Claudia am 23. Juni 2018 — 0 Kommentare

7 Medientipps: mal was Anderes….

Ausgewählt nach dem Motto: mal was Anderes als das, was grade aus 1000 Kanälen schallt. Mehr Kultur – und wenn doch Politik, dann tiefer schürfend, den Horizont erweiternd, kein bloßes Jammern und Klagen.

1.
Landflucht: Stinkt zum Himmel
Gestresste Großstädter wollen plötzlich alle mal runterkommen, Bäume umarmen oder Marmelade einkochen. Sie glauben, auf dem Land finde man sein Seelenheil. Viel Erfolg, wünscht Dorfkind Kathrin Hollmer.

Mitfühlen, Schmunzeln, Widerspruch – diese Brandrede eines „Dorfkinds“ kann vielerleich Gefühle auslösen. Mich hat er an meine persönliche „Flucht aufs Land“ erinnert – und daran, wie freudig ich nach zwei Jahren nach Berlin zurück kehrte. Ein kleines bisschen wehmütig, aber vor allem erleichtert!

2.
Sofrischsogut
Sofrischsogut: Soziale Medien und Aneignungsstrategien: Wie die Kunst ins Hintertreffen geraten ist
„Wo also die Aneignungsformen der Kunst zu Alltagspraktiken geworden sind, stellt sich aber auch die Frage, wie zeitgenössische Künstler wiederum auf Bilder aus den Sozialen Medien reagieren. Und es zeigt sich: Meistens nur mit den gleichen gängigen Aneignungsverfahren. Darin besteht eine gewisse Tragik: Die Kunst vermag nicht darauf zu antworten, dass man ihr ihre einschlägigen Techniken weggenommen hat.“

Insgesamt ein spannendes Blog, das mir auch deshalb gefällt, weil es nicht aussieht wie alle.

3.
Charlotte Roche: Schminkt euch das ab!
Warum glauben Frauen eigentlich, sie müssen sich in der Öffentlichkeit ständig schöner machen? In Wahrheit verlieren wir durch all die Fakes unser Selbstbewusstsein.
Diese Brandrede hätte ich zwar weniger provozierend geschrieben, doch inhaltlich teile ich ihre Sicht der Dinge immer schon. Allein die Lebenszeit, die für all das drauf geht! Bzw. gegangen wäre, wenn ich da mitgemacht hätte…

4.
Michael Kopatz: Erlöst endlich die Konsumenten!
Verhältnisse ändern Verhalten, nicht umgekehrt. Und: Oft geht es darum, etwas besser zu lassen, als es besser zu machen.

Endlich mal ein Artikel, der klare Perspektiven und Handlungsoptionen aufzeigt – und vor allem die Mär von den Verbrauchern beendet, die das alles angeblich so wollen.

5.
Alice Greschkow: Die Moral der Politik: Was Konservative Linken voraushaben
Zuerst die Intuition, dann die Logik!

Tief schürfender Blogartikel, der die Erkenntnisse aus dem Buch „The Righteous Mind – Why Good People are Divided by Politics and Religion” des US-amerikanischen Psychologen Jonathan Haidt berichtet und auf Deutschland bezieht. Es geht um Denk- und Fühl-Muster hinter den aktuellen Auseinandersetzungen und auch darum, warum viele von uns über andere denken „was ist bei denen nur schiefgelaufen?“

6.
Jennifer Doudna und Samuel Sternberg: Die Evolution selbst gestalten
Die CRISPR-Methode eröffnet umfangreiche Möglichkeiten, Gene – auch menschliche – zu modifizieren, wie die Pioniere dieses Verfahrens in der Einleitung ihres Buches „A Crack in Creation“ schildern.

Mich hat das Thema bisher vor allem im Blick auf Pflanzen berührt: Ein Teil der Crisper/Cas-Methoden fügt keine anderen/neuen Gene in Pflanzen ein, sondern kickt Bestandteile heraus – und durch die „Reparaturprozesse“ entstehen Mutationen, wie sie auch mittels klassischer Züchtungsverfahren angestoßen werden, um Pflanzen im Blick auf bestimmte Anforderungen (z.B. Resistenzen) zu verändern. Mit Crisper/Cas geht das viel schneller und unaufwendiger. Der Artikel handelt auch noch von viel weiter gehenden Möglichkeiten und fordert die gesellschaftliche Debatte. Mit schlichtem „Igitt, Gentechnik nein danke!“ ist das Thema wahrlich nicht abzuhaken!

7.
DOKU / ZDF-info: Damals nach dem Krieg, Teil 2: Hunger und Hoffnung
Es mangelt an allem in Nachkriegsdeutschland. Das, was man auf Lebensmittelkarten bekommt, reicht nicht zum Leben und nicht zum Sterben. Die heimliche Währung sind Zigaretten.
Wer noch nie solche Dokus über die Zeit direkt nach dem 2.Weltkrieg geschaut hat, sollte natürlich alle vier Folgen ansehen. Ob es solche Menschen in DE aber überhaupt gibt, weiß ich nicht. Selbst hatte ich jedenfalls das Gefühl, schon alles x-mal gesehen zu haben und gewiss nicht nochmal hinschauen zu müssen. Dennoch bin ich dran hängen geblieben und empfehle Teil 2 allen, die sich fragen, warum nicht nur viele Politiker/innen in DE so verdammt „transatlantisch“ agieren – trotz Trump, trotz all der Schandtaten der USA, die wir aus den letzten Jahrzahnten kennen. Das ist NICHT Thema des Films, doch zeigt er das unterschiedliche Verhalten der Alliierten, sowohl im Kontakt mit der Bevölkerung als auch politisch – sehr interessant! Man versteht dann wieder besser, warum wir uns insgesamt so schlecht davon lösen können, die Amis als „Freunde“ zu sehen.

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