{"id":102,"date":"2007-11-04T12:44:52","date_gmt":"2007-11-04T10:44:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2007\/11\/04\/stille\/"},"modified":"2007-11-04T13:01:20","modified_gmt":"2007-11-04T11:01:20","slug":"stille","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2007\/11\/04\/stille\/","title":{"rendered":"Stille"},"content":{"rendered":"<p>Anders als an den Werktagen, an denen die To-Do-Liste ihren Sog entfaltet, nehme ich Sonntags morgens die Stille war. Nicht nur die da drau\u00dfen, wo jetzt kaum Autos und weniger Busse unterwegs sind, sondern die in mir selbst: ich schalte den PC ein, werfe den Browser an, starte den Feedreader, der sogleich Postings aus wei\u00df-nicht-wieviel Blogs anzeigt &#8211; und sp\u00fcre doch kein Verlangen, den verf\u00fchrerischen \u00dcberschriften zu folgen, mich von irgend einem Thema verschlucken zu lassen. Es ist, als wolle ich die Leere noch ein wenig sch\u00fctzen, die mir das Gef\u00fchl der Freiheit gibt: bevor ich etwas w\u00e4hle ist noch alles m\u00f6glich, da sp\u00fcre ich, welchen Schatz ich besitze, solange die Aufmerksamkeit noch nicht zu den 10.000 Dingen str\u00f6mt, die in meinem Alltag um ein St\u00fcck davon konkurrieren. Rechts neben mir rauscht der L\u00fcfter des Midi-Towers in monotoner Gleichm\u00e4\u00dfigkeit; auf der Fensterbank steht die <a title=\"Amaryllis\" href=\"http:\/\/www.das-wilde-gartenblog.de\/2007\/11\/03\/amaryllis-auf-der-fensterbank\/\">Amaryllis<\/a>, der es herzlich schnuppe ist, ob jemand ihre spektakul\u00e4ren Bl\u00fcten bewundert oder nicht. Vor mir blinkt der Cursor, auf den n\u00e4chsten Satz wartend &#8211; was, wenn er nicht k\u00e4me?<!--more--><\/p>\n<p>Da brauche ich gar nicht weiter denken, denn er kommt bestimmt.  Wie ungebetene G\u00e4ste tauchen Vorschl\u00e4ge auf, die mit dem Verstreichen &#8222;ungenutzter&#8220; Zeit lauter werden, geradezu Befehlscharakter annehmen: Tu dies, k\u00fcmmer&#8216; dich um jenes, widme dich dem, was liegen geblieben ist! Schau mal, der Papierstapel da dr\u00fcben: Steuer 2006, K\u00fcnstlersozialkasse, wie lange soll das noch rumliegen? Schreib&#8216; was ins <a title=\"Modersohn-Magazin\" href=\"http:\/\/www.modersohn-magazin.de\/\">Modersohn-Magazin<\/a>, besser noch ins <a href=\"http:\/\/www.lustgespinst.de\">Lustgespinst<\/a>, da gab&#8217;s seit 23.Oktober nichts Neues. Und warum hast du heute noch nicht in den Erotik-Kurs geschaut? Bestimmt gibt es neue Texte, die auf Kommentare warten. Tr\u00f6del hier nicht rum, ja, ja, es ist Sonntag, du bist aber keine Angestellte, sondern hast dir Arbeiten gesucht, die IMMER nach dir rufen. Also frisch ans Werk und nicht gejammert!<\/p>\n<p>Shut up! Jammern liegt mir ferne. W\u00fcsste ich nicht, was alles getan werden k\u00f6nnte, wenn ich mal ein St\u00fcndchen &#8222;Nichts&#8220; einlege, k\u00f6nnte ich es nicht genie\u00dfen, w\u00fcrde mich langweilen, gr\u00fcbeln, suchen, planen &#8211; ich kenn&#8216; mich doch.<\/p>\n<p>Der graue Wolkenhimmel lichtet sich. Immer \u00f6fter kommt jetzt die Sonne durch, was mich daran erinnert, dass ich nachmittags in den Garten will. Der <strong>&#8222;wilde Garten&#8220;<\/strong>, der schon bald ein Parkplatz sein wird: dann ist es wieder vorbei mit der t\u00e4glichen, fu\u00dfl\u00e4ufig zu bewerkstelligenden Naherholung vom exzessiven Sitzleben. Gut, dass ich es <a href=\"http:\/\/www.das-wilde-gartenblog.de\/2007\/09\/19\/gekuendigt-wilder-garten-auf-abruf\/\">seit August wei\u00df,<\/a> so kann sich die Seele langsam l\u00f6sen und es tut nicht so weh. Virtuell hab&#8216; ich ihm ja &#8222;ewiges Leben&#8220; gegeben: ein ganzes Jahr in Bildern, nie zuvor hab&#8216; ich soviel fotografiert.<\/p>\n<p>Es klappt nicht, die Stille festzuhalten. Ich gebe nach und folge den Impulsen &#8211; Leben ist ja genau DAS und tot bin ich noch fr\u00fch genug.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anders als an den Werktagen, an denen die To-Do-Liste ihren Sog entfaltet, nehme ich Sonntags morgens die Stille war. 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