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Was ist sie?
- die Philosophie?

Leserinnen und Leser beant- worten die Fragen: "Was bedeutet für Sie Philosophie?" und "Welche Fragen sollte die Philosophie beantworten?"
Herzlichen Dank allen Einsendern!

Lesen Sie auch die neueren "Antworten - Teil 2"!
     

1. Die Beschäftigung mit dem Menschen, seiner Natur, seinen Zwängen und Möglichkeiten. Dies erfordert nicht unbedingt das Studium der sog. Philosophen. Mit denen kann man sich natuerlich auch beschäftigen um das eigene Denken mit fremdem, zum Teil historischem zu vergleichen. Philosophie hat mit allem zu tun, das heißt sie reicht in jede andere Wissenschaft mit hinein.
2. Solche, die mit Ethik (oder Moral) zu tun haben. Allgemein, d.h. in welchem Verhältnis steht das Individuum zu seinen Mitmenschen bzw. Organen der Gemeinschaft (Staat) und speziell, z.B. bei der Definition von Grenzen von Wissenschaft und Technik. Daher ist Philosophie zwangsläufig mit anderen Disziplinen verbunden.

Lutz.Beuershausen
- Homepage



"Was bedeutet für Sie / Dich Philosophie?" Philosophie ist die Suche nach Fragen, die die Wissenschaft nicht - oder nicht befriedigend - beantworten kann. (2 x die). "Welche Fragen sollte die Philosophie beantworten?" Naja, halt die, die die Wissenschaft nicht - oder nicht befriedigend - beantworten kann. (3 x die!)

Oliver Seyffert
- Homepage

Rückfrage von C.K.: "Nur spaßeshalber: also bleibt der Philosophie immer weniger Thema übrig, je mehr die Wissenschaft "erklären" kann? ;-)
Antwort: "Ne, eben nicht... mit jedem Geheimnis, daß die Wissenschaft enträtselt (oder zu enträtseln glaubt), werden zwei neue Geheimnisse offenbart." Ciao, Oliver

über Fragen der Gründe des Menschseins und des Lebens mit seinen Verknüpfungen nachzudenken ohne den Anspruch zu hegen, entdgültige Antworten erreichen zu können, dennoch nicht aufzugeben; das heißt aus dem Vertrauen in die individuelle und kollektive (Geistes-) Evolution die Energie für Zweifel und Dialog zu schöpfen.
Die Philosophie kreist um die Antinomien, Paradoxien des Menschseins, d.h. sie hat immer dann ihren Platz, wenn wir Antworten geben - explizit oder implizit - und währenddessen oder später, vielleicht viel später verharren ... zweifeln.

Richard Pircher
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Philosophie heißt für mich, auch dann nach der Wahrheit zu fragen, wenn keine AntWORTEn zu erwarten sind. Worte können niemals die absolute Wahrheit sagen - aber auch nie die reine Lüge sein ...
Welche Fragen sollte die Philosophie beantworten? Wer oder Was sind Wir? Was oder Wer ist unser Weg?

Bernd Heinisch
- AHIMSA

Wo Du nicht lieben kannst sollst Du vorüber gehen (F.Nietzsche)

P.S.: Wem die (meist morgenländische Mystik) gar zu fremd erscheint, dem kann ich als Brücke das Studium der Quantenphysik nahe legen... Hier kann man sich auf ganz gewohntem rationalen Wege der Grenzen des Ratio bewußt werden und erkennen, daß die Welt 1. Ganz und 2. gar nicht "vernünftig" ist.

    Philosophie scheint sich heute nur schwer gegenüber den Wissenschaften behaupten zu können. Oft nimmt sie selbst Erkenntnisse und Strategien der Wissenschaften auf, um als Wissenschaft im universitären Kontext Anerkennung zu finden. Historische, naturwissenschaftliche, soziologische oder ästhetische Perspektiven lassen sich darum heute ständig bei philosophischen Darstellungen beobachten. Daß zwischen Philosophie und den Wissenschaften ein enger Konnex besteht, der auch nicht geleugnet werden darf, wird jeder Kundige aus der Geistesgeschichte erschließen können. Was aber ist heute das Spezifikum der Philosophie?

Alle Wissenschaften (vielleicht die Mathematik ausgenommen) bewegen sich in funktionalen Denkzusammenhängen, die sich aus ihrem Beobachteransatz und dem sich daraus ergebenden logischen System ergeben. Natürlich gibt es darin "Revolutionen", die ein neues Paradigma provozieren und erzeugen (vgl. Thomas S. Kuhn). Die Behauptung aber, daß allein die Erfahrung der Grenzen eines Paradigmas eine änderung des Denkens erzwingen würde, reicht als Erklärung nicht aus. Woraus erwächst denn der Impuls zum Neu-Denken?

Hier beginnt das, was wir Philosophie nennen können. Der Geist bezieht sich nicht nur auf sog. Objekte, sondern immer auch auf sich selbst. Wo die Differenzierung des Wissens sich im Ortlosen verliert, tritt eine Gegenbewegung ein, die der Geist aus sich auslöst: die Tendenz zur Integration des Wissens. In dieser Tendenz tritt die Kraft des Geistes in ihrer primären Bedeutung (als schaffender, kreativer Geist) hervor, der immer tätig ist (vgl. Aristoteles, De anima), sprengt den Rahmen des Wissens (oft durch Paradoxien) und schafft einen neuen. Neue Erkenntnisse tun sich auf (Intuition!) und eine neue Ordnung des Gedachten wird geschaffen. Dies ist die eine Sache, der Philosophie nachzugehen hat. Man könnte sie im Anschluß an Kant "Kritik des Denkens" nennen.

Die andere Sache ist das Bestreben des Geistes, zu sich selbst zu finden als dem Einen, in dem das Viele zum Guten gelangt (evtl. nach Platon). Dieser Weg verläuft nicht mehr in der Art des Diskursiven und Kritischen, sondern meint das Nachspüren der im Selbst fundierten und ihr Ziel findenden Lebendigkeit. Die Ausrichtung auf das Selbst, das jeder als Potenz in sich hat und um das er sich sorgen muß (Selbsterkenntnis als Selbstsorge, vgl. Sokrates) ist die heute dringendste Lebensaufgabe des Menschen, will er sich nicht in der unabsehbaren Differenzierung seines Wissens als Mensch selbst verlieren. Selbsterkenntnis ist eine Sache des überlebens des Menschen in seinem Sosein. Das Selbst als integrierende Kraft in lebenden Wesen ist der Höhepunkt der Evolution. Ob es wieder der Entropie anheimfällt, liegt am Denken. Darum: Philosophandum est!

Dr. Rudi Ott

   

Philosophie? Was sie für mich bedeutet? Ich würde so sagen: Philosophie (Weisheit lieben), ist nichts, was irgendwie wichtig ist, aber dennoch in uns allgegenwärtig. Man bezeichnet mich ab und an als Grübler, auch eine Form von Philosophie. Aber hilft uns das weiter?
Und welche Fragen soll sie beantworten? Keine! Wozu auch?

Klaus Schulz
- Homepage

"Philosophie ist die Kunst, eine Sache (Ereignis/ Gegenstand) nicht nur als das zu sehen, was sie auf den ersten Blick ist oder zu sein scheint, sondern sie so zu hinterfragen, dass eventuell vorhandene hintergründige Bedeutungen sichtbar werden."
So ähnlich seh ich das, ist nur etwas holperig formuliert, aber wer meine Homepage kennt, wundert sich darüber nicht.

Katrin, das Monsterle
- Homepage

    Wenn philosophische Gedanken mich zum Staunen bringen und ich für einige Zeit innehalten muß, weil mir bei der Lektüre einfällt, daß ein Nachdenken über Alltag, Gesellschaft und Welt meinen Horizont erweitern, dann hat Philosphie für mich ihren "Zweck" erfüllt.
Welche Fragen sollte die Philosophie beantworten?
Fragen, die sich um die menschliche Existenz drehen: Wer bin ich und was kann ich sein? Was ist Gewissen? Was ist Angst? Was bedingt die Dichotomie von Körper und Geist? Fragen der gesellschaftlichen Zukunft und des individuellen und sozialen Handelns: Gibt es ein Recht auf bewaffneten Widerstand? Kann man soziales Engagement einfordern? Was machen die Technik und die neuen Medien mit uns?

Ralph Segert -Home

Gute Frage! Die Philosophie ist für mich ganz altmodisch: "Die Weisheitsliebe, die Wissenschaft, die sich mit der Ergründung der Zusammenhänge hinter den Erscheinungen beschäftigt" - Textor, Das Fremdworterlexikon.
Was sollte man da noch hinzufügen? Daß es mir hilft, mich von klügeren Menschen an die Hand nehmen zu lassen, daß es mich immer wieder freut, wenn meine Gedanken und Schlüsse sich wenig von denen derer unterscheiden, die schon jahrelang in Kreuzfeuer der öffentlichkeit überlebten?
Nächste Frage?
Welche Fragen sollte die Philosophie beantworten?
Alle!

Hanno Gardemann

    Ganz kurz ein paar Thesen von mir:
* Ich unterscheide für mich strikt zwischen Philosphie und Ethik. Dabei stellt Ethik die Frage nach dem ,Wie" unseres Lebens auf diesem Planeten. Philosophie dagegen fragt nach dem "Woher", "Wohin" und "Warum". Für mich wäre damit z. B. eine "Philosophie der Nächstenliebe" Ethik, während Platon auch im engeren Sinne Philosoph ist.
* Philosophie ist heute ohne Beachtung der Ergebnisse der Physik unmöglich.
* Mein Selbsterleben steht im Widerspruch zu den Ergebnissen der Physik! (Quantentheorie etc.) Ich folgere aus deren Ergebnissen: Ich bin nicht frei. Problem: Ich fühle mich frei. Frei nach Pascal argumentiere ich:
Es gibt zwei Möglichkeiten, erstens ich bin nicht frei. Komme ich dann für mich zum Schluß, ich sei frei, liege ich zwar falsch, aber ich kann nichts dafür. Halte ich mich für nicht frei, stimmt das zwar, aber ich konnte mich ja gar nicht anders entscheiden, also kein Pluspunkt.
Zweite Möglichkeit, ich bin in Wirklichkeit freier, als es die Quantentheorie zuläßt. Wenn ich nun zum Schluß komme, ich sei unfrei, irre ich mich! Also ist meine einzige Möglichkeit richtig zu handeln, mich für die Existenz meines freien Willens zu entscheiden!
Diese Frage behandelt, wie ich ausdrücklich betonen möchte, nur den physikalischen Standpunkt. Dabei gehe ich davon aus, daß unser Wille aus der Sicht der Physik (Wir sind dann sehr komplexe, sich selbstregulierende Systeme, biologische Roboter) nichts weiter ist als elektrischer Strom. Davon, ob dieser bildlich gesprochen nach rechts oder nach links fließt, hängt dann davon ab, ob ich ins Kino gehen will oder nicht. Im Groß der Fälle ist natürlich mein Wille nach vorhersehbar (ich gehe z. B. in der Regel nur am Kinotag), aber wenn die Entscheidung auf der Kippe steht, wird sie wohl tief unten auf Quantenebene fallen, was heißt objektiv (!) zufällig, so zumindest die phyikalische Theorie (vgl. die sogenannte Chaostheorie, Schmetterlingseffekt). Wir sind nicht, wie die Newtonschen Gesetze meinen lassen könnten, absolut determiniert, die ideale Billardkugel auf dem idealen Billardtisch, von der wir immer sagen können wo sie sich befinden wird, wenn wir nur wissen wo und wie sie sich jetzt bewegt. Wir sind aber auch nicht frei, eher wohl ein fallender Wüfel, der kann auf die Eins oder auf die Sechs fallen, aber selbst entscheiden kann er das nicht.

Aus diesem Widerspruch folgere ich nun, daß neben dem (so eben falschen) Weltbild der Physik Platz und Raum ist für andere Dinge, Dinge, von denen uns unsere Schulweisheit nicht zu träumen erlaubt. Angesprochen auf parapsychologische Phänomene argumentiere ich, als Mathematik- und Physikstudent, also nur noch mit Erfahrungswerten und Wahrscheinlichkeiten. Mangelnde physikalische Erklärbarkeit ist für mich kein Argument mehr. Die Frage, wie dieser Raum zu füllen ist, muß wohl jeder für sich selbst entscheiden.

Daß ich in unserer Gesellschaft konditioniert und damit prinzipiell nie frei sein werde, bestreite ich nicht. (Auch möchte ich mich nicht auf Diskussionen darüber einlassen, daß ich ja nach dem obigen, wenn der Schluß so zwingend ist, wie ich behaupte, gar keine andere Wahl hatte, also doch unfrei bin.)

Volker Umpfenbach

   

die liebe zur sophie

der kalten sophie im mai
der sophie hagia in  istanbul/konstantinopel
der sophie scholl
der bulgarischen sophie

die wahrheit ist eine 
	(K.Jaspers)

die wahrheit ist eine
die ist eine wahrheit
die eine ist wahrheit
wahrheit die ist eine
wahrheit die eine ist
wahrheit ist die eine
wahrheit eine die ist
ist die wahrheit eine
ist eine die wahrheit
ist eine wahrheit die
ist wahrheit die eine
ist wahrheit eine die
eine die wahrheit ist
eine wahrheit die ist
eine wahrheit ist die
eine ist die wahrheit
eine ist wahrheit die

die wahrheit ist eine
die eine wahrheit ist
ist die wahrheit eine
wahrheit die eine ist
was war das noch ? 
	(S.Holzbauer)


Siegfried Holzbauer
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    Eilige Depesche an Wolter

Es gibt alles. Nur kein lebbares Präsens. Wenn aber doch, dann unergriffen und unbegreifbar. Und da fragen Sie mich noch nach der Mitte des Lebens. Das kann nicht Ihr Ernst sein. Das kann bestenfalls Ihr blutiger Ernst sein. Das eben ist ja das Leben, daß es nie ist, sondern immer nur war, sein und gewesen sein wird.
Leben, mit Bedeutsamkeit erheischendem großem L vor dem kleinen "eben" - in dem sich das Plane und Platte ebenso breitmacht, wie die Vertikale des Immerzufrüh und Immerzuspät sich hoch- und querstellt - ist nichts als ein Schreib- und Denkfehler für "leben". Ein Verschreiber, der kreißte und einen Mythos gebar. Einen Mythos von bodenloser Tragfähigkeit. Dem nachdenkend, enträtselt sich Leben als Schwingung und Schweben. Aber die Häuser? Sie schwingen mit. Steh'n auf der Kippe felsgewordener Klänge, auf Simsen bizarr über dem Abgrund hängender Cluster. Dennoch kennen auch die Klänge kein Präsens. Sie überspannen es. Glaube ich das? Vielleicht ja. Höre ich das? Kaum. Lebe ich das? Unmöglich. Ich vergehe in ihm, resonant und räsonnierend. Wenn ich übermorgen gewesen sein werde, war gerade heute die Mitte. "Erst einen Tag vor dem letzten", schrieb ich, "stehen wir in der Hälfte unseres Lebens". Und was tat ich? Ich schicke ebendiese Depesche schleunigst in die womöglich lichte Vergangenheit Ihres - hoffentlich - baldigen von Ihnen Empfangenwordenseins.

Juergen Rennert,
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    Was Philosophie für mich ist/bedeutet?
Zu dem Begriff "Philosophie" fallen mir persönlich eigentlich spontan große Denker ein , die ich bewundere (wohl die meisten), aber auch verachte, ob ihrer Theorien und Gedankensätze. Hegel, Weber, Arendt, Hobbes, Kant sind Namen die ich durchstudierte, wenn auch nicht nicht in aller Ausführlichkeit. Oft mit langen Fingern und Unwollen, aber einige bleiben hängen, nicht zuletzt wegen ihrer Unverständlichkeit, bzw. der anderen Codierung. Und wenn es einige Texte, eben der Unverständlichkeit wegen, schaffen, nocheinmal und besser vorbereitet gelesen zu werden, ist viel erreicht.
Und so schließe ich mit meinem Lieblingszitat für alle Künstler, Kreative und sonstwie nette Menschen:

"Der Kunstgegenstand - ebenso jedes andere Produkt - schafft ein kunstsinniges und schönheitsgenuß- fähiges Publikum. Die Produktion produziert daher nicht nur einen Gegenstand fuer das Subjekt, sondern auch ein Subjekt fuer den Gegenstand."
Karl Marx

Sascha Greinke

    Ich halte beide Fragen für nicht beantwortbar, denn es fehlt jedweder überzeugende Beweis, daß es "Philosophie" gibt geschweige denn, daß "sie/er/es/?" Antworten geben kann. Als radikaler Konstruktivist gibt es für mich nur Menschen, die Philosophie betreiben, aber auch das ist wohl letztlich nicht so sicher, wie es uns scheinen mag! Ob diese Menschen, die man nun "Philosophen" nennen mag, auch Fragen beantworten, das kann wieder nur jeder für sich beantworten.

Werner Stangl
- Homepage




Philosophie ist die Erkenntnis, daß es keine Wahrheit gibt. Es gibt nur den Glauben den wir in uns tragen und in dem wir hoffen Frieden zu finden. Die Philosophie ist der Weg zu unserem Glauben.

Robert Bielig

   Das Unbedingte gibt es, und das Leben wird davon getragen. Doch wer im entscheidenden Augenblick, in verzwackter Lage, in einer schillernden Situation unbedingt nach irgendwelchen Prinzipien urteilen und handeln zu müssen vermeint, der ist der wahre Widersacher des Lebens. Denn das Unbedingte gibt es, aber das Leben kann sich nur davon tragen lassen.

Tragik ist, die gewöhnlichen Freuden des Lebens versäumt zuhaben, und die hohen Wunder, die jenseits davon zu liegen versprachen, nicht erreicht zu haben.

Unsere Begierden sind immer schwieriger zu befriedigen, weil wir den Begierden etwas verhältnismäßig Menschliches genommen haben, nämlich die Plumpheit, und sie durch etwas Unmenschliches ersetzt haben, nämlich durch Maßlosigkeit.

Seligkeit ist das Eschaton der Seele. Die Frage ist aber, ob sie davon ausgehen oder dahin kommen muß.

Stefan Münz