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Mitten im Matsch: Ätsch! Eine Blume. Rein und scharf - zaubert Erwachen.
Zwei Augen schauen dich an
20. Januar, 2002

Textschnipsel am Sonntag

Was mich ärgert:
Da will eine Hausgemeinschaft eine Genossenschaft gründen und ihr Haus der Wohnungsbaugesellschaft abkaufen. Sowas macht Arbeit, braucht Engagement - selbst dann, wenn das "Kaufen" an sich kein Problem ist. Man muß vielleicht auch mal ein paar Briefe schreiben und Papiere kopieren - wer zahlt dann aber das Porto und die Kopien? Schwierige Frage, denn gleich melden sich ein paar Mieter, die NICHT Genossenschafter werden wollen, und meinen: "WIR wollen aber die Copy-Kosten NICHT mitbezahlen!" Ihr kleinkarierter Geiz möge ihnen im Halse stecken bleiben! Dumm wie Bohnenstroh sind sie ja schon, denn jeder, der mitdenkt, kann sich leicht ausrechnen, dass die Bedingungen auch für Kaufunwillige besser sind, wenn ihre Wohnung nicht von einem Privatinvestor übernommen wird.

Was mich freut:
Matti! Ein wunderbares Kind, drei Monate alt, hat gestern stundenlang mit mir geflirtet. Dieses unglaublich interessierte Gucken, man kommt sich vor, als sei man ein Karussell oder sonst etwas ganz Spektakuläres. Ein schöner Besuch bei alten Freunden, die gerade Eltern geworden sind. Nicht ganz leicht in einer Welt, in der wirklich jeder der Mutter gute Ratschläge gibt, wie und was und warum dies oder jenes so und nicht anders zu tun sei. Auch Kinderlose halten da nicht an sich: "Kinder machen blöd", sagte jemand zu C., der jungen Mutter, die gerade ihre Doktorarbeit in Philosophie schreibt. Ich hätte geantwortet: lieber blöd als ausgestorben!
In Wahrheit ist es umgekehrt: Matti hat uns davor bewahrt, dass unser Gespräch in allzu große Blödheiten abgleiten konnte, wie es immer dann geschieht, wenn man nur noch sich und die eigene Meinung immer verbissener vertritt. Das ging gestern nicht, Matti war ja da - und hat gelächelt, gewunken, uns mit großen Augen "bewundert" - da kann man einfach kein Idiot sein! :-)

Was ich heut' allen Schreibenden empfehle:
Auf nach außenfernsehn.de schreibt Dirk Schröder einen Literaturwettbewerb aus:
"Gesucht werden literarische Arbeiten zum Thema Leben mit Computer und Internet, "Netzleben." Grund für diese Themenvorgabe ist der Mangel an Belletristik, die sich mit solchen Dingen befasst. Gerade die im Usenet und im WWW publizierten Texte deutscher Schriftsteller haben mit dem Internet meist nichts am Hut, täglich am Computer sitzende Autoren erzählen unter Netizens Geschichten vom Pferd, vom Brief, vom Blümelein. Dabei fahren sie selbst Motorrad, schreiben E-Mails, grüßen per SMS. So soll es nicht weitergehen!"
Die Domain fernsehn.de kann man gewinnen und noch einige andere, ein bißchen Literatur-nähere Domains. Tolle Idee!

Was ich heut' Abend mache:
Peter Sloterdijks "Philosophisches Quartett" startet heute um 22.45 im ZDF. Zusammen mit Rüdiger Safranski wird er mehrere Folgen der neuen Sendereihe moderieren, immer mit zwei Gästen. Heute kommen Reinhold Messner und Friedrich Schorlemmer. Das Thema "Angst - Warum es keine Sicherheit gibt" wird die Runde beswchäftigen. Ich bin gespannt - und finde es einfach zum Kotzen, dass vorab allerlei Journalisten ihr Gift darüber ausschütten, dass die Veranstaltung in der neuen VW-Fabrik in Dresden stattfindet, welch große Sünde! Kaum je ein Wort zu Sloterdijk als Philosoph, allenfalls wird wieder die Mär von den "Züchtungsphantasien" kolportiert, das geht schnell, da braucht man nicht neu nachlesen. Und: In der Tonne soll er bleiben, der Philosoph, sich nur nicht auf dem Marktplatz herumtreiben, wie weiland Sokrates. Bei praktisch allen derartigen Verlautbarungen spüre ich den Neid auf die Sloterdijksche Sprachgewalt und "Medienkompatibilität" aus allen Poren triefen.

Claudia Klinger, 20.01.2002

Zwei Augen schauen dich an
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