Claudia am 27. Januar 2017 — 9 Kommentare

Abnehmen: Perfektionismus verhindert den Erfolg

Gewicht und KalorienDass ich heute nur noch 73 Kilo wiege statt 86 wie noch im letzten Mai, verdanke ich dem Buch „Fettlogik überwinden“ von Nadja Hermann (Erzählmirnix). Gerade WEIL es kein Diätratgeber ist, sondern ganz im Gegenteil vielerlei gängige Theorien und Tipps zum Thema Abnehmen nachvollziehbar (!) in der Luft zerreisst, hat es diese Wirkung. Ein AHA-Erlebnis folgt aufs Andere und befreit den Kopf von allem Ballast, der daran hindert, endlich mal erfolgreich Gewicht zu verlieren.

Das Geheimnis: den EIGENEN Weg finden!

Ab und an lese ich neue Rezensionen dazu auf Amazon, die mir erneut klar machen, WAS ES IST, das dieses Buch so erfolgreich macht. Realitätsferne Erklärungen für hartnäckiges Fett-Bleiben wie etwa der „Hungerstoffwechsel“ gehen mit der Lektüre den Bach runter, doch sind solche Klopper lange nicht alles. Das Wesentliche war für mich – und offensichtlich für ganz viele Andere – die Erkenntnis, dass nichts, aber auch gar nichts mich verpflichtet, nur auf eine ganz bestimmte Art abzunehmen, die irgendwelche Autoren oder Institutionen als die einzig richtige Ernährungsweise ansehen.

Morgens wie ein Kaiser, mittags wie ein König, abends wie ein Bettelmann“ – mich hat diese „Weisheit“ bei verschiedenen Abnehmversuchen dazu verführt, partout zu frühstücken, obwohl mir das gar nicht liegt. Was dazu führte, dass „weniger essen“ noch schwerer wurde, denn den Rest des Tages hatte ich nicht etwa weniger Appetit!

Ähnlich ging es Vanessa, die zum Thema „nie nach 18 Uhr“ auf Amazon schrieb:

Kritiker des Buches merken an, dass es auch an der Psyche liegen kann, dass man nicht die Kraft hat abzunehmen. Nun bin ich keine komplett kontrollose Binge-Eaterin, aber ich liebe, wohl im Gegensatz zu den meisten, das Völlegefühl. Es beruhigt mich irgendwie und macht mich angenehm müde, wie ein frischgesäugtes Baby. Regelmäßiges Überessen um dieses Gefühl zu erlangen, besonders am Abend, ist also die Hauptursache für mein Übergewicht gewesen. Daran konnte ich -zonkgeräusch- auch noch nichts ändern, aber durch die gedankliche Freiheit die Kalorien nicht über den Tag verteilen zu müssen, habe ich ein Workaround gefunden: Ich esse jetzt einfach 60-70% der Kalorien abends, ja sogar nach 18 Uhr (!!11!1), und kann so satt und zufrieden ins Bett. Und so trickse ich mich mit vielen Sachen inzwischen völlig schamlos aus. Mit all dem >Wenn du abnehmen willst, muss deinene Ernährung makellos und regelmäßig sein<-Gedöns bin ich nicht weiter gekommen.

Der letzte Satz bringt es auf den Punkt! Viele, die sehr motiviert das Abnehmvorhaben starten, haben durchaus begriffen, dass klassische Diäten nichts bringen. Schließlich dröhnt diese Weisheit seit Jahren aus allen Kanälen: man soll statt dessen die Ernährung dauerhaft umstellen, sonst schlägt der JoJo-Effekt zu. (Der auch nur eine Fettlogik ist, weil kein besonderer „Effekt“, sondern natürliche Folge der Rückkehr zum „normalen“, sprich übermäßigen Essen.).

Verirrt auf dem Weg zur gesunden Ernährung

Gemüse

Aber WIE umstellen? Da lauern dann die 1001 Ratschläge, wie eine GESUNDE Ernährug aussehen sollte. Widersprüchliche Tipps, in denen man sich leicht verläuft und versucht, möglichst vielen davon gerecht zu werden:

  • 5 am Tag,
  • nicht spät abends oder gar nachts,
  • viel Gemüse, viel gesundes Obst,
  • viele kleine Mahlzeiten
  • nur dreimal essen, nichts dazwischen
  • LowCarb, NoCarb, LowFat, Clean Eating…

und so weiter. Bei alledem, was da so empfohlen wird, wundert es nicht, dass das Wichtigste und einzig wirklich Erfolgversprechende aus dem Blick gerät: Weniger Kalorien zu sich nehmen als man verbraucht! Aber selbst wer das noch im Hinterkopf behält: der Umstellungsaufwand wird durch den gleichzeitigen Versuch, alles in Sachen Ernährung RICHTIG zu machen, insgesamt so groß, dass das Scheitern fast programmiert ist. Vielleicht schafft man kurzzeitig ein paar Kilo, aber dann rebelliert die innere Schweinehündin: was, nie wieder Pizza? Keine Schokolade mehr? Und morgends diese nervige Müsli & Obst-Mampferei? NICHT MIT MIR!

Ständig laufen bei Amazon neue begeisterte Berichte darüber ein, wie sehr es doch geholfen hat, nicht nur die Fettlogiken aus dem Kopf zu bekommen, sondern sich gleichzeitig auch frei zu machen von all diesen Forderungen und Ansprüchen. Einfach erstmal abnehmen, und zwar so, wie man es selbst am besten schafft – diese Freiheit wieder zu gewinnen, ist Gold wert! Nadjas Buch hilft dabei so zuverlässig wie ein Presslufthammer verlässlich dicke Betondecken aufbricht. Allerdings nur, wenn man auch bereit ist, das eigene Verhalten ehrlich zu reflektieren. Wer nur wieder eine Bestätigung sucht, warum im eigenen Fall das Abnehmen gar nicht klappen kann, wird sich über die Zumutung von soviel Selbstkritik nur ärgern und es vermutlich nicht mal zu Ende lesen.

Alles essen, trotzdem abnehmen

Ich konnte erst abnehmen, nachdem ich mir erlaubt hatte, alle anderen Erkenntnisse und Meinungen übers gesunde, angesagte, einzig richtige Essen zu ignorieren. Natürlich lebe ich nicht von klassischen Dickmachern, aber wenn es mich extrem nach etwas Derartigem verlangt, plane ich das halt ein und gleiche es an anderer Stelle wieder aus. Anything goes, Heureka!

Die nach der Lektüre von „Fettlogik überwinden“ verlorenen Kilos müssen sich mittlerweile zu einem ordentlichen Rodelberg auftürmen, wenn man mal all diese Berichte zusammen addiert. Schon erstaunlich, wie eine ganze Industrie von Ernährungsberatern, Diätassistenten, Fitness-Journalisten und Ratgeber-Autoren es offenbar geschafft hat, die Leute regelrecht vom Abnehmen ABZUHALTEN. Und jetzt: auf einmal klappts!

Verdienter Werbelink zur Buchseite bei Amazon:

Dort finden sich auch alle Leserrezensionen. Aktuell mit folgenden Bewertungen:

***** 406
**** 23
*** 9
** 9
* 27

Diskussion

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9 Kommentare zu „Abnehmen: Perfektionismus verhindert den Erfolg“.

  1. @Claudia, ich habe auch meinen eigenen Weg gefunden und darüber auch geschrieben:
    https://kopfundgestalt.com/2017/01/06/konsequenz-nicht-zwang/

    Bis dato hat sich daran nichts verändert.

  2. Ich kann nur bestätigen, dass das Körpergewicht halten bedeutet: Die gegessenen Kalorien sind gleich den verbrauchten Kalorien. Was man wann isst, ist auch nach meinen Erfahrungen egal, alleine die Kaloriensumme ist entscheidend.

    Abnehmen heißt, weniger zu essen, als der Körper verbraucht. Die beworbenen Diäten haben wohl so viel Erfolg, weil sie versprechen, dass der Verzicht auf Kalorien nicht Hungern bedeutet (sondern Spaß und hohe Sättigung), aber genau das ist der Fall.

    Schwieriger ist, nach dem Abnehmen über viele Jahre das Gewicht zu halten. Wie Essen die Psyche stabilisiert, ist enorm, ebenso wie die Psyche das Hungergefühl beeinflusst. Für mich ist „zu früher“ Hunger nach einer ausgiebigen Mahlzeit ein guter „Stressindikator“ bzw. „Unruheindikator“.

    Was wir essen, ist nicht egal: Erhält der Körper nicht ausreichend Nährstoffe wie Vitamine, schadet das auf die Dauer. Extrembeispiel: Deckung des Kalorienbedarfs alleine durch Schokolade oder weniger extrem: Nur Fertiggerichte essen mit vielen Chemikalien wie Haltbarkeitsverlängerer, Färbemittel für’s bessere Aussehen, viel Salz, Zucker und Geschmacksverstärker.

  3. Bei mir erstreckte sich der Perfektionismus auch immer auf den ganzen Batzen, den ich abnehmen wollte, so dass ich die kleinen Etappen nicht wertschätzte und wie Versagen empfand: https://annesch.wordpress.com/2016/11/01/meine-fettlogik-ii/

  4. @Gerhard: vor allem die langfristige Durchhaltekraft in Sachen Bewegung bewundere ich!

    @Elmar: also ich hab meine Kilos ohne hungern abgenommen. Eiweislastig gegessen, insgesamt weniger – der Magen schrumpft dann ja auch und das Völlegefühl setzt früher ein. Und natürlich ist nicht egal, was wir essen – aber man kann schon mal ne Zeit „abnehmen“ als Priorität ansehen und nicht gleich versuchen, sämtliche „Gesund-Vorschriften“ auch noch umzusetzen.

    @Annesch: immerhin hast du dich dann doch sehr mit den kleinen Schritten befasst und bist der Faulheit der Waage auf die Spur gekommen! Interessant!

  5. @Claudia, ich war ja eigentlich immer ein Bewegungsmensch. Als 30-Jähriger definierte ich mich genau so, damals aus purer Freude übers Joggen. Nur musste ich das recht bald wegen Gelenkbeschwerden aufgeben.
    Jetzt, im Zuge des Wunsches, mein Gewicht wieder auf eine vernünftige Basis herunterzuholen, erlebte ich, daß mir Spazierengehen, einfache Botengänge und ähnliches ebensolche Freude bereiten. Es muß kein Sport sein. Bewegung lässt sich auch einfacher herstellen.
    Bewegung macht mir auch deswegen Freude, weil ich durch das geringere Gewicht und der Übung mich viel elastischer und beweglicher fühle, was ja ein positives Erlebnis für sich ist.

    Ich stelle auch in Deinem Blogeintrag fest, daß Du viel mehr zu einem Thema schreibst als ich, oft weit ausholst. Ich mache das bei meinen Sachen nicht und dafür kann ich einige „gute“ Gründe anführen, die aber durchaus auch nicht die wahren sein können. Jedenfalls werde ich in dem einen oder anderen Fall mal auch mehr schreiben.

  6. Ich bin was die Abnahme angeht verzweifelt. Seit 10 Jahren!
    Du schreibst mir von der Seele und deinen Artikel werde ich gerne in meinem Blog verlinken. Und mir dieses Buch kaufen. Danke!

  7. @Heiko: Mach das, es hat schon vielen wie dir den Kopf frei gemacht und dazu verholfen, einen erfolgreichen Neustart hinzulegen – und tatsächlich dauerhaft abzunehmen!

  8. […] einschätzte. Ich konzentriere mich dann lieber auf „gesünder leben“: besser essen, abnehmen, mehr […]

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