1022\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1022"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1022"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1022"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}