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    Leserdiskussion:

Was ist Wirklichkeit?
Was ist Wahrheit?
Und was ist Virtualität?

In Ihrem Beitrag zur Diskussion "Was ist Philosophie?" hatte Annette Schlemm geschrieben:

"Es gibt etwas Gemeinsames, über das wir uns austauschen können, weil unsere Welten und auch wir selbst viel Gemeinsames haben. Glücklicherweise!"

Ist das so? frage ich die Leserinnen und Leser von MISSING LINK. Erleben wir nicht heute, daß die gemeinsame Welt in lauter kleine Privatwelten auseinanderfällt? Können wir uns noch darüber verständigen, was die wirkliche Welt ist??? Was ist überhaupt Wirklichkeit? Was ist Wahrheit? (Und für Spezialisten: Was ist Virtualität?) Ich freue mich über die rege Beteiligung und danke allen Einsendern!

      Haben wir denn vorher, bzw. bisher die gleiche Wirklichkeit gehabt? Ich denke nein, lediglich weniger Vorstellungen davon und daher mehr übereinstimmung in der Beschreibung.
An Stelle einer kleinen Auswahl von Krücken haben wir jetzt eine große Auswahl von Immer-noch-Krücken.
Meines Erachtens nach sind lediglich wenige inhaltliche Neuerungen hinzugekommen, dafür aber eine Unzahl neuer Gewänder der alten. ein bloßes Nichtwiedererkennen der alten Werte in diesen neuen Formen führt dadurch bei vielen zu dem Glauben des Vverlustes von Werten. Auch hier ist die Musik ein gutes Beispiel: nimmt mensch ein beliebieges klasssisches Stück, einen Rocksong, ein Popstück und eine Jazzimprovisation jeweils aus der eher progressiven und der schnulzigen Ecke der jeweiligen Stile und spielte diese mit ein und demselben Instrument, werden die Stücke auf einmal sehr ähnlich klingen, und die vorherige Unvereinbarkeit der Stiele tritt (wieder) zurück (wo sie hingehört).

Aguirre - Homepage

neues von der wahrheit

er aihhtw
ehrt aihw
hat eihrw
her aihtw
hier ahtw
hirte ahw
ihr aehtw
rahe ihtw
rat eihhw
rate ihhw
reh aihtw
reit ahhw
rita ehhw
tier ahhw
war iehht
ware ihht
wahr ieht
weh aihrt
wehr aiht
wer aihht
weit ahhr
wie ahhrt
wir aehht
wahr heit

Siegfried Holzbauer
;     Liebe Claudia,
von Sokrates sagte man, seine Fragen wirkten wie die Schläge eines Zitterrochens. Deine Fragen sind zwar wesentlich charmanter, aber ebenso elektrisierend. Heute meine Antwort auf Deine Frage: Was ist Wirklichkeit?

Wirklichkeit ist, was der Geist wirkt. Die Rede von der "objektiven Wirklichkeit" ist eine Chimäre, besser: sie ist ihrerseits nichts anderes als ein bestimmtes Produkt des Geistes. In ihr Wahrheit zu sehen und sie in der zwischenmenschlichen Beziehung gar als Maßstab zu erheben,führt zu mehr Problemen als gelöst werden.
Die Naturwissenschaften geben vor, objektive Erkentnisse zu gewinnen, die Wahrheitsanspruch haben. Dabei verkennen sie, daß ihre Wahrheit von bestimmten Methoden und Voraussetzungen abhängt. Mit ihren Methoden und Erkenntnissen läßt sich operieren, solange sie zum Kontext passen. Sie erfassen selbstverständlich etwas, aber nicht die Wirklichkeit. Besser: sie konstruieren die Wirklichkeit mittels ihrer Weise des Zugriffs. Für die Wissenschaften gilt das Sprichwort: "Wie man in den Wald hineinruft, so hallt es heraus". Gerade die Veränderung von Konstanten in Natur und Kosmos zeigt, daß ihre Erkenntnisse nicht bereits die Wahrheit darstellen.

Was wir "Wirklichkeit" nennen, ist und bleibt ein Geheimnis. Erst recht im zwischenmenschlichen Bereich: Wirklichkeit ist subjektiv und kontextabängig. Einem anderen die "objektive Wirklichkeit" vorzuhalten, bedeutet, sie ihm "um die Ohren zu schlagen" statt sie ihm (mit einem Wort von Max Frisch) wie einen Mantel hinzuhalten, damit er hineinschlüpfen kann.

Die Relativität aller Erkenntnisse ist aber kein defizitärer Zustand, sondern gerade eine unendliche Chance. Die Einsicht in die Begrenztheit des subjektiven Erkennens (Kontingenz) ist der Grund der Möglichkeit, nicht auf dem eigenen Standpunkt zu verharren, sondern
a)Verknüpfungen zu anderen herzustellen, mit denen man die eine Welt teilt,
b) im Dialog mit anderen Selbsterkenntnis als Nachdenken über die eigenen Wirklichkeitskonstruktionen aufzubauen. Selbsterkenntnis und Dialog über unsere Wirklichkeitskonstruktionen sind die einzige Chance für das überleben des Menschen als Menschen. Damit tun wir etwas, was die "Natur" auch selbst tut: nämlich Verknüpfungen (Koordinationen) herzustellen. Die Wirklichkeit des Lebens gibt es nur durch die Liebe.

Rudi Ott



;     Wirklicher als die Wirklichkeit...

Heutzutage gibt es etliche Projekte, die uns im Alltag so liebliche und trostspendende, aber uns manchmal bis zum Äußersten treibende Wirklichkeit aus den Angeln zu heben.
Die Genetiker wurschteln mit kindlicher Neugier an den grundlegensten Bauplänen herum und schauen fasziniert, was man so alles mit denen machen kann. Völlig blind für die Folgen, weil sie genau wissen, das sie die niemals in den Griff bekommen werden. Aber was sind derlei leicht zu vergessende Bedenken im Vergleich zu den mega-faustischen Aussichten: Dinge, Lebewesen, knallharte Wirklichkeiten zu ERSCHAFFEN, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat...

Im luftigen Umfeld der Fakten, Meinungen und Informationen agieren die Medien in neuer Manier. Was kümmert uns die Wirklichkeit? Ist sie nicht manchmal arg unverständlich, sperrig. Wer in Gottes Namen BEZAHLT dafur, die Wirklichkeit ins Wohnzimmer zu bekommen? Ein paar Spinner vielleicht, die gerade noch für eine spätabendlich zu bedienende Mini-Zielgruppe dienen.

Der Haupt-Marktanteil will Wirklichkeit in appetitanregenden Dosen, gewürzt mit Ressentiments. Journalisten verkommen zu Mainstream-Huren, die dumpfe Stammtischparolen millionenfach unter die Leute bringen. Seit die private Programm-Sintflut über mich hereingebrochen ist, sinkt mein Fernseh-Konsum bestaändig. Diese Vielfalt der Einfalt...

Wenn es dem Menschen wirklich gelingt, die völlige Kontrolle über die ihn umgebenen Dinge (und Lebewesen) zu erlangen, die Sperrigkeit, die überraschung, die Verletzbarkeit verschwinden zu lassen, dann verschwindet die Wirklichkeit. Diese wird ausschließlich von Menschen erhalten, welche sich anderen Menschen, Lebewesen und auch Dingen mit Respekt nähern und sich fur sie INTERESSIEREN.

Frank Breitgoff

;    

"Erleben wir nicht gerade, daß die Welt auseinander fällt in viele kleine persönliche Welten, so daß zu befürchten ist, daß wir uns kaum mehr verständigen können, was WIRKLICHKEIT ist?"

"Gesellschaftlich" betrachtet magst Du Recht haben. Ich will es aber mal anders betrachten, und das Statement, von dem ausgehend Du die kritische Gegenfrage gestellt hast, stammt wohl auch eher aus dieser anderen Betrachtungsweise. Also: Ich habe die Frage gelesen und antworte darauf. Das heißt, ich kann mir unter dem, was Du in der Frage formuliert hast, etwas vorstellen, das meine Gedanken anregt, und formuliere jetzt eine Antwort darauf in der Annahme, daß es Leute ("User") gibt, mit denen ich noch nie etwas gemeinsam erlebt habe, und die diese Antwort trotzdem verstehen (was noch nicht bedeuten muß, daß sie ihr auch zustimmen).

Ist es nicht erstaunlich, wieviel "teilbare Wirklichkeit" es geben muß, damit so etwas, so eine "Mit-Teilung" überhaupt möglich ist? Es handelt sich in diesem Fall um Wirklichkeit, die über das Medium Sprache übertragen wird. Sicherlich werden da auch etliche Mißverständnisse mit übertragen, häufig sogar, aber insgesamt können wir uns doch verständigen. Wenn man diese Tatsache einmal nicht als selbstverständlich betrachtet, hat man ein Fundament, dem man verdammt viel Wirklichkeit zubilligen muß, wenn man es akzeptiert.

Viele Grüße
Stefan Münz

;     Annette Schlemm hatte geschrieben: "Es gibt etwas Gemeinsames, über das wir uns austauschen können, weil unsere Welten und auch wir selbst viel Gemeinsames haben. > Glücklicherweise!"

Nein!
Im Grunde ist es höchst verwunderlich, daß Verständigung überhaupt möglich ist, bei so vielen Un-Gemeinsamkeiten, so vielen verschiedenen Welten.

Man lese Bücher wie: "Der Minus-Mann" (Heinz Sobota) oder "Lenz" (Georg Büchner) und erkenne: Verschiedene Menschen leben in verschiedenen Welten. Dinge, Handlungen, Wahrnehmungen, die in der Welt der einen selbstverständlich sind, kämen einem anderen niemals in den Sinn.

Daß wir uns im täglichen Umgang miteinander verständigen, ist ein unwahrscheinlicher Fall und wohl größtenteils Illusion, denn schließlich beruht jede sprachliche Kommunikation auf Gewohnheit und Dressur. Was heute vielen als "virtuell", "nicht wirklich", "scheinbar" vorkommt, kann morgen selbstverständlicher Bestandteil der Wirklichkeit sein.

Das Problem ist also nicht, daß Techniken der Erzeugung "virtueller Realität" immer perfekter werden und so eine nicht existierende Welt "vortäuschen" (fast wie in echt), sondern daß die Welt selbst (einer/eines jeden) um eben diese "indirekten", technischen Zugänge erweitert wird (bzw. schon erweitert worden ist durch TV, Nachrichten, Wissenschaft...).
Die Welt selbst ändert= sich.

Die eigentliche Gemeinsamkeit zwischen Menschen ist diese: daß jeder sagen kann: "Ich bin der König. Dies ist MEINE Welt!"

Oliver Schaub - Essen



Oliver Schaub schrieb: Das Problem ist also nicht, daß Techniken der Erzeugung "virtueller Realität" immer perfekter werden und so eine nicht existierende Welt "vortäuschen" (fast wie in echt), sondern daß die Welt selbst (einer/eines jeden) um eben diese "indirekten", technischen Zugänge erweitert wird (bzw. schon erweitert worden ist durch TV, Nachrichten, Wissenschaft...). Die Welt selbst ändert sich. Eindeutig, die Welt selbst ändert sich. War und ist nicht der Fernseher in Relation gesehen eine ebenso einschneidende Erschließung virtueller Realität, wie sie heute den sich ständig weiterentwickelnden Möglichkeiten im Bereich der digitalen bzw. Computertechnik, inklusive der dazugehörigen Netze, zugeschrieben wird?
Ob nun beklagenswert oder nicht, gehört der Fernseher nicht längst untrennbar zu unser (fast) aller Wirklichkeit. Schenken wir nicht all jenen ein mitleidiges Lächeln, die uns erklären, sie hätten keinen Fernseher, weil sie sich nicht sinnlos berieseln lassen wollen?

Und woher beziehen diese Menschen ihre Informationen? Lesen sie vielleicht Zeitung? - Gewiß tun sie das, wobei sie längst verdrängt oder vergessen haben, daß dies ein wohl nicht minder belächeltes Medium gewesen ist, mit der gleichen Bereitschaft, zu berieseln oder Meinungen zu machen, wie es beim Fernsehen der Fall ist.

Ich bin noch niemandem begegnet, der gesagt hat, Zeitungen oder Bücher seien sinnloser, neumodischer Kram, auf den man verzichten könnte. Und doch verändert und beeinflußt jedes Medium, gleich welcher Art, unser Bild der Wirklichkeit.

Oliver schrieb weiter: Die eigentliche Gemeinsamkeit zwischen Menschen ist diese: daß jeder sagen kann: "Ich bin der König. Dies ist MEINE Welt!"

Ich denke nicht. Die Gemeinsamkeit zwischen Menschen ist der Wunsch und die Fähigkeit, zu kommunizieren. Wir haben ein natürliches Bedürfnis, Neuigkeiten zu erfahren, genauso, wie wir den Wunsch haben, uns mitzuteilen. Beides erfahren wir aus den "klassischen" Medien, wir beziehen die so begehrten Neuigkeiten, vermischt mit dem Wunsch nach Mitteilung. Wer kann schon neutral und wertfrei berichten, und wer hat nicht den Drang, und sei es auch nur am Stammtisch nach genügend zungenövsenden Bieren, seiner Ansicht zumindest Gehör zu verschaffen, wenn nicht sogar sie anderen aufzudrängen?

Und bieten nicht gerade hier die neuen Möglichkeiten der Kommunikation, die sich uns so unaufhaltsam erschließen eine Chance, uns endlich einander die Meinung zu sagen? Wären denn wir, die wir hier in diesem Forum diskutieren, uns jemals über den Weg gelaufen, oder hätten wir uns jemals getraut, einen Leserbrief an eine Zeitung zu schreiben, auf den dann der nächste wieder reagiert hätte? Hätte sich irgendjemand von Euch eingemischt, wenn ich mit einem Freund in irgendeiner Kneipe am Nachbartisch über Wirklichkeit diskutiert hätte? Sicher nicht. Dieses hier ist unsere, wenn im Moment auch noch virtuelle, Wirklichkeit. Hier treffen wir aufeinander, ohne uns zu sehen, tauschen wir uns innerhalb von Minuten über unsere Ansichten, Gedanken, Wünsche und Wirklichkeiten aus. Mag das Netz auch virtuell sein, wir, die wir verteilt an allen möglichen Punkten der Erde sitzen, sind real, und wir treffen real aufeinander.

Andreas Bäcker

- die Andreas-Bäcker-Text-Gallery


DAS ALTE FOTO

Was ist ein Gewinn im Toto
Gegen ein vergilbtes Foto?
Während Zeit wie Geld verrinnt,
Zeigt das Foto dich als Kind,

Das du warst, als man es machte,
Unaufhörlich sanft und sachte.
Was ist wirklich Wirklichkeit:
Jenes Foto? Du? Die Zeit?

Wirklich scheint, solang du bist,
Dir nur der Moment, der ist.
Daß auch früher wirklich war,
Macht dir erst das Foto klar.

Jürgen Rennert - Berlin
Homepage


Viele kleine persönliche Welten? Meine persönliche Welt ist mir die größte und naheliegendste. Man sollte die Dinge nicht verkomplizieren. Immer alles auf's niedrigste Niveau herunterziehen. Komplizierte Erklärungen deuten schon durch ihre Kompliziertheit darauf hin, daß sie unvollstßndig oder unrichtig sind.

Wahr ist, daß der Mensch ein Egoist ist, der in einem mindestens zwei Jahrzehnte langen Sozialisationsprozeß (den Menschen sozial- d.h. gesellschaftsverträglich machen, sehr sehr passender Ausdruck) mühsam lernen muß, seinen Nachbarn nicht zu erschlagen; und manchmal tut er's dann doch, und das auch noch mit Genuß (kein Widerspruch zuläßig. Zwar ist es böswillig, Soldaten pauschal als Mörder zu bezeichnen, was ich ablehne, weil auch ich mal Soldat war, aber es gibt wohl nicht wenige, die an den Metzeleien dieser Welt Gefallen finden).

Weil wir unsere Welten nicht synchronisieren können? Natürlich. Schon Mann und Frau verstehen sich nicht wirklich. Es ist auch gar nicht nötig, jemand anderen vollkommen zu verstehen. Man muß ihm (ihr) nur den Respekt erweisen, den man sich selbst ausbittet. Also, ist doch alles ganz einfach!

Was also ist Wirklichkeit? Wir leben in einer Welt, von der wir nicht wissen, wie sie wirklich ist. Aber wir haben eine Vorstellung von dieser Welt. Diese Vorstellung können wir ständig aktualisieren, indem wir sie hinterfragen, vergleichen und so weiter. Dadurch wird diese Vorstellung vielleicht besser, aber sie wird nie vollständig sein. Nehmen wir das einfach mal als gegeben hin. Hier zeigt sich die Beschränktheit unserer Weltsicht. Man kann auf einen Blick eine Menge von fünf überschauen. Zwanzig geht schon nicht mehr ohne Methoden der Zergliederung, wozu wir den Verstand benutzen können. Kein Wunder also, daß große menschliche Organisationen, wie Unternehmen, Behörden, Staaten so schwerfällig und fehlerbehaftet sind. Wir Menschen haben einfach keinen ausreichend großen geistigen Horizont. Dieser Beschränkung muß man sich bewußt sein.

Merkwürdigerweise haben viele Menschen das Gefühl, die Welt zerfiele in Stücke. Die Kommunikation zwischen den Individuen ist in der modernen Welt natürlich anders als in der des 19. oder eines früheren Jahrhunderts. Aber das betrifft nur die technischen Mittel und die Geschwindigkeit. Im Kern sind die Menschen so erreichbar oder unerreichbar wie eh und je. Tatsächlich besteht eine Gesellschaft aus einer für den Einzelnen vollkommen unüberschaubaren Menge von anderen Einzelnen, die jener erste Einzelne nicht kennt und nie kennenlernen wird. Obwohl der Einzelne keinen ihm fühlbaren Einfluß auf das Gesamte hat, wirkt er an diesem Gesamten gestaltend mit. Ob ihm das bewußt ist oder nicht. Heute können wir dies vielleicht deutlicher empfinden als jemand in einem früheren Jahrhundert, dessen Welt an der Dorfgrenze aufhörte, was eine Beschränktheit zur Folge hatte, die wir uns nicht mehr vorstellen können.

Was soll also der pessimistische Tenor der Frage? Es ist Mode, sich solche Fragen zu stellen. Aber warum einem Trend nachrennen? Aus Mangel an Souveraenitaet, aus Mangel an der Fähigkeit, sich über das Modegeschwätz hinwegsetzen zu können? Muß man denn unbedingt einstimmen in den Chor der Defaitisten, der Katastrophen-Hysterie, in den Medienschwachsinn? Nein, behaupte ich, das muß man nicht. Ängste sind ernstzunehmen, das versteht sich. Aber Angst ist auch irrational, und Irrationalität hindert uns am Zergliedern, also Verständlichmachen der Wirklichkeit. Die Welt, dies als mein Schlusssatz, ist in Wirklichkeit (!) gar nicht komplizierter geworden, sie ist so kompliziert, wie sie immer schon war, nur ist sie für uns in der Informationsgesellschaft wegen der Fülle des Materials schwerer überschaubar.

Lutz Beuershausen



Und hier ein literarischer Beitrag von Ingo Mack (virtuell: Tom der Wal) mit dem vielversprechenden Titel "Eine Wahrscheinlichkeit". Frisch und direkt von seiner Homepage!


Annette Böhm, Langenberg, Gk Philosophie 13:

"es gibt etwas gemeinsames, über das wir uns austauschen können, weil unsere welten und auch wir selbst viel gemeinsames haben." (a.schlemm).

ich denke ebenfalls, daß es etwas gemeinsames gibt. dies kann aber nicht die realität sein, sondern viel eher das, was wir von ihr wahrnehmen können. jeder von uns hat ein anderes bild von wirklichkeit. ich bezeichne die sinne, mit denen unser jeweiliger körper ausgestattet ist, auch gerne als filter. sie erlauben uns, wenn auch nur teilweise und verzerrt, etwas von dem wahrzunehmen, das außerhalb von uns existiert/ vorgeht. anzunehmen, daß die paar sinne, die wir haben, uns die realitdt/ wirklichkeit zeigen (wie es zb. im naiven realismus der fall ist) mag zwar für den alltag durchaus brauchbar und vor allem bequem sein, bringt uns aber dem, was wirklich ist, keinen schritt näher. wenn sich ein "normalsichtiger" und ein "farbenblinder" streiten, ob ein bestimmter gegenstand nun in wirklichkeit rot oder grau ist, so haben beide diese naive einstellung im hinterkopf. die welt ist so, wie ich sie wahrnehme. ich bin davon überzeugt, daß zb. farben nichts mit der wirklichkeit zu tun haben. licht kann eine best. wellenlänge haben, die farbe aber entsteht im kopf des betrachters, sie ist nicht real.

auch wenn jeder einzelne für sich die welt außerhalb seiner selbst anders wahrnimmt, (farbenblindheit ist nur ein extemeres beispiel, es gibt auch kleinere unterschiede) darf man doch nicht vergessen, daß wir uns am ende alle in der selben welt befinden, und daher auf ähnliche oder auch gleiche wirklichkeitseinflüsse reagieren. je nach verzerrungs-/ filtergrad gibt es also in jenen bildern der außenwelt, die wir in unseren köpfen aus den puzzleteilen, die uns unsere sinne liefern, zusammen zu setzen versuchen, mehr oder weniger gemeinsamkeiten. daß es puzzleteile gibt, die wir nie zwischen die finger bekommen, weil uns die sinne dafür fehlen, halte ich für mehr als wahrschein- lich. unser weltpuzzle im kopf ist unvollständig. daß uns noch teile fehlen, merken wir meist gar nicht, denn meist füllen wir die lücken einfach auf, wir interpretieren und erfinden teile, die unserer meinung nach gut in das bisherige bild passen. so verzerren wir, meist ganz unbewußt, das ohnehin schon verzerrte abbild der realität noch mehr. da es sich hierbei, wie bereits gesagt, um einen unbewußten akt handelt, können wir diese zweite verzerrung ebensowenig wie die erste ausschalten. ich komme unweigerlich zu dem schluß, daß der mensch, so wie er ist, die realität nicht so erkennen kann, wie sie in wahrheit ist.

in diesem zusammenhang möchte ich die vermutung anstellen, daß realität und wahrheit identisch sind. nur, was wirklich ist, kann auch wahr sein. wenn man hiervon ausgeht, stellt sich die frage, ob der begriff/ die bezeichnung "wahr" für "wahre" gefühle oder auch "wahre" aussagen (in der mathematik) überhaupt angemessen ist. schließlich sind gefühle rein subjektive wahrnehmungen, also puzzleteile, die von innen statt von außen kommen, und in der wirklichkeit gibt es für (a+b)2 = a2+2ab+b2 oder ähnliches keine entsprechung. sollte man mathe- matische "wahrheiten" also als synthetische oder auch virtuelle wahrheiten bezeichnen? virtuell also als etwas, das in der wirklichkeit keine entsprechung findet? ich denke, man könnte virtualitdt als eine in sich geschlossene welt sehen, wie zb. die mathematik eine ist. solange best. grundprinzipien nicht außer acht gelassen oder in frage gestellt werden, wie vielleicht, ob 1+1 wirklich immer 2 sein muß, kann man, auf diesen grundsteinen aufbauend, eine gewaltige menge von daraus folgenden beziehungen und gesetzen aufstellen, die von jedem nachvollzogen werden können, der dieselben grundsteine als fundament benutzt. innerhalb ihrer grenzen macht diese welt, also hier die mathematik, sinn, läßt man aber die grundvoraussetzungen fallen, bleibt nichts weiter, als ein haufen mehr oder weniger nutzloser formeln und variablen. diese welt ist abgeschlossen, denn sie kann nicht auf die realität übertragen werden. sie sagt nichts über die realität und ihre eigenschaften aus.

Sternzeit 9611.20 Annette Böhm



Es ist ja sehr interessant, was sich diese Herren und Damen zusammenreimen. Es mag ja schön und gut sein ,sich mit dem Thema "Wirklichkeit" auseinanderzusetzen, doch eigentlich gibt und gab jeder hier nur seine eigene persönliche Meinung oder Gefühle wieder, jedoch versuchten sie "Wirklichkeit" zu definieren. Ich denke, daß dieses überhaupt nicht der Punkt dieser "Diskussion" ist. Wirklichkeit ist genügend definiert und benötigt auch nicht noch hier noch mehr persönliche Meinungen und Gefühle. Hier soll und wurde geschildert, wie jeder einzelne persönlich mit dem Begriff "Wirklichkeit" umgeht und in welcher Beziehung er zu diesem steht, und darüber sollten sich die Beiträge auslassen. Das sich jemand als "König" fühlt, spricht so meiner Meinung nach eher für einen (un-) gesunden Egoismus des "Autors". Ich meine jedenfalls, daß wenn ich mich als König meiner Umwelt - das was ich als Wirklichkeit registriere - fühle, muß mein "Horizont" doch sehr beschränkt sein: wieviel abermillionen von Zuständen der Umwelt kann ein Einzelner zum Beispiel aufnehmen und so zum Teil seiner Wirklichkeit machen? Schauen Sie sich nur einmal - ganz banal wie es klingt - nachts die Straße an: wer sich hier als "König" fühlt ....

So finde ich es viel wichtiger , die Beziehung des Einzelnen zu "seiner" Wirklichkeit zu schildern, und so zu Übereinstimmungen oder Konvergenzen zu gelangen. Daß es sich dabei ruhig um ganz alltägliche oder auch banale Dinge des Lebens handelt, finde ich nur selbstverständlich. So bietet auch die Politik eine Reihe von Grundlagen: inwiefern kann ich - in meiner Wirklichkeit - den politischen Alltag bestimmen? Haben Sie sich nicht auch manchmal gefragt, warum Sie den Gang zur Wahlurne "wagen" ?? Ich will jetzt zu einem Ende kommen, denn ich möchte mit meinem - wenn auch etwas formlosen und unübersichtlichen - Beitrag nur weitere Ideen zu dieser Diskussion liefern und sie in eine richtige Richtung "leiten"

Bernd Speicher, 19 Jahre , Student (Köln)



Zunächst: ist das eine gesellschaftliche, philosophische oder gar spirituelle Frage?

Ausgehend davon, daß wir uns in einer sogenannten objektiven Realität bewegen, deren Teil wir sind, die wir aber in ihrer Ganzheit gar nicht erfassen können (zumindest nicht mit den Mitteln des Verstandes), und daß Mensch sich als etwas Getrenntes, Unabhängiges erlebt (auch wenn er das nicht ist), ist meine Wirklichkeit immer abhängig von meiner eingeschränkten Wahrnehmungsfähigkeit.

Die kann ich ändern. Indem ich mich für eine andere - vielleicht ebenfalls subjektive, und damit beschränkte - Wirklichkeit öffne, d.h., den Fokus meines Bewußtseins auf sie richte, verändere ich auch meine Wahrnehmung und damit meine Wirklichkeit.

Da sich nun meine Wirklichkeit Veränderlich zeigt, ist sie auch weniger greifbar, ist keine feste Größe mehr - als verläßliches Element zeigt sich jedoch die Veränderung, erfahrbar durch Wahrnehmung und Bewußtsein.

Und über das Bewußtsein können wir uns sehr wohl auch verständigen, austauschen, z. B. mit Hilfe der Sprache und Schrift, einem eingeschränkten Code zur Beschreibung eingeschränkter Wahrnehmung, auf den wir uns geeinigt haben, existent durch das Bewußtsein.

Oder - neue Technik, neue Formen - halt mit Hilfe der Möglichkeiten Der Virtualität, ebenfalls existent durch gemeinsames Bewußtsein.

Also sehr viel Gemeinsames, über das wir uns austauschen können, Glücklicherweise. Und Glücklicherweise gibt es nicht nur eine Wahrnehmung, sondern unendlich viele subjektive Wirklichkeiten und Wahrheiten, die sich auch noch ständig ändern - Dynamik ohne Ende. Da ich - wie jeder Mensch - mich in einem beschränkten Bewußtseinstunnel befinde, bin ich sehr damit einverstanden, durch diese Dynamik immer wieder verändert zu werden - wie sonst soll sich Unvollkommenheit erweitern und ändern können zu Wissen, Begreifen und Verstehen?

Viele verschiedene Welten, oder Tunnel oder Burgen sind kein Problem, sondern Entwicklungspotential, und absolut zeitlos.

Das allerdings bestehende Problem der Verständigungsfähigkeit ist nichtsdestowenigertrotz sehr ernst zu nehmen; es zu verquicken mit der Frage nach Wirklichkeit und Wahrheit macht mich ein wenig stutzig, berährt das eine doch eher gesellschaftliche Zustände, das andere Fragen nach grundlegendem Sein - ich bin nicht der Meinung, daß sich menschliches Potential in jeder Gesellschaft ideal entfalten kann. Sich dieses Problems adäquat anzunehmen, ist mit Sicherheit sehr nötig, sprengt aber doch ein wenig die Möglichkeiten einer Email - oder täusche ich mich?
Was bleibt, sind zu entwickelndes Wahrnehmungsvermögen und Bewußtsein.

Namasté

Matthias Kerl - Berlin



Wahrheit. Alles ist Wahrheit. bis es widerlegt werden kann. Besteht nicht das Bedürfnis, etwas zu widerlegen, so bleibt das etwas Wahrheit. Und nicht Glaube.

Nichts ist Wahrheit. Bis es bewiesen werden kann. Besteht nicht das Bedürfnis, etwas zu beweisen, so bleibt das etwas nichts. Und nicht Lüge.

Zu wissen, daß ich nichts weiß, ist keine Wahrheit, sondern ein Zitat. Wenn auch nicht notwendigerweise ein wahres. Hat Sokrates gelebt, nur weil Kriton Phantasie hatte? Wenn Wahrheit nicht greifbar ist, weil das Wissen nicht ausreicht, ist sie trotzdem existent? Oder nur eine nur durch unser Bedürfnis nach Ganzheit und Sinn der Ganzheit geschaffene Kategorie? Ein Wunschdenken? Aber ohne Wahrheit verliert auch das Berührbare seine Realität. wird unberührbar und unfaßbar. Und irreal.

Das ist ist dann kein 'ist' mehr. Vielmehr ein 'könnte' in meinem Kopf und nicht in deinem. Ist das Wahrheit? Nein. sicher nicht. es ist bloß nichts. Gottlose Hermetik. Je undeutbarer desto göttlicher.

Ohne Traum von Wahrheit keine Religion. Ohne Religion wohl auch keine Wahrheit.

Träumen wir weiter. Euren Traum von der Wahrheit, die man finden kann. Vielleicht erlöst euch das von der Angst vor unserer Sinnlosigkeit. Vielleicht... Nichts ist Wahrheit. wenn nicht, wäre Gott nicht grausam? Gäbe es Wahrheit wären wir jedenfalls für nichts mehr verantwortlich...

Denn gäbe es Wahrheit, würden wir nur als Teil des Planes existieren und nicht gegen den Plan also auch nicht gegen die Wahrheit handeln können. das wäre echte Tragik

S.Sachse



Wirklichkeit !! Wahrheit !!
In Eurem Forum Philosophie, welches ich mit viel Interesse gelesen habe, geht es um Wahrheit und Wirklichkeit. Was aber ist Wirklichkeit ? Frank Breitgoff spricht in seinem Beitrag von " Journalisten verkommen zu Mainstream-Huren, die dumpfe Stammtischparolen millionenfach unter die Leute bringen..." Ist das seine Wirklichkeit ? Was überhaupt ist da die Wirklichkeit ? Der Umstand, daß millionenfach Stammtischparolen unter die Leute gebracht werden oder, das, was ich zwischen den Zeilen zu lesen meine, nämlich, daß der Verfasser mit diesem ganzen "Geseiere" nichts zu tun haben will.

Wenn ich Franks Anliegen richtig erkenne, so kann ich mich mit ihm solidarisch erklären, auch mir geht der Stil vieler Zeitungen und erst recht vieler Selbstenthüllungsorgien im Fernsehen auf den Geist. Nur stellt sich mir die Frage: ist das die Wirklichkeit, ist es überhaupt auch nur ein kleiner Teil der Wirklichkeit ?

In Punkto Gentechnik, darüber schreibt Frank ja auch, kann man sicher sein, hier wird ein Teil der Wirklichkeit von Menschen erschaffen. Nur für ihn scheint es eine schlimme Wirklichkeit zu sein. Für den Menschen der auf Heilung mittels Gentechnologie hofft, wird es ein Himmelsgeschenk sein. Wahrscheinlich wird es so sein, wie Oliver Schaub in seinem Schlußsatz bemerkt: " Die eigentliche Gemeinsamkeit zwischen Menschen ist diese: daß jeder sagen kann: " Ich bin König. Dies ist MEINE Welt !" " Es ist nicht so, daß ich den Beitrag von Frank Breitgoff kritisieren möchte, bin ich doch in allen seinen Ausführungen seiner Meinung. Ich habe seinen Beitrag nur noch einmal zum Anlaß genommen darauf zu verweisen, daß es DIE Wirklichkeit nicht geben kann, und wenn, dann ist sie eine göttliche Chiffre.

Um aber noch einen eigenen Beitrag zur Analyse der Wirklichkeit zu leisten, möchte ich eine kleine Metapher zum Besten geben.

Einst (hierbei ist es egal, ob in einem früheren Zeitalter oder in der Zukunft) gerieten einige mutige Menschen an das Ende des Universums. Es verwunderte sie sehr, daß sie nicht mehr weiter konnten, das Ende bestand nämlich aus einer schwarzen Wand. Die Menschen, wie gesagt mutig und wißbegierig, wollten sich damit nicht zufrieden geben. Also setzten sie ein paar tausend Kilometer zurück, gaben ordentlich Gas und rasten auf die Mauer zu. Ohne zu bremsen durchbrachen sie die Mauer, Schicht um Schicht, um Schicht. Als die letzte Schicht durchbrochen war, wurden sie von einer unheimlichen Helligkeit geblendet.

Stellungs- bzw. Sichtwechsel:

In seinem hellen, sauber aufgeräumten Badezimmer geht ein Mann auf und ab. Sein Oberkörper ist unbekleidet und zufrieden schaut er sich im Spiegel an. P lötzlich merkt einen kleinen Stich und auf der Haut erscheint eine leichte Rötung. Wieder so ein Mißtinsekt denkt er und sucht seine Umgebung ab. Er wird es gewahr und schlägt zu.

War es Gott oder nicht ? Sie können es nicht mehr beantworten; wem hätten sie es auch erzählen sollen und wie hätten sie nach Hause finden sollen?

Robert Asmus

Philosophie ist für mich die Suche des Willens nach den Mosaiksteinen des Weltbildes, der echten Wahrheit. Zu dieser Suche hat der Willen, mit welchen jedes Lebewesen geboren wird, eine Hilfe geschaffen, das Bewußtsein (den Intellekt), mit welchem er diese Suche besser gestalten kann. Mit diesen Bewußstsein kann er sich unterhalten und es für seine Suche einspannen. Die Gefahr ist nur, wenn der Wille auf der Suche süchtig wird und das Bewußtsein voll für seinen Zweck einspannt, dann könnte die Möglichkeit bestehen, daß dieses Suchen zur Sucht wird und der Körper darunter leidet.

Philosophie ist Suche.

Wer mit den Augen sieht und mit den Ohren hört, wird auf Dauer blind und taub bleiben.

Herzliche Grüße Die Schildkröte

Ludwig Fischer


;     Hallo Claudia,

Im "Ideen-Magazin" steht der folgende Satz:

"Das IDEENMAGAZIN vertritt die Richtung vom Denken zur Wirklichkeit, nicht von der Wirklichkeit zum Denken."
Ich sehe ein grundsätzliches Problem oder Mißverständnis, von dem v.a. wir Deutsche allzuleicht befallen werden: Den Hang zum Philosophieren. Ich nenne das den Hang zur Abstraktion. Da gibt es die Ebene das Konkreten, Praktischen, und die Ebene das Abstrakten, Theoretischen. Und das wird eine EINBAHNSTRASSE. Konkret: Draußen regnet es, es ist kalt, unwirtlich. Die Miete muß bezahlt werden. Das Zimmer ist nicht aufgeräumt. Beziehungsprobleme. Der Sex läuft nicht so, wie erhofft. Ein mulmiges Gefühl in der Magengrube. Das Kind will etwas, muß gleich zur Schule. Es muß noch eingekauft werden. Ich ziehe den Mantel an. Da: die Schuhe sind noch völlig verdreckt, müssen längst geputzt werden. Draußen, auf dem Flur, begegnet mir der mürrisch dreinblickende Nachbar. Der Supermarkt: überfüllt. Leute schieben mir ihre Einkaufswagen in die Fersen. Und so weiter und so fort. Du verstehst?

Ich meine: DAS ist Wirklichkeit. Aber dann gibt es Leute, die setzen sich hin mit der Zigarette im Nachtlokal und seufzen, mit entrücktem Blick: "Hmm, was ist eigentlich Wirklichkeit? Ja, Wirklichkeit, das ist... Na ja, schon Hegel sagte dazu -- und Platon, und und... Aber ich finde, Heidegger, der... Man muß das vergleichen mit Sartre, der..."

Hört sich gut an. Hört sich nach Wissen, Verständnis, BILDUNG an. Das ist es, was wir Deutschen ja immer noch so schätzen: Da weiß einer anscheinend Bescheid.

Ehrlich - mich interessiert das überhaupt nicht. Ich kann mich darüber köstlich amüsieren. Ich frage: Hat er denn seine Schuhe inzwischen= geputzt? Und sein Sexproblem, hat er es gelöst?

Weiter: ich sehe DAS als Problem, dieses Philosophieren. Es ist eine Krankheit, ein Symptom einer Verwirrung. Der Grund? Diese Wirklichkeit ist hart, sie ist manchmal zum Kotzen. Das Leben ist nicht so, wie wir uns das vorgestellt haben. Es tut oft weh. Die Abstraktion ist eine Droge, die hilft, es auszuhalten. Das Denken hilft, für ein paar Sekunden die WAHRNEHMUNG der Wirklichkeit zu vergessen. Das ist nichts anderes als Traum, Tagträumerei.

Der zweite Grund: Die Eitelkeit, das Ego. Klug sein zu wollen. "Ich habe verstanden." - "Ich weiß Bescheid." - "Der Müllmann auf der Straße schiebt noch seinen Dreck hin und her, aber ich, ich kenne SOGAR HEGEL!" Diese deutsche Gesellschaft und Kultur propagiert das. Ehrenwert ist der abstrahierende Theoretiker, mitleidig belächelt wird der angeblich= "ungebildete" einfache Arbeiter.

Soviel dazu. Es gibt eine "Dramaturgie", eine Logik, in der die Entfernung von der Wirklichkeit abläuft, und es gibt eine ganz andere, völlig andere "Dramaturgie" und Logik, in der die Annäherung an die Wirklichkeit abläuft.
Fast alle, und ich nehme mich selbst nicht aus, haben viel mehr Geschmack an ersterer. Dann gibt es noch etwas (ich nennen es den "WEG"), das mit dem zweiten befaßt ist.
Dieses zweite findest Du (und wer es sucht), bei den Informationen zur "Wirk-Gilde" und im "Ideen-Magazin". So sehr ich selbst oft zur Trägheit und Wirklichkeitsentfremdung neige (Körper und Verstand haben an Bewußtheit kein Interesse) - ich bin erklärter Gegner der deutschen Philosophiersucht, des Kultes der falschen Gebildetheit. Ich kämpfe für nichts anderes als für DIE TOTALE UMKEHRUNG dieser in Wahrheit hohlen Werte. Ich arbeite daran, diese geistige Ausrichtung UMZUDREHEN.

Und ich glaube, ich habe die Wirklichkeit auf meiner Seite.

liebe Grüße

Dein Lothar Reschke



;    

Hier könnte Ihr Beitrag stehen! Übrigens erleichtert es mir die Arbeit, wenn alle ihre Texte in der gewöhnlichen althergebrachten Rechtschreibung oder in der jetzt beschlossenen reformierten Rechtschreibung einsenden könnten...

Lesen Sie auch "Was ist Philosophie? - Teil 1"und Teil 2